Im Einsatz für ein besseres Tierversuchsgesetz

Noch 12 Tage, dann wird im Wissenschaftsausschuss des Parlaments über unser neues Tierversuchsgesetz entschieden. Die Regierung hat sich auf einen Vorschlag festgelegt, die SPÖ macht heute Freitag um 10:30 Uhr dazu eine Pressekonferenz im Parlament. Es ist davon auszugehen, dass der Regierungsentwurf durchgehend gelobt wird.

Nicht so von Tierschutzseite. Erst Anfang der Woche sprangen einige TierschützerInnen bei einem Vortrag eines der lautstärksten und radikalsten Vertreter der Ideologie des Primats der wissenschaftlichen Freiheit über das Leid der Versuchstiere bei den Wiener Vorlesungen im Rathaus auf. Dieser Vortragende forderte sogar in seiner Stellungnahme zum Tierversuchsgesetz, dass in Österreich wieder Tierversuche an Schimpansen erlaubt werden sollen. Die AktivistInnen hielten ein Transparent hoch und erklärten den erstaunten BesucherInnen der Veranstaltung, dass gerade jetzt ein neues Tierversuchsgesetz entsteht und dass der Vortragende dabei eine unrühmliche Rolle spielt. Der Vortragende meinte dazu lediglich, das sei „eine andere Meinung“, die man „respektieren müsse“. Ein Gutteil des Publikums klatschte am Ende der Tierschutzrede Beifall.

In Linz am Domplatz wurde eine 50 stündige Mahnwache durchgeführt,siehe https://vgt.at/presse/news/2012/news20121116e.php. Da alle 3 Minuten in Österreich ein Tier im Tierversuch stirbt, ergibt sich nach 50 Stunden die unglaubliche Zahl von 1000 getöteten Tieren. Auf diesen Umstand wollten die TierschützerInnen hinweisen und hielten deshalb so lange aus. Eine ebenso lange Mahnwache war davor bereits in Klagenfurt abgehalten worden. Und in der Innsbrucker Innenstadt wird sich von heute 15 Uhr bis morgen 15 Uhr eine Tierschützerin in einen Käfig sperren lassen und die kompletten 24 Stunden in Solidarität mit den leidenden Versuchstieren fasten.

Unterdessen hat die Serie von Aktionen mit nackten AktivistInnen mit Kaninchenmaske und Brandwunden auf der Haut in einem übergroßen Laborkäfig gestern in Eisenstadt ihr Ende gefunden, siehe z.B. http://tvthek.orf.at/programs/70021-Burgenland-heute/episodes/4933259-Burgenland-heute/4936073-Tierschuetzer. Quer durch Österreich hatten sich Personen gefunden, die bereit waren, sich für die gute Sache vor fotografierenden JournalistInnen zu entkleiden, von Klagenfurt, Innsbruck und Linz über Wien und St. Pölten bis Graz und Eisenstadt.

Laut unserem Medienbeobachter-Service haben wir damit seit Beginn der Kampagne Ende April 2012 insgesamt bereits 600 Medienberichte, von Presseartikeln über Radio- bis zu Fernseh- und Onlinebeiträgen, zustande gebracht. Mit dem Ergebnis, dass der Unterausschuss zu Tierschutz in die Verfassung auf Schiene ist, ein Evaluierungskatalog für das Genehmigungsverfahren von Tierversuchen in spätestens 3 Jahren eingeführt wird und Tierschutz-Ombudspersonen ein gewisses Mitspracherecht bei Tierversuchskontrollen bekommen. Doch das soll nicht alles gewesen sein. Wir haben noch 12 Tage um ein oder zwei Schritte weiterzukommen. Danke an alle, die bis hierher unser Anliegen unterstützt haben. Und eine Bitte an alle, noch die nächsten 12 Tage lang mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln darauf zu bestehen, dass die Mehrheitsbedenken gegenüber Tierversuchen sich in einem strengeren Gesetz niederschlagen.

Ein paar nächste Termine:

  • Montag 19. November 10 Uhr Pressekonferenz im Cafe Landtmann in Wien
  • Montag 19. November 19 Uhr Vortrag Andrew Knight im Don Bosco Haus 1130 Wien, St Veitgasse 25
  • Dienstag 20. November 17 Uhr Demo-Laternen-Marsch vom Rathausplatz Ecke Felderstraße
  • Dienstag 20. November 19 Uhr kritischer Vortrag über Tierversuche an der Vet Med Wien

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