Der Fall Wilhelm Reich – Parallelen zum Tierschutzprozess

Der Österreicher Wilhelm Reich war einer der wenigen Menschen, dessen Bücher sowohl im Dritten Reich als auch in den USA öffentlich verbrannt wurden. Noch bis in die 1960er Jahren hinein war es in den USA verboten, seine Bücher zu besitzen. Dabei war Reich schon 1933 aus der deutschen kommunistischen Partei wegen genau derselben Bücher ausgeschlossen worden.

Diese Vehemenz der Bekämpfung von Reichs Ideen scheint in seinem Schwerpunkt auf der ungehemmten Sexualität zu liegen, die von rechts bis links dem Menschenideal widerspricht. NeurotikerInnen hätten keine orgastische Potenz, wie Reich die Fähigkeit zur vollständigen sexuellen Entladung nannte, sie wären im Erleben des Orgasmus gestört. Auch die Massenhysterie im Faschismus führte er auf sexuelle Störungen zurück.

Dieser Bezug aufs Sexuelle machte ihn offenbar nicht nur im faschistischen Deutschland – als gebürtiger Jude, allerdings ohne Glauben – sondern auch in den prüden USA der 1950er Jahre mit ihrer Kommunistenhatz zum Staatsfeind. Nach wiederholter Flucht ins Exil von Deutschland über Österreich und Dänemark bis Norwegen, war er nämlich in den USA als Endstation gelandet. Und was ihm dort wiederfuhr, ist jetzt in einem sehr gefühlvollen und beeindruckenden Film mit Klaus Maria Brandauer in der Hauptrolle aufgearbeitet: „Der Fall Wilhelm Reich“.

Reich wurde in den 1950er Jahren zunehmend bespitzelt und verfolgt, dann wurden seine Bücher nach einem Gerichtsbeschluss verbrannt und verboten, und er für 2 Jahre ins Gefängnis gesteckt, was er nicht überlebte. Bis heute kursieren sogar Gerüchte, er sei knapp vor seiner Freilassung in der Zelle ermordet worden. Eine Obduktion seiner Leiche wurde jedenfalls behördlich untersagt.

Der Film erzählt diese Geschichte seiner Verfolgung. Man sieht die gleichen Staatsbüttel beim FBI, wie in der Tierschutzcausa bei der SOKO. Ein sympathisierender Richter wird pensioniert, ein Gerichtsgutachter mit „falschem Resultat“ abgesetzt, es bleiben zu wenig Menschen mit Rückgrat übrig, um sich gegen den Staatsterror zu stellen. Ohne Hilfe durch eine sympathisierende Öffentlichkeit führt letztlich das Staatskomplott zu seiner Verurteilung und seinem Tod im Alter von 60 Jahren wegen (angeblichem) Herzversagens.

Die Amerikanische Psychologische Vereinigung APA bekämpft Reich von Anfang an und liefert zuletzt jenes Sachverständigengutachten, das ihn ins Gefängnis bringt. Gleichzeitig – und auch das wird im Film erzählt – entwickeln diese PsychologInnen Foltermethoden für die CIA, die nicht zuletzt sogar in Abu Ghraib und Guantanamo Anwendung finden. Noch 2007 erklärte die APA, dass ihre PsychologInnen durch die Entwicklung „innovativer Verhörtechniken“ einen wichtigen Beitrag zum Schutz Amerikas geleistet hätten.

Der Film erschüttert und berührt. Ich kann ihn nur wärmstens empfehlen, wenn man die Mechanismen von staatlicher Repression mitempfinden will. Vielleicht eine Lehre, um in Hinkunft Derartiges zu verhindern?

Reich erlebt eine Art Rehabilitation in der 68er Bewegung, als seine Bücher, wie „Die sexuelle Revolution“, zur Pflichtlektüre werden. Sein Sohn ging noch bei Alexander Neill in Suffolk, England, in die antiautoritäre Schule Summerhill. Auch ich habe dort einmal Vorträge über Tierschutz halten dürfen. Doch heute erlebt die sexuelle Befreiung einen Backlash, die Gesellschaft scheint mir wieder sehr sexualfeindlich zu werden, Sexualität auf die eine Liebes-Zweier-Beziehung reduziert. Und die antiautoritäre Schule ist verpönt, bestenfalls spricht man noch von „nicht-direktiver Erziehung“. Vielleicht bietet auch dafür dieser Film einen Denkanstoß, die Einstellung zur Sexualität zu hinterfragen.

Und ein Nebenaspekt im Film hat ebenfalls höchste Aktualität: 2 Mal verlassen Wilhelm Reich seine Ehefrauen und nehmen ihm jeweils seine Kinder weg, obwohl ihn diese lieben und bei ihm bleiben wollen. Aber unhinterfragt ist die Frau die absolute Entscheidungsinstanz in der Kinderfrage, damals wie heute.

17 thoughts on “Der Fall Wilhelm Reich – Parallelen zum Tierschutzprozess

  1. julia says:

    Sind also sexuelle Übergriffe weniger schlimm als nicht beachtet zu werden? Das sieht sicher jedeR, der/die schonmal dumm angemacht worden ist, ganz anders! Muss frau sich jede blöde Anmache oder gar Angegrapschtwerden gefallen lassen, und es gar noch positiv oder als Kompliment verbuchen, nur weil sie dadurch als sexuelles Wesen wahrgenommen wird? Wohl kaum!
    Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen der Erfahrung, ein (auch erotisc hes) Kompliment zu bekommen, und sei es von einem alten Herrn über 80, der nichts weiter im Sinn hat als einer hübschen Frau ein Kompliment zu machen (so etwas hat mir mal einen ganzen Tag gerettet) und der Erfahrung eines verbalen oder nonverbalen Übergriffs. So wohltuend das eine ist, so erniedrigend das andere, weil frau dadurch zum wehrlosen Opfer männlicher Willkür wird (wie das Beispiel mit der Bierflasche oder der herausgetreckten Zunge zeigt). Da bleibt nichts als hilflose Wut. Und der Wunsch, unsichtbar zu sein.
    Möglicherweise kann man das erst nachvollziehen, wenn man einmal erlebt hat, wie demütigend und wehrlos eine solche Erfahrung macht. Dann lieber gar nicht wahrgenommen werden!

    Es ist meiner Meinung nach sinnlos, das stille Leiden einer unfreiwilligen männlichen (oder weiblichen) Jungfrau damit zu vergleichen oder aufzurechnen. (In meinen Augen wäre das ähnlich blöd, wie wenn jemand mir vorwirtft, warum sorge ich mich um Tiere, so lange Menschenkinder hungern! dieses Aufrechnen ist immer schädlich!)

    Ich will das Leiden solcher Personen nicht kleinreden. Und bestimmt hat jedeR irgendwann im Leben die Erfahrung gemacht, von jemandem, von dem man es sich wünscht, eben nicht als sexuelles Wesen wahrgenommen zu werden, sondern nur als guteR FreundIn. Oder gar nicht.

    Aber: Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Erfahrungen ist der, dass bei einem sexuellen Übergriff die Person bewußt gedemütigt und zu einem wehrlosen Opfer gemacht wird. Ich kann mich nicht wehren, wenn mir ein Typ gegenübersitzt und die Bierflasche … wie beschrieben. Oder mich verbal anmacht. Das ist eine aktive, gewollte Verletzung meiner Person. Eine bewußte Überschreitung von Grenzen, mit dem Ziel Macht auszuüben und mich meiner Selbstbestimmung zu berauben. Denn ich kann mich ja nicht wehren. Das ist in diesem Schema nicht vorgesehen, und es gibt wenige Möglichkeiten, es zu durchbrechen.

    Wenn jemand hingegen einfach nicht wahrgenommen wird, so wird er dennoch von niemandem bewußt gekränkt, beleidigt oder erniedrigt. Niemand wird zum Opfer, nur weil er nicht als sexuelles Wesen wahrgenommen wird. Der Schüchterne, der nie einer Frau Avancen machte, kann keiner vorwerfen, dass er abgelehnt wurde. Er hat es einfach nie versucht anzukommen. Das aber kann er niemand zum Vorwurf machen. Außer sich selbst.

  2. Administrator says:

    Wir haben uns da schon ein bisschen vom eigentlichen Thema der Sexualfeindlichkeit der Gesellschaft entfernt. Aber dennoch, wenn nur zu schauen bereits ein Affront sein soll – der ideal anständige heterosexuelle Mann darf also absolut nie irgendwie sexuell wirken, sogar keine sexuellen Gedanken oder Phantasien haben, ausser gegenüber der einen monogamen Partnerin in der einen großen Liebesbeziehung. Klingt nach Empfehlung des Papstes. Da braucht man nicht Reich zu sein, um zu erkennen, dass das zur Neurose führen muss.

    Sich durch Blicke belästigt zu fühlen, hat auch eine große subjektive Komponente. Ich habe mit insgesamt 6 Frauen im Lauf des Lebens eine längere Zeit eng zusammen gewohnt und keine davon hatte dieses Problem auch nur im Geringsten. Warum auch immer.

    Ich für meinen Teil werde ja (leider) nicht von Frauen sexuell belästigt oder aufdringlich angeschaut, aber dennoch kann ich etwas zu dem Thema beisteuern. Seit einiger Zeit habe ich so einen Bekanntheitsgrad, dass ich jeden Tag, an dem ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin, von mehreren mir fremden Personen erkannt und angesprochen werde. Das kann einem natürlich auch sehr auf die Nerven gehen, aber unterm Strich muss ich sagen, dass es noch immer viel besser ist, als völlig ignoriert zu werden. Ich würde sogar sagen, dass es sehr arrogant von mir wäre, angesichts der kollektiven Einsamkeit in der Gesellschaft über diese Belästigungen zu jammern. Ich wette, viele Menschen würden diesbezüglich sehr gerne mit mir tauschen – genauso, wie sicher viele Frauen und Männer gerne öfter aufdringlich angeschaut würden.

    Eine neue These: Ist es nicht auch ein Versagen der Gesellschaft, insbesondere des heterosexuellen weiblichen Teils, wenn manche Menschen (Männer) nie angeschaut, nie angesprochen, nie als sexuelle Wesen erkannt sondern immer ignoriert werden? Ist Einsamkeit und sexuelle Isolation nicht viel schlimmer, als anzüglich angeschaut zu werden?

    Dazu fällt mir das sehr beeindruckende Buch „Mars“ von Fritz Zorn alias Fritz Angst ein. Durch seine Schüchternheit war die Hauptfigur dieses autobiografischen Romans sozial völlig isoliert, ohne Partnerin und gegen seinen Willen bis zu seinem Krebstod, den er auf diesen Umstand zurückführt, Jungfrau. Mir geht dieses Schicksal, ehrlich gesagt, viel näher, als das Leid unter aufdringlichen Blicken. Ich würde dieses Buch allen sehr empfehlen.

    In einer ORF-Dokumentation vor einigen Jahren wurden junge, hübsche Menschen professionell zu 80 Jährigen umgeschminkt. Danach erzählten sie, wie sie in der Öffentlichkeit aufgenommen wurden. Das Ergebnis war sehr ernüchternd: gar nicht. Als „hässlicher“ und „alter“ Mensch wird man vollkommen ignoriert, die Menschen schauen durch einen hindurch. Der Tenor der TeilnehmerInnen: das war das furchtbarste Erlebnis für sie, viel schlimmer, als aufdringlich angeschaut zu werden. Da sehe man dann die u.U. aufdringliche Aufmerksamkeit, die man sonst erfährt, mit anderen Augen.

    Mir hat dieser Kommentar sehr gut gefallen.

  3. julia says:

    Über das Hinterherpfeifen – von Lucie von kleinerdrei.org:

    „Wir haben uns so an sexuelle Übergriffe jeglicher Art im Alltag gewöhnt, dass wir manchmal vergessen, uns dagegen zu wehren.
    […] die Angst bleibt und geschürt wird sie immer wieder mit alltäglichen Sexismen, die ich und viele andere Menschen – meist Frauen – auf der Straße erleben. Wie sehr ich diese einfach so hingenommen habe, wurde mir erst bewusst, als ich im vergangenen August von Sofie Peeters Film “Femme de la Rue” las, in dem sie die Belästigungen dokumentiert hat, denen sie täglich auf der Straße in Brüssel ausgesetzt ist. Ich hielt das Ganze zunächst für einen Fake. Niemand möchte wahrhaben, dass es so unangenehm sein kann, im Sommerkleid durch die Stadt zu spazieren. Es ist auch nicht unüblich, dass solche Ereignisse als Einzelfälle bezeichnet oder bestimmten Gegenden zugeschrieben werden. In den Tagen danach wurde ich jedoch gewahr, dass mein Alltag zwar nicht in dieser extremen Form von Street Harassment durchzogen war, ich jedoch mindestens ein Mal am Tag übergriffig behandelt wurde – weil ich eine Frau bin. Es war mir bloß nicht mehr aufgefallen, weil es bereits so normal geworden war.
    Seither merke ich wieder, wie unangenehm es ist, jeden Tag an der gleichen Baustelle vorbei zu gehen und angegafft zu werden. Ich merke, wie unangenehm es ist, wenn ich in der vollen Bahn ununterbrochen anzüglich angestarrt werde und mich mangels Platz und Energie der Einfachheit halber umdrehe und den Rest der Fahrt gegen die Wand gucke. Ich merke, wie unangenehm es ist, wenn mir ein Mann gegenüber sitzt, der mich anglotzt und genau im Schritt eine Bierflasche platziert hat, die auf mich zeigt. Ich merke, wie unangenehm es ist, wenn mir ein Mann aus dem Bus auffordernd die wackelnde Zunge entgegenstreckt, als wolle er mich küssen. Ich merke, wie unangenehm es ist, beim Fahrradfahren mit anzüglichen Bemerkungen überholt zu werden. Ich merke, wie unangenehm es ist, aufgefordert zu werden, doch mal zu lächeln. Ich merke, wie unangenehm es ist, mich selbst dort, wo mich gar niemand belästigt, nicht mehr sicher zu fühlen. Sei es, mit einem fremden Mann alleine im Aufzug, an der U-Bahn-Haltestelle, auf dem Gehweg oder sonstwo. Phaedra Starling schrieb seinerzeit in diesem Zusammenhang von Schroedinger’s Rapist. Dies mag extrem erscheinen und tatsächlich sieht mein Alltag zum Glück nicht so aus, dass ich jedem Mann unterstelle, mich angreifen zu wollen. Aber für andere Frauen mag sich das so anfühlen, vor allem, wenn sie in der Vergangenheit (sexuelle) Gewalt erfahren mussten und auch ich gehe je nach Tagesform sehr unterschiedlich mit solchen Situationen um.

    Dass den übergriffigen Männern oft gar nicht klar ist, was sie da tun, oder ihr Verhalten gar selbstverständlich finden, weil sie eben Männer sind, zeigen Ausschnitte aus Maggie Hadleigh-Wests Dokumentation “War Zone” – die vollständige Version gibt es hier. Dabei spielt es keine Rolle, wo die Aufnahmen gemacht wurden: überall auf der Welt werden Frauen belästigt – auch in Deutschland. “

    Mir hat dieser Kommentar sehr gut gefallen.

  4. julia says:

    Lieber Martin,

    es tut mir Leid, aber ich kann gar nicht pfeifen …

  5. Administrator says:

    @Julia

    Zu Kindern: Ich finde es erstaunlich kurz gedacht, zu sagen, die Frauen, die ihre Kinder den Vätern entziehen, werden schon wissen warum. Naja, vielleicht aus Hass und Eifersucht, weil ihre Männer sich plötzlich für eine andere Frau interessieren? Sollen Frauen irgendwie besonders prädisponiert zu objektiven Entscheidungen sein? Jeder Mensch kennt aus seinem Bekanntenkreis Fälle, in denen Frauen ihre Macht bzgl. Kindern als Kampfmittel benutzt haben. Das Argument, Frauen werden schon immer gute Gründe haben, Vätern ihre Kinder zu entziehen, ähnelt dem Argument, Männer werden schon gute Gründe haben, ihre Frauen zu schlagen. Entschuldigung, aber das ist doch absurd.

    Ein Beispiel: Das Cafe Ida in Wien hatte die feministisch inspirierte Regel, dass Frauen jederzeit Männer aus dem Lokal weisen können, wenn sie sich belästigt fühlen. Dann gab es den Fall, in dem ein Mann die Avancen einer Frau zurückwies und daraufhin von ihr aus dem Lokal gewiesen wurde. Macht korrumpiert, auch Frauen. Daher brauchen wir Gleichberechtigung. Und Gleichberechtigung bedeutet genau gleich viel Recht zur Entscheidung über gemeinsame Kinder.

    Zur Sexualität;

    In meiner Umgebung beim VGT gibt es mehrere Frauen, die solche Poletanzkurse besuchen. Dort kann man übrigens auch table dance, lap dance und Striptease lernen. Zweifellos ist das eine Möglichkeit, die eigene Sexualität auszudrücken. Und schon kommt Tante Emma mit dem Moralzeigefinger und meint, feministisch gesehen anständige Frauen tun so was nicht. Sexuelle Befreiung heisst, auch sexy und aufreizend tanzen zu können, ohne dass man von einer verschrobenen Tante gemaßregelt wird. Das Resultat dieser Massregelung laut Reich: die Neurose.

    Die Chippendales strippen übrigens vor mit Frauen überfüllten Rängen, die begeistert kreischen. Wenn Du gerne Männer strippen siehst, empfehle ich Dir den Besuch einer solchen Veranstaltung in Deiner Nähe. Die Chippendales sind jedenfalls regelmässig in Wien. Auf der Erotikmesse strippen übrigens auch Männer, sogar in woman-only Nebenräumen. Dank Kapitalismus werden genau so viele Männerstripshows angeboten, wie sich Frauen dafür interessieren. Wenns Dir zu wenig ist, solltest Du Dich also selbst an der Nase nehmen und mehr in die Männerstripindustrie investieren.

    Wann hast Du denn zuletzt einem jungen feschen Mann nachgepfiffen? Vielleicht solltest Du das einmal tun. Ich bin mir sehr sicher, dass sich dieser Mann darüber nur freuen wird. Warum willst Du ihm denn diese Freude nicht gönnen?

  6. julia says:

    Danke, Susanne! Dein Beitrag spricht mir aus der Seele. Ich kenne Wilhelm Reich zu wenig (den Film gibt es hier noch nicht), aber im Normalfall wird kaum eine Frau mit ihren Kindern ihren Mann verlassen und ihm sogar den Umgang verweigern, wenn es dafür nicht gute Gründe gibt. Die eben eher in der Regel nicht bei ihr liegen werden.

    Caro dottore, danke, Du hast mir mit diesem Link eine amüsante Lektüre beschert! (ich wußte gar nicht, dass es Emma online gibt) … auf das Ausleben von sexuellen Gefühlen in der im Artikel beschriebenen Weise könnte ich zumindest gern verzichten! aber bitte, was ist ’sexy Verhalten‘? wo beginnt es? schon bei einem tiefen Dekolleté, oder erst bei einem eindeutigen Angebot? Nicht mal flirten ist eindeutig. Was ja vielleicht auch gar nicht mehr so lustig wäre. Aber es hat seine Tücken: Frauen sind seit Jahrtausenden darauf eingeschworen, dass wir Männern nur eins zu geben zu haben – und das bitte nicht zu leicht. Also im Zweifelsfall lieber vornehme Zurückhaltung! Für eine Frau ist es qua Tradition demütigend, sich einem Mann unerhört anzubieten, während das Anbaggern und Abblitzen für einen Mann geradezu eine sportliche Übung ist. Möglicherweise lieben nicht alle diesen Sport, aber es gibt darin jedenfalls eine größere Rollenvielfalt als für Frauen!
    Und glaub mir, es ist *nicht* immer schön, von Bauarbeitern angepfiffen zu werden, nur weil frau im knappen Rock vorbeigeht – und jeder Bauarbeiter meint sich dazu einen pfeifenden Kommentar erlauben zu dürfen. Oder jeder ältliche Professor, der seiner Doktorandin meint Komplimente für ihren schönen Beine machen zu dürfen – aber wieso bitte? Sich als sexuelles Wesen zu fühlen kann da mitunter nicht sehr erfreulich sein.
    Im übrigen glaube ich nicht, dass gerade Emma diejenige ist, die Frauen dazu ermahnt, sich bitte nur dem eigenen Mann sexy zu zeigen – sondern nur jedem, den sie will. Bloß das beschriebene Beispiel würde ich zumindest da jedenfalls nicht hinzuzählen – Du etwa? Und ab wann bitte machen Männer für uns sowas? oder zählt da auch Eisklettern?

  7. Administrator says:

    Liebe Julia,
    hier ein aktuelles Beispiel, wie der Feminismus das ausleben von sexuellen Gefühlen behindert:
    http://www.emma.de/ressorts/artikel/sport/poledance-risiko-und-nebenwirkung/
    Die Botschaft an alle Frauen ist klar: sie sollen sich vor Männern nicht sexy verhalten (und damit fühlen) – außer vielleicht gegenüber dem eigenen Partner in der Liebesbeziehung.

  8. susanne v. says:

    Dass Unterdrückungsmethoden überall gleich sind ist klar. Da kannst du hingehen wohin du willst. Das Problem ist, dass es in jeder Gesellschaft Leute geben wird die andere beherrschen wollen. Je größer ein System wird und je größer die sozialen Unterschiede sind, umso schwieriger ist es dieses zu erhalten. Also gibt es Machtkämpfe und wie solche Machtkämpfe auch aussehen können sieht man derzeit in den arabischen Staaten. Eine ideale Welt in der alle glücklich und zufrieden sind, wird es nicht geben. Es wird immer verschiedene Meinungen geben die einander bekämpfen.

    In Österreich agiert man in erster Linie hinterhältig und weil man das tut glaubt man, die anderen, also die „Beobachteten“ (etc.) seien genauso hinterhältig wie man es selbst ist. Da wird dir keiner offen sagen was er über dich denkt, sondern er wird hinterrücks diffamieren und intrigieren und die „Freunderln“ werden dabei fleißig mithelfen. Denn bei uns regiert der politische Filz. Die wissen genau ihnen passiert nicht, auch wenn sie Gesetze beugen und brechen, also tun sie es auch. Gesetze sind immer nur für die unbedeutenden Bürger da.

    In jeder Gesellschaft gibt es auch Skeptiker die sich gegen Neuerungen wehren. Das betrifft alle Gebiete, auch die Medizin und das ist unabhängig davon ob etwas gut, oder schlecht ist. Das ist ganz normal.

    Wenn ein Mann der für freie Sexualität eintritt zweimal heiratet und jedesmal Kinder zeugt ist das alleine schon seltsam. Wenn beide Frauen ihn verlassen und die Kinder mitnehmen spricht das auch nicht gerade für ihn. Sie hätten das ja nicht tun müssen.

    Nicht jeder Vater ist ein guter Vater, aber viele halten sich trotzdem dafür ohne es zu sein. Es gibt sogar viele Väter die für ihre Kinder eine Gefahr darstellen, oder zumindest ihre Frauen weiter beherrschen wollen indem sie Macht über die Kinder ausüben. Im Normalfall werden sich die Eltern sowieso einigen. Wo das nicht geschieht stimmt schon einmal etwas nicht und das muss nicht an der Frau liegen wie viele Männer behaupten.

  9. Chris says:

    Inwiefern der F-Sexismus eine Gleichberechtigung verhindert?
    Reich`s Geschichte in seiner Rolle als Vater ist 1. von einem anderen Kontinent und 2. über 50 Jahre her.
    In Ö hingegen, ist das neue Gesetz über die Nichtgleichberechtigung in Sachen Obsorge seit 01.02.2013 (!) und Väter „dürfen“ nun erstmals ( nachdem Ö vom EGMR verurteilt wurde ) einen Antrag auf Obsorge ihres eigenen Kindes stellen.
    P.S. Wird dem Vater später seine Obsorgemöglichkeit unbegründet verwehrt hat der OGH nun Schmerzensgeld zuerkannt: 0,55 €. – täglich!
    Ein Hohn: für Väter und Kinder!

  10. Lilly says:

    Parallelen zu Wilhelm Reich, die Bücher und DVD´s von Dr. Wolfgang Wiedergut über freie Energie sind zwar nicht verbrannt worden, dafür werden sie von öffentlicher Seite zu 99,99% so behandelt als gäbe es sie nicht.
    Freie Energie und 150 Jahre Nikola Tesla 4/5
    http://www.youtube.com/watch?v=r3si4SYJ7MQ
    Wolfgang Wiedergut – Gravitationstelefon
    http://www.youtube.com/watch?v=fI-tyroOvzM
    Wolfgang Wiedergut (R.I.P.) – Zwischen Dimensionen – Neue Energien aus der Welt von Morgen
    http://www.youtube.com/watch?v=fPJeZUWUQd4

    Dr. Eugene Podkletnov schaffte vor über zehn Jahren in Finnland die Aufhebung der Schwerkraft um 2%, der Lohn und Ansporn dafür war: Seine Vorgestzen verwiesen ihn sofort von der Uni. Heute wird das Phänomen Antigravitation weltweit und auch in Östereich erforscht, was nicht bedeutet, dass es anderorts nicht längst ausgereift ist.
    http://www.youtube.com/watch?v=ltaQP0-vxUQ
    http://userpage.fu-berlin.de/~gerbrehm/nw/Podletkov_Antigravitation.htm

    Das Beispiel zeigt, dass es im Fall Wilhelm Reich u.v.a. einfach ist auf anderes auszuweichen und das Wesentliche, das allen Menschen zugute kommt, auzublenden.

  11. Lilly says:

    Wilhelm Reich´s grenzüberschreitendes Werk „Freie Energie – Orgonenergie“ sollte auf keinen Fall, auf mechanistischer Ebene, nur auf sexuelle Freiheit beschränkt werden, besonders dann nicht, wenn Partnerschaften, in der es Jede/r für sich lieb meint, Machtkampf und Besitztum samt Rache, eher ausdrücken als echte Liebe. Es ist noch immer eine äusserst seltene Rarität zwei Menschen zu sehen, die sich selbst genügen, weil sie sich emotional-geistig zutiefst erfüllen. Von diesen Seltenen geht eine besondere Austrahlung aus. Das Geheimnis dieser Harmonie, die nicht den Anspruch erhebt fehlerfrei zu sein, zu ergründen, finde ich spannender als alles andere. Solches, das Freiheiten für sich propagiert und anderen nicht im Geringsten erlaubt, findet womöglich nie die Freiheit, die „ES“ (Spirit) sich im tiefsten Innersten wirklich erträumt.

    Dass Wihelm Reich, kurz vor der Aussicht wegen guter Führung entlassen zu werden, tot in seiner Zelle aufgefunden wurde, ist vielleicht demselben Umstand zuzuschreiben, warum der Physiker, Forscher und Brahmane, Dr. Wolfgang Wiedergut relativ jung verstorben ist. Freie Energie ist ein Thema, das seit Jahrzehnten vom Mainstream und von Universitäten mit allen Mitteln ferngehalten wurde. Dr. Wolfgang Wiedergut baute u.a. ein einige Meter großes Orgonei und erklärte Aufbau und Funktion in einem seiner Seminare (zugänglich auf youtube). Er thematisiert enorm Interessantes in seinen Seminaren, für Menschen, die am Satz „Erkenne dich selbst“ – und verstehe den Raum neu – wirklich interessiert sind. Seine Seminare setzen Unvoreingenommenheit voraus, die, mit großer Symbolsprache, sehr an Vorurteile prüfen appelieren, anstatt automatisch auf bisher gesammeltes Wissen pochen, das Realphänomene ständig unverstanden beiseite schiebt.

    Dr. Wolfgang Wiedergut sagt auch,
    dass sich zwei Menschen zuerst in der Aura begegnen.

  12. julia says:

    Was es braucht, um österreichischer Bundeskanzler zu werden, kann ich natürlich nicht beurteilen, aber … (und ob Pornographie normal ist? wirklich? oh!) Aber bitte: „Der Feminismus trägt auch sein Scherflein dazu bei, dass das so ist“ – inwiefern? Ich habe eher das Gefühl, dass je länger desto mehr ein neuer Konservatismus am Werk ist, der Frauen möglichst nur in einer festen Beziehung einen gewissen Wert einräumt, bei den ganz Jungen wie auch später (womit ich Dir mindestens teilweise dann doch zustimme). Back in the 80ies war ich zu jung oder zu brav oder beides. Aber damals gab es auch noch kaum Aids, und andere böse Dinge, von denen man inzwischen immer öfter wieder liest, schienen der Vergangenheit anzugehören. Auch Drogen machten damals nur high und nicht auch häßlich. Ob wir damals offener waren, weiß ich also nicht – aber die Nüchternheit und Coolness, mit der die Generationen nach uns zu Werke gehen und gingen, finde ich im Vergleich mehr als abtörnend.
    Mal sehen, wo es den Film hier zu sehen gibt, ich bin wirklich neugierig. – Gestern abend gab es im ExtraVeganz übrigens einen Filmabend mit dem „PROZESS“ – und ich hab erst heute früh beim EInkaufne davon gelesen!!!

  13. thinker says:

    Wird Gleichberechtigung verhindert um weiterhin mit Opferrollen zu spielen um so Privilegien zu festigen und (politische) Gegner zu eliminieren?.

    http://www.theeuropean.de/birgit-kelle/5805-bruederle-debatte-und-sexismus

    http://www.freiewelt.net/nachricht-11800/%22gender-pay-gap%22-mi%DFverst%E4ndnisse-in-europa—interview-catherine-hakim.html

  14. Administrator says:

    @julia

    Auf Wikipedia steht wörtlich: „Als Todesursache wurde Herzversagen angegeben; eine Autopsie seines Leichnams fand jedoch nicht statt.“ Also wie im Film.

    Im Film kommen viele seiner Ideen bei mir jedenfalls schon als Spinnereien rüber. Aber das ist ja kein Grund, seine Bücher zu verbrennen und ihn einzusperren.

    Im Film ist er ein sehr liebevoller Vater. Aber ich finde es problematisch, wenn die Mutter grundsätzlich entscheiden können soll, ob ihre Kinder mit deren Vater zusammenleben oder nicht. Das entspricht einem Weltbild, das Mütter und Väter nicht gleichberechtigt sieht und damit widerspricht das einer Gleichberechtigung der Geschlechter.

    Zur Sexualität: Je asexueller man sich (öffentlich) gibt, als desto anständiger wird man gesehen. Nur keine sexuellen Gedanken oder Gefühle haben, insbesondere außerhalb einer Liebesbeziehung. Der Feminismus trägt auch sein Scherflein dazu bei, dass das so ist. Eine unheilige Allianz zwischen konservativ und feministisch. In der Presse stand kürzlich, dass kein Mann Bundeskanzler werden könnte, der zugibt oder dabei erwischt wird, Pornografie zu konsumieren. Das ist insoferne bedenklich, weil laut Statistiken praktisch jeder Mensch öfter oder selten Pornografie konsumiert. Hier gibts offenbar eine Schieflage, ein Tabu für etwas Normales. Persönlich habe ich stark den Eindruck, dass wir in den 1980er Jahren zumindest in der Studentenbewegung wesentlich sexuell offener waren, als die Menschen heute. Schade für die nächsten Generationen.

  15. wienerhans says:

    ja, ein schöner film: kurz – klar – dramatisch – wahr – aber auch nicht sehr aufbauend

    aber man kann ja aus allem lernen 😉

  16. julia says:

    Zeit online vom 3. Januar:

    Am 3. November 1957 starb er im Gefängnis von Lewisburg in Pennsylvania. Entgegen den Behauptungen im Film, fand eine Autopsie statt. Am 9. Dezember informierte Gefängnisarzt Leon Witkin FBI-Direktor J. Edgar Hoover über das Ergebnis: Er hatte eine schwere Aorta-Verengung, Narben im Herzgewebe und Formaldehyd in Reichs Magen festgestellt. Regisseur Svoboda gibt gerne zu, dass er Fakten wie diese einfach ausgeblendet hat: »Natürlich ist das ein Propagandafilm. Ich wollte den Traum Wilhelm Reichs aus damaliger Sicht darstellen, den metaphysischen Forscher, der eine Sehnsucht der Menschen stillt.«

    Sexueller Libertinusmus forever – aber war je es anders? und sind wir nicht alle spätestens auf der falschen Seite der Dreißig kleine Spießer mit wurmstichiger, aber Zweierkiste? und wehe ihm/ihr, der sie verläßt, oder, schlimmer, gar keine hat/will? Alles nur Wunschträume …

    Und Hand aufs Herz, hättest Du Herrn Reich Deine Kinder anvertraut -? wirklich …?

  17. Dave says:

    Toller Artikel, der ORF hat 2009 eine gute Dokumentation zu dem Fall Wilhelm Reich produziert. Sie ist sogar in voller Länge auf YouTube zu finden.

    http://www.youtube.com/watch?v=4du3_mAHTWY

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