Wir brauchen dringend eine Fleischsteuer!

Die Logik ist frappierend. Gestern habe ich in einem Supermarkt das Angebot gesehen: ein ganzes Huhn um € 3,99. Wie, bitte schön, kann man ein befruchtetes Ei ankaufen, ein Kücken ausbrüten, das dann bis ins Erwachsenenalter mästen inklusive Infrastruktur wie Halle, Licht, Ventilator und letztlich auch Nahrung, und zusätzlich den Tiertransport und die Schlachtung finanzieren für so wenig Geld, dass beim Verkauf des geschlachteten Huhns um 4 Euro noch ein Gewinn übrig bleibt?!?! Klar ist: dem Huhn kann so keine Lebensqualität geboten werden. Überhaupt keine. Es muss aus einer Qualzucht stammen, die ein wahnsinnig rasches Wachstum ermöglicht, und sein ganzes Leben in einer vollautomatisierten Massentierhaltung verbringen. Die Schlussfolgerung ist selbstverständlich: nur wenn man deutlich mehr für das Fleisch bezahlt, kann man beginnen darüber nachzudenken, wie man das Leben der sogenannten Nutztiere besser gestaltet.

Diese eigentlich augenscheinliche Selbstverständlichkeit dürfte im Parlament jedenfalls von (fast) niemandem begriffen werden. Wie anders lässt sich erklären, dass man unisono gegen eine Fleischsteuer ist? Dabei geht es ja nur darum, den Mehrwertsteuersatz für Fleisch von 10 auf 20 % zu erhöhen, also Fleisch nicht mehr als Grundnahrungsmittel sondern als Luxusprodukt zu klassifizieren. Und genau das ist es doch! Ein Grundnahrungsmittel ist es jedenfalls nicht. Sämtliche Ernährungsexpert_innen erzählen uns, dass viel zu viel Fleisch gegessen wird. Und dazu kommt noch die Klimakrise: der neueste Sonderbericht des IPCC erklärt klipp und klar, dass die Fleischproduktion für gut ein Drittel (!) der Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Erschütternd ist im Übrigen, dass für pflanzliche Alternativen, wie Sojamilch, als Luxusprodukte der höhere Steuersatz gilt. Obwohl sie klimafreundlicher, tierfreundlicher und gesünder sind!

Im Beispiel oben würde der Preis des Huhns durch die Anhebung im Steuersatz von 4 Euro auf 4 Euro 30 Cent ansteigen. De facto ergibt eine Umschlagsrechnung, dass der durchschnittliche Haushalt durch diese Steueranhebung für alle Fleischsorten um 4,50 Euro pro Monat (!) belastet würde. Der Staat würde aber dennoch 50 Millionen Euro pro Jahr einnehmen, die man zweckgebunden in eine Verbesserung der Haltungsform investieren könnte.

Diese Maßnahme ist also nicht nur gut, sie ist notwendig. Ein erster Schritt. Im besten Fall geht der Fleischkonsum dadurch zurück, was zu unser aller Vorteil ist. Aber selbst wenn nicht, erhalten die Tierbetriebe 50 Millionen Euro pro Jahr zweckgebunden für Tierschutz. Und wenn man das Biofleisch aus der Steuererhöhung ausnimmt, dann schrumpft auch noch der preisliche Abstand zwischen konventionell und bio, sodass die bessere Biohaltung bevorzugt wird. Wie kann man da dagegen sein?

Man kann. Sämtliche Parteien außer der Liste JETZT haben sich gegen diese Maßnahme ausgesprochen. Die Begründungen sind abenteuerlich. Die FPÖ schwadroniert von Heimatschutz und meint damit offenbar, die Billigfleisch produzierenden Massentierhaltungen davor zu „schützen“, dass am Ende die Konsument_innen nicht mehr so viel Billigfleisch essen. Die Tiere zu schützen ist jedenfalls kein Teil von diesem Heimatschutz aus Sicht der FPÖ. Die lässt diese Partei wieder einmal im Regen stehen.

Von der ÖVP kann man sowieso nichts Anderes erwarten, als gegen jede vernünftige Tierschutzmaßnahme zu sein. Aber die Grünen? Auch sie sind dagegen! Dagegen, dass Fleisch teurer und dadurch seltener gegessen wird. Obwohl es Klimakiller Nummer 1 ist. Und obwohl dadurch immenses Tierleid erzeugt wird. Die Grünen wollen die Landwirt_innen vor einer solchen Maßnahme schützen. Das ist eine Bankrotterklärung. Auffällig ist allerdings, dass die Grünen mit Irmi Salzer, Tom Waitz und Sarah Wiener an der Spitze und als Tierschutzsprecher_innen durchgehend Personen haben, die selbst von der Tierproduktion leben. Kann es sein, dass man dann nicht mehr wirklich den Tierschutz im Fokus hat? Eine Tierschutzmaßnahme verteuert immer das Tierprodukt. Und wer will das schon, wenn man vom Verkauf selbiger Tierprodukte lebt? Klar ist, dass niemand, der selbst Tiere hält, um daraus Fleisch, Milch oder Eier herzustellen, wirklich rückhaltlos für die Interessen der Tiere eintreten wird. Das zeigt sich jetzt einmal mehr. Abgesehen davon, dass Irmi Salzer allen Ernstes die Meinung verbreitet hat, dass die Landwirt_innen im Allgemeinen ihre Tiere eh gut halten, die Skandale seien Ausnahmen. Die berühmten Einzelfälle sozusagen. Sind sie nicht. Die große Mehrheit der sogenannten Nutztiere werden in Österreich unter absolut katastrophalen Bedingungen gehalten. Wer da von Einzelfällen spricht, hat entweder keine Ahnung, oder will die Tierschutzkritik einfach herunter spielen.

Übrigens auch die Partei „Die Linke“ in Deutschland ist gegen die Fleischsteuer. Die armen Konsument_innen müssten (etwas: z.B. 30 Cent pro ganzem Huhn) mehr bezahlen und das könne man ihnen nicht zumuten, auch wenn dadurch Geld lukriert wird, mit dem die Haltungssysteme verbessert werden. Argumentiert wird klassenkämpferisch: Arme könnten sich nicht mehr so viel Fleisch leisten. Klar ist damit, dass die Linke andere Prioritäten als den Tierschutz hat. Fleisch muss auf jeden Fall teurer werden, soll sich irgendetwas für die Tiere verbessern. Es ist niemandes Recht, billig Fleisch zu beziehen. Wie kommen die Tiere in den Tierfabriken dazu, für so eine Forderung herhalten zu müssen?

Was bleibt ist wieder einmal die Einsicht, dass heute im Parlament – und sogar beim Tierschutzvolksbegehren! – Menschen das Sagen haben, für die Tierschutz kein wichtiges Thema ist. Jedenfalls ein weniger Wichtiges, als „der Schutz“ von Konsument_innen, Landwirt_innen oder auch „der Heimat“ vor einem höheren Fleischpreis. Und das ist wirklich beschämend!

Der VGT hat sich klar für die Fleischsteuer ausgesprochen: https://vgt.at/presse/news/2019/news20190808mn.php

Ich habe für die Liste JETZT als unabhängiger Kandidat eine Presseaussendung verfasst: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20190809_OTS0095/partei-jetzt-liste-pilzballuch-ja-zur-fleischsteuer

12 thoughts on “Wir brauchen dringend eine Fleischsteuer!

  1. Sorgenfalten says:

    Fleischsteuer? Vegan, Vegetaria und noch vieles mehr…
    Meines Erachtens zieht eine höhere Besteuerung von Fleisch nur niedrigere Rohstoffpreise mit sich! Wenn das Huhn durch die Steuer für den Endverbraucher teurer wird, wird der Handel den Einkaufpreis des Rohstoffproduzenten weiter drücken, damit die Konsumenten weiterhin dieses Produkt kaufen. Es mag vielleicht ein geringer Teil der Konsumenten auf Grund der Abschreckung der Steuer weniger Huhn kaufen, doch draufzahlen werden sicher einmal die Landwirte. Ein andere Teil der Konsumenten, nämlich die, denen es egal ist woher das Produkt kommt, werden einfach nur das billigste Fleisch kauf, egal woher und was es ist und ob die Tiere halbwegs artgerecht gehalten werden. – Also eher Nein zur Fleischsteuer…
    Grundsätzlich geht es um unsere Umwelt und das Tierleid in der Massentierhaltung! Wenn dem Konsumenten etwas daran liegen würde, wie die Tiere gehalten werden, würden sie sich erkundigen, woher das Fleisch wirklich kommt und unter welchen Bedingungen das Tier dort gehalten wird/wurde. Auch unsere sogenannten Gütesiegel und andere „Täuschungen“ sollten viel mehr auf die Haltung und somit auf die Qualität schauen! Ich denke durch ein Interesse an der Haltung wird sich der Fleischkonsum schon einmal reduzieren, da viele Produzenten nicht dem Anspruch entsprechen.
    Bio ist auch nicht gleich Bio!! Bio ja, aber mit Bio wird man nicht die Welt ernähren können. Und was bringt es, wenn im Supermarkt die Biokartoffel aus Italien gekauft werden… Macht das Sinn? 1000 Km Kartoffel versus konventionelle Kartoffel aus Österreich vielleicht sogar noch aus dem eigenen Bundesland? Der Handel täuscht die Konsumenten, diese fallen auf jeden Trick herein und ürbig bleiben wieder nur die Rohstoffproduzenten!
    Wenn Fleisch dann so natürlich wie möglich! Freilaufende Mutterkuhhaltung oder Wildfleisch! Auch wenn das auf dieser Seite nicht gern gehört wird, aber ein Rehfilet oder ein Rehschlögel wäre grundsätzlich das beste Produkt aus Sicht der Tierhaltung und des Co2 Abdrucks… Aber auch nur dann, wenn dieses Tier nicht gefüttert wird und nur so bejagd wird, wie es normaler Weise sein sollte! Die ganzen negativen Beispiele der diversen Jagdbonzen und Jägern, die glauben, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben, sind von meiner Theorie natürlich ausgeschlossen!
    Es darf keine Gruppierung einer anderen Gruppierung durch Zwang deren Lebensphilosophie aufdrängen… alle haben eine Berechtigung, aber das funktioniert nur mit Mass und Ziel! Jedes Extrem ist falsch und gefährlich und kann zu Kurzschlusshandlungen führen! Ein Mittelmass sollte funktionieren, solange unter anderem die Tiere nicht auf der Strecke bleiben…
    Aber am Wichtigsten wird sein, das Bewusstsein der Bevölkerung der Konsumenten zu schärfen! Und das reicht vom Verzehr von Fleisch bis zur Kleidung und dem grundsätzlichen Lebenswandel! Die Werte müssen geschärft werden – all unsere Umweltprobleme sind das Resultat einer Wohlstandsgesellschaft, der es in den letzten 5 Jahrzehnten zu gut geht!

  2. Hugo says:

    @Anna
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    Es ist ganz wichtig zu verstehen, das Fleisch VIEL mehr als nur eine CO2 Steuer benötigt. Eine CO2 Steuer ist wichtig für Autos und Gasherde. Fleisch und Milch sind aber deswegen Umweltzerstörer #1 weil sie mehr Land und Wasser verbrauchen als alles andere, das wir konsumieren. Für den Wald, Land, Wasser und Artenverlust unserer Zeit ist nicht das Autos (CO2) verantwortlich sondern Fleisch und Milch. Wir benötigen ca 2/3 mehr Steuer on top als bei einem zB Auto.
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    Anna: „Und zweitens wäre die Fleischsteuer ein Herumgefummel an einer elendslangen, undurchsichtigen Preisbestimmungskette.“
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    Ein mit E300 verarbeitetes Fleisch kann ohne Komplikationen so besteuert werden wir ein Gemüselaibchen. Statt nur 10% jetzt 20%. Eine pasteurisierte Kuhmilch kann ohne Komplexität so besteuert werden wie eine Hafermilch, statt 10% einfach 20%. Wie alle anderen pflanzlichen Produkte im Supermarkt auch.
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    Erst mit diesem Geld, kann man anfangen Bio zu fördern. Erst wenn wir weniger Fleisch essen wird Bio eine Chance bekommen . Es ist unmöglich und ein Denkfehler es umgekehrt angehen zu wollen. Zuerst alles Bio und dann weniger Fleisch? Bitte durchdenken und man wird bald merken, dass das nicht geht.
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    Die Grünen hätten das imo schon vor Jahren durchdenken sollen imo.

  3. Hugo says:

    @Anna
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    Ich versteh wo sie herkommen. Ich habe die letzten 20 Jahre damit verbracht, über das CAP (GAP) aufzuklären. Niemand hat viel Interesse gezeigt. Jetzt wird die Fleisch-Steuer diskutiert und alle wollen plötzlich zuerst die Subventionen ändern. Love it!
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    Die Realität: Die Förderungen werden von der Agrar-Lobby kontrolliert und so wird sich nichts ändern. Eine Steuer kann über die Wählerschaft kommen und erzielt genau was weniger Fleisch-Subvention erreichen würde, ohne auf die Agrar Lobby zu warten. Die Agrar-Lobby bekommt 40-60% des gesamten EU Budgets (Trillionen von Euros) und wird sich nicht ändern, auch wenn die Welt untergehen sollte.
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    Ich versteh auch den Ansatz die Bauern involvieren zu wollen und bio zu fördern. Leider glaube ich persönlich nicht mehr daran, nachdem was ich in den letzten Jahrzehnten gesehen habe. Bauern machen 1.5% der Bevölkerung aus, also ca 1/4 WENIGER als Veganer und ca 1/10 von Vegetariern. Die „Bauern“ haben ein eigenes Ministerium. Nein, wir müssen nicht mit der Tabak-Indfustrie zusammenarbeiten, um über eine Tabak-Steuer Fleisch zu reduzieren.
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    Die Tabak-Steuer kam als 2/3 der Bevölkerung Raucher waren, sicher nicht sehr populär. Aber sogar wir verblendeten Konsumenten wußten, dass die Tabak-Steuer wichtig ist. So wie die Grünen das wissen sollten. Nie werden wir Fleisch reduzieren in dem wir darauf warten, dass Landwirte freiwillig die Kosten erhöhen. Einfach lachhaft und demokratisch bedenklich die Execution und Justiz in eine Hand zu legen.

  4. Anna says:

    Ich würde einen anderen Ansatz bevorzugen, weil erstens das Wort „Fleischsteuer“ Wähler verschreckt. Ich denke mit einer Herausarbeitung der „österreichischen Identität“, dem Land der Kleinbauern, der Alpen, usw. wären mehr Stimmen zu holen.
    Und zweitens wäre die Fleischsteuer ein Herumgefummel an einer elendslangen, undurchsichtigen Preisbestimmungskette. Meiner Meinung nach muss man das von vorne aufrollen. Subventionen weg, CO2 Steuer auf importiertes Kraftfutter für das Wälder abgeholzt werden mussten. CO2 Steuer auf Methangasausstöße der Tiere. Steuersenkungen auf Arbeit. Preis=Tierfutter+Haltungskosten+Metzger+Transport. Alles transparent. Wahrer Preis.
    Und bei der nächsten Grillparty sind meine mitgebrachten Paprika nicht teurer als das von mir mitsubventionierte Grillfleisch vom Nachbarn.
    Das Billigfleisch aus dem Ausland würde ich übrigens auch CO2 besteuern. Genauso wie palmölhaltige Produkte, für die ja auch Rodungen von Regenwald stattgefunden haben. Jedes Produkt sollte auf seinen CO2 Wert geprüft und besteuert werden. Aber vielleicht ist das zu unrealistisch und Ihre Fleischsteuer kann wenigstens einfacher umgesetzt werden.

  5. Hugo says:

    In dem Umweltschutzprogramm der Grünen wird ganz kurz der größte Umweltzerstörer der Welt erwähnt:
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    https://www.gruene.at/partei/programm/gruene-teilprogramme/umweltprogramm.pdf
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    „Zu den struk- turellen Auslösern zählen u.a. eine ständig steigende Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten in den Schwellen- ländern (z.B. China, Brasilien, Indien). Derzeit werden weltweit auf 30% der genutzten Agrarflächen Futtermittel für die Tierhaltung angebaut. Tendenz steigend.“
    .
    Hier stimmen einige Dinge nicht ganz. Nach FAO Statistik verwenden wir leider 77% der Agrarflächen für Futtermittel. Ganze 17% der globalen Kalorien kriegen wir hier raus. 77% ist mehr als doppelt so viel als 30%, ganz schön daneben oder einfach nur vertippt?
    https://ourworldindata.org/uploads/2013/10/Land-use-graphic-01-01-01.png
    .
    Indien mit Ländern wie Brasilien oder China in einen Topf zu werfen ist absurd. Ja, auch in Indien steigt der Fleischkonsum wegen westlichem Marketing, aber liegt noch immer bei 5 kg pro Kopf verglichen mit den 95kg in Ö und den 60kg in China und Brasilien. 15 kg / Jahr ist nachhaltig und Inder konsumieren nur 1/3 davon. Indien rettet alle unsere Örsche und wir sollten dem Land täglich danken. Was ist eigentlich mit Österreich oder kandidieren unsere Grünen auch in Asien und Südamerika?
    https://www.vegan.at/sites/default/files/fussabdruck.png
    .
    Was sind die grünen Massnahmen bezüglich dem größten Umweltverschmutzer unserer Zeit?
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    Grüne Massnahmen
    – Das „Recht auf Nahrung“ (wie in den FAO-Leitlinien verankert) muss bindendes Kriterium für die internationale Agrarpolitik werden. Dazu gehört auch das Recht auf Zugang zu Land, Wasser und Saatgut.
    – Die Europäische Agrarpolitik ist unverzüglich mit dem Menschenrecht auf Nahrung, den Millenniumszielen sowie den entwicklungspolitischen Zielen der Union abzustimmen.
    – Klima- und Biodiversitätsschutz muss zur Bedingung bei Agrarförderungen gemacht werden.
    – Alle handelsverzerrenden Exportsubventionen sind umgehend abzuschaffen und in die Ländliche Entwicklung umzuschichten.
    -Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit sind kleinbäuerliche Landwirtschaften und traditionelle Produktions-methoden zu unterstützen. Von den Regierungen der Entwicklungsländer ist eine auf die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung ausgerichtete Landwirtschaftspolitik und Entwicklung des ländlichen Raumes einzufordern.
    – Die Spekulationen mit Nahrungsmitteln sind durch die Einführung einer Steuer auf Spekulationsgewinne mit Agrarrohstoffen einzudämmen.
    .
    Kurz gesagt: gar nichts um Fleisch direkt zu reduzieren, wie es die IPCC und EAT-Lancet Commission fordern. Als ob man den Klimawandel versteht, aber nichts gegen CO2 tun möchte? So werden wir die IPCC Ziele nie erreichen.
    .
    Bitte, liebe Grünen, werdet grün. Lest bitte zumindest einmal den EAT-Lancet Report und das letzte IPCC Update. Hier die Links:
    .
    https://www.ipcc.ch/report/srccl/
    https://eatforum.org/eat-lancet-commission/

  6. Hugo says:

    Sowohl Strache als auch die Grünen verwenden das gleiche Argument: „den einfachen Konsumenten schützen“.
    .
    Ich bin etwas sprachlos. Die IPCC sagt klar, wie wir unsere Kinder und uns alle am besten schützen können. Fleisch auf ca 15 kg / Jahr reduzieren, damit unsere Kinder eine Zukunft haben. Wir haben weniger als 10 Jahre Zeit sagt die IPCC. Heutzutage muss man keine € vererben sondern Natur, die Nährstoffe und Wasser liefert. Haben die Grünen tatsächlich den IPCC Report übersehen oder kennen das alles gar nicht?
    .
    Eine Fleischsteuer soll nicht nur die Ober-Schichten treffen, im Gegenteil. Es sind im Westen die vielen Mittel- und Unter-schichten, die am meisten Fleisch pro Kopf essen, nicht die Reichen. In gewissen Ländern in Asien und Afrika sind noch die Reichen fett und essen viel Fleisch. Im Westen sind es die Armen, die das neue Opium des Volkes am meisten konsumieren. Nichts gegen Drogen, aber jede andere Droge, wie zB Opium, ist nachhaltiger (und gesünder) als 95 kg Fleisch pro Jahr (Raubtierhaltung einbezogen).
    .
    Würde man sich tatsächlich um die einfachen Konsumenten kümmern, würde man zuerst sicher gehen wollen, dass Nährstoffe gefördert werden und verhältnismäßig weniger versteuert werden, nicht Flächennutzung. Leider ist es wegen der starken Lobby unrealistisch Agrar-Subventionen zu reformieren. Steuer auf Fleisch erhöhen oder Steuer auf pflanzliche Lebensmittel senken, sind unsere einzigen Werkzeuge.
    .
    Ich persönlich würde politisch von Steuersenkung auf Vitaminen und Umweltschutz sprechen (genau das Gleiche wie Fleisch-Steuer). Es geht ja nicht darum eine Tabak-Steuer einzuführen sondern nur ein angleichen an andere pflanzlichen Produkte.
    .
    Die Grünen sollten diesbezüglich eine treibende Kraft der Aufklärung sein, anstatt ein Echo der ÖVP und FPÖ! Nein, man kann dem einfachen Konsumenten (aka Wähler) nicht zumuten, dass Kuh- und Pflanzenmilch gleich viel Steuer bekommen. Politischer Selbstmord wäre das, wenn Obst günstiger wäre als Fleisch. Welche Eltern oder welche Jugendlichen würden da mitmachen? Friday demos ok, aber Hafermilch so günstig wie Kuhmilch kann man diesen Menschen nicht zumuten?
    .
    Am besten, die Vegetarier zahlen für das billige Fleisch der Massen. Veganer verbrauchen ca 15 mal weniger CO2, Land und Wasser als Fleisch-Esser und wenn sie das können, warum dann nicht auch die Fleisch-Preise fürs Volk ausgleichen?
    .
    Nochmals, mir fehlen schlichtweg die Worte. Ich hatte diese „grüne“ Partei einst gewählt und fühle mich jetzt dreckig deswegen. Wir haben 75% aller Insekten und 50% aller Vögel in weniger als 30 Jahren verloren. Die IPCC gibt uns weniger als 10 Jahre um uns zu ändern. Lösung: Mehr Räder und Bäume in der Stadt? Solar am Dach? Gibt es die Grünen überhaupt noch?

  7. Anonymous says:

    Lieber Martin, auch wenn du es noch x mal wiederholst. Weder Tom Waitz noch ich „leben von der Tierproduktion“. Ich hab in meinem Leben noch kein tierisches Produkt verkauft, und von dem bisschen Honig, den Toms Bienen erzeugen, lebt er sicher auch nicht. Zuerst informieren, dann anpatzen! Alles Liebe Irmi

  8. Martin Balluch says:

    @Irmi
    Liebe Irmi, meinst Du, dass weder Du noch Tom Waitz Tiere halten, schlachten und verkaufen, oder meinst Du eher spitzfindig, dass Ihr das zwar tut, aber nicht davon lebt oder leben müsst, weil Ihr ja für die Grünen arbeitet und die zahlen besser? Du hast ja sogar jahrelang für die Via Campesina, also einen Landwirtverband, der natürlich auch von der Tierproduktion lebt, als Pressesprecherin gearbeitet, oder?
    Aber spannender ist das Inhaltliche:
    Bist Du dafür oder dagegen, dass in Österreich der Fleischkonsum sinkt? Ich meine, bist Du der Ansicht, dass wir darauf hinarbeiten müssen, dass der Fleischkonsum sinkt oder meinst Du, der Fleischkonsum kann ruhig so hoch bleiben, Tierschutz und Klimaschutz müssen halt anders bewerkstelligt werden? Letzteres wäre eine sehr gewagte These. Gibt es dafür irgendwelche wissenschaftlichen Belege oder ist das Deine persönlich Präferenz (warum auch immer)?

  9. Anna says:

    Könnte man nicht anstatt eine neue Steuer einzuführen die Förderungen und Subventionen in der Fleischproduktion streichen um eine annähernde Kostenwahrheit zu erreichen? Gleichzeitig müsste man den Import von Billigfleisch besteuern.

  10. Martin Balluch says:

    @Anna
    Wenn man Förderungen und Subventionen streicht wird der Fleischpreis auch steigen (müssen), allerdings nur der des österreichischen Fleischs. Das in anderen Ländern hat ja noch die dortigen Subventionen. Sind Sie der Ansicht, dass – ja – das Fleisch teurer sein soll, aber nicht durch eine Steuer sondern durch eine Preiserhöhung? Warum finden Sie das besser? Einmal bekommen zwar die Landwirt_innen bzw. der Handel den Preisunterschied, andererseits gewinnt der Billigfleischimport.

  11. Mayer says:

    und wer glaubt die Mär von der Zweckbindung ?

  12. Martin Balluch says:

    @Mayer
    Naja, das hängt wohl von der Regierung ab, ob sie sich an solche Vorgaben hält. Aber ich denke schon, dass man sie dazu zwingen könnte. Hoffe ich jedenfalls. Faktum ist, dass wir dringend weniger Fleischkonsum und bessere Tierhaltungsbedingungen brauchen, und für beides ist eine erhöhte Mehrwertsteuer auf Fleisch ein erster Schritt.

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