Das Für und Wider von Störungsaktionen gegen Treibjagden (Jagdsabotagen)

Im Jahr 1989 schloss ich mich der englischen Hunt Saboteurs Association an und wurde kurz darauf für 8 Jahre in Folge in dessen Vorstand gewählt. Dieses Netzwerk von autonomen Tierschutzgruppen quer durch Großbritannien hat ein sehr frühes Gründungsjahr: 1963. Das Ziel damals war, die adeligen Hetzjagden mit Hundemeuten auf Füchse, Hasen, Otter, Rehe und Hirsche – später auch Nerze – zu behindern. Doch wir gingen auch in die Hochmoore und nahmen die Treibjagden auf gezüchtete Rebhühner und Fasane ins Visier. In England werden bis heute 30 Millionen (!) Zuchtfasane pro Jahr ausgesetzt, um die Schießlust zahlender Jagdgäste zu befriedigen. Ein jeder dieser Jäger und Jägerinnen, die ich dabei antraf, hatte zwei Diener mit weißen Handschuhen dabei. Der eine trug zwei Gewehre, der andere einen aufklappbaren Stuhl. Am Schießplatz angekommen setzte sich der Schütze bzw. die Schützin auf den Stuhl und bekam ein Gewehr überreicht, mit dem er/sie auf durch Lakaien hochgescheuchte Vögel schoss. Dann gab er/sie das Gewehr dem Diener und nahm das zweite zum sofortigen nächsten Schuss entgegen, während das erstere Gewehr wieder geladen wurde usw.  Nach 200 erschossenen Fasanen und Rebhühnern wurde mitten im Hochmoor das Lachsfrühstück serviert.

Bis heute gilt der „glorious twelve“, der 12. August, in ganz England als der Beginn der Jagdsaison auf die gezüchteten Rebhühner. Von 12. – 19. August hatten wir TierschutzaktivistInnen daher immer unsere Aktionswoche, mit so vielen Störungsaktionen gegen diese Jagden, wie nur möglich. Weil ich 1995 eine solche Aktionswoche organisiert hatte, wollte man mich sogar damals aus England deportieren. Durch den öffentlichen Druck aufgrund zahlreicher Solidaritätsaktionen – auch der berühmte Wissenschaftler Stephen Hawking schrieb einen Protestbrief – stellte die Behörde das Deportationsverfahren aber wieder ein. Es wurde zu dieser Zeit sogar in österreichischen Medien davon berichtet und Madeleine Petrovic, die damals die Bundesprecherin der Grünen war, unterstützte mich.

Seit den frühen 1990er Jahren gibt es auch Störaktionen gegen Treibjagden insbesondere auf Zuchttiere in Österreich. Im Herbst 1991 wurde dabei nahe Vitis im Waldviertel sogar einem Tierschützer mit dem Schrotgewehr in den Bauch geschossen. Der Schütze behauptete gegenüber der Polizei, er hätte den Aktivisten mit einem Fasan verwechselt, und ging straffrei aus. Seit damals tragen die TierschützerInnen reflektierende Warnwesten bei Jagdstörungen.

Letzten Samstag gab es wieder einmal eine solche Störaktion in Österreich, siehe https://vgt.at/presse/news/2014/news20141118es.php. Hat das denn einen Sinn, fragen manche? Wenn die JägerInnen nicht genügend Tiere schießen können, würden sie sich einfach noch einmal treffen. Und überhaupt bringe man so die politische Elite gegen sich auf, man würde nur erreichen, dass die Gesetze gegen Aktivismus aber nicht gegen die Jagd verschärft würden usw. Was, genau, sollen Jagdstörungen bringen?

Die Antwort ist einfach: sie spiegeln den Konflikt wider, der in der Gesellschaft um die Jagd, insbesondere die Jagd auf gezüchtete Tiere, herrscht, siehe https://martinballuch.com/die-wichtigste-kampagnenarbeit-agitate-agitate-agitate/. Jagdstörungen führen der Jägerschaft deutlich vor Augen, dass es viele Menschen gibt, die ihr Hobby missbilligen. Sie zeigen, dass dieses Verhalten inakzeptabel ist. Sie machen letztlich eine Änderung von Tradition und Gesetz eine Notwendigkeit, um wieder die Wogen zu glätten.

Der unmittelbare Erfolg ist eine große Änderung im Auftreten der Jägerschaft. Als wir 1988 mit massiven Dauerdemos gegen Pelzgeschäfte loslegten, organisierte die Kürschnerinnung am Wiener Stephansplatz eine Pro-Pelz Kundgebung. Man empfand unsere Agitation als Zumutung und fühlte sich im Recht, meinte, die TierschützerInnen wären nur eine radikal Minderheit. Heute verhält sich die Kürschnerinnung total defensiv, weil sie genau weiß, wie umstritten ihr Handwerk ist und dass sie eine große Mehrheit gegen sich hat. Die Stimmung ist gekippt.

Ähnlich bei der Jagd. Vor 20 Jahren noch reagierten JägerInnen in Österreich auf unser Erscheinen mit großer Aggression und Wut, sie waren total selbstbewusst und sahen in uns die AußenseiterInnen, auf die man sogar ungestraft schießen kann. Letzten Samstag ein ganz anderes Bild, die JägerInnen waren sehr defensiv, als ob es ihnen peinlich ist, dass ihr Verhalten an die Öffentlichkeit kommt. Keine Spur von der Überheblichkeit und Arroganz früherer Jahre.

Das ist die Konsequenz solcher konfrontativer Aktionen. Kürschnerei und Jägerschaft wissen heute ganz genau, wie umstritten ihre Tätigkeiten sind. Die Zeit arbeitet für uns. Die jungen Generationen wachsen in diesem Bewusstsein auf und übernehmen das Staffelholz.

12 thoughts on “Das Für und Wider von Störungsaktionen gegen Treibjagden (Jagdsabotagen)

  1. Franz de Paula says:

    Liebe Ella, 25.000 Dollar für ein Kilogramm Potenz-Pulver rechtfertigt der Mafia jede Methode!

    PS: Natürlich bin ich auch gegen die Hege-Pflege-Jagd hierzulande. Die derartige Verfälschung der Ökosysteme ist im Jahre 2014 nicht mehr opportun. Wildtiere sollten, so weit es möglich ist, aus dem ökonomischen Spielvarianten der Menschheit ausgenommen werden – es geht um die gesunde Vielfalt der Erde, die nur durch natürliche Selektion gewährleistet ist!

  2. Veronika says:

    @ella

    “ Sind Sie wirklich der Meinung, dass ein Hund/Katze was auch immer, das vollkommene Bewusstsein besitzt um zu begreifen, dass der Mensch tötet weil er gerade Lust auf Fleisch hat? “
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    Warum sollte der Hund begreifen warum ein Mensch tötet? Wenn er ein Jagdhund ist nimmt er an, der Mensch möchte töten. Nicht aus Hunger, sondern aus Mordlust – so wie er selbst auch. Der heutige Jäger tötet ja nicht aus Lust auf Fleisch, sondern aus Lust am Töten an sich. Viele Leute fahren weiß Gott wohin, nur um ein Tier töten zu können. Er isst es nicht, er bringt es nur sinnlos um.
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    „Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes liegt Mordlust vor, wenn der Tötungsvorgang als solcher den alleinigen Tötungsantrieb bildet, wenn es also an einem in der Person des Opfers oder der Tötungssituation liegenden Tatanlass und an einem über das Interesse am Tötungsakt hinausgehenden Tatzweck fehlt. Dies ist namentlich dann der Fall, wenn die Tötung erfolgt aus Neugierde, einen Menschen sterben zu sehen, aus Freude am Töten, aus Angeberei, Mutwillen oder Zeitvertreib.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Mordlust

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    Genau das trifft doch auf die Jagd wie sie heute betrieben wird zu – oder etwa nicht? Nicht jeder Mensch ist ein potentieller Menschen-Mörder. Aber jemand der keinerlei Hemmungen hat aus reiner Lust zu töten, dem fällt es leicht auch einen Menschen aus reiner Lust zu töten. Solche Leute haben genauso viel, oder wenig Bewusstsein in dieser Beziehung wie ein Tier. Bei den Haustieren sind es vor allem Hunde die ohne Notwendigkeit – aus reiner Lust – töten. Bei Katzen ist das mitunter anders. Weibliche Katzen – so haben wir das erlebt – bringen eher erlegte Tiere nach Hause. Wahrscheinlich sehen sie ihre Menschen als ihre Kinder an, die nicht fähig sind das Essen selbst zu fangen. Wir hatten auch schon männliche Katzen die tatenlos zugesehen haben wie die Mäuse vor ihren Pfoten herum liefen, wenn sie keinen Hunger hatten. Deshalb gab man früher den Katzen auch nur Milch, damit sie Mäuse jagen. Eine hungrige Katze spielt übrigens nicht mit ihrem Opfer. Das machen nur Katzen die satt sind und sich wie Jungtiere verhalten, als Folge der Domestizierung.

  3. ella says:

    @Veronika
    Ja, diese Studie habe ich gelesen, nur geht sie meiner Meinung nach nur dem Geruch des Blutes nach… sprich dass Tier muss schon bluten, ist aber jetzt auch egal.

    Sie schreiben weiters: “ Im allgemeinen töten domestizierte Tiere aus reiner Mordlust – sie werden uns Menschen ähnlich. Mordlust beschränkt sich nicht auf bestimmte Objekte. Sie existiert unabhängig davon und richtet sich somit auch gegen Menschen. Es ist ein Zustand in dem sich jemand befindet – somit ist ein Jäger zumindest auch ein potentieller Menschen-Mörder.“

    Wie (auf welcher Grundlage) können Sie behaupten, dass domestizierte Tiere aus reiner „Mordlust“ töten? Sind Sie wirklich der Meinung, dass ein Hund/Katze was auch immer, das vollkommene Bewusstsein besitzt um zu begreifen, dass der Mensch tötet weil er gerade Lust auf Fleisch hat? Hier kann ich Ihnen nicht ganz folgen…und weiters nicht zustimmen!

    Weiters bin ich gegen den Begriff „Mordlust“-was soll das bitte sein?-so etwas gibt es nicht!!! Jede Katze fängt ne Maus, und sei es nur um mit ihr zu spielen nicht aus der Lust des Mordes wegen, einfach weil schon allein daraus, dass der Begriff „Mord“ nichts für die Katze bedeutet, bzw für sie existiert kein Mord… und so auch beim Mensch- hinter einem Mord steht immer etwas anderes…

    Und ja, von mir aus, jeder Jäger ist ein potentieller Menschen-Mörder- genauso wie jeder andere Mensch ein potentieller Menschen Mörder darstellen kann- Was wollen sie mit dieser Aussage bezwecken?

    @Franz de Paula
    Erstens sind auch Hirschgeweihe Bestandteil der TCM und zweitens, kann ich Rhino Horn auch mit jedem anderen Horn (z.B Kuh) genauso strecken. Ich glaube nicht, dass sich jemand die Mühe macht- teuer importiertes Hirschhorn dafür zu verwenden!

  4. Franz de Paula says:

    … liebe Ella – Hirschgeweih sollte nicht nach Ostasien exportiert werden, da es von Handlangern der Syndikate als schwer nachweisliches Streckmittel zum illegal verwendeten Rhino-Horn verwendet wird. Mehr als nur eine Frage des Charakters!

  5. Veronika says:

    Jetzt bin ich noch einmal da. 🙂 Zufällig habe ich gerade im Internet ein interessantes Buch gefunden welches zu diesem Thema passt.

    Die städtische Mensch-Tier-Beziehung: Ambivalenzen, Chancen und Risiken
    von Ulrike Pollack, Technische Universität Berlin, soziale Regeln 6

    Man kann Teile davon im Internet lesen, wenn man richtige Begriffe eingibt. Ich habe hier den Anfang gelesen, kann also nicht genau sagen wie es weiter geht. Dürfte aber ganz gut sein.

    http://books.google.at/books?id=qtje4HGLCFQC&pg=PA11&lpg=PA11&dq=verehrung+von+tieren&source=bl&ots=OItBy7wJIX&sig=Vxd16EvFiAIkLa7FOTokW3lMQUo&hl=de&sa=X&ei=KPV0VKq-MubNygPmxoLQAg&ved=0CCAQ6AEwATgU#v=onepage&q=verehrung%20von%20tieren&f=false

  6. Veronika says:

    “ Im allgemeinen töten domestizierte Tiere aus reiner Mordlust “ sollte heißen, Im allgemeinen töten domestizierte Tiere mitunter AUCH aus reiner Mordlust …

  7. Veronika says:

    Hallo Ella, schön dass sie zugeben, dass jemand der tötet, auf der Stufe eines Tieres steht – Gleichstellung würde ich das nennen. 🙂 Tiere in der Wildnis töten normalerweise nicht aus Lust, sondern aus Überlebensinstinkt. Wie Wissenschaftler gerade herausgefunden haben, werden sie vom Geruch des Blutes angezogen. Den kann man abtrennen und dann finden sie ihn genauso attraktiv. Im allgemeinen töten domestizierte Tiere aus reiner Mordlust – sie werden uns Menschen ähnlich. Mordlust beschränkt sich nicht auf bestimmte Objekte. Sie existiert unabhängig davon und richtet sich somit auch gegen Menschen. Es ist ein Zustand in dem sich jemand befindet – somit ist ein Jäger zumindest auch ein potentieller Menschen-Mörder.

    In unserer Gesellschaft trennt man – theoretisch – Mensch und Tier in wertvolles und unwertvolles Leben. Auch das ist etwas das solche Leute dann auch auf Menschen ausweiten wenn sie einen Grund suchen, diese umzubringen. Nicht jede menschliche Gesellschaft denkt, bzw. dachte so. Das Strafrecht ist eine Erfindung unserer Gesellschaft, die von der Annahme ausgeht, Menschen seien wertvoller, weil entwickelter als Tiere. Eine Theorie der sie gerade eben widersprochen haben.

  8. Ella says:

    Liebe Veronika,

    Die Definition von „Mord“ entstammt dem Strafrecht, und hier gibt es keine Mensch-Tier Gleichstellung.

    Ich kann Ihnen nicht ganz folgen…Sie schreiben: „Wenn jemand aus Hunger tötet, wird er zum Tier und dann ist es Selbsterhaltungstrieb. Aber wenn jemand aus Lust tötet ist er ein Mörder. Der ist blutrünstig und er handelt wie ein Tier….“ In beiden Fällen wird der Mensch bei Ihnen zum Tier, und dass stimmt ja auch so, denn auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen- der Mensch ist ein Tier- wenn auch auf verschiedenen Ebenen ein ziemlich weit entwickeltes-und auch wie jedes Tier töte er eben nicht nur aus „Selbsterhaltungstrieb“ (den gibt es ja nur noch im Promillebereich) sondern auch aus wie Sie es bezeichnen aus „Lust“, und ehrlich gesagt sehe ich da keinen Fehler- weil ich halt finde es ist um einiges natürlicher und ehrlicher sich dass einzugestehen, als im Supermarkt Ihrer Wahl (Ich weiß sie essen wahrscheinlich kein Fleisch, aber der Großteil der Bevölkerung tut es) sich ein 400mal gewaschenes, fertig geschnittenes Putenschnitzel zu kaufen.

    glg ella

  9. Veronika says:

    Hallo ella, wer sagt dass die Bezeichnung „Mord“ nur in Bezug auf Menschen gilt? Mein alter Onkel, er wurde 90 Jahre alt, hat den Jägern die er kannte schon immer gesagt, dass sie Mörder sind. Er war kein Tierschützer, trotzdem hat er das so empfunden. Ich empfinde das auch so. Wenn jemand aus Hunger tötet, wird er zum Tier und dann ist es Selbsterhaltungstrieb. Aber wenn jemand aus Lust tötet, ist er ein Mörder. Der ist blutrünstig und er handelt wie ein Tier – ohne Hirn, nur auf emotionaler Ebene.

  10. ella says:

    Sehr geehrter Herr Ertl
    Sie haben da ein bisschen unfair zitiert: und ein „sie ist“ vergessen:

    „Jägerei ist eine Nebenform von menschlicher Geisteskrankheit, von der ich nie befallen war. Aber: sie ist“ und „Mord“, Herr Ertl, wird noch immer im Bezug auf Menschen definiert.

    Lieber Franz: Wieso sollte ich keine Hirschgeweihe aus Österreich nach China, Vietnam und Taiwan verkaufen können?

  11. Franz de Paula says:

    Jagdstörung – sehr respektable Arbeit im Sinne besserer Gesetze und eines besseren >Österreichs<.
    Es ist an der Zeit, endlich einen Schlussstrich unter das 19. und 20. Jahrhundert, mit totaler Ausschöpfung von "Nützlingen" und rigoroser Ausrottung von "Schädlingen", zu ziehen.

    Übrigens: Nein zum Verkauf von Hirschgeweih aus Österreich an China, Vietnam und Taiwan.

  12. harald ertl says:

    Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit. (Theodor Heuss)
    Jagd ist Mord an Mitlebewesen! Harald Ertl

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