60 tote Ferkel vor dem Parlament in Wien

Gerade jetzt haben sich 60 AktivistInnen des VGT mit jeweils einem toten Ferkel vor das Parlament gestellt, um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass die Schweineindustrie in Österreich aus Profitgier den Tod von 1,6 Millionen Ferkeln pro Jahr in Kauf nimmt. Man züchtet die Mutterschweine zu immer größerer Ferkelzahl – die Schweine bekommen bereits mehr Ferkel pro Wurf, als sie Zitzen bieten können! – und sperrt sie in enge Kastenstände, diese körpergroßen Gitterkäfige. Die hohe Zahl toter Ferkel ist dann ein Kollateralschaden, den man in Kauf nimmt, weil jedes einzelne Ferkel keine große Geldinvestition ist.

Und genau diese Schweineindustrie präsentiert sich als „Tierschützerin“ und behauptet, ihr läge das Wohl der Ferkel auf dem Herzen, weshalb sie „leider“ die Mutterschweine in Kastenstände sperren muss. Tatsache ist allerdings, dass die Kastenstände keine geringere Ferkeltodesrate mit sich bringen. Es ist zwar so, dass in der engen und unnatürlichen Haltung in Schweinefabriken manche Muttertiere in den ersten 3 Tagen einige Ferkel erdrücken, aber in den freien Buchten fühlen sie sich (ein bisschen) wohler, essen mehr, geben daher mehr Muttermilch und haben so kräftigere Kinder, sodass die gesamte Ferkeltodesrate ohne Kastenstände geringer ist.

Um die Bevölkerung zu kaufen, hat die Schweineindustrie kürzlich kostenlos Schweineschnitzeln vor verschiedenen Supermärkten verteilt. Das ist jetzt die Antwort des Tierschutzes. Mit Präsentation der toten Ferkel in der Öffentlichkeit zeigen wir, was wirklich hinter diesen scheinbar sauberen Schweineschnitzeln steckt.

Diese toten Ferkel schauen wirklich furchtbar aus. Man muss sich total zurückhalten, um nicht zu erbrechen, wenn man so ein Tier in der Hand hält. Wie kann man eigentlich Schweine essen, habe ich mich gefragt. Gestern Nacht musste ich einige der toten Ferkel, die frisch aus der Kastenstandhaltung gekommen waren, waschen, damit sie nicht zu unhygienisch für die öffentliche Straße sind. Ich habe noch nie etwas Grauslicheres tun müssen. Neben mir stand mein Hundefreund und er hat begeistert jeden Tropfen Blut aufgeleckt, der aus dem Waschbecken gespritzt ist. Mein Hund wollte sich auch unbedingt in den toten Ferkeln wälzen, für ihn rochen sie offenbar sehr verlockend. Da habe ich mir gedacht, DAS ist der Unterschied zwischen FleischesserInnen wie Hunden und mir bzw. Menschen. Uns Menschen graust beim Anblick eines toten Ferkels furchtbar, wir müssen erbrechen, es stinkt in einer Weise, die nicht auszuhalten ist. Hunde lieben diesen Geruch, Hunde finden genau dieselben Ferkel verlockend und schmackhaft. Da soll mir noch irgendjemand sagen, Menschen sind natürliche FleischesserInnen!

Umgekehrt beim Wandern, wenn man ein Heidelbeerfeld oder Eierschwammerl findet, wer kann daran schon vorbeigehen! Wen begeistert nicht der Geruch? Wer kann die saftigen Beeren ignorieren? Mein Hund! Für ihn sind Heidelbeeren und Eierschwammerl, wenn schon nicht grauslich, so doch uninteressant. Das scheint mir ein sehr tiefgreifender und deutlicher Unterschied zu sein, der mit Sozialisation nicht ausreichend erklärt wird.

Mehr Information zur Aktion des VGT vor dem Parlament:

https://vgt.at/presse/news/2011/news20110525.php

8 thoughts on “60 tote Ferkel vor dem Parlament in Wien

  1. Administrator says:

    @AntonWagner
    In großen österreichischen Schweinefabriken sterben im Mittel über 50 Ferkel pro Tag. Ja, die liegen dann einfach so in den Kastenstandbuchten tot herum. Und, ja, die holt man sich im Rahmen von einer Aktion des Zivilen Ungehorsams unbemerkt und ohne Zustimmung der FabriksleiterInnen.

  2. AntonWagner says:

    @ administrator

    ja wie, die kann man einfach so holen? bzw. falls in einer aktione des „zivlien ungehorsams“ geholt: die liegen einfach so rum?

  3. Administrator says:

    @diana:
    Die Ferkel wurden in der Nacht davor aus österreichischen Schweinezuchtbetrieben geholt, wo sie gestorben waren.

  4. Martin C. says:

    Eine eindrucksvolle Aktion, obwohl sicher keine angenehme Aufgabe für alle Beteiligten. Es ist immer wieder aufs Neue beschämend wie in unserer „zivilisierten“ Gesellschaft mit dem Leben leidensfähiger Wesen umgegangen wird. Und angesichts des grausamen Schicksals das diese 60 Ferkel ohnehin erwartet hätte, scheint mir deren früher Tod ohnehin das kleinere Übel zu sein …

  5. regina says:

    ich bin keine vegetarierin, esse aber nur bio-fleisch, von dem ich hoffe, daß es aus artgerechter haltung kommt. deshalb kein schweinefleisch für mich, weil es in bio nicht angeboten wird. ich weiß nicht, ob ich fleisch essen würde, wenn ich das tier selbst töten müßte, ich spüre unbehagen, bei dieser vorstellung. in letzter konsequenz müßte ich deshalb wahrscheinlich auf fleisch verzichten. und das gelingt mir – noch – nicht. einstweilen, versuche ich meinen fleischkonsum zu reduzieren. wenn das alle machen, ist auch etwas erreicht, nicht zuletzt dank eurer unermüdlichen arbeit ……..

  6. diana says:

    super aktion,aber wo habt ihr die toten schweine her??………..kann mir schon vorstellen das es dolle gerochen hat,,,,aber daumen hoch für euren einsatz

  7. Teissl Christine says:

    Eine sehr bewegende Aktion. Das führt den Menschen vor Augen, was sie mit ihrem Verhalten anrichten!

  8. joschi says:

    (…)Da habe ich mir gedacht, DAS ist der Unterschied zwischen FleischesserInnen wie Hunden und mir bzw. Menschen. (…)

    aha. und dennoch wird der hund veganisiert? schwachsinn!

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