Hunde

So ein braver Hund!

P1030117kleinLetzten Sonntag am Strand des Klopeinersees in Kärnten. Alle paar Meter eine Menschengruppe mit Sonnenschirm und Badetuch. Mitten drin ich mit meinem Hund. Er springt auf und schießt verspielt zwischen die Menschen los. „Komm zurück!“, ruf ich ihn, „bitte setz Dich her!“ Er duckt sich auf die Vorderpfoten nieder, der Hintern in der Höhe, schaut verschmitzt, bringt mir ein Stocki. „Nein, das geht jetzt nicht“, sag ich. Er bellt voll Übermut. „Bitte sei ruhig“, ruf ich. Er springt ins Wasser. „Nein, nein“, sag ich, „komm bitte raus, Hunde dürfen da nicht hinein.“

Zwei Sonnenschirme weiter liegt ein Golden Retriever wie im Koma schon seit Stunden auf der Seite. „So ein braver Hund“, sagt die Frau daneben und lächelt stolz. Ein braver Hund ist offenbar ein komatöser Hund. Ich fürchte bei solchen Menschenansammlungen gilt das auch für Kinder.

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Diplomarbeit belegt: Hunde ohne Leine freundlich, Leinenpflicht von 50% ignoriert

P1040415kleinVor über einem Jahr, https://martinballuch.com/?p=959, habe ich mich auf meinem Blog schon gegen den Leinenzwang für Hunde ausgesprochen. Ich begann mit dieser Beobachtung:

Viele Jahre lang kam ich mit einem Hund ins Büro und ein Kollege freundete sich mit ihm an. Die beiden gingen fast täglich zu Mittag spazieren. Irgendwann einmal sagte mein Kollege nebenbei zu mir, dass er es so anstrengend finde, dass mein Hund jeden anderen Hund, der ihnen auf der Straße begegnet, anknurrt und angreift. Mir blieb der Mund offenstehen. Mein Hund verhält sich doch vollkommen freundlich und ruhig jedem Hund gegenüber, entgegnete ich. Dann löste sich das Rätsel: Während mein Kollege mit dem Hund immer an der Leine ging, war er bei mir immer frei. Mit Leine führte jede Hundebegegnung zu wildem Zerren an der Leine, zu knurren, bellen und einem Angriff. Ohne Leine war derselbe Hund total freundlich und friedlich, beschnüffelte die anderen Hunde zur Begrüßung oder ignorierte sie gleich völlig.

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Mein Hund ist davon gelaufen!

IMG_4472kleinAlso mein Hund ist nicht mir davongelaufen, er liegt gerade hier auf dem Sofa und schläft in aller Zufriedenheit. Aber ich war die letzten Tag in Berlin und hatte meinen Hund in Wien bei Freunden gelassen, da ich ihm die lange Reise und die Hektik beim Filmfestival nicht zumuten wollte. Und an dem Tag, an dem ich zurückkommen sollte, erreichte mich die Nachricht: mein Hund ist davon gelaufen!

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Winterliche Berge und Tiefschnee – für den Hund zu stressig?

P1050800kleinIm Winter lebe ich auf. Es zieht mich in die Berge. Meine romantischste Phantasie ist, im tiefverschneiten Gebirge, abseits von jeder Zivilisation, zusammengekuschelt eine lange Winternacht zu verbringen. Schnee ist so unheimlich schön, in all seinen Facetten. Er kann leicht und pulvrig sein, sodass man tief darin versinkt und ihn dabei gar nicht spürt. Oder er ist bretthart mit einer Harschschneedecke überzogen. Oder er ist nass und weich, sodass jede Bewegung darin wie mit Bleigewichten erschwert ist. Ich vermute meine Faszination mit den winterlichen Bergen hängt mit ihrer Einsamkeit zusammen. Natürlich, in den Schigebieten und Wintersportregionen ist gerade in dieser Jahreszeit der große Trubel, aber wie einsam sind die Berge abseits dieser Zentren, insbesondere in Ostösterreich! Die Hütten haben geschlossen, nur noch die Winterräume sind zugänglich. Die Forststraßen und alles Menschengemachte verschwinden unter der Schneedecke und die Berge wirken doppelt so hoch. Der Winter in den Bergen, insbesondere die langen Nächte, sind die Zeit der Stille.

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Können Hunde verstehen?

P1030112kleinKürzlich ging ich mit meinem Hund wieder einmal ohne Leine im dichten Straßenverkehr spazieren. Er lief gute 70 m vor mir auf dem Gehsteig, was für ihn nicht ungewöhnlich ist. Allerdings waren so viele Menschen zu Fuß unterwegs, dass ich ihn zwischen den vielen Beinen hindurch fast nicht mehr sehen konnte. So rief ich, ziemlich wörtlich, er möge bitte stehen bleiben und ein bisschen warten, wir würden uns sonst aus den Augen verlieren. Mein Hund blieb augenblicklich stehen und schaute zu mir zurück. Da sprach mich eine Frau an. Sie fand es bemerkenswert, dass ich meinen Hund bitte, stehen zu bleiben, anstatt ihm etwas zu befehlen. Sie schien es aber eher lächerlich zu finden, als es zu begrüßen.

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Kurt Kotrschal: Wolf Hund Mensch

P1050633Dieses im Brandstätter Verlag erschienene Buch wurde zum besten österreichischen Sachbuch des Jahres 2012 gekürt. Es enthält sehr viele spannende Erkenntnisse über Wölfe und man spürt die Liebe des Autors zu diesen Tieren durch. Erfreulich, dass er dabei auch zu seinem Lehrer Konrad Lorenz in konstruktiver Weise in manchen Punkten auf Distanz geht, so zu Lorenz‘ Idee der Verhausschweinung des Menschen oder der strikten Dominanz im Wolfsrudel. Stattdessen, meint Kotrschal, sind Wolfsrudel egalitär organisierte, kooperative Familienverbände und es gibt keine hierarchischen Entscheidungen. Die Jüngeren würden sich an den Älteren orientieren, weil sie deren Altersweisheit schätzen. Die Wölfe halten sich an die Gruppenregeln, nicht etwa aus Angst vor Strafe, sondern weil ihr Stirnhirn, das im Alter von 2 Jahren ausgereift ist, ihnen die Kontrolle ihrer Emotionen ermöglicht. Zu Rudelrevolutionen kommt es fast nie, wenn, dann durch Zuwanderer und natürlich in Gefangenschaft. Im Rudel ist die Aggression sehr gering, doch zwischen den Rudeln gibt es manchmal sogar einen regelrechten Vernichtungskrieg. Für Mensch und Wolf sei eine Trennung in „Wir und die anderen“ typisch, nicht aber für Gänse und Pferde etwa. In einer nicht bejagten Wildnis gehen 60% aller Todesfälle bei den Wölfen auf das Konto solcher Nachbarschaftskonflikte. So komme es auch zu Kannibalismus unter den Wölfen – und zu einer Kontrolle der Populationsdichte.

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Zu Besuch im Wolfsforschungszentrum Ernstbrunn

 

Ich möchte demnächst wieder einmal in die tief verschneiten Südkarpaten wandern, um nach Spuren von Wölfen zu suchen und vielleicht auch den einen oder anderen Wolf erstmals zu Gesicht zu bekommen. Grund genug für einen Besuch im Wolfsforschungszentrum in Ernstbrunn, http://www.wolfscience.at, das dort 2008 eingerichtet wurde, um mehr über Wölfe zu erfahren. Einer der Gründerväter dieses Zentrums, Kurt Kotrschal, hatte mir angeboten, dieses Forschungszentrum zu zeigen. Kurt Kotrschal ist nicht nur Autor des besten Wissenschaftssachbuchs des letzten Jahres, sondern auch Wissenschaftler des Jahres 2010 in Österreich. Zuletzt traf ich ihn am Philosophicum in Lech, siehe https://martinballuch.com/?p=1604, und, damit im Zusammenhang, bei einer Podiumsdiskussion im Hangar 7 in Salzburg.

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Leben sogar Wölfe manchmal vegan?

 

Kürzlich war es ja in den Wissenschaftsnachrichten https://martinballuch.com/?p=2064:  Hunde haben extra Gene für die Verdauung pflanzlicher Nahrung im Vergleich zu Wölfen. Und dabei sind nicht einmal Wölfe auf Fleisch fixiert! In seinem Buch „Der Philosoph und der Wolf“ beschreibt Mark Rowlands, wie er durch Erlebnisse mit seinem Wolf, der über 11 Jahre bei ihm wohnte, zu einem Tierrechtsphilosophen wurde. In der Folge wechselte er seine Ernährungsgewohnheiten aus moralischen Gründen vom Schwerpunkt Fleisch zum Vegetarismus. Vegan zu leben, so bekennt der Autor, wäre eigentlich die moralisch bessere Option gewesen, hätte aber seine Fähigkeit, sich selbst zu verändern, überstrapaziert. So – Rowlands spricht sogar davon, Rache an seinem Wolf nehmen zu wollen, der ihn ja von seinem geliebten Fleisch weggebracht hatte – versuchte er nun auch diesem Wildtier in seinem Haushalt eine vegetarische Ernährung, wie er es sah, aufzubürden. Es habe zwar keine gesundheitlichen Schwierigkeiten gegeben, aber der Wolf habe sich so lange widersetzt, dass man letztlich zum Kompromiss gekommen sei, dass Rowlands vegetarisch aber sein Wolf nur pescetarisch leben werde, also neben pflanzlicher Kost auch mit Fisch in der Nahrung. Und dieser Ernährungsweise blieben die beiden bis zu des Wolfs Tod treu.

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Ein Wolf und ein Philosoph

Mark Rowlands, von walisischer Herkunft, hat mich zur Zeit meiner Dissertation als Philosoph aus Irland beeindruckt, der sogar im Rahmen des Kontraktionalismus eine Verteidigung der Tierrechte zustande brachte. Für Eingeweihte: er erweiterte John Rawls‘ Schleier des Ungewissen auch auf die Tierart, d.h. bevor die rationalen Wesen ihren Gesellschaftsvertrag schließen, der dann das moralisch Gute definiert, dürfen sie auch nicht wissen, zu welcher Tierart sie in der hypothetischen Gesellschaft gehören werden. Rowlands schloss messerscharf, dass rationale Wesen dann niemals einen speziesistischen Vertrag unterschreiben würden. So sah er mittels Kontraktionalismus – bis dahin das Flaggschiff der Anti-Tierrechtsposition – den Speziesismus widerlegt.

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