400 tote Tiere auf der Puerta del Sol in Madrid

Bei meinem Besuch in Madrid vor 10 Tagen wurde ich auch zu einer sehr beeindruckenden Aktion eingeladen. 400 AktivistInnen hatten sich auf dem zentralen Platz Madrids, der Puerta del Sol, versammelt. Sie alle trugen weiße Overalls und schwarze T-Shirts mit der Aufschrift „Igualdad Animal“ oder „Gleichheit der Tiere“ bzw. „tierliche Gleichheit“. Und sie standen in einer Formation mitten auf dem Platz, die den Blick entlang ihrer Reihen ermöglichte.

Etwa 50 TierschützerInnen hatten Jacken mit der Aufschrift „Helfer“ an und brachten den 400 AktivistInnen tote Tiere, von Ratten, die im Rahmen der Schädlingsbekämpfung getötet worden waren, über tote Streunerhunde, Versuchstiere, Stopfgänse, Hühner und Ferkel aus Tierfabriken, bis zu tierlichen Opfern des Straßenverkehrs, von Pelzfarmen und von Reptilienbörsen. Ein Tierschützer hatte diese Tierleichen über die letzten Monate gesammelt und eingefroren. Jetzt wurden sie den AktivistInnen übergeben und diese hielten sie stumm in den Armen.

Diese Aktionsform wurde in Spanien von der Gruppe „Igualdad Animal“ erfunden, anfänglich mit 20 Personen. Wir haben die Idee auch in der Kampagne gegen die Kastenstandhaltung von Mutterschweinen mit toten Ferkeln aus dieser Haltungsform, die ja angeblich Ferkel vor dem Sterben schützen soll, und in der Tierversuchskampagne mit toten Versuchstieren umgesetzt. Wir brachten es auf 40 TeilnehmerInnen. Auch in anderen Ländern gab es NachahmerInnen, zuletzt in Australien mit 100 AktivistInnen. Jetzt wurden in Madrid neue Maßstäbe gesetzt: 400 TeilnehmerInnen!

Die Vorbereitung zur Aktion waren schon Monate vorher angelaufen. Auf Facebook suchte man potentielle MithelferInnen. Es meldeten sich 600 Personen, allerdings gab es nur die Kapazitäten für 400, also mussten 200 abgelehnt werden.

Die Aktion begann pünktlich um 12 Uhr mittags, mit dem Läuten der Kirchenglocken, und endete genau 1 Stunde später um 13 Uhr. Die gesamte Zeit hindurch hielten die AktivistInnen stumm und pietätvoll ihre toten Tiere im Arm. Um die AktivistInnen herum sammelten sich tausende ZuschauerInnen, viele mit Tränen in den Augen. Eine Tierschützerin sprach dann mit einem Mikrophon, von dem aus der Ton drahtlos zu mehreren Lautsprechern, die an den Ecken des Platzes verteilt standen, übertragen wurde. Ihre emotional gehaltene Rede appellierte an das Mitgefühl und das Gewissen der Menschen, und bat die ZuhörerInnen, den Tieren gegenüber mehr Respekt und mehr Wertschätzung zu zeigen.

Zahlreiche MedienvertreterInnen waren anwesend, abends lief ein Bericht in den Hauptnachrichten. Ich zählte 15 FotografInnen verschiedener Medien. Dazu aber machten abertausende PassantInnen Fotos der Aktion und verbreiteten diese zweifellos in ihrem Bekanntenkreis, auf Facebook und im Internet. Am Abend lief ein Bericht in den Hauptnachrichten im Fernsehen.

Bevor den 400 AktivistInnen ihre toten Tiere wieder abgenommen wurden, wandte sich die Tierschützerin mit dem Mikrophon an sie. In bewegenden Worten sprach sie davon, dass es des Einsatzes vieler Menschen bedarf, die Situation der Tiere zu verbessern. Änderungen kämen nicht von alleine. Und deshalb, meinte sie, möge man dem Tier, das man in den Armen hält, versprechen, sich mehr zu engagieren und sich auch zukünftig an Kampagnen und Tierschutzaktionen zu beteiligen.

Ich bin zwar schon sehr lange aktiv, doch diese Aktion beeindruckte auch mich. Vielleicht könnten wir im Sommer etwas Ähnliches in Wien auf die Beine stellen? Ich werde mich dafür einsetzen.

7 thoughts on “400 tote Tiere auf der Puerta del Sol in Madrid

  1. Martin C. says:

    Spanien zählte bis vor kurzem für mich noch zu jenen Ländern, in denen Tierschutz keine nennenswerte Rolle spielt. Die staatliche Repression gegen den Tierschutz hat jedoch das Gegenteil bewiesen. Ein solches Engagement hätte ich der spanischen Tierschutzbewegung allerdings nicht zugetraut. Großartig!

  2. Lilly says:

    Julia, danke für den Tipp. Animals Angels, ja wirklich, das sind sie……!
    Mir lief ein kalter Schauer durch den Körper und, die Bilder sagen mehr als tausend Worte, mah…..
    wer das einzelne Schicksal kennt bzw. es sich vorstellen kann…… Jeder mitleidlose Mensch wird nur verstehen und auch sehr auf Hilfe hoffen, wenn er selbst leidet; bis dahin ist es bequem für jeden Nutznießer alle Verantwortung abzuschieben, die ÖVP treibt dazu an niederträchtig zu sein, 30 Silberlinge. Wenn Technokraten die Verantwortung des Lügen, Tarnen, Täuschens, Mordens und Übervorteilens weiterhin auf `die Natur´ abschieben wollen, dann haben sie noch nicht verinnerlicht, dass sich der Bewusstseinshorizont binnen zehntausend Jahren verändern kann. Es ist im wissenschaftlichen Sinn nicht männlich, das in der Tiefe nicht zu verstehen. Im Gegenteil. Die äussere Gender zielt nur darauf ab auch radikal, herkömmlich zu agieren. Das ist der falsche Weg, zumindest ein Versuch. Passend zu neuen Wissenschaften sagten die Mayas für die „Neue Zeit“ die Herrschaft des Weiblichen (Yin Yang) voraus, bitte nicht automat-isch herkömmlich verstehen. Neben der bisher massiv hochgejubelten (Leid verursachenden, verheerenden) Logik wird in der Wissenschaft neben der Logik die Emotion einen gleichberechtigten Status erhalten müssen. Ganz real gestützt auf logisch-erweiternden Fakten, mit Betonung auf erweiternd, im neuen Rahmen kann ein Akausales durchaus kausal sein. Die wahre Revolution hat längst begonnen. Sie kommt langfristig allen zugute.

    Auf einer Seite meinte ein Leser die Mehrheit der Menschen wäre boshaft – nein, vollkommen alleingelassen – und belogen – was sollen sie sonst vom alten Kern dieser ÖVP lernen außer NIEDERTRACHT.

    Danke, dass es euch gibt, Animal Angels.

  3. julia says:

    Lilly, mir geht es genau so, wenn ich einen Tiertransporter sehe. Als Kind habe ich mal einen gesehen, mir von meinen Eltern erklären lassen, was es damit auf sich hat, und konnte nicht mehr aufhören zu weinen.
    Aber die Transporter zu begleiten, und den Tieren bis ans Ende ihres Weges beizustehen, ist genau das, was Animals Angels (von denen auch die Kampagne 8hours unterstützt wird) europaweit tun:

    https://www.animals-angels.de/

    Animals Angels gehören für mich zu den mutigsten Menschen unter allen, die sich für Tiere einsetzen.

  4. Lilly says:

    Ein beeindruckendes Zeichen. Kraftvolles Symbol. Es wirkt.
    Auch vermehrt im Stillen. Die Wellen breiten sich aus. Kürzlich freute ich mich sehr, als eine Dame, die eine Arbeitsgruppe zum Essen einlud, sagte, sie hat Vegetarisches gemacht, weil sie weiß, dass ich kein Fleisch und keine Wurst esse. Es war gesund für alle und sehr gut. Es hat mich echt gefreut, dachte an die Tiere, die gute Worte, Sonne und Freude brauchen wie wir alle.

    Kürzlich überholte ich einen Tiertransporter, wo fahren sie hin, was steht ihnen bevor……? ich überlegte, eine fahrende, stille Eskorte wäre interessant……
    Und, ich glaube, es hilft allen sehr, wenn wir endlich den Tod ganz neu verstehen lernen bzw. den Raum und das Bewusstsein. Es geht weiter. Diese Sicht ändert alles. Ansatz dazu sind paranormale, ganz reale Phänomene. Einmal wird sich zeigen, dass Emotion eine physikalische Kraft ist, `mehrdimensional´ erklärbar. Keineswegs herkömmlich reproduzierbar. Es braucht dazu die richtige Einstellung. In diesem Sinne einen guten Neustart mit dem Mayakalender. Ganz real. Alles Gute, und DANKE, Martin. Danke an alle.

  5. Tschutschu says:

    Ich bin zutiefst bewegt. Eine eindrucksvolle und tolle Aktion. Ich bin sehr glücklich, dass es solche Menschen gibt. Sollte es bei uns so einen Aufruf geben (den wir dann sicher über Sie erfahren werden) werde ich mich gerne zur Teilnahme melden. Danke für Ihren Einsatz!!

  6. Johnny says:

    Eine extrem beeindruckende Aktion! Das sollten wir unbedingt auch in Wien machen.

    Ich fand es immer sehr traurig und überwältigend, ein getötetes Lebewesen in den eigenen Armen zu halten und zu betrachten…In dem Moment hab ich diesem Tier und den anderen Lebewesen definitiv geschworen, mich für sie einzusetzen.

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