Auflösung eines Jagdgatters: der Stand im Lainzer Tiergarten

Das Bild oben zeigt links das Jagdgatter Mayr-Melnhof und rechts den Lainzer Tiergarten

Als der VGT im Frühjahr 2015 seine Kampagne gegen die Gatterjagden in ganz Österreich begann, gab es noch immer die Massenabschüsse im Jagdgatter Lainzer Tiergarten. Mit 16 Futterstellen für Wildschweine und 11 für Rothirsche, Damhirsche und Mufflons gab es viele Tiere zum Abschuss. Bei den Wildschweinen sind 1500 pro Jahr verbürgt. Die Stadtregierung hatte uns in den Jahren davor erklärt, dass über die Gatterjagd so viel Geld eingenommen werde, dass man das nicht einfach beenden könne. Nach wenigen Wochen Demos des VGT vor dem Lainzer Tor beschloss die Stadt Wien aber den Versuch zu wagen, gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten. Eine eigene Arbeitsgruppe wurde gegründet und ein Ausstieg aus der Gatterjagd bis Anfang 2021 beschlossen. Dann sollten auch Grünbrücken über die denkmalgeschützte Mauer eröffnet werden.

Die hohe Wilddichte hatte den Wald weitgehend zerstört. Das war allen Forstleuten bewusst, man hatte es bisher nur in Kauf genommen. Nun wurde mit der Reduktion begonnen und schon nach kurzer Zeit war die Zahl getöteter Tiere weniger als in den Tagen der Gatterjagd. Im Jahr 2018 waren es nur mehr 763. Lediglich 10 % davon sind als Abschüsse verkauft worden. Die Stadt Wien lädt auch keine hohen Gäste mehr zur Jagd in den Lainzer Tiergarten. Waren zur Zeit der Gatterjagd noch so viele Tiere im Lainzer Tiergarten, dass man ständig welche antraf und die Jagdgäste in kurzer Zeit zum Schuss kamen, so ist die Wilddichte heute viel naturnäher und man benötigt bereits 3 Pirschgänge, um überhaupt ein einziges Mal zu treffen. Zusätzlich geht die Trophäengröße zurück. Es wird daher vermutet, dass der Verkauf von Abschüssen bereits 2019 auslaufen wird. Die letzten beiden Treibjagden haben Anfang 2019 stattgefunden.

Mittlerweile konnten alle Fütterungen aufgelassen werden, weil die Tiere nun in der Lage sind, sich selbst zu ernähren. Interessanter Weise bilden die Wildschweine nun viel größere Gruppen, wie sie das unter natürlichen Umständen auch tun. Bei der viel zu hohen Wilddichte davor hatte man sein Heil offenbar noch im kleinen Kreis gesucht. Auffällig ist auch, dass es mehr Hasen und Rehe gibt. Da Füchse nicht mehr geschossen werden, ist davon auszugehen, dass diese zur Regulation der Hasenpopulation beitragen werden. Zusätzlich gibt es mehr Mäuse und mehr Zauneidechsen. Auch der Habichtskauz hat wieder zu brüten begonnen. Wenn einige wenige Tierarten durch gezielte Fütterungen überhand nehmen, wie das vorher der Fall war, dann hat das offensichtlich eine Reihe von nachteiligen Konsequenzen für die anderen Arten.

Auch in Jagdkreisen betrachtet man den Lainzer Tiergarten nicht mehr als Gatter. War es bei der Landesjägerschaftstagung in Wien im Jahr 2004 noch völlig klar, dass die Landesjägermeister gemeinsam im Lainzer Tiergarten eine Gatterjagd durchgeführt haben, so war das 2018 bei der gleichen Tagung nicht mehr der Fall. Es dürfte durch die VGT-Kampagne auch eine Einstellungsänderung bei der Jägerschaft geben.

Aber am beeindruckendsten ist der Kippeffekt, der durch die viel mehr der Natur angepasste Wilddichte eingetreten ist: der Jungwald wächst nach. Das Bild rechts zeigt die Situation auf einer aufgelassenen Futterstelle. War vorher noch der Boden vollkommen zertrampelt und versiegelt, ohne jeden Pflanzenwuchs, so sprießen nun überall die Jungbäume verschiedenster Arten.

Besonders beeindruckend ist das Aufkommen von Tannen. Diese Nadelbaumart ist immer das erste Opfer großer Wilddichten, weil sie auch im Winter nährstoffreiche Knospen bietet. Dass mittlerweile einige Jungtannen zu sehen sind, ist daher besonders motivierend. Einige Bereiche im Lainzer Tiergarten sind jagdfrei gestellt. Man würde erwarten, dass sich dort die Tiere drängen und jeden Jungwuchs vernichten. Das Foto rechts zeigt aber Jungtannen in einer solchen jagdfrei gestellten Zone. Der Verfassungsgerichtshof hat seinerzeit die Jagdfreistellung von Wäldern mit der Begründung abgelehnt, dass die kleinste jagdfreie Zone sofort zur Verwüstung des Waldes und zum unkontrollierten Anwachsen der Populationen führt. Die Erfahrung im Lainzer Tiergarten beweist das Gegenteil.

Betrachtet man das Jagdgatter Mayr-Melnhof, in dem die Massenabschüsse weitergehen (ganz oben Bild links), im Vergleich zum Lainzer Tiergarten im Zustand der Auflösung des Jagdgatters (ganz oben Bild rechts), erkennt man sofort den unglaublichen Schaden, den diese Jagdart an der Natur anrichtet. Während bei Mayr-Melnhof der Wald völlig verwüstet ist und keine Pflanzen aufkommen, gedeiht der Lainzer Tiergarten nun prächtig.

Detailblicke auf den Boden lassen erkennen, dass das junge Grün zum Gutteil Bäume sind, die nun aufkommen. Ob Rotbuchen, Eschen, Espen, Birken, Feldahorne, Zerreichen, Hainbuchen, Traubeneichen oder Elsbeeren, für Artenreichtum ist gesorgt. In Zukunft soll die Wilddichte nicht mehr zum Spaß oder zum Erbeuten von Trophäen, sondern lediglich nach ökologischer Indikation geschossen werden. Die Natur atmet auf!

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