Tierversuche

Tierversuche 2014 in Österreich: eine Übersicht

Als ich an der Uni Tübingen mit einigen TierexperimentatorInnen bei einer Podiumsdiskussion zu Tierversuchen saß, meldete sich ein honoriger Professor zu Wort, fragte die Zuhörerschaft, ob sie oder ihre Verwandten diese oder jene Krankheit hätten und erklärte dann, dass ohne Tierversuche keine Aussicht auf Heilung bestünde. Der Eindruck wurde bewusst erweckt, dass es bei allen Tierversuchen nur um die menschliche Gesundheit ginge. Wie bei der Jagd wird in den Raum gestellt, dass man entweder für alle Tierversuche oder gegen alle sein müsse, pragmatische Reformen, das Infragestellen von gewissen Tierversuchszwecken, ist offenbar absurd.
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Tierversuche: die Crux mit der Grundlagenforschung

Naturwissenschaft ist eigentlich Philosophie, wenn sie sich der Frage widmet, was ist und wie es ist, welche Naturgesetze es gibt und wie sich die Realität dadurch gestaltet. Das war auch für mich immer die Faszination an der Naturwissenschaft, mit den Mitteln des kritischen Rationalismus die Welt um mich verstehen zu lernen. Naturwissenschaft mit einem konkreten Anwendungsziel ist Technik, und das empfinde ich als Vergewaltigung der hehren Wissenschaften. Ich bin also prädestiniert dafür, den Antrieb zur Grundlagenforschung nachvollziehen zu können. In meinen 12 Jahren als Forschungsassistent an verschiedenen Unis habe ich nichts anderes gemacht.
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Tierversuche müssen nun „veröffentlicht“ werden – ein erstes Resümee

Mit dem neuen Tierversuchsgesetz, das 2013 in Kraft getreten ist, wurde eine EU-Richtlinie von 2010 umgesetzt, die eine „Harmonisierung“ der Tierversuchsindustrie in der EU zum Ziel hatte. Es gibt vieles an dieser Richtlinie zu bemängeln, vor allem, dass sie keinem Land mehr erlaubt, strengere Tierschutzmaßstäbe anzulegen, als die Richtlinie vorsieht. Aber sie hat auch zumindest für Österreich einige Vorteile gebracht. So wurde die Definition von Tierversuchen sinnvoll erweitert – die erste Statistik auf dieser Basis wird vermutlich im Juni 2014 veröffentlicht –, die Experimente werden in Schweregrade des Leids der betroffenen Tiere eingeteilt und es gibt eine Veröffentlichungspflicht sogenannter „nichttechnischer Projektzusammenfassungen“. Letztere sind jetzt vollständig auf der Webseite des (ehemaligen) Wissenschaftsministeriums öffentlich einzusehen.
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Besuch bei den SchimpansInnen in ihrem Refugium Aiderbichl in Gänserndorf

P1000208kleinMit diesen Tieren verbindet mich eine lange Geschichte, mit den SchimpansInnen aus dem Tierversuchslabor in Orth an der Donau, damals Immuno, heute Baxter, die nun endlich in Gänserndorf ein Freigehege und ein halbwegs autonomes Leben geboten bekommen. Wir haben vor dem Labor demonstriert, wir haben mit Immuno gestritten, wir haben letztlich die Rehab zum Safaripark Gänserndorf begleitet, der 2004 in einem Bankrott endete, und wir haben für die seitdem gestrandeten SchimpansInnen neue GeldgeberInnen gesucht, weil wir uns als VGT beim besten Willen die Übernahme nicht leisten konnten. Endlich war ab 2010 Aiderbichl finanzstark genug, die SchimpansInnen zu übernehmen, 2011 wurden die Freigehege gebaut. Die Eröffnung ging medial um die ganze Welt, http://www.youtube.com/watch?v=QG6k2FRrm_s, die erste Begegnung mit der Natur ist unheimlich berührend: http://www.youtube.com/watch?v=VG7e1PSYXTc.

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Nach Erfolg im Tierversuch fallen 95% der Medikamente beim klinischen Test durch

8672976526_73ac68a3d8_okleinGerade bei den zahllosen Diskussionen über unser neues Tierversuchsgesetz wurde von Tierversuchsseite immer und immer wieder betont, wie wichtig doch die Experimente an Tieren seien, um in der medizinischen Forschung auch nur einen Schritt weiter zu kommen. Abgesehen davon, dass der Großteil an Tierversuchen nicht im Rahmen der medizinischen Forschung durchgeführt wird, ist auch diese Behauptung fragwürdig. Dazu gibt es einen neuen wissenschaftlichen Artikel von Thomas Hartung in ALTEX 30, 3/2013 und einen von Arrowsmith, J., 2012 in Nat Rev Drug Discov 11, 17-18. Das Ergebnis: 95% der neuen Medikamente, die nach Tierversuchen entwickelt wurden, werden nach klinischen Versuchen an Menschen ausgesondert und kommen nie auf den Markt. In 30-40% der Fälle ist das auf toxische Nebenwirkungen zurückzuführen, die an den Versuchstieren nicht zu beobachten waren. Hartung schließt: The animal tests are not sufficiently informative.

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Medizinische Versuche an Menschen: Resultate werden genutzt!

Die USA schon wieder. Zwischen 1920 und 1975 wurden mehrere 10.000 Soldaten der US-Armee für Versuche benutzt, bei denen es um Chemiewaffen und mögliche Schutzmaßnahmen bzw. Heilung von dadurch entstandenen Schäden ging. Die Soldaten hatten – aus Patriotismus, insbesondere in der nach 1945 aufgeheizten Stimmung des kalten Krieges und der gefühlten Bedrohung durch Kommunismus und Sowjetunion, die angeblich Chemiewaffen entwickelt hatte – freiwillig zugestimmt, sich als Versuchsobjekte benutzen zu lassen, allerdings ohne zu wissen, genau wofür. Das war nämlich ein Militärgeheimnis. Im Edgewood Arsenal Programm wurden zwischen 1958-1975 insgesamt 7800 Soldaten Kampfgasen wie VX (740 Testobjekte), Sarin (246 Testobjekte) und hunderten anderen Wirkstoffen ausgesetzt. Selbst die CIA durfte dort Drogen an Soldaten erproben, z.B. BZ und LSD.

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Xenotransplantation – eine erschreckende Vision

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Schweine als Ersatzteillager für Menschen?

Mitte der 1990er Jahre arbeitete ich an der Uni Cambridge in England als Universitätsassistent. Im nahen Addenbrookes Hospital wurden Tierversuche für die Transplantationsmedizin durchgeführt. Die neue heiße Story: Schweine wurden genetisch manipuliert, sodass sie menschliche Organe entwickeln, die dann in Menschen eingepflanzt werden sollten. Es war überall in den Medien, die neue, endgültige Lösung des Problems, dass zu wenige Spenderorgane zur Verfügung stehen. Menschen, die z.B. durch hohen Alkoholkonsum ihre Leber zerstören, sollen rasch und billig Ersatzteile bekommen. Wenn man Schweine schon isst, warum sie nicht auch als Organspender benutzen? Die Tiere selbst würden besser leben als jedes Schwein in der Massentierhaltung, wurde versprochen. Man wolle ja schließlich ein gesundes Organ transplantieren, kein in schlechter Haltung verdorbenes. Das ganze hieß Xenotransplantation.

Seitdem verfolgt mich diese Horrorvision von Lebewesen, die für die Herrenrasse als Ersatzteillager fungieren.

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Wendezeiten – Wendehälse

Yikes!Ich habe kürzlich wieder einmal die Mitschnitte beim Nürnberger Ärzteprozess gegen die TäterInnen der NS-Diktatur gehört. Dabei spricht Karl Brandt über einen Ärztekongress, an dem hunderte MedizinerInnen teilgenommen haben und an dem auch die Ergebnisse von medizinischen Versuchen an Menschen vorgestellt wurden. Über 320 MedizinerInnen des NS-Staates, so der Kommentar zu den Aufzeichnungen, hätten im Dritten Reich an Menschen Versuche durchgeführt, die allermeisten davon mit furchtbaren Qualen und tödlichem Ausgang verbunden, nicht viel anders als bei Tierversuchen heute. Niemand der ÄrztInnen stand auf, bei diesem Kongress, und beschwerte sich über die unethische Vorgangsweise. Niemand stellte kritische Fragen oder erkundigte sich, woher die Opfer stammten und wie es ihnen heute geht.

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Slowenische Abgeordnete zum Europaparlament bestätigt: EU-Richtlinie von Tierversuchsindustrie stark beeinflusst

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Mein Vortrag über Tierversuche und unser österreichisches Tierversuchsgesetz am Institut für Philosophie der Uni Ljubljana in Slowenien

Die letzten 2 Tage verbrachte ich in Slowenien. Dort hat man nämlich ein neues Tierschutzgesetz geschrieben und  sich dabei auch in einigen Dingen an Österreich orientiert, so gibt es ein absolutes Pelzfarmverbot und ein Verbot von Wildtieren im Zirkus, die beide in einigen Jahren in Kraft treten werden. Jetzt steht noch eine Reform des Tierversuchsgesetzes an, und auch da interessiert man sich erfreulicher Weise für die Situation bei uns. Deshalb wurde ich eingeladen, mit dem zuständigen Minister über die Idee von Kriterienkatalogen zu sprechen, doch leider hatte er in letzter Sekunde keine Zeit und musste absagen. Das Treffen soll in den nächsten Wochen nachgeholt werden.

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