Auch das verursacht die Jagd: Autounfälle mit Wildtieren

Die Jagd ist ein ungeheuer massiver Eingriff in die Natur. Da gehen nicht ein paar Menschen mit Gewehren in den Wald und schießen ab und zu. Da werden auch nicht einfach die fehlenden Wölfe ersetzt. Nein, Jagd bedeutet hierzulande das Ausbringen von mehreren hundert Millionen kg Futter zusammen mit einem permanenten Druck auf die Tiere, sich verstecken zu müssen. Jagdsaison ist immer. Selbst wenn manche Tiere Schonzeiten haben, so gibt es dennoch für jeden Monat gewisse Tierarten, die man schießen darf, manche davon, wie Füchse und Wildschweine, sogar ganzjährig.

Die Folge ist eine viel zu hohe Wildtierpopulation. „Zu hoch“ heißt viel mehr Tiere, als die Kapazität des Waldes selbst erhalten könnte und als die soziale Fähigkeit der Tiere verträgt. Der Jagddruck zeigt sich in häufigen Revierwechseln, z.B. wenn Füchse geschossen werden und dadurch ein Revier frei wird, und in einer viel früher einsetzenden, erhöhten Fruchtbarkeit der Tiere, um die Verluste zu kompensieren, sodass deutlich mehr Jungtiere als weise, ältere vorhanden sind. Und nicht zuletzt treibt die ständige Gefahr die Tiere in artuntypische Verhaltensweisen, vor allem in Nachtaktivität. Die Folge ist, dass sich viel mehr Tiere, als natürlich vorhanden wären, in Gegenden befinden, die für die meisten neu sind. Der Großteil dieser Tiere ist jung und unerfahren und hat kaum Ältere, die ihn führen können. Und Tiere, die evolutionär eigentlich an ein Leben im Tageslicht angepasst sind, müssen sich durch die dunkle Nacht tasten.

Neben vielen anderen negativen Auswirkungen, die das auf die Tiere hat, tragen alle diese Faktoren zur hohen Anzahl an Autounfällen mit Wildtieren bei. In der oben angegebenen Statistik sehen wir das unglaubliche Ausmaß in Österreich: im letzten Jagdjahr waren das 66.300 Rehe, 34.421 Hasen, 8576 Füchse, 2909 Gemsen und 2346 Hirsche!

Josef Reichholf führt in einem Vortrag an der Uni Basel aus, dass Tiere sehr gut in der Lage sind, die Regeln des Straßenverkehrs verstehen zu lernen. In den Städten würden Füchse sogar bei roter Ampel warten, um dann mit den Menschen zusammen bei Grün die Straße zu überqueren. Und eine Wildschweinmutter habe ihre Ferkel aufgehalten, bis kein Auto mehr gekommen ist, bevor sie die Straße überqueren durften. Reichholf führt dann aus, dass die Wildtiere mehrheitlich erst dann Opfer des Straßenverkehrs werden, wenn sie gezwungen sind, in der Nacht aktiv zu sein. Dann würden sie nämlich die Autoscheinwerfer falsch einschätzen und in fahrende Autos laufen. Das Video seines Vortrags: http://www.youtube.com/watch?v=xeknVbfzT_w

Ich kann das insofern bestätigen, dass ich auch Füchse gesehen habe, die am Tag wirklich wohlüberlegt und kontrolliert befahrene Straßen kreuzen. Und ich erlebe an mir selbst, dass in der Nacht anhand von Scheinwerfern nicht einzuschätzen ist, wie schnell und wie weit entfernt ein Auto ist.

Die Jagd ist damit für den Unfalltod von 115.000 Wildtieren verantwortlich! Das sind weitere Opfer, die in den Überlegungen berücksichtigt werden müssen, ob die Jagd toleriert werden sollte.

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