Ein Beweis der Stärke der veganen Community

Ich bin beeindruckt. Kürzlich erschien eine APA-Meldung zu den Aussagen einer Kinderärztin aus München, die Spezialistin für Leber-, Magen- und Darmerkrankungen ist. Sie hätte am 19. Jänner auf einem Symposium in Obergurgl in Tirol die vegane Ernährung als die Ernährung von „Ernährungsfanatikern“ bezeichnet, gemeint, Veganismus sei für Stillende, Schwangerer und im gesamten Kindesalter völlig ungeeignet, ja würde sogar zu schlechteren kognitiven Leistungen führen, und anhand des Falles einer 15 jährigen veganen Patientin von ihr, die nur Reiswaffeln gegessen habe, wäre die Gefahr von Veganismus evident. Siehe als Beispiel: http://derstandard.at/1358304151961/Gesundheitsrisiko-fuer-Kinder-von-Ernaehrungsfanatikern

Für alte Hasen wie mich waren diese Artikel nichts Neues. Wie oft habe ich nicht nur gegen Veganismus derartig unfundierte Angriffe lesen müssen, offensichtlich von jemandem verfasst, der dem Veganismus eins auswischen will. Auch gegen Tierschutz (wie radikal wir nicht sind!), gegen unseren Verein VGT (siehe die ORF-Sendung „Am Schauplatz“, https://martinballuch.com/?p=1501) und natürlich gegen mich persönlich (siehe Herrn Klenk vom Falter https://martinballuch.com/?p=53) gab und gibt es peinliche „Ausrutscher“ in der journalistischen Redlichkeit dieser Art.

Doch diesmal liefen die Uhren anders. Ein Aufschrei ging durch die eigentlich als klein und harmlos eingestufte vegane Community, mit zahlreichen Beschwerden bei der APA, bei den Zeitungen, die die Meldung abgedruckt hatten, und, offenbar, auch bei der Kinderärztin selbst. Selbst die betroffene 15 Jährige äußerte sich in einem Blogeintrag, http://vegantemptation.blogspot.de/2013/01/zu-schockiert-fur-eine-uberschrift.html.

Und siehe da, zu meinem größten Erstaunen reagierte man.

Die Kinderärztin sah sich dazu veranlasst, den Bericht über ihren Vortrag als Falschdarstellung zu bezeichnen:
http://www.salzburg.com/nachrichten/wissen/sn/artikel/vegane-ernaehrung-bei-jugendlichen-risikofaktor-44004/

Die APA brachte eine neue Aussendung dazu heraus, in der sie lang und breit Proteste veganer Menschen zitierte und von obiger Gegendarstellung berichtete.

Und die Zeitungen korrigierten ihre Erstberichte, wie z.B.:
http://derstandard.at/1358304286967/Restriktive-Diaeten-riskant-fuer-Kinder-Expertin-fuehlt-sich-falsch-zitiert#forumstart

Erstaunlich. Es ist wirklich schwer, mediale Berichte überhaupt korrigieren zu können, selbst wenn sie eindeutig falsch sind. KeinE JournalistIn und insbesondere keine Chefredaktion wollen zugeben, dass sie falsch oder einseitig berichtet haben. Normalerweise wird so ein Konflikt mit erbittertem Widerstand des jeweiligen Mediums in Zivilprozessen ausgetragen.

Dass es hier tatsächlich gelungen ist, diese regelmäßig wiederkehrenden Falschberichte einmal zu stoppen, werte ich als ein sehr gutes Zeichen. Offenbar ist die vegane Community bereits so groß, so stark und so gut vernetzt, dass man nicht mehr so einfach über sie herziehen kann. Erfreulich, wie ich meine, und beeindruckend. Ich hätte mir das nie träumen lassen.

3 thoughts on “Ein Beweis der Stärke der veganen Community

  1. Susanne says:

    Vor kurzem sah ich im Fernsehen einen Bericht ich glaube auf n24) über Vegetarier und Veganer. Es stellen sich immer mehr Menschen in Europa um (ich glaube in Indien gibt es einen gegenteiligen Trend) und deshalb werden Vegetarier als Konsumenten immer mehr geschätzt und die Produktion zielt auf diese vielen Konsumenten jetzt auch ab. Ignorieren kann das die Industrie nicht mehr.

    Es gibt auch derzeit große Anstrengungen von Wissenschaftlern eine Alternative zur Viehzucht zu schaffen.

    Auf dem Symposium „Die nächste Agrar-Revolution“ wurden mehrere Alternativen für Schlachtfleisch angekündigt. Sie alle haben das Ziel, die Umwelt von den Kosten der herkömmlichen Tierzucht zu entlasten. „Die Tierzucht ist bei weitem die größte anhaltende Umweltkatastrophe“, warnte der Biochemiker Patrick Brown von der Stanford Universität (Kalifornien) vor Journalisten in Vancouver. Die derzeitige Gewinnung von Fleischprodukten verbrauche mehr landwirtschaftliche Fläche, Wasser und Getreide als irgendein anderes Nahrungsmittel für Menschen. Brown selbst entwickelt zurzeit Burger, Steaks und Speck aus Getreideprodukten. (http://www.rp-online.de/wissen/forschung/frikadellen-aus-stammzellen-1.2723810) Aus Stammzellen versucht man auch Fleisch zu machen.

    So gesehen rennt ihr eigentlich offene Türen ein. Ein Umdenkprozeß findet auf verschiedenen Ebenen statt.

  2. Lilly says:

    Interessante Wende. Ein großer, weiterer Sektor im Volk
    erkennt klar wie die Medien tatsächlich agieren. Der Weckruf ging diesmal an die Medien. Es ist erstaunlich, dass diese ganz entgegen ihrer sonstigen Strategien, den Trug korrigiert und dadurch integer gehandelt haben, Hut ab. So entsteht zumindest für einen Moment das Gefühl einer echten Zivilisation.

  3. matthias says:

    Respekt!

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