Aktivismus

Die politische Dimension von Jugend und Alter

Revolutionär nur in der Jugend?

Revolutionär nur in der Jugend?

Die gängige Ansicht, als jüngerer Mensch ist man idealistisch und revolutionär, als älterer Mensch wird man realistisch und konservativ, scheint mehr als nur ein Vorurteil. Zwar trifft das natürlich nicht auf alle zu, aber die Tendenz ist spürbar, zumindest statistisch. Ein Grund für jeden politisch engagierten Menschen, der in die Jahre kommt, sich laufend zu fragen, wie sehr ein möglicher persönlicher Einstellungswandel mit dem Alter statt mit einer realistisch-objektiven Einschätzung der politischen Dynamik aus der eigenen Erfahrung zu tun hat. Erschreckend z.B. der Wandel eines Otto Schily von einem revolutionären Rechtsanwalt (in den 1980er Jahren haben wir als Studi-AktivistInnen ihn noch zu brandheißen Vorträgen an die Uni geladen) und Mitbegründer der Grünen zu einem extremistisch rechts-konservativen Betreiber des Überwachungsstaates als Innenminister der SPD. Schily mit 70 hätte Schily mit 50 glatt für Jahrzehnte weggesperrt.

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Christlich-konservativer Extremismus

20130828_stitten-butter2kleinDer Attentäter von letzter Woche, mit Buttersäure gegen TierschützerInnen, stammt aus einem extremistischen christlich-konservativen Milieu. An und für sich halte ich die Bezeichnungen „radikal“ oder „extremistisch“ für nicht sehr sinnvoll, sie sind meist nur als Beleidigung gedacht. Wenn die christlich-konservative Presse z.B. vom Tierschutz berichtet, der über Tierschutzarbeit hinausgeht und politische Ansprüche stellt, hängt sie am liebsten ein „radikal“ oder „extremistisch“ an, um gleich klar zu stellen, was von diesem Tierschutz zu halten ist. Doch bei „extremistisch christlich-konservativ“ will ich eine Ausnahme machen. Das deshalb, weil sich christlich-konservative Personen selbst nie als radikal oder extremistisch sehen würden, ja, eigentlich überzeugt sind, dass das ein Widerspruch sei. Konservativ sei gemäßigt, christlich wiederum sei grundsätzlich gut und daher mit den negativ behafteten Eigenschaftsworten „radikal“ und „extremistisch“ nicht zu bezeichnen. Die reservieren wir lieber für den Islam. Es gibt ja auch kein Kapitel für christlich-konservativen Extremismus im Verfassungsschutzbericht. Christlich-konservativ ist eben die bürgerliche Elite, die Bewahrerin des Wahren, Schönen und Guten. Oder doch nicht?

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Nötigung: Anzeige gegen WWF niedergelegt – aber neue Anzeige gegen Tierschutzverein in Deutschland!

Wie bekannt, gab es aufgrund des neuen OLG-Urteils im Tierschutzprozess eine Serie von Anzeigen gegen Tier- und Umweltschutzvereine sowie den ÖGB wegen Nötigung und schwerer Nötigung aufgrund von deren Kampagnen. Dieses Vorgehen zeigt die Absurdität der Anklage im Tierschutzprozess: Kampagnen, um Firmen unter Druck zu setzen, sich ethisch besser zu verhalten, sind in einer Demokratie nicht nur völlig normal, sondern sogar ein notwendiges Korrektiv gegen den überbordenden Raubtierkapitalismus, der ganz andere Prioritäten als die Lebensqualität von Mensch und Tier hat. Nur so ist zu verstehen, dass z.B. an der Schwarzen Sulm versucht wird, ein Kraftwerk zu bauen, das diesen Fluss ruinieren würde. Der WWF hat sich dankenswerter Weise für die AktivistInnen stark gemacht, die dieses Kraftwerk momentan verhindern. Und wurde prompt dafür wegen Nötigung angezeigt.

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Was bringen Tierschutzkampagnen? – Kastenstandverbot

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Kastenstandhaltung von Mutterschweinen: 65 cm breit und 195 cm lang, ununterbrochen während Geburt und Säugeperiode eingesperrt.

Seit vielen Jahrzehnten engagiere ich mich im Rahmen von Tierschutzkampagnen, um Verbesserungen des Tierschutzgesetzes zu erreichen. Immer stellt sich dabei das Problem, einen Mittelweg zwischen einer utopischen Forderung, die scheitert, und einer lächerlichen Forderung, die keine relevante Änderung bringt, zu finden. Für beide Extrempole will ich nicht meine Zeit verplempern, dafür habe ich davon zu wenig. Ich möchte reale Änderungen erreichen, die wirklich einen Fortschritt bringen und Bestand haben.

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AktionsAkademie und VGT-Aktivismus Camp: lernen fürs Leben

P1000853klein„If there is no struggle, there is no progress“ meinte Frederick Douglass, selbst entflohener Sklave und Aktivist gegen die Sklaverei in den USA Mitte des 19. Jahrhunderts. „There is no gain without struggle“ erklärte Martin Luther King und sprach von seinen Kampagnen für Bürgerrechte der afroamerikanischen Minderheit in den Südstaaten der USA 100 Jahre später. Ohne Konflikt sehen die politisch Verantwortlichen überhaupt keine Veranlassung das System zu ändern. Daher muss die Zivilgesellschaft, wenn sie es lange genug vergeblich durch gutes Zureden versucht hat, u.U. auf eine Eskalation durch Aktionismus setzen. Die Randbedingungen demokratiepolitisch legitimer Aktionen habe ich in meinem Buch „Widerstand in der Demokratie“ ausgeführt.

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Folgen der Legebetriebsbesetzung – doch eine effektive Aktionsform?

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Eine Besetzungsaktion: friedlich, kein Schaden entstanden und die Öffentlichkeit erfährt von dem Missstand

Aktionismus würde, so der Tenor beim Symposium der AGES Akademie im Workshop über ein Tierschutzbildungszentrum (https://vgt.at/presse/news/2013/news20130606y.php), sinnlos sein und nicht die Öffentlichkeit erreichen. Jetzt bin ich ja nicht der Ansicht, ein Tierschutzbildungszentrum müsse aktionistisch tätig werden, aber war der Seitenhieb auf NGOs wie den VGT nötig? Als Seitenhieb war es jedenfalls gemeint, fürchtet man sich doch vor „Radikalität“, die sich in dieser Form äußere. Nur nicht das Boot zum Schwanken bringen, in dem man sitzt und das einen – mit staatlichen Geldern – erhält. Dabei ist ein konstruktiver Konflikt für einen gesellschaftlichen Wandel notwendig, wie nicht nur Koryphäen sozialer Befreiungsbewegungen (z.B. Frederick Douglass und Martin Luther King) deutlich gemacht haben, sondern auch in meinem Buch „Widerstand in der Demokratie“ ausgeführt wird. Jetzt habe ich ein neues, aktuelles Beispiel.

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Helfen oder hindern social media demokratiepolitische Prozesse?

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Sind physische Demos ein Ding der Vergangenheit und wird in Zukunft nur mehr auf facebook protestiert?

Zunächst war ich wirklich begeistert von den Möglichkeiten von facebook, Twitter und Co. Mit einem kostenlosen Klick sind tausende Menschen informiert, können sich engagieren, bei Aktionen und Demos teilnehmen, oder auch Protestemails abschicken und Petitionen unterschreiben. Zweifellos spielt aber der Funfaktor bei social media eine große Rolle, wenn man die Postings und die gefällt-mir Statistiken betrachtet. Kann politisches Engagement durch „Fun“ auch wirklich wirksam sein?

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Uni Mailand: 200 Mäuse und 1 Kaninchen am hellichten Tag aus Tierversuchslabor geholt

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Gentechnisch veränderte Mäuse im Psychiatrielabor, um ein Krankheitsmodell für Autismus zu liefern

Manchmal werden Träume wahr. Wie oft denkt man, denke ich, an die Versuchstiere in den Labors, wie hoffnungslos ihr Schicksal, wie unerreichbar ihre Freiheit. Am 28. April 2003 holten wir 16 Ratten aus den Versuchslabors des Krebsforschungszentrums in der Borschkegasse in Wien. Die 16 Nager waren zum Glück gleich am Anfang der Aktion abgehauen, zu dritt blieben wir Menschen zurück, blockierten den Eingang zum Labor von innen und wurden dann festgenommen und eingesperrt. Immerhin konnten wir alle Prozesse letztlich gewinnen, bis die Sache als Aktion einer kriminellen Organisation im Rahmen der Tierschutzcausa wieder aufgerollt wurde.

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Abolitionismus gegen Reformismus: Klaus Petrus in Wien

_DSC4215kleinAls Klaus Petrus am 22. April 2013 in Wien sein neues Buch „Tierrechtsbewegung“ vorstellte, hatte er angekündigt über Tierrechte versus Tierbefreiung und die Tierrechtsbewegung in liberalen Gesellschaften zu sprechen. Doch schließlich wurde es ein Vortrag über sein Steckenpferd Abolitionismus und warum Reformismus, und da insbesondere jener, den der VGT praktiziert, zu kritisieren ist. Petrus bezieht sich dabei auf die Ausführungen eines US-amerikanischen Universitätsprofessors für Rechtsphilosophie, Gary Francione. Dieser Mann erfand vor einigen Jahren den abfällig gemeinten Begriff „New Welfarism“ für jede Art von Aktivismus, die sich nicht darauf beschränkt, einzelne Menschen zur veganen Lebensweise zu überreden. Dabei bezeichnete er den VGT aufgrund unserer Reformkampagnen z.B. gegen Kastenstände oder gegen Legebatterien als stärkste Kraft in der Gesellschaft gegen Veganismus und Tierrechte. Ich nannte daraufhin diese Position in meiner Reaktion als „Mad Abolitionism“. Im Detail kann man meine Ausführungen hier nachlesen:
http://www.vegan.at/warumvegan/tierrechte/abschaffung_vs_reform.html

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