Leben sogar Wölfe manchmal vegan?

 

Kürzlich war es ja in den Wissenschaftsnachrichten https://martinballuch.com/?p=2064:  Hunde haben extra Gene für die Verdauung pflanzlicher Nahrung im Vergleich zu Wölfen. Und dabei sind nicht einmal Wölfe auf Fleisch fixiert! In seinem Buch „Der Philosoph und der Wolf“ beschreibt Mark Rowlands, wie er durch Erlebnisse mit seinem Wolf, der über 11 Jahre bei ihm wohnte, zu einem Tierrechtsphilosophen wurde. In der Folge wechselte er seine Ernährungsgewohnheiten aus moralischen Gründen vom Schwerpunkt Fleisch zum Vegetarismus. Vegan zu leben, so bekennt der Autor, wäre eigentlich die moralisch bessere Option gewesen, hätte aber seine Fähigkeit, sich selbst zu verändern, überstrapaziert. So – Rowlands spricht sogar davon, Rache an seinem Wolf nehmen zu wollen, der ihn ja von seinem geliebten Fleisch weggebracht hatte – versuchte er nun auch diesem Wildtier in seinem Haushalt eine vegetarische Ernährung, wie er es sah, aufzubürden. Es habe zwar keine gesundheitlichen Schwierigkeiten gegeben, aber der Wolf habe sich so lange widersetzt, dass man letztlich zum Kompromiss gekommen sei, dass Rowlands vegetarisch aber sein Wolf nur pescetarisch leben werde, also neben pflanzlicher Kost auch mit Fisch in der Nahrung. Und dieser Ernährungsweise blieben die beiden bis zu des Wolfs Tod treu.

Interessant dazu die Ausführungen von Kurt Kotrschal in seinem neuen Buch „Wolf Hund Mensch“, für das der Autor heute Abend in Wien vom Wissenschaftsminister die Auszeichnung für das beste wissenschaftliche Sachbuch des Jahres 2012 erhalten hat:

Wie Bären auch nehmen [Wölfe] erhebliche Mengen pflanzlicher Nahrung zu sich, sei es direkt, etwa durch süßes Obst im Herbst, wenn sie Zugang dazu haben, oder in Form von Darminhalten der von ihnen erbeuteten großen Pflanzenfresser.
[…]
Menschen, Wölfen und Raben ist ihr breites Nahrungsspektrum gemeinsam, das von beinahe vollständig vegetarisch bis hin zu ausschließlich tierisch reicht.
[…]
Wölfe ernähren sich zumindest zeitweise vorwiegend pflanzlich, sofern sie dazu Gelegenheit haben. Im Herbst etwa sind sie so sehr auf süßes Obst versessen, dass sie wochenlang davon leben können. Unsere Wölfe waren […in einem Obstgarten] mit vielen alten Apfel-, Birn- und Pflaumenbäumen und reifem Obst von Juli bis November. Wochenlang nahm fast jeder Wolf mehrere Kilo Obst auf und vertrug das auch sehr gut. Das ging so weit, dass sie begannen, Obst selektiv zu pflücken. Kaspar etwa visierte einen bestimmten Apfel oder auch eine reife Rispe Holunderbeeren an, sprang dann aus dem Stand bis zu 4 m hoch und pflückte das Objekt seiner Wahl. […] Dass es sich dabei nicht um ein „Gehegeartefakt“ handelt, belegt das Verhalten der Wölfe auf der Isle Royal im Lake Superior/Michigan. […] Um das Jahr 2000 entdeckten die Wölfe die alten Apfelbäume auf einem Campingplatz und kommen seitdem regelmäßig zum Ernten vorbei.

 

Wir können also folgende Fakten zusammenfassen:

  • Wölfe essen gerne, und zumindest manche eine Zeit lang nahezu ausschließlich, pflanzliche Nahrung
  • Hunde haben in den letzten 15.000 Jahren noch deutlich mehr pflanzliche Nahrung als Wölfe zu sich genommen, sodass sie sogar eigene Gene zur noch besseren Verdauung dieser Nahrung evolutionär entwickelten

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