Tierschützer Hubert Hirscher ist gestorben!

huberthirscherSeltsam, diese Serie von Todesfällen in der Tierschutzszene in Österreich! Oder kommt mir das nur so häufig vor, aber in Wirklichkeit gibt es mittlerweile so viele TierschützerInnen hierzulande, dass diese Todesrate dem Durchschnitt entspricht? Ob Durchschnitt oder nicht, jedes Mal bricht einem das Herz! Vor mehr als 10 Jahren starb Herta, eine Langzeitaktivistin des VGT, an Krebs, einiges darauf Michl, Gründer und Sprecher der Internationalen Vegetarischen Initiative, an Gehirnblutung, dann letztes Jahr Georg, Vater von 2 veganen Kindern und seit langem Unterstützer vieler Tierschutzaktionen in Salzburg, an einem Autounfall, kurze Zeit später Andrea, seit 17 Jahren im Tierschutz aktiv, bei einem Unfall in einem Gnadenhof in OÖ, und nun Ende Dezember 2013 Hubert Hirscher.

Ich war in den Bergen unterwegs und habe daher erst jetzt von seiner Krankheit und seinem Tod erfahren. Und es trifft mich ins Herz. Ich kannte Hubert seit sicher mehr als 15 Jahren, wenn auch nicht sehr gut. Im Tierschutz sind wir uns oft über den Weg gelaufen, hielten bei Zirkusdemos dasselbe Transparent, oder stoppten gemeinsam mit vielen anderen AktivistInnen einen Tiertransporter. Seine Wucht, seine Wut, seine Energie haben mich immer beeindruckt. Unermüdlich, wie er war, schien er kein Burn-out zu kennen. Für mich war er diesbezüglich beispielgebend.

Eigentlich war er Fernfahrer von Beruf. Da er aus diesem Milieu stammte, war ihm über Tierschutz zu theoretisieren und zu politisieren fremd. Während einige PC-WächterInnen alle attackieren, bloßstellen und ausgrenzen, die sich nicht an ihre formalen Regeln halten, selbst aber keine aktive Tierschutzarbeit leisten, war Hubert das genaue Gegenteil, mitten durch, durch die Wand, ohne Rücksicht auf Verluste und auf die Befindlichkeiten einzelner Menschen oder der gesamten Gesellschaft. Er war ein Macher, kein Quatscher. Einer, der auch um Mitternacht alleine einen Tiertransporter aufhielt, den Fahrer lautstark kritisierte und Anzeige erstattete. Einer, der mit LKW-Ladungen voll Hilfsgütern nach Tirana in Albanien aufbrach, weil die Straßentiere dort seine Hilfe brauchten. Im Internet findet man kaum seine Spuren, offenbar hat er nur sehr wenig geschrieben, lieber gehandelt. Doch er hat auch ein Buch veröffentlicht, Lordi & Co, über die tierlichen Kriegsopfer am Balkan, siehe http://www.tierarzt.at/tierarzt_empfiehlt.php.

Aufgrund seiner Erfahrungen als Fernfahrer waren Tiertransporte sein großes Tierschutzthema. Er gründete den Verein Animals-Help-Europa, um gegen diese Tierquälerei vorzugehen. Als wir einmal einen Tiertransporter mit 250 Schweinen vor dem Schlachthof in Graz stoppten, geriet meine damalige Partnerin zwischen die Vorderräder des Fahrzeugs, während dieses einfach weiter fuhr. Es war Hubert, der daraufhin mit aller Kraft auf die Scheiben des Führerhauses einschlug und den Fahrer mit seiner Wutattacke zum Stehen brachte, und so Schlimmeres verhindern konnte. Danach zeigte er mir, wie man am Anhänger den Bremsschlauch löst, sodass dessen Räder blockieren und der LKW nicht mehr weiterfahren kann.

Als ein Polizist vor 2 Jahren meinen Kollegen David Richter bei einer Jagdbeobachtung von hinten zu Boden schlug, rief Hubert diesen Mann an und sagte ihm offenbar in deutlichen Worten, was er von derartigen Gewalttaten gegen TierschützerInnen hielt. Die Polizei begann daraufhin gegen Hubert wegen Nötigung zu ermitteln und verhörte ihn auf der Polizeistation.

Als wir im Juni 2013 zu Selbstanzeigen wegen der Wiederauflage des Tierschutzprozesses aufriefen, war er einer der ersten, der dem Aufruf folgte und sich selbst anzeigte.

Immer wieder rief er mich an über die Jahre, meistens sehr aufgebracht, weil irgendwo eine Tierquälerei passiert war und niemand helfen wollte. Er konnte darüber so wütend werden, dass er alles Andere vergaß. Und ich denke, er hatte recht. Es mag Zeiten für lange Reden geben, aber es gibt auch die Zeit, in der man handeln muss, mit voller Wut im Bauch. Würde es im Tierschutz mehr Menschen seines Schlages geben, hätten viele der Verantwortlichen nichts zu lachen.

Seine Krebskrankheit war nur dem engeren Kreis bekannt, für mich starb er völlig unerwartet. Knapp vor seinem Tod noch hat er, wie mir seine Kollegin erzählt, meine Bücher bestellt und gelesen. Die Nachricht von seinem Ableben traf mich unerwartet und schmerzlich. Es gibt nur sehr wenige Männer seines Alters und seines Umfelds, die sich derart mit Leib und Seele für Tiere engagieren. Seine Wut war ehrlich – und hat jahrzehntelang angehalten. Erst ein bösartiger Krebs konnte ihn bremsen. Die zahllosen Tiere, denen er geholfen hat, und die vielen Menschen, die, wie ich, seinen Einsatz bewunderten, werden ihn sehr vermissen!

9 thoughts on “Tierschützer Hubert Hirscher ist gestorben!

  1. Martin Balluch says:

    In meinem Kommentar ging es um ganz bestimmte Personen, die Hubert Hirscher und einige derjenigen, die mit ihm kommunizierten, angriffen. Sie wissen, dass sie gemeint sind. Ich möchte aber nicht anlässlich des Todes einer Person alte Konflikte neu aufwärmen und insbesondere nicht öffentlich machen. Es hat schon einen Grund, wenn ich gewisse Kommentare nicht beantworte. Dieses Recht nehme ich mir heraus.

  2. @natalie, deine Antwort hilft mir nicht weiter. Der Herr Hirscher war ein echter Tierschützer. Er hat sich direkt engagiert. Er hat sein Leben voll und ganz armen Tieren gewidmet. Sicher ein Ausnahmefall, denn wer hält schon einfach so einen LKW auf. Ich hoffe – so nebenbei gesagt – der LKW Fahrer wurde auch verklagt. (siehe: Als wir einmal einen Tiertransporter mit 250 Schweinen vor dem Schlachthof in Graz stoppten, geriet meine damalige Partnerin zwischen die Vorderräder des Fahrzeugs, während dieses einfach weiter fuhr. Es war Hubert, der daraufhin mit aller Kraft auf die Scheiben des Führerhauses einschlug und den Fahrer mit seiner Wutattacke zum Stehen brachte, und so Schlimmeres verhindern konnte.) Das ist ja ein Mordversuch. Wo waren da die Überwacher? Haben sie einfach zugesehen und brav protokolliert, oder hatten sie da schon Dienstschluß)

    Es gibt auch andere Menschen die sich für Tiere selbstlos einsetzen, aber niemand kennt sie, weil sie es ganz privat und alleine tun. Was dieser eine Satz aber eigentlich ausdrücken wollte – so habe ich das jedenfalls verstanden – bezog sich auf die nicht „aktive als Tierschützer“ tätigen Leute, die im Internet ihre Meinung sagen. Da hätte ich gerne gewusst wie man den einen Satz: “Während einige PC-WächterInnen alle attackieren, bloßstellen und ausgrenzen, die sich nicht an ihre formalen Regeln halten, selbst aber keine aktive Tierschutzarbeit leisten” verstehen soll. Was sind deren „formale Regeln“ beispielsweise. Ein Philosoph kann solche Behauptungen nicht einfach in den Raum stellen ohne konkret zu erklären wenn man ihn fragt was er meint. Das kann ein Politiker machen, der mit allerlei Untergriffen seine Position festigen möchte.

    Nicht jeder kann sein Leben dem Tierschutz widmen. Gründe dafür gibt es viele. Ich könnte das z.B. nicht – aus verschiedenen Gründen. Deshalb würde ich mich auch nicht als „Tierschützerin“ bezeichnen. Aber wo genau endet der „aktive“ Tierschutz. Was würden die „aktiven“ Tierschützer denn ohne diejenigen erreichen von denen sie unterstützt werden? Wenn keiner ihre Petitionen unterschreibt, niemand spendet, keiner Briefe an Politiker verschickt und was sonst noch alles von den nicht „aktiv tierschützerischen Menschen“ am PC getan wird, wenn keiner mehr über Tierschutz diskutieren würde – wo bliebe denn dann der „aktive“ Tierschutz? Man sollte nicht so herablassend tun. Oder man muss begründen wen und was man konkret meint.
    Wenn man sich ungerecht behandelt fühlt, egal von wem, sollte man das auch offen sagen. Andeutungen helfen niemanden, sie führen eher zu Missverständnissen.

    Der Herr Hirscher hat niemanden gebraucht, er hat getan was er für notwendig hielt. Die meisten anderen aktiven Tierschützer brauchen die „normale“ Bevölkerung um ihre Ziele zu erreichen. Denn offen gesagt was nützt es, wenn man einen Transporter aufhält und hunderte andere fahren inzwischen unbehelligt vorbei. Ohne den Druck der Öffentlichkeit sind solche Aktionen nur Tropfen auf einen heißen Stein. Man sollte sich nur nicht der Illusion hingeben, man würden die Öffentlichkeit beeinflussen. Vielmehr ist es so, dass aktive Tierschützer zwar informieren, diesen von ihnen informierten Menschen aber einfach nur eine Stimme geben. Viele Menschen wollen keine Tierquälerei. Sie haben davon nur einfach keine Kenntnis. Was Tieren angetan wird ist ja in den meisten Fällen so ungeheuerlich, dass man oft gar nicht glauben kann, dass es wirklich wahr ist.

    Sobald Tierschützer sich in irgendeiner Weise unverständlich verhalten, sodass diese Öffentlichkeit sich mit ihnen nicht mehr identifizieren kann, werden sie alleine dastehen. Das ist ein schmaler Grat. Das ist auch die schärfste Waffe der Tierquälerlobby und der diversen Polizei- und Geheimdienstmitarbeiter. Desinformation. Man sollte deshalb genau unterscheiden ob jemand berechtigte und vielleicht sogar konstruktive Kritik übt, oder ob er Schaden anrichten möchte und wenn ja – warum?

  3. Stankovic Elfi says:

    Wir standen ihm in seinen letzten Stunden seines Daseins zur Seite und wir erinnerten uns über unsere gemeinsamen Aktionen was den Tierschutz betrifft, über meine 95jährige Großmutter,die er in regelmäßigen Abständen besuchte und die er über alles liebte! Als ich mich über ihn beugte und über den Hund meiner Tochter ,einen Pit Bull,den sie von Hubert bekam sprach, hielt er schmerzverzerrt meine Hand und eine Träne lief über sein Gesicht ! Er zeigte auch in seinem Todeskampf noch sein wahres Herz für die Tierwelt. Hubert war ein großer Kämpfer und ein großer Tierfreund ! Wir werden ihn sehr vermissen!!! Elfi und Gerhard

  4. natalie says:

    @susanne: gemeint sind vermutlich all jene die im Internet große Reden schwingen und damit hin und wieder über die Stränge schlagen, selbst aber nicht aktiv im Tierschutz tätig sind. Ganz im Gegensatz zu Hubert Hirscher, der in der virtuellen Welt nicht so stark präsent war, dafür aber aktiven und tatkräftigen Tierschutz im richtigen Leben betrieb.—Auch ich kannte ihn nicht persönlich, bin mir aber sicher, dass er ein ganz großartiger Mensch war, der sein Leben gelebt und Großes geleistet hat. RIP

  5. Allen Betroffenen mein Beileid!

    Weiter möchte ich darauf nicht eingehen, weil ich den Herrn Hirscher nicht kannte. Er scheint ein guter Mensch und auch ein mutiger Mann gewesen zu sein.

    Mir geht es um einen kleinen Satz in dem Artikel, den ich gerne erklärt haben möchte.

    „Während einige PC-WächterInnen alle attackieren, bloßstellen und ausgrenzen, die sich nicht an ihre formalen Regeln halten, selbst aber keine aktive Tierschutzarbeit leisten“

    Wer oder was wird hier konkret angesprochen?

    Nur weil jemand Tierschutz aktiv betreibt, muss er noch lange nicht im Recht sein, oder damit auch Gutes tun. Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut, (oder so ähnlich heißt das). Kritik muss erlaubt sein und ist auch wichtig. Also was ist nun konkret mit „… alle attackieren, bloßstellen und ausgrenzen“ gemeint? Tierschützer sind nicht per se „Heilige“ und als solche über den Dingen stehend. Auch sie machen Fehler die korrigiert werden sollten. Ungerechtfertigte Kritik ist wieder etwas anders. Aus dieser Andeutung ist nicht herauszulesen was genau gemeint ist.

  6. Elisabeth Kleinfercher says:

    Ich kenne den Hubert noch von den Tiertransportblockaden, ich mochte seine Energie, seine Ehrlichkeit und sein tatkräftiges Handeln.

  7. Gabi says:

    Er war einer der beherztesten Tierschützer, die ich kennenlernen durfte. Laut, polternd, voller Energie, aber immer nur für die Sache, den Tierschutz. Manchmal mit Tränen in den Augen wenn er ein gerettetes Tier an einen guten Platz abgab. R.I.P Hubert, die Lücke kann nicht geschlossen werden!

  8. bettina says:

    ein sehr trauriger bericht!

  9. Kurt Schmidinger says:

    RIP Hubert!

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