3. Oktober 2022

Anzeige gegen Schafaussetzen im Hochgebirge (genannt Almhaltung)

Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde es Mode, Schafe einfach so ins Hochgebirge zu bringen und über den Sommer auszusetzen. “Almhaltung” nennt man das, obwohl dort gar keine Almen sind, keine Almhütten, keine Betreuungspersonen und keine Unterkunft für die Tiere. Niemand kümmert sich um sie, weshalb manchmal sogar mehr als 10 % über den Sommer da oben sterben. Das widerspricht eindeutig dem Tierschutzgesetz, in dem eine ständige Betreuung von domestizierten Tieren verpflichtend vorgeschrieben ist. Man stelle sich vor, Hundehalter:innen setzen ihre Hunde über den Sommer im Hochgebirge ohne Betreuung aus, weil ihnen das Futter zu teuer ist. Aber im Tierschutzgesetz gibt es keine Bestimmung, die in dieser Sache zwischen Hunden und Schafen unterscheidet. Wenn Hunde nicht über Monate ausgesetzt werden dürfen, dann Schafe auch nicht.

Jetzt wurde eine Herde von sich im Hochgebirge selbst überlassenen Schafen im Tennengebirge in Salzburg gesehen und angezeigt. Klar, dass bei einer solchen Haltung jeder Wolf, der vorbeikommt, zuschlägt. Warum auch nicht? Schuld sind aber die Schafhalter:innen, die ihre Tiere vernachlässigen, und nicht der Wolf. Man kann doch einem Wolf, dem man Schafe ungeschützt präsentiert, nicht vorwerfen, er sei ein Problemwolf und handle pathologisch. Pathologisch ist bestenfalls die Einstellung jener, die Schafe in der Wildnis aussetzen und sich dann aufregen, wenn das passiert, was in einer Wildnis nun einmal mit ausgesetzten domestizierten Tieren passieren kann.

Hier die Anzeige:

20 Gedanken zu “Anzeige gegen Schafaussetzen im Hochgebirge (genannt Almhaltung)

  1. Aussetzen von Schafen
    Wir züchten seit Jahrzehnten , mit Erfolg Schafe, die jeden Sommer im Gebirge verbringen. Ich lade sie ein mit mir einmal mitzugehen wenn wir nachschauen. Wir salzen sie jeden Monat, damit Ihnen ja nichts fehlt, sie haben grenzenlose Freiheit und ein üppiges Futter Angebot. Was sie schreiben kann nur einer, den die Praxis fremd ist, einen Hund aussetzen wäre schlimm, aber den Unterschied zwischen Hund und Schaf werde ich ihnen doch nicht erklären müssen.

    1. @Herbert
      Hunde überleben auch als Streuner. Zumindest mehrheitlich. Wie die Schafe. Diesbezüglich scheint der Unterschied nicht so groß. Oder wo sehen Sie den genau?

      Sie salzen jedes Monat? Gehen also 1x pro Monat da rauf? Ist das nicht ein bisschen selten?

      Aber zu Ihren konkreten Aussagen. Sie überspielen da einige Probleme, von denen Sie sicher wissen:

      – Ich bin Mitglied des Tierschutzrates, also eines Expertengremiums des Bundes, in dem das Leid der Schafe auf “Almen” (in Wahrheit einfach im Hochgebirge) in mehreren Sitzungen von Arbeitsgruppen intensiv diskutiert wurde. Es waren auch Vertreter:innen verschiedener Schafhalterverbände dabei. Das große Problem ist die hohe Todesrate von Schafen, wenn sie im Hochgebirge ausgesetzt werden. Da kann 1 x pro Woche oder Monat jemand vorbei schauen oder nicht. Faktum ist, dass zwischen 5.000 und 10.000 Schafe in Österreich im Hochgebirge zugrunde gehen. Viele davon, übrigens, weil man sie einfach nicht mehr findet. Das kann man ja kaum Almhaltung nennen, wenn man Haustiere wo hin bringt, wo man sie nicht mehr findet. Viele sterben an Moderhinke, am Wetter, an Verletzungen, am Absturz aufgrund von Panik. Und natürlich auch, wenn Wölfe oder Bären die Schafe reißen, sind die Halter:innen schuld. Wer sonst? Man muss seine Haustiere gegen Beutegreifer schützen. Ich kann auch nicht einfach Hühner über Nacht draußen lassen, und wenn der Fuchs sie holt, ihm die Schuld geben. Schuld sind die, die ihre Haustiere, die sich nicht selbst schützen können, ungeschützt gelassen haben. Das ist doch wohl klar. Wenn Schafe wirklich ins Hochgebirge gehören würden, dann wären sie auch in der Lage, Wolf und Bär zu entkommen. Wenn sie das nicht sind, ist klar, dass sie nicht ins Hochgebirge gehören.

      – Das Hochgebirge ist der Lebensraum von Wildtieren, und nicht von Haustieren. Haustiere können dort bestenfalls sein, wenn sie das Leben der Wildtiere nicht einschränken. Der jährliche Abschuss von 7.000 Murmeltieren wird damit argumentiert, dass sie Löcher in Almboden graben, an denen sich Haustiere verletzen können. Also bitte! Die Wildtiere gehen vor! Genauso bei Schafen. Wenn die Schafe nicht da oben sein können, ohne dass das Einfluss auf Wildtiere hat, dann können sie eben nicht da oben sein. Wenn wer wegen den Schafen Wolf und Bär töten will, oder wenn die Schafe Lippengrind und Gamsblindheit auf Gemsen und Steinböcke übertragen, dann muss ein anständiger Tierschützer eingreifen. Wildtierschutz ist auch Tierschutz. Im Hochgebirge gehen die Wildtiere vor. Auf der Weide in Menschennähe die Haustiere.

  2. Ich bin schon überaus gespannt, was denn aus dieser Anzeige wohl werden wird.
    Anhand einer Beobachtung und eines Fotos den Tatbestand der Vernachlässigung von Nutztieren zu konstruieren, ohne wirklich beweisbare Taten und Fakten, die die Anschuldigungen auch bestätigen, zu liefern, fällt wieder einmal unter die Rubrik:

    “Aktionismus, um unsere zahlenden Mitglieder bei Laune zu halten”.

    Jene Mitmenschen nämlich, die gegen jede Tierethik Katzen und Hunde wider ihren natürlichen Bedürfnissen auf wenigen Quadratmetern in ihren Wohnungen “halten”, und sich durch die Empörung über solche angeblich “himmelschreienden Zustände” ein reineres Gewissen erkaufen.

    Schafhaltung auf Almen, auch in höheren Lagen, ist nach Tier-ethischen Kriterien geradezu ideal, was natürliches Herdenverhalten, Bewegung und Ernährung betrifft.
    Schafe werden bereits seit Jahrtausenden auf Almen gehalten, die Haltung von Nutztieren, vor allem von Wiederkäuern, war eine wesentliche Voraussetzung für die Besiedelung des alpinen Raumes durch den Menschen, und nicht erst seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wie hier lustigerweise behauptet wird.

    Das Paradoxon in Ihrer Vorgangsweise gegen die Almwirtschaft im Allgemeinen liegt darin, dass damit im Sinne des Tierschutzes genau das Gegenteil von dem erreicht wird, was eigentlich beabsichtigt war:
    Nämlich, dass die kleinen Nebenerwerbslandwirte und Tierhalter aufgeben, und die grossen Tierfabriken dadurch immer mehr zunehmen.

    1. @Peter
      Es sterben 5.000 bis 10.000 Schafe jährlich im Hochgebirge in Österreich. Und zwar um die 5 % der Tiere, die die wenigen Monate pro Jahr da oben ausgesetzt werden. Diese Tiere gehen grauenhaft zugrunde. Sie leiden. Das muss Tierschützer:innen schon interessieren, oder würden Sie nicht sagen? Meinen Sie, man muss zuschauen, während diese Schafe zu Tode gequält werden?

      Im Tierschutzrat, in dem ich sitze, war das lange Thema. Daher weiß ich aus erster Hand, dass diese hohe Todesrate ein Faktum ist. Und dazu kommen Tiere, die durch Wolf oder Bär sterben. Halter:innen haben die Pflicht, ihre Haustiere vor Beutegreifern zu schützen. Das ist doch selbstverständlich. Wenn Wolf und Bär Schafe einfach so töten können, dann werden sie offenbar nicht richtig geschützt, und dann stimmt etwas nicht. Auch da müssen Tierschützer:innen eingreifen.

      Aber klar ist auch, dass das Hochgebirge den Wildtieren gehört. Da sind Mensch und Haustier nur Gast. Wenn schon Mensch und Haustier im Hochgebirge sind, dann nur unter der Voraussetzung, dass das die Wildtiere nicht einschränkt oder schädigt. Und zwar alle. Tierschutz bedeutet auch Wildtierschutz. Haustierhaltung im Hochgebirge darf niemals zu Lasten von Wildtieren gehen.

      Tausende Jahre Schafhaltung sagen zunächst nichts über ihre Legitimität aus. Es gibt auch schon tausende Jahre Krieg. Aber die Schafhaltung bis zum Ende des 2. Weltkriegs war kein Aussetzen im Hochgebirge. Da waren immer Hirt:innen dabei, mit ihren Hunden. Plötzlich ist das nicht mehr so. Zum Schaden der Schafe. Also müssen wir wieder zur alten Tradition zurückkehren, Schafherden zu behirten. Alles andere ist mit einem modernen Verständnis von Tierschutz nicht vereinbar.

  3. Also
    Diese Wolfs Diskussionen immer
    Bauern wacht auf holt euch eine Langwaffe und verräumt sie das hat doch keinen Lack mehr
    Auf die Jäger brachen wir nicht warten den sie schießen sowieso nicht(Beruf, Jagdschein) sind sie los
    Sie werden still und leise weniger werden hoffentlich
    Die Schafe und Rehe sind nur der Anfang
    Ich schütze meine Tiere wo ich kann
    Und glaube Gott wenn ich einen seh dann holt ihn di Kugel ein

  4. Ich finde diese Beiträge hier einfach nur lachhaft! Wenn man keine Ahnung hat sollte man nicht so einen Beitrag veröffentlichen.
    Erste Frage: In welcher Hinsicht geht es den Tieren auf der Alm schlecht?

    Mal angenommen die Schafe wären den ganzen lieben langen Sommer über zuhause. Welches Heu fressen sie im Winter? Was wenn überhaupt nicht genügend Grünfläche vorhanden ist um sie den Sommer über zu versorgen? Wieso gibt es eine Förderung für 60 Tage Alpszeit?

    Und eine ganz besondere Frage zum Schluss…
    Wieso sind wir Bauern der Abschaum der Gesellschaft?
    Wieso mischt sich jeder in unsere Arbeit ein?
    Wieso dürfen wir nicht einfach unsere Arbeit machen, so wie wir es für richtig halten und wie es unsere Vorfahren uns gelernt haben?
    Ich setz mich ja schließlich auch nicht zu einem Steuerberater ins Büro und sag ihm was er wie zu machen hat!

    1. @kira
      Ich vermute ich habe sehr viel mehr Erfahrung mit Wildnis, Urwald, Ökosystemen und Natur als Sie. Insofern wäre ein bisschen Bescheidenheit bei Ihnen angebracht. Sie können gerne rationale Argumente bringen, auf die ich eingehen werde.
      Es geht den Schafen in der Hinsicht schlecht, dass jährlich bis zu 8.000 von ihnen auf der Alm wegen Krankheiten, Unwetter oder auch dem nicht mehr aufgefunden werden Können grausam zugrunde gehen. Das ist ein Problem, das sogar an den Tierschutzrat herangetragen wurde. Dort sitze ich auch und habe mir die Problematik angehört. Klar ist, dass etwas geschehen muss, weil so viel Tierleid, noch dazu eindeutig gesetzwidrig, ist nicht akzeptabel.
      Und warum wir als Gesellschaft bei Ihrem Tun mitreden? Ganz einfach:
      – durch Subventionen finanzieren wir den Großteil der bäuerlichen Arbeit, da müssen wir auch sagen können, wos lang geht
      – wer unsere Natur verändert und mit Tieren umgeht, muss sich den Normen, die die Gesellschaft diesbezüglich aufstellt, unterordnen. Tier- und Naturschutz geht uns alle an.

      1. Persönliche Frage an Sie…

        Wenn sie schon den Mund dermaßen weit aufmachen, wieso halten sie nicht selbst Schafe wo alles doch so einfach ist??

      2. Sehr geehrter Herr Balluch, ich bitte Sie inständig, kommen Sie auch einmal nach Osttirol, machen sich hier ein Bild und zeigen auch mal den ein oder anderen Bauer an. Die Bauern haben die ÖVP, die Natur braucht so einen wie Sie! Danke, Sie machen wichtige Arbeit.

  5. Es war höchste Zeit, dass jemand den Spieß einmal umdreht.
    Ich finde es super, dass Sie die Bauern daran erinnern, dass man mit der Natur Arbeiten muss, und nicht gegen diese. Toller Blogpost!

        1. Ja es wird schon lange über Wölfe geschrieben. Die gehören auch zur Natur. Jetzt Schafe freilaufend, kein Zaun kein Hirte denn die arbeiten ja scheinst irgendwo. Im nächsten Zeitungsbericht heisst es dann wieder: Wolf hat Schafe gerissen….zum Abschuss freigegeben!!!!!

  6. Hast völlig recht, aber was sollen wir tun arbeiten im Nebenerwerb keine Freizeit der ganze Urlaub geht für die Landwirtschaft drauf, und die Tiere fühlen sich frei, und werden nicht eingepfercht ( da kommen erst die Krankheiten auf)
    Da sollte die Regierung was unternehmen dass die Bauern im Nebenerwerb mehr Freizeit bekommen und nicht solche Anzeigen, das macht die Sache nur noch schlimmer!
    Und das was die Schafe und Bauern machen ist Landschaftspflege für diejenigen die viel Freizeit haben um das zu genießen zu können ( unfair)
    Es wird wenns so weitergeht immer weniger Bauern geben es wird die harte arbeit nicht mehr geschätzt
    Schade

    MFG
    Andi

  7. Der Wolf hat bei uns nichts verloren!! Schafe hin oder her… kann ja auch nicht auf meine Tochter ein Lebenlang aufpassen und sagen: Oje kann man dem Vergewaltiger nichts vorwerfen, wenn man die Tochter so unbeaufsichtigt dem Täter präsentiert….. denkt ihr eigentlich auch manchmal nach??? Oder seid ihr Komerzpolitiker?? :))))

    1. @E
      Und wie siehst Du das mit Giftschlangen? Kreuzotter zum Beispiel? Hat die was bei uns verloren? Wenn ja, wieso? Oder kannst Du bei Schlangen schon immer auf Deine Tochter aufpassen?
      Und wenn Du echt meinst, alles ausrotten, was dem Menschen gefährlich werden könnte, dann kannst Du gleich bei den Bienen und Wespen weitermachen. Können auch unsere Töchter verletzen oder töten.
      Der Mensch ist Gast in der Natur. Er muss Ökosysteme respektieren und Intakt lassen. Er kann nicht aus Eigennutz die Natur verändern, wies ihm passt.
      Apropos Eigennutz: also für mich steigert sich der Wert eines Waldbesuchs immens, wenn es Wölfe gäbe. Und nicht nur das: ich könnte mir auch das Einzäunen meiner Jungbäume gegen Wildverbiss ersparen, weil der Wolf würde die Futterstellen, die zu den hohen Paarhuferpopulationen führen, schon aufmischen. Für mich bringt der Wolf also nur Vorteile. Warum soll Dein Wunsch wichtiger sein als meiner?

    2. Wie unpassend dieser Vergleich. Eine Tochter mit einem zu vergleichen oder zu behaupten ein Wolf habe in den Alpen nichts verloren … Bildung aus der Bild? Trump Versteher? Der glaubt auch das wir im Wald leben und bei solch Kommentaren scheint das verständlich.

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