Die Brutalität der Gatterjagd

Allein schon das Konzept einer Gatterjagd ist abartig. Man sperrt Tiere ein, die man dann jagt. Erinnert stark an das Kolosseum zur Römerzeit. Man kann sich die Überreste zweier solcher Arenen in Carnuntum heute noch ansehen. Dort hat man auch vor zahlenden Zuschauer:innen solche Jagden veranstaltet. Oder auch im Hetztheater in Wien. Die Jagdgatter bei uns sind aber heute größer. Ändert das etwas im Prinzip? Sie können größer sein, weil es keine Zuschauer:innen gibt, die gegen Geld die Angst und die Schmerzen der Tiere sehen wollen. Und sie sind größer, damit die zahlenden Jagdgäste so tun können, als wären sie in der Wildnis, als würden sie zufällig auf einen Hirsch mit Weltrekordgeweih treffen. Nicht auf einen, den man 10 Jahre lang mit besonderem Futter extra dafür gezüchtet hat.

Doch die unmittelbar größte Brutalität im Jagdgatter ist die Treibjagd. Nicht nur, weil da die Tiere (5 x im Jahr, wenn es nach der Landesregierung im Burgenland geht!) bis zu 8 Stunden hin und her gehetzt und beschossen werden. Sondern auch, weil die in Panik flüchtenden Tiere kein gutes Ziel abgeben und sehr häufig nur angeschossen und verletzt werden.

2014 haben wir eine Gatterjagd in Kaumberg beobachtet und nachher mit dem Helfer gesprochen, der für die hohe Herrschaft die Tiere füttert und die Toten entsorgt. Er wirkte auch sehr gatterkritisch. Und er sagte, bei der Jagd seien 98 Wildschweine erschossen und 60 so schwer verletzt worden, dass er sie dann in den nächsten Tagen erst tot im Gebüsch liegend gefunden hat. Das hier ist eines davon, durch den Zaun fotografiert:

Gerade eben erschossen schaut es nicht aus. Eines von 60 (!) Opfern dieser Jagd, die langsam und qualvoll zugrunde gingen. 60 von 158 Tieren ging es so!

Auch bei Mayr-Melnhof mussten wir mitansehen, wie ein Wildschwein bei der Gatterjagd nur angeschossen wurde und verzweifelt und blutend an uns vorbeilief:

In einem niederösterreichischen Gatter mussten wir zuschauen, wie ein Jagdgast einem Wildschwein in den Bauch schoss, sodass diesem die Gedärme aus dem Körper fielen. Doch es hatte noch die Kraft, bis zu uns zum Zaun zu flüchten. Wo es dann zusammenbrach. Aus dem Gatter schien sich kein Mensch zu kümmern, weil während einer Treibjagd gibt es keine Nachsuche nach angeschossenen Tieren.

Ja, und heuer, bei einer Gatterjagd im Südburgenland, in Güssing, bei Mensdorff-Pouilly, mussten wir wieder einmal ein angeschossenes Wildschwein dokumentieren. Das Foto davon ist ganz oben. Leider die Regel, nicht die Ausnahme.

Es gibt nur eine Antwort: Die Gatterjagd muss im Burgenland verboten bleiben. Bitte helft mit, eine Volksabstimmung gegen die Aufhebung des Gatterjagdverbots zu erreichen. Alle Infos und Formulare zum Runterladen befinden sich hier: www.gatterjagdverbot.at

4 thoughts on “Die Brutalität der Gatterjagd

  1. Sebastian Vulpius says:

    Die Gatterjagd ist immer noch ein martialisches Männlichkeitsritual. Innerhalb eines umzäunten Reviers Wildtiere vor die Flinte getrieben zu bekommen, ist anderseits kein Beweis von Mut, eher von Feigheit. Bin aber der Ansicht, dass diese Aktion des VGT gegen die Gatterjagd zu wenig unterstützt wird. Die Majorität der Hundebesitzer tangiert dies jedoch kaum, ihr Denkstil ist meistens ausgesprochen selektiv. Das erklärt auch teilweise warum die SPÖ Sozis des Burgenlandes gegen die Entscheidung ihres Hauptmannes nicht protestieren. Die Jagd auf Waschbären thematisiert zB auch der VGT nicht. Dabei sind es intelligentere Tiere als der Haushund. Vor 10 Wochen hat sich mir ein Waschbär vorgestellt und hielt meinen Fuss fest als ich einer grossen, fetten Spinne unter dem Carport nachstellte. Somit war seit dieser Begegnung klar, wer das Fallobst etlicher Obstbäume vertilgt hat. Der Waschbär hat sich übrigens angepasst und sich keineswegs als Vandale verhalten. Nur scheint er sein Asyl im Garten zeitweise verlassen zu haben. 1 Kilometer weiter befindet sich der Wald und ich hörte eine Reihe von Schüssen. Schießwüttige Killer sind zahlreich vorhanden, die ihre Jagd auf Waschbären apologetisch verklären. Ihre Argumente, die das Abschlachten exkulpieren sollen: Das Tier sei ein Schädling und müsse der Endlösung zugeführt werden.

  2. Schneeberger Sandra says:

    Es ist grausam

  3. Martin Balluch says:

    @gegengatter
    Man meint es freut Sie, wenn sich idealistische Menschen zum Schutz der Tiere abstrudeln, während die jagdherrliche Feudaljägerschaft ihren Perversionen frönt.
    Aber Sie können mit Informationen helfen. Nur nicht danach.
    Naja, eins nach dem anderen. Wir schlagen der Hydra gerade wieder einen Kopf im Burgenland ab. Nach Salzburg werden wir schon zurückkehren.
    PS: Dort haben wir übrigens gerade einen schönen Erfolg gefeiert. Fiaker dürfen ab 30 Grad nicht mehr fahren, wurde gerade in der Stadt beschlossen. Schritt für Schritt geht es voran.
    Was glauben Sie, wird es in 20 Jahren noch irgendwo in Österreich ein Jagdgatter geben? Ich bezweifle es.
    PS: Was meinen Sie mit „angeblich“, dass die Gatterjagd in OÖ verboten ist? Lesen Sie das Jagdgesetz. Nur gibt es leider im Tierschutz das altbekannte Vollzugsdefizit.

  4. gegengatter says:

    Nicht nur im Burgenland!!

    Gerade eben fand auch eine Jagd in einem Gatter in Salzburg statt… das Gatter ist Ihnen sehr wohl bekannt, doch sichtlich haben Ihre Anstrengungen diesbezüglich nicht wirklich gefruchtet…

    In OÖ finden auch regelmäßig Gatterjagden in einem Gatter statt (es sei ja in OÖ angeblich verboten… ??) und Niederösterreich ist sowieso das Paradies der Gatterjäger…

    „Weidmannsheil“

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