3. Dezember 2022

Wenn Jagdgatter verschwinden

Wenn man sich für Tierschutz engagiert bekommt man schnell den Eindruck, dass alles immer schlimmer wird. Immer mehr Menschen essen immer mehr Fleisch. Die Tierfabriken und die Schlachthöfe werden immer größer. Die Tierindustrie drängt auf Verschlechterungen, wie z.B. die Besatzdichtenerhöhung bei Puten (abgewehrt) oder die 10 % Regel (gelungen: alle Tierschutzmindestvorschriften z.B. für Platz pro Tier dürfen ungestraft um 10 % unterboten werden). Und die Überwachung wird schlimmer. Und die Jagdgatter werden immer mehr. Oder?

Gestern wanderte ich durch die Ringe im Hochschwab. Und am Eingang zum unteren Ring befand sich bis vor kurzem ein Jagdgatter mit zahllosen Hirschen. Ich glaube es gehörte jemandem aus der Flick-Dynastie. Dieses Gatter war nicht sehr alt. Als ich 1991 durch die Ringe ging war davon noch nichts zu sehen. Seit den späten 1990er Jahren war der Zugang zu den Ringen versperrt, man wurde weit um den Zaun geleitet. Der zuständige Jäger fuhr mit einem riesigen SUV überall herum und vertrieb alle Wanderer, die sich in die Nähe wagten. Ich hatte mehrere Auseinandersetzungen mit ihm. Jetzt ist er in Pension und das Gebiet wurde von Flick an die Gemeinde Wien abgetreten. Und siehe da, das Gatter ist verschwunden, siehe Foto oben! Wie wunderschön, wieder durch einen Wald zu gehen, der den Weg zurück zur Wildnis findet. Und trotzdem röhrte ein Hirsch irgendwo oben von der Zeller Staritzen herunter. Aber ein wilder Hirsch, keiner von den 200 Zahmen, die dort allein für den Jagdspass gemästet worden waren.

Vor 30 Jahren zog ich meine einsame Schispur das Bärental hinauf auf die Gingatzwiese und von dort auf die Hochveitsch. Kurz darauf war das Tal abgesperrt. Die Jagdgesellschaft hatte ein Wintergatter errichtet. Jetzt wurden für 9 Monate pro Jahr dort Hirsche und Mufflons gemästet, um große Trophäen abzugeben, wenn die Jagdsaison anbrach. Die SchitourengeherInnen mussten 200 Höhenmeter über den Hang ausweichen. Letzten Winter war das Gatter plötzlich verschoben und das Tal wieder frei. Leider wurde es nicht völlig aufgelassen, aber immerhin verkleinert und entfernt.

Im Schwaigtal ein ähnliches Bild. Durch diesen Anstieg zogen die SchitourengeherInnen auf den Ringkamp oder durch das Gschödererkar auf den Hochschwabgipfel. Vor 30 Jahren. Seit damals ist es gesperrt. Doch nicht mehr lange. Auch dort wird das Gatter abgebaut. Ich kann es kaum glauben, langsam verschwinden sie wieder, die Jagdgatter. Die Zeit ist reif. Unsere Kampagne kommt gerade zur rechten Zeit. Jetzt müssen alle Jagdgatter und mit ihnen überhaupt das Züchten und Aussetzen von Wildtieren zur Jagd verboten werden. Die Landesregierungen von der Steiermark, dem Burgenland, Wien und Tirol, also alle, mit denen ich bisher darüber gesprochen habe, zeigen dafür zumindest grundsätzlich Bereitschaft. Jetzt müssen wir sie zu praktischen Schritten drängen. Ich hoffe auf ein bundesweites Treffen und ein Verbot der Zucht von Tieren zu jagdlichen Zwecken nach Artikel 15 A der Bundesverfassung.

Eine entsprechende Petition von uns findet sich hier: vgt.at/gatterjagd
Wer die Landesregierungen zur Unterstützung auffordern will: vgt.at/wildtierzucht

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