5 Jahre Mayr-Melnhof Facebook Prozess

Anfang 2015 begann der VGT seine Kampagne gegen die Gatterjagd in Österreich. Niemand wusste damals von Jagdgattern. 3 Jahre später war der Begriff „Gatterjagd“ allgemein bekannt und es waren in jedem Bundesland Verbote dieser Praxis erlassen worden, wenn auch hier und dort ein bisschen aufgeweicht. Neben Wien mit dem Lainzer Tiergarten, dem Burgenland und Niederösterreich, mussten wir uns natürlich auch den Jagdgattern in Salzburg widmen. Dort ist Mayr-Melnhof der Gatterjägermeister und betreibt ein Jagdgatter in der Antheringer Au nördlich von Salzburg, mitten in einem Vogelschutz- und Natura 2000 Gebiet.

Mayr-Melnhof ist und war nicht gewohnt, kritisiert zu werden. Viele erzählen mir, dass sie Angst vor seinen Klagen haben. Als Sonnyboy der Salzburger Schickeria kannte er nur positive mediale Berichterstattung. Kritiker:innen von ihm und seinen Machenschaften zogen es vor, lieber zu schweigen.

Ja, und dann kam der VGT und dokumentierte seine Gatterjagd. Zunächst filmte ich den Abschuss ausgesetzter Zuchtenten im Gatter – einem Vogelschutzgebiet! Diese Praxis ist mittlerweile verboten und beendet. Als nächstes standen wir außerhalb des Gatterzauns, als Mayr-Melnhof eines seiner brutalen Wildschweinmassaker durchführte, siehe Foto oben. Seine Reaktion: Besitzstörungsklage.

Mit mir diskutieren werde er nicht, ließ er verlauten, immerhin sei ich doppelter Doktor und er nur ein bescheidener Bauer. Seinem Verhalten nach sah er es in Wahrheit aber unter seiner Würde an, mit Tierschützer:innen überhaupt zu sprechen. Stattdessen schickte er seinen Anwalt und zitierte mich vor Gericht. Auch das eine Taktik. Statt den Verein, klagte er hauptsächlich mich persönlich. Das Ziel ist offensichtlich, so könnte er mich einschüchtern und vor allen anderen an mir ein Exempel statuieren. Einen Mayr-Melnhof kritisiert man eben nicht öffentlich.

Doch die Besitzstörungsklage am Bezirksgericht Oberndorf wurde abgewiesen. Die erste von vielen verlorenen Klagen gegen mich. Das hielt Mayr-Melnhof aber nicht davon ab, gleich nachzusetzen. Am Stephansplatz in Wien hatten wir in einer satirischen Zeremonie die Gatterjagd Awards an bekannte Gatterjäger verliehen. Mayr-Melnhof erhielt dort das „Herz aus Stein“. Grund genug, mich wegen Beleidigung auf einige 1000 Euro Schmerzensgeld zu klagen. Aber auch diese Klage verlor er am Handelsgericht in Wien. Es folgte eine Reihe von Klagserweiterungen, wegen einem Faschingsumzug mit einer Mayr-Melnhof Puppe und wegen einer Klo-Aktion in Salzburg nach dem Motto „Die Gatterjagd stinkt zum Himmel“. Bis in die höchste Instanz wurden aber alle seine Klagsbegehren abgewiesen. An Gerichtskosten musste er uns rund € 18.000 überweisen.

Und schon kam die nächste Klage. Medienrechtlich diesmal, eine Privatanklage. Eine junge Frau hatte in Salzburg ein Pickerl auf einen Poller geklebt, auf dem Mayr-Melnhof als Tierquäler zu sehen war. Er klagte mich – wen sonst. Den beiden jungen Frauen, die damals erwischt worden waren, schrieb er zweimal Briefe, um sie in sein Schloss einzuladen. Warum wohl? Er hatte sie auch geklagt, dann aber gemeint, sie seien ja nur von mir verführt worden. Wollte er ihnen anbieten, von der Privatanklage gegen sie Abstand zu nehmen, wenn sie dafür zu Kronzeuginnen gegen mich würden? Naheliegend, eine typische Taktik in solchen Situationen. Doch die Frauen blieben standhaft – und wurden prompt freigesprochen. Das Pickerl sei nicht beleidigend gewesen, meinte der Richter.

Gegen den VGT und mich erweiterte Mayr-Melnhof die Anklage dennoch ein halbes Dutzend weitere Male. Letztlich wollte er über € 100.000 Kränkungsgeld dafür, dass unbekannte Personen auf Facebookseiten, auf die ich keinen Zugriff habe, ihn beleidigt hätten. Ich sei dafür verantwortlich.

Das war vor 5 (!) Jahren. Der Prozess läuft heute noch. Am 15. Jänner 2021 begann das Verfahren nun bereits zum 3. Mal in der ersten Instanz am Landesgericht Salzburg. In der ersten Runde vor 4 Jahren hatte mich der Richter zu € 40.000 Kränkungsgeld verurteilt. In der Berufung war das auf € 34.000 reduziert worden. Der Oberste Gerichtshof schließlich hob das Urteil aber letztlich völlig auf.

Der Prozesstag am 15. Jänner 2021 ist rasch erzählt. Harter Lockdown, das Gerichtsgebäude darf erst 15 Minuten vor Prozessbeginn betreten werden. Das gilt jedenfalls für das niedrige Volk. Mayr-Melnhof ging lächelnd an uns vorbei und wurde durchgewunken, ohne jede Kontrolle. Auf unsere insistierende Beschwerde hin – das sei versehentlich passiert – wurde er wieder heraus geholt. Beim Betreten etwas später aber dasselbe noch einmal: während meine Begleiter:innen und ich gescannt und abgetastet werden, und meine Tasche durchsucht wird, könnte Mayr-Melnhof eine Maschinenpistole ins Gerichtsgebäude mitnehmen, es fiele nicht auf, weil für ihn alle Tore geöffnet werden, ohne jede Kontrolle.

Das ist genau das Problem. Mayr-Melnhof erlebt so die Gesellschaft. Er wird bevorzugt behandelt, er darf, was andere nicht dürfen. Am Landesverwaltungsgericht vor Jahren wollte ich eine Kamera mitnehmen, um einen Vorfall nachzustellen. Es wurde mir beim Eingang verboten. Mayr-Melnhof kam mit der gleichen Kamera aus demselben Grund und wurde durchgewunken. Klar, dass jemand mit so einer Realitätserfahrung die Welt nicht mehr versteht, wenn jemand wie ich ihn öffentlich kritisiert, und als Reaktion klagt – Geld hat er ja genug – oder sogar Gewalt ausübt. Aber davon in einem anderen Blogeintrag.

Im Prozess werde ich von Mayr-Melnhofs Anwalt als „Tierrechts-Trump“ bezeichnet, mit Bezug zum Sturm aufs Kapitol. So wie Trump seine Fans aufgewiegelt habe, so würde ich – als „Alleinherrscher“ im Tierschutz – die Menschen aufwiegeln, Mayr-Melnhof zu beleidigen. Mit dem feinen Unterschied, der unerwähnt blieb, dass ich niemanden direkt dazu aufgefordert habe, sondern lediglich faktisch wahre Kritik geübt habe, immer in Bezug auf Tierquälerei und Tierschutz.

Als Zeugin tritt Alexandra Benedik für Mayr-Melnhof auf. Er hat sie als Spitzel im VGT benutzt, siehe https://martinballuch.com/alexandra-benedik-tierschutzsprecherin-der-kpoe-als-spitzel-fuer-die-jaegerschaft-im-vgt/. Sie ließ sich in interne VGT-Emaillisten von Aktivist:innen eintragen und dürfte Mayr-Melnhof alles brühwarm weitergeleitet haben, weil er Emails dieser Listen vor Gericht vorgelegt hat. Jeden einzelnen der Tierschützer:innen beim VGT muss sie ebenfalls für Mayr-Melnhof mit Namen und Foto identifiziert haben, weil er mit diesem Wissen hausieren ging und sogar Listen erstellte, die in Jagdkreisen kursierten. Und sie gab ihm persönliche Emailkorrespondenz zwischen mir und ihr weiter, in der sie versucht hatte, ganz im Stil eines Agent Provocateur, mich zu radikalen Aussagen zu bewegen.

Ein deja-vu aus Zeiten des Tierschutzprozesses, inklusive Spitzel. „Radikale“ Emails von mir sollen meine Schuld beweisen, weil ich selbst keine Straftat begangen habe. Doch im Gegensatz zum Tierschutzprozess zieht in Salzburg offenbar so eine Argumentation, zumindest wenn Mayr-Melnhof sich als armes Opfer darstellen kann. Der Richter sprach mich schuldig. Er verpflichtete mich zur Zahlung von € 7.200 Kränkungsgeld an Mayr-Melnhof. Aber darüber hinaus erklärte er mich für schuldig, selbst Mayr-Melnhof beleidigt zu haben. Und zwar dadurch, dass ich unterlassen hätte, auf andere einzuwirken, die Beleidigungen zu löschen. Niemand bezweifelt, dass ich die Beleidigungen auf Facebook nicht geschrieben habe, dass ich sie nicht einmal gelesen habe und dass ich auch nicht die Möglichkeit hatte, sie zu löschen. Und dennoch sei ich schuldig. Als Mastermind der Kampagne gegen die Gatterjagd, und insbesondere gegen die Gatterjagd von Mayr-Melnhof. In seiner Urteilsbegründung sagte der Richter, er wisse, dass er sich mit diesem Urteil auf dünnes Eis begebe und sei neugierig, ob es halten werde. Laut Medienanwältin Maria Windhager ist diese Schuldkonstruktion absolutes Neuland in der Rechtsprechung in Österreich.

Die gute Nachricht zuletzt: zu 72 der 128 Anklagepunkte wurde ich aber freigesprochen. Das heißt von den Gerichtskosten, die gegen € 100.000 gehen, wird Mayr-Melnhof den Großteil bezahlen müssen. Und der VGT wurde in allen Punkten freigesprochen. Auch das wie im Tierschutzprozess. Dort hatte der Staatsanwalt immer betont, dass ich das kriminelle Hirn sei, das den armen VGT nur missbrauche. So scheint das auch der Richter in diesem Verfahren zu sehen.

Ich werde auf jeden Fall berufen. Zunächst gehts zum Oberlandesgericht Linz, dann zum Obersten Gerichtshof in Wien und zuletzt zum Europäischen Gerichtshof in Straßburg. So schnell gebe ich nicht klein bei.

Mayr-Melnhof hat im übrigen bereits die nächste Privatanklage gegen mich eingebracht. Sie wird – aus nicht nachvollziehbaren Gründen – auch in Salzburg am selben Gericht und vom selben Richter verhandelt. Das ist auch sehr seltsam an diesem Fall. Mediendelikte werden immer dort verhandelt, wo der Medienverantwortliche ansässig ist. In diesem Fall bin ich der Medienverantwortliche, allerdings wohne ich nicht in Salzburg. Dort hat Mayr-Melnhof aber ein Heimspiel. Immer, wenn die Prozesse in Salzburg sind, gehen sie schlecht aus, überall sonst gewinne ich. Die Begründung für die Übertragung nach Salzburg: Das Pickerl – erinnern Sie sich? Der Beginn dieses Verfahrens – sei in Salzburg geklebt worden. Obwohl es schon längst nicht mehr um dieses Pickerl geht, werden alle weiteren medienrechtlichen Verfahren gegen mich in Salzburg verhandelt, solange Mayr-Melnhof Privatanklage erhebt, bevor das ursprüngliche Verfahren abgeschlossen ist. Eine unendliche Geschichte also.

In der neuen Privatanklage geht es um eine Presseaussendung, in der ich Mayr-Melnhof objektiv wahr kritisiert habe. So etwas hält dieser Mensch eben nicht aus. Nur eines sollte er wissen: seine Klagswut wird mich niemals davon abhalten, für die Tiere die Stimme zu ergreifen und seine Tierquälereien – und seine Gewalt gegen Menschen – öffentlich zu brandmarken!

12 thoughts on “5 Jahre Mayr-Melnhof Facebook Prozess

  1. klaus says:

    auf servus TV war gestern ein schöner Beitrag über Wildfüttern. der landesjägermeister ist wirklich bemüht, den Kindern den Sinn der Fütterungen und den Wald näher bringt.
    das haben sicher viele Menschen gesehen und nehmen in Zukunft mehr Rücksicht auf Wildtiere und Wald.
    vom VGT sieht man nicht so wertvolle Beiträge für die Natur!

  2. Martin Balluch says:

    @klaus
    Wenn Sie Beiträge, die die Misshandlung unserer Wildtiere durch Zucht und Massenabschuss als Bereicherung empfinden, spricht das Bände über Ihre Einstellung zu Natur und Tieren als Nutzungsobjekte. Die Beweihräucherungen des Gatterjägermeisters in Medien in Salzburg sind nur zu gut bekannt. Im Servus TV hatten Redakteur:innen eine Diskussion über die Gatterjagd angesetzt, mit mir und 5 Jäger:innen. Aber selbst da fürchtete man sich offensichtlich und zog die Notbremse: am Vortag der Sendung wurde ich ausgeladen und durch einen Jäger ersetzt. Naja, untereinander diskutiert sichs halt besser.
    Nicht vergessen: ein österreichisches Höchstgericht hat bestätigt, dass Maximilian Mayr-Melnhof widerrechtlich einen Tierschützer verletzt, ihm mit Gewalt eine Videokamera entwendet, vor Gericht gelogen und ein Beweismittel fingiert hat. Starker Tobak, meinen Sie nicht? Die Tochter von Mayr-Melnhof hat sich zum 10. Geburtstag den Abschuss eines Hasen gewünscht. Halten Sie das für eine Rücksichtnahme auf Wildtiere?

  3. Klaus says:

    ich fand die Sendung wirklich gut gemacht!
    Es ist schön, wenn sich Menschen einsetzen, Kindern die Natur näher zu bringen.
    Die Natur brigt so viele Schätze und die Kindern lernen dadruch mit der Natur zu leben!
    Das ist so wichtig heut zu Tage! Nebenbei wird Ihnen auch der Respekt gegenüber Grundbesitz und vieles mehr!

  4. Martin Balluch says:

    @Klaus

    Ich kenne die Sendung nicht und sie interessiert mich auch nicht weiter. Ich gehe davon aus, dass es wieder so eine dümmliche Lobhudelei auf Mayr-Melnhof war. Das ist die Haus-und-Hof Medienberichterstattung in Salzburg. Ekelerregend. Mayr-Melnhof ist ja nicht nur Menschen und Tieren gegenüber ein Gewalttäter, sondern verschandelt und zerstört die Natur in seinem Jagdgatter in Anthering nachhaltig. Ein Natura 2000 Gebiet. Respektloser als Mayr-Melnhof kann man meinem Eindruck nach mit der Natur nicht umgehen. Allein schon hunderte Zuchtenten im Vogelschutzgebiet abzuknallen beweist hier den Natur-Rambo.

    Meine Kinder erleben und spüren den Respekt vor der Natur. Das beginnt damit, immer so in die Natur zu gehen, dass keine Spuren zurück bleiben. Jedenfalls keine toten Tiere. Die Natur lässt man unberührt, gebiete der Respekt, und zerstört nicht das Gleichgewicht durch massive Fütterungen. Die Natur grenzt man nicht durch Zäune ab. Man baut keine Forststraßen und man macht keine Kahlschläge. Man pflanzt auch keine Fichten an falscher Stelle. Und man baut keine Futterstellen. Das ist Respekt gegenüber der Natur.

    Meine Erfahrung zeigt, dass Grundbesitzer:innen, vor allem Großgrundbesitzer:innen, den aller respektlosesten Umgang mit der Natur betreiben. Die lassen ihren Mist überall zurück, betreiben Kahlschläge, Massenfütterung, Jagdzäune, hässliche Hochstände, Fichtenaufforstungen und zu allem Überdruss schlägern sie noch uralte Baumbestände. Ich denke, den Großgrundbesitz zu respektieren kommt einer totalen Respektlosigkeit gegenüber der Natur gleich.

    Was ist eigentlich das Problem, in der Natur frei zu zelten und Lagerfeuer zu machen? In den Südkarpaten ist das überall erlaubt, auch den Hund frei herumlaufen zu lassen. Die Natur dort ist viel ursprünglicher als bei uns, viel mehr schöner Wald, überall große Beutegreifer, und das obwohl sich überall Almen befinden, überall Wanderwege mit Hütten, und die Bevölkerungsdichte ist auch wie bei uns.

    Ich denke das wichtigste, was Kinder lernen sollten, ist, dass Wildnis, unberührte Natur, ein sehr hoher Wert ist, der unbedingt erhalten oder wieder hergestellt werden muss. Hände weg von der Natur!

  5. klaus says:

    trotz der vielen Titel die Sie haben, dürften sie auch viele nicht ganz verstehen 🙂

    Sie sind sichtlich ein Naturnutzer! (Ausnutzer) von Grund und Boden, der oft jemand anderem gehört!

    Haben sie einen Küchentisch oder ein Küchenkastl? Aus Holz oder Kunststoff? Ich hoffe es ist ein Vollholzmöbel von einem Tischlerei angefertigt!
    Woher kommt denn das Holz für ihr Möbel? Ich nehme an, sie haben gehört, dass der Wald genau dieses Holz produziert! Um Qualitätsholz zu produzieren reicht die natur nicht aus, da muss man der Natur ein wenig helfen in dem man die Bestände auch pflegt. Urwälder produzieren keine qualität – da wäre zu viel Vergeudung von wertvollem Holz, da man nur sehr sehr wenig davon verwenden kann.

    die Rohstoffproduktion in der Land u Forstwirtschaft schafft arbeitsplätze, biodiversität, lebensgrundlage für die menschen in unserem land – abgesehen vom beitrag zu klimaverbesserung!

    Kahlschläge? Ich glaube sie dürfen nicht von manchen schwarzen schafen auf alle schließen – ausser sie beteiben einen ideologischen Klassenkampf – dann kann man sie aber nicht ernst nehmen – da ideologie mit dem thema nichts zu tun haben sollte! Immerhin geht es um die natur!

    sie dürfen nicht immer alles zu einseitig und negativ sehen! Sie erwarten ja auch von den mitmenschen, dass man ihre standpunkte zumindest respektiert.

    aber egnauso wie ihr Leiberl irgendwo produziert wurde – wurde auch ihr möbelstück irgendwo produziert und ihr sojaweckerl. zum leben bedarf es eben produkte – ausser sie wollen wieder zurück in die steinzeit und Jäger und Sammler sein 🙂

  6. Martin Balluch says:

    @klaus
    Ich glaube es gibt ein Grundrecht auf Aufenthalt in unberührter Natur. Das ist für ein artgerechtes Leben von Menschen eine notwendige Voraussetzung. Und das kann doch nicht durch einen Grundbesitz unterbunden werden. Wer hat denn die Natur besessen, bevor sie erstmals jemand gekauft hat? Und wie ist diese Person dazu gekommen? Durch Gewalt?
    Stellen Sie sich vor, jemand kauft die gesamte Natur in Österreich auf. Eben ein besonders reicher Oligarch. Finden Sie ernsthaft, dass man diesen Menschen fragen müsste, bevor man in die Alpen wandern gehen darf? Finden Sie ernsthaft, dass man den Besitzer des Gipfels des Großglockners fragen müsste, ob man den Gipfel betreten darf?

    Abgesehen davon zur Nutzung von Holz. Ich setze voraus, dass eine Natur ohne menschliche Spuren ein sehr hoher Wert ist. D.h. man müsste also möglichst viel Natur (auch in Österreich) entweder wild erhalten oder wieder wild werden lassen. Möglichst heißt so, dass sich die notwendigen Bedürfnisse der Menschen durch die Nutzung des Rests befriedigen lassen. Sie scheinen zu meinen, dass wenn man Natur überhaupt nutzen muss, dann würde dadurch das Argument, Teile davon ungenutzt zu lassen, aushebeln. Also wenn man schon nutzt, dann alles. Wieso sollte das richtig sein?

    Lustig, dass Sie von der Nutzung von Urwäldern schreiben. Wenn Sie den Urwald nutzen, dann ist er keiner mehr. Es geht hier doch darum, gewisse Teile der Natur grundsätzlich und für alle Zeiten außer Nutzung zu stellen.

    Zum Glück gibt es viele, die meine Meinung teilen. Sonst gäbe es keine Nationalparks, deren Grundidee immer die Außer-Nutzung-Stellung ist. Und sonst gäbe es nicht etwa 300 Waldreservate in Österreich, die bewusst außer Nutzung gestellt wurden. Die Allgemeinheit zahlt den Besitzer:innen dieser Wälder, dass sie diese nicht nutzen. Das ist schon einmal ein erster Fortschritt.

    Ich würde gerne eine Stiftung gründen, die Geld sammelt, vor allem Erbschaften, und damit Natur kauft und dann außer Nutzung stellt. Demnächst wird die Zwangsbejagung in Österreich durch den EGMR beendet werden (so hoffe ich). Dann würden diese Gebiete auch außer jagdliche Nutzung gestellt. Das wären Refugien für Wildtiere, kleine Naturdiamanten. Es wäre für mich großartig, wenn ich diese Idee in meinem Leben noch umsetzen könnte.

  7. klaus says:

    lieber herr balluc,
    sie sind wirklich ein meister des „verdrehens“! Gratulation – sie sollte politiker werden, denn die weichen auch allem aus… 🙂

    aber um zum thema zurück zu kommen:
    wir müssen es schaffen, den wald zu nachhaltig zu nutzen (das ist auch im forstgesetz vorgeschrieben) und natürlich auch Juwele und möglichkeiten nützen, diese ausser nutzung zu stellen.
    aber es darf nicht nur auf dem rücken der grundbesitzer passieren. denn diese leben zum teil von der forstwirtschaft. andere kleinere haben land und forstwirtschaft oder sind überhaupt nur nebenerwerbsbauern. aber es muss unbedingt möglich sein, die natur zu nutzen – ich erwähne nur den holztisch in ihrer küche! er sollte aus vollholz sein und nicht aus kunststoff oder so…
    der rohstoff holz sowie auch die landwirtschaftlichen rohstoffe sollten einen höheren preis erzielen können – und das geht nur wenn der handel und somit auch die konsumenten mitmachen! nicht billig ist geil! qualität ist geil! das fängt beim T-shirt an, welches in europa produziert werden muss und hört bei Soja, Kartoffel, Mais und eben auch Holz nicht auf!
    die waldbesitzer haben derzeit sorge (egal wer daran schuld ist, darum geht es jetzt nicht mehr) die wälder klimafit zu machen, um davon auch leben zu können.

    betreten der wälder ist selbstverständlich zu erholungszwecken (laut Forstgesetz) erlaubt!! wenn die menschen sich nur halbwegs an diverse gesetze halten würden und auch mit vertsand die natur genießen würden, ist es ohnedies kein problem! aber ein biker, der quer durch den wald rast bzw. auf Forststrassen (betriebsgelände) fährt, wo Gefahr durch lkws usw . sein kann udn es eben nicht überall erlaubt ist…

    also so weit sind wir nicht mit unserer meinung auseinander, wenn sie den klassenkampf einmal vorne weg lassen! es geht um die natur!! von der wir leben müssen und die unsere lebensgrundlage ist!

    das mit dem jagdrecht bezüglich der zwangsbejagung ist mir eigentlich vollkommen egal – das kann ruhig geändert werden! – wichtig ist mir, dass die wildstände abnehmen und das möglichst bald, damit die naturverjüngung den wald retten kann!

    ihre stiftungsidee ist toll! wenn jemand seinen wald verkaufen will oder er so viel geld bekommt, dass er keine nutzung machen muss, um davon zu leben – perfekt!
    in vielen regionen österreichs kommt in den nächsten 30 jahren eine eher nutzung schwache zeit, da die kalamitäten der letzten jahre (temperaturanstieg, trockenheit, käfer, eisbruch, stürme…) sämtliches nutzungsfähiges holz zu „wegwerfpreisen“ dahin gerafft hat.

    also in diesem sinne!

  8. Martin Balluch says:

    @klaus
    Sehr gut: Sie sagen, man muss den Wald nutzen und natürlich auch Möglichkeiten nutzen, ihn außer Nutzung zu stellen. Äh, und ihn also nicht zu nutzen. Richtig.
    Gefahr durch LKWs auf Fortststraßen ist ein bisschen aus der Luft gegriffen. In anderen Ländern gibts diese Gefahr offenbar nicht, weil dort darf man Forststraßen frei befahren. Auch in der Schweiz und in Bayern. Aber das nur am Rande. Ich meine: wer riesige Forststraßen baut, lockt dort den Verkehr hin. Diejenigen, die so lustig Forststraßen bauen, sollten sich klar sein, dass sie praktisch FÜR IMMER den Wald dort zerstören. Diese Forststraßen wird es in 200 Jahren auch noch geben. Und tausende mehr. Niemand baut Forststraßen zurück. In den 20 Jahren, die ich am Hochschwab lebe, hat sich die Anzahl der Forststraßen in meiner Umgebung VERZEHNFACHT! Stille Oasen im Wald wurden durch 5 m breite Forstautobahnen entweiht. Das ist absolut grauenhaft und gehört auf jeden Fall verboten. Zumindest sehr stark eingeschränkt. Jedes Jahr gibts neue Forststraßen bei mir in der Gegend, riesige, und jedes Mal blutet das Herz.
    Genau, abnehmende Wildbestände durch eine Ende der Fütterei. Und durch den Wolf. Passt.
    Ich habe eine Präsentation der ÖBF gesehen zur Umwandlung des Waldes. Eh nette Leute, wirken bemüht. Das Resultat: in 100 (!) Jahren soll es 6 % Tannen geben. In 100 Jahren! 6 % ! Das ist leider der Stand der Dinge. Die Weißtanne ist ja eigentlich der Baum, der zusammen mit der Rotbuch unter 1000 m Seehöhe am häufigsten vorkommen sollte. Und mit voller Anstrengung schaffen wir 6 % in 100 Jahren. Na gut sind die Großgrundbesitzer:innen mit unserem Wald ja nicht umgegangen.
    In den Südkarpaten darf man überall zelten und überall ein Lagerfeuer errichten. Und überall mit dem Hund ohne Leine herumlaufen. Ich wüsste gerne, was das für dramatisch negative Auswirkungen hat, sodass das in Österreich unbedingt verboten sein muss. Für Kinder ist wirklich nichts romantischer und bringt nichts ihnen die Natur näher, als einige Nächte im Zelt in einer Waldwildnis (ohne Forststraßen weit und breit) mit Lagerfeuer. Warum, um alles in der Welt, soll es verboten sein, ihnen das zu bieten?!?

  9. regina says:

    „Alle Staatsbürger sind vor dem Gesetz gleich. Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses sind ausgeschlossen“

    Das steht seit 100 Jahren in Artikel 7 des österreichischen Bundes-Verfassungsgesetzes und ist noch immer nicht bei allen Behörden und selbst Richtern angekommen. Das ist generell beschämend und ich empfinde es als skandalös.

    Danke, dass Sie diese Tatsachen öffentlich machen und immer wieder dagegen vorgehen. Finanzielle Unterstützung ist unterwegs und wohl das geringste, das man als aufgeklärte BürgerIn beitragen kann.

  10. klaus says:

    was macht der Traktor auf dem Bild… schiebt er die Schweidernl zusammen oder?

  11. Demoversion says:

    Das ist ein „Schweinegalgen“, an dem sie aufgehängt werden. Trotzdem ein achtloser Umgang mit Lebewesen.

  12. Benjamin Jelinek says:

    Hallo Martin. Ich lebe zwar nicht in Österreich sondern in Deutschland und da geht es ganz genau so.. Jägerlobby auf höchstem Niveau.. Verfolge aber deine Beiträge auf FB und bin beeindruckt, wie du dich für die Tiere einsetzt. Ich hoffe bei dem Mayr geht mal ein [snip].. Mach weiter so, die Tiere danken es dir. Viele Grüße Benni Jelinek

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