Corona und die Spanische Grippe

Das Bild oben zeigt die Anzahl der Toten in der Altersklasse über 65 in Österreich pro Woche heuer im Vergleich zu den Vorjahren. Zu sehen ist, dass irgendetwas momentan die Todeszahlen senkrecht in die Höhe schießen lässt. Dieses „irgendetwas“ ist Corona.

Während also für jeden Menschen, der sehen kann, auf ersten Blick ersichtlich ist, dass es sich um eine ernsthafte Pandemie handelt, tritt eine 22 jährige Frau auf einer Coronaleugnerdemo in Deutschland auf und sagt allen Ernstes, sie sei die neue Sophie Scholl. Auch sie kämpfe für Menschenrechte. Wird auch sie geköpft? Ein Ordner ihrer Demo vertrug so viel Unsinn auf einmal nicht, kam zu ihr zur Bühne, warf ihr seine Ordnerjacke vor die Füße und ging. Das hielt unsere Sophie Scholl 2.0 nervlich nicht aus und begann zu heulen, schleuderte das Mikrophon in eine Ecke und rannte davon.

https://twitter.com/MdBdesGrauens/status/1330227516632657923

Täglich stellen sich diese sogenannten Coronaleugner_innen so derartig doof an, im Niveau wie Donald Trump, und machen sich lächerlich, dass einem die Tränen kommen. Erschreckend.

Ich erhalte täglich mehrere Emails von Menschen dieser Art. Kürzlich z.B. dieses Statement:

Klar und deutlich: Der Drosten-PCR-Test ist ein Fake, Dr. Drosten trägt den Doktor unrechtmäßig. Den Professor-Titel hat der Mann von der Industrie-Familie Quandt geschenkt bekommen.

Oder auch das:

Die Corona-Pandemie ist ein abgekartetes Spiel zur Etablierung einer Neuen Weltordnung, die langfristig in den Totalitarismus führen könnte.

Aha.
Ich lese gerade ein Buch von Laura Spinney über die Spanische Grippe: „1918. Die Welt im Fieber“. Geschrieben 2017, also bevor das Coronavirus bekannt wurde. Da findet man ungeheuerlich viele Parallelen. Die Spanische Grippe – für diejenigen, die nicht wissen, wovon da die Rede ist – war die in absoluten Zahlen tödlichste Pandemie bisher weltweit überhaupt. Sie hatte auch grippeähnliche Symptome, wie Covid19. Die Todesrate wird mit 2,5 % angegeben. Und sie überrollte in insgesamt 4 Wellen mehrmals die gesamte Erde. Viele Regionen hatten damals 1918 kaum eine medizinische Versorgung. Impfung dagegen gab es sowieso keine. Man spricht von 50 – 100 Millionen Toten. Mangels fehlender Statistiken in vielen Staaten damals gibt es da so eine Ungenauigkeit. In Indien allein dürften etwa 21 Millionen an der Spanischen Grippe gestorben sein.

Jedenfalls sind die meisten Menschen nicht an sondern mit der Spanischen Grippe gestorben, an Lungenentzündung etwa. Und es gab Länder und Städte, die verpflichtend Schutzmaßnahmen wie Isolation, Nasen-Mund-Masken und das Verbot von Massenveranstaltungen eingeführt haben. Regionen mit solchen Maßnahmen hatten viel geringere Todesraten. Und Vorerkrankungen machte die Menschen viel anfälliger, so z.B. Malaria oder Tuberkulose.

Wörtlich aus dem Buch:

Der einzige augenfällige Unterschied zu Corona ist, dass die Spanische Grippe besonders die Altersgruppe der 20-40 Jährigen betroffen hat. Sonst ist alles gleich, inklusive Verschwörungstheoretiker:innen und Maskenverweigerern.

Wir sollten immer aus der Geschichte lernen. Aus der Pandemie der Spanischen Grippe lernen wir, dass es für solche Pandemien normal ist, dass die Menschen nicht an sondern mit der Erkrankung sterben, und dass es vor allem Menschen mit Vorerkrankungen betrifft. Und wir lernen, dass damals jedenfalls die Verschwörungstheoretiker:innen nicht recht hatten. Es kam zu keiner Weltverschwörung. Politisch gab es überhaupt keine Auswirkungen. Und diejenigen, die Masken verweigert und Schutzmaßnahmen kritisiert hatten, lagen falsch.

Übrigens hat laut diesem Buch die Spanische Grippe die Voraussetzung für Donald Trumps Reichtum geliefert: sein Großvater, ein Immigrant aus Deutschland, ist an der Spanischen Grippe gestorben und hatte eine Lebensversicherung. Das Geld daraus war das Grundkapital. Lustig, dass der Enkel des Pandemieopfers heute die Pandemie leugnet. Aber rational konsistent und in irgendeiner Weise vernünftig ist dieser Mensch ja sowieso nicht.

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