Schlägt das Raiffeisen-Imperium zurück?

Raiffeisen ist ein mehr oder weniger undurchschaubares Konglomerat von mehr als 1000 Firmen, dessen Anteil an Banken allein eine Jahresbilanz von € 265 Milliarden aufweist. Im Vergleich dazu hat die österreichische Regierung ein Jahresbudget von € 150 Milliarden, also fast nur halb so groß. Dieses Firmengeflecht entwickelt dadurch hierzulande eine ungeheuerliche innere Macht, eine regelrechte Bedrohung für die Demokratie. Nicht umsonst galt Raiffeisen-General Christian Konrad laut Wochenzeitung „NEWS“ als mächtigster Mann Österreichs, laut „Die Presse“ soll er sogar ORF-Chefs eingesetzt haben. „Generalanwalt“ Christian Konrad war bis vor kurzem gleichzeitig nö Landesjägermeister und in seiner Eigenschaft als UNIQA-Versicherungs Aufsichtsratspräsident einer Rede eines VGT-Aktivisten bei der Aktionärsversammlung der UNIQA am 20. Mai 2008 ausgesetzt. Der Aktivist kritisierte dabei die Praxis der Versicherungsgesellschaft, Jagdreviere mit Zuchtfasanen für den Kundenfang zu betreiben – in der Nacht nach der Rede gab es die Polizeiüberfälle auf den VGT und andere Tierschutzvereine und Privatpersonen im Rahmen der Tierschutzcausa. Ein Zusammenhang?

Raiffeisen und ÖVP-Bauernbund sind wie siamesische Zwillinge, schreibt Hans Weiss in seinem Schwarzbuch Landwirtschaft. Raiffeisen entstand als Bauerngenossenschaft und kontrolliert heute in weiten Bereichen die Agrarindustrie. Aber nicht nur das. Die Raiffeisen Zentralbank ist das drittgrößte Bankinstitut Österreichs, zusammen mit den Raiffeisen Landesbanken sind 40% aller ÖsterreicherInnen KundInnen bei Raiffeisenbanken. Zum Raiffeisen-Imperium gehören aber auch z.B. die nö Molkereibetriebe, die Zuckerfirma Agrana, die größte österr. Versicherung UNIQA, verschiedene Reisebüroketten, Immobilienfirmen (Raiffeisen besitzt allein in Österreich mehr als 150.000 Wohnungen) die Salinen AG, Industrieparks, Wellnesshotels, Seilbahngesellschaften, die größte österr. Bausparkasse, Softwareparks, Wohnbaugenossenschaften, Leasingfirmen, Teile der Bauholding STRABAG, der Bäckerei Demel, von Nahrungsmittelbetrieben Inzersdorfer und Maresi, des Industrieunternehmens Voestalpine, dem Gastronomieunternehmen Do & Co, der Wiener Börse AG, von Spielcasinos und vielem mehr. Hans Weiss schreibt: „Die Auflistung aller Besitztümer und Beteiligungen würde ein ganzes Buch füllen.“

Bedrohlich für die Demokratie ist aber insbesondere die Dominanz von Raiffeisen in der österr. Medienwelt durch Beteiligung, Alleinbesitz oder Finanzierung von Kurier, News, Profil, Format, Österreich, OÖ Landesverlag, APA, Morawa Pressevertrieb, Woman, Trend, TV-Media, E-Media, Gusto, Autorevue, Golfrevue, TV Woche, Die Bühne, Xpress, Krone Hitradio, SAT1 Österreich, die ORF-Tochterfirma ORS und die Plakatwerbefirma EPAMEDIA. Hat jemand schon einmal etwas Negatives oder wenigstens Kritisches über Raiffeisen in den Medien gelesen? Also ich nicht.

Über ihre ganzen Firmen bekommt Raiffeisen natürlich auch kolossale Landwirtschaftssubventionen. Aber nicht nur das. Im Krisenjahr 2009 überwies die österr. Regierung diesem Bankenkonsortium, das ja viel reicher als der österr. Staat ist, eine Nothilfe von € 1,75 Milliarden, mehr als jeder anderen Bank des Landes. Laut Schwarzbuch Landwirtschaft profitierte Raiffeisen ungeheuerlich durch die Steuerreform von Minister Karl-Heinz Grasser im Jahr 2004. Seitdem bekommen die Landesbanken von Raiffeisen Steuern, anstatt sie zu bezahlen, sogenannte Negativsteuern durch die vielen Absetzbeträge. Zusammen haben die Raiffeisenbanken 2006-2008 einen Gewinn von € 1,9 Milliarden erwirtschaftet – und dafür lediglich 1% (statt 25% wie jeder andere) an Steuern gezahlt!

„Wer sich mit Raiffeisen anlegt, muss damit rechnen, eingeschüchtert zu werden“ schreibt Hans Weiss. „Als das österr. Parlament 2006 einen U-Ausschuss über die Banken einrichtete, in dem auch die Ostgeschäfte zur Sprache kommen sollten, drohte Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad mit Klagen gegen die ParlamentarierInnen.“

Ob die Tierschutzcausa auch ein derartiger Einschüchterungsversuch gegen KritikerInnen war? Raiffeisen ist direkt mit ÖVP, Jägerschaft und Tierindustrie verbandelt, in gewissem Sinn ident. Und die fühlen sich durch unsere Tierschutzaktivitäten natürlich gestört. Nur ein Schelm, wer hier Zusammenhänge sieht.

20 thoughts on “Schlägt das Raiffeisen-Imperium zurück?

  1. Tina says:

    Kannst du das mit den Softwareparks näher ausführen 😉
    Btw fehlen Unis in deiner Liste.

  2. Max Nicht says:

    Es ist ja kaum vorzustellen dass ein sorgsamer Wildhüter sich hergibt Zuchtfasane, die ja kaum flugfähig sind, abzuknallen. Dass man seinerzeit dem Kaiser einen Gefallen tun wollte ist ja noch irgendwie einzusehen, aber ‚Hobbyjäger‘ und Vereinsfreunde sollten das heutzutage doch lieber unterlassen. Wenn sie schon so schießwütig sind wären ja Tontauben, Luftballone oder Blechdosen wohl ein wesentlich problemloseres Ziel. Oder mit Nestroy zu sprechen: es gibt nichts dümmeres als (so eine) Jagt.

  3. Andrea says:

    Dieser Kommentar bezieht sich auf die letzten drei Postings (Landwirtschaft, RAIKA, Überwachung). Wenn ich von dem RAIKA-Monopol und den Subventionen in der Landwirtschaft lese, wird mir gleich ganz anders. Man braucht ja nur eins und eins zusammenzählen, dann kommt man schnell dahinter, das hier im Staate Österreich irgendwas faul ist, aber wenn man solche Fakten schwarz auf weiß vor sich hat, ist das schon beeindruckend, finde ich. Gut, dass das Schwarzbuch erschienen ist, sowas gehört ja schleunigst verbreitet. Gut auch, dass immer mehr Informationen dieser Art (wie funktioniert die Industrie, wer bezahlt sie und wer profitiert davon) publik werden – vielleicht kippt dann dieses absurde System endlich.

    Allerdings frage ich mich wirklich langsam, was noch alles passieren muss, damit die Leute es endgültig satt haben?! Ich meine, jetzt haben wir endlich den offiziellen Überwachungsstaat. Offiziell!!!! Und es scheint die Allgemeinheit nicht sonderlich zu tangieren! Wozu diese ganze Überwacherei und Kontrolle? Fragt sich das niemand? Zur Sicherheit, lautet die Antwort! Wer glaubt sowas? Aber mir soll es recht sein, sollen sich der Staat und seine ach so klugen Machthabe ihre „Wutbürger“ selbst erschaffen – dann kippt das System vielleicht schneller! Nur weiter so!

    PS: Schöne Grüße an die geheimen Mitleser und Datenspeicherer!!!

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