USA: Wirtschaftseinfluss auf Politik führt zu Verbot von Klimawandelfakten in Schulen

Ein Bericht, den ich kürzlich gelesen habe, hat mir wieder einmal in erschütternder Weise vor Augen geführt, wie groß der Einfluss der Wirtschaft auf die Politik ist. Nicht nur, dass die Tierindustrie zusammen mit der Jägerschaft den politisch motivierten Tierschutzprozess ausgelöst hat, wie wir wissen. Bestechung und Korruption von Wirtschaftsseite wird ja auch gerade im Untersuchungsausschuss im Parlament aufgearbeitet, mit sogenannten „Lobbyisten“, die für Beratungen Millionen von Euro zahlen – und am Schluss entstehen dadurch Gesetze, die wortwörtlich von Firmen in ihrem Sinn verfasst worden sind. Kein Wunder, dass wir im Tierschutz so einen schweren Stand haben.

In der Zeitschrift „New Scientist“ vom 21. Jänner 2012 ist auf Seite 4 von einem weiteren Beispiel des Einflusses der Wirtschaft auf die Politik zu lesen. In bereits drei Bundesstaaten der USA, nämlich Texas, Louisiana und South Dakota, wurden Gesetze verabschiedet, nach denen es in Hinkunft verboten ist, in den Schulen von der globalen Klimaerwärmung zu sprechen, ohne das gleich mit der Behauptung zu relativieren, dass dieser Klimawandel noch nicht erwiesen sei und es auch Gegenmeinungen dazu gäbe, insbesondere was die Rolle des Menschen als Verursacher davon betrifft. Die Gesetze beinhalten auch eine Passage, die Schulbücher für gesetzwidrig erklärt, die dem Klimawandel nicht bis zu einem gewissen Grad skeptisch gegenüberstehen.

Der „New Scientist“ kommentiert das als Skandal. Natürlich ist klar, dass der Klimawandel aufgrund von Menschen gemachter Einflüsse objektiv real und wissenschaftlich nachgewiesen ist. Das kann auch ich als Naturwissenschaftler bestätigen. Ich arbeitete bereits Ende der 1980er / Anfang der 1990er Jahre an der Uni Cambridge in einer Gruppe an Computersimulationen der Klimaentwicklung und wir konnten klar nachweisen, dass eine Klimaerwärmung kommen wird. Insbesondere der Einfluss von Methan aus der Tierindustrie war ein wichtiges Thema unserer Berechnungen. Es hat mich damals schon erstaunt, dass diese Ergebnisse keinen öffentlichen Aufschrei bewirkten. Ich ging Anfang der 1990er Jahre sogar mit unseren Ergebnissen zu den österreichischen Grünen und bot ihnen an, meine Expertise samt Ergebnissen zu nutzen und damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Zu meinem Erstaunen waren sie damals daran nicht interessiert. Erst der experimentelle Nachweis einer Erwärmung der Ozeane, der seitdem gelungen ist, konnte offenbar die Öffentlichkeit wecken.

Und die Wirtschaft hat jetzt diese Bedrohung erkannt und entsprechend reagiert. Einerseits beeinflusst sie die VertreterInnen der Staaten bei den Klimakonferenzen, um verbindliche Vereinbarungen zu verhindern – selbst wenn das auf längere Sicht große Katastrophen mit sich bringen könnte. Jetzt zeigt sich auch, dass direkt auf den Schulunterricht Einfluss genommen wird, um wissenschaftliche Fakten zu vertuschen. Zum Glück setzt sich in den USA eine Wissenschafts-NGO aus Oakland in Kalifornien, das National Center for Science Education (NCSE), jetzt dafür ein, diesen wirtschaftlichen Einfluss auf die Informationspolitik zurück zu drängen.

Ich erlebe im Tierschutz öfters Entscheidungsfindungen im Parlament mit. Immer wieder habe ich dabei den Eindruck, die PolitikerInnen sind nur mehr Marionetten der Industrie, austauschbar. Die Wirtschaft diktiert was politisch zu geschehen hat, sie hat durch ihre finanzielle Potenz und ihre Rolle auf dem Arbeitsmarkt (Entzug des Firmenstandorts z.B.) – und nicht zuletzt durch direkten Lobbyismus und durch die Bezahlung von „Beratungen“ in Millionenhöhe – einen derartigen Einfluss, dass die Demokratie ausgehebelt wird. Einzelne Firmenchefs und –chefinnen, die im demokratischen Prozess nur 1 Stimme von 8 Millionen haben sollten, bestimmen was geschieht. Die reale Macht der Politik scheint mir zunehmend eingeschränkt und nur Staffage.

Ich hoffe, dass diese Machenschaften in Österreich zumindest in den aktuellen Fällen jetzt endlich lückenlos aufgedeckt werden und für die Verantwortlichen merkbare Konsequenzen haben. Schön wäre es, wenn es auch in der Tierschutzcausa einmal so weit käme.

5 thoughts on “USA: Wirtschaftseinfluss auf Politik führt zu Verbot von Klimawandelfakten in Schulen

  1. Susanne says:

    Es wäre Zeit, dass sich mehr Menschen zusammen finden denen der Begriff Mitleid heute noch geläufig ist, aber das scheinen immer weniger zu werden. Im Grunde genommen geht es ja nur darum, Mitleid zu haben mit hilflosen Wesen. Menschen die kein Mitleid mit Tieren haben, haben auch keines mit Menschen. Was sie Tieren antun, tun sie auch Menschen an wenn es verlangt wird. Zufällig läuft gerade jetzt wo ich das schreibe Galileo auf PRO7. Es geht dabei um Angora Wolle und so nebenbei wird erwähnt, man solle nur Produkte kaufen, wenn sie aus zertifizierten Betrieben stammen, vor allem sofern es chinesische Betriebe sind. Sonst müsse man damit rechnen, dass die Tiere nicht ordentlich gehalten und nicht geschoren, sondern „gezupft“ werden. D.h. man reißt ihnen die Haare einfach aus, wie man es beim Federvieh auch oft macht. Aber trotzdem wird Werbung für Angora Wolle gemacht. Kein Mensch mit Gewissen würde auf die Idee kommen, dass Menschen einem Tier so etwas antun können. Sogar die alten Juden hatten schon ein ausdrückliches Verbot, Federvieh lebendig zu rupfen, weil es grausam wäre – vor über 2000 Jahren. Dass es kein adäquates Verbot für Rupfen von Tieren mit Haaren gibt legt nahe, dass nicht auf die Idee kamen, jemand könnte soetwas tun. Unsere angeblich so zivilisierte, moderne Gesellschaft kennt solche Verbote nicht. Sie müssen erst erkämpft werden und die Leute die für solche Verbote kämpfen werden sogar noch verfolgt. Offenbar finden sich aber immer genug Menschen die auf grausame Ideen kommen und diese auch in die Tat umsetzen. Sie schämen sich dafür auch nicht, sie haben kein Gewissen. Man pfercht die Tiere zusammen, tut als seien sie keine lebenden Wesen, quält sie grausamst, nur um den Profit zu vergrößern. Das gibt es auf der ganzen Welt, denn Tiere gibt es in Hülle und Fülle und was es im Überfluss gibt, schätzt man nicht. Menschen deren Überleben von einem Tier abhängt gehen sorgsamer mit dem Tier um. Menschen die ein Gewissen haben, sowieso. Tiere sind kein Produkt. Man produziert sie nicht. Von „Tierfabriken“ zu sprechen öffnet alleine schon die Augen. Umwelt kann man nicht vermarkten. Man kann sie nur zerstören, oder aber belassen wie sie ist. Bodenschätze sollte man deshalb nicht „ausbeuten“, sondern sinnvoll nutzen. Denn wer sie „ausbeutet“ zerstört auch ohne Bedenken die Umwelt um sie zu gewinnen. Man sollte bei der Sprache anfangen. Wie man spricht, so denkt man – und umgekehrt. Wir leben nicht von den Produkten der Wirtschaft, sondern vom Essen und Trinken. Vergiften wir die Umwelt, vergiften wir uns selbst. Zerstören wir die Umwelt, berauben wir uns unserer Lebensgrundlage. Sprache kann sehr viel ausdrücken was uns sonst nicht immer bewusst ist, wenn wir die falschen Worte wählen.

  2. Andrea says:

    Die Macht der Wirtschaft ist einfach unsagbar groß. Hier stellt sich die Frage, wie es so weit kommen konnte. Wir haben zugelassen, dass die Wirtschaft zu einem System wurde, das alle Bereiche des Lebens diktiert. Alles wird ökonomisiert, alles muss produktiv und nützlich sein; man nehme Beispielsweise den Begriff „Nutztier“. Die Ökonomie trichtert uns fleißig ein, dass sie dem Wohl aller diene und dass sie für die Allgemeinheit da sei („Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut.“). Beim blinden folgen dieser Glaubenssätze und dem fleißigen Konsumieren sämtlicher uns vorgesetzten Güter, haben wir übersehen, dass das ökonomische System ein Eigenleben entwickelt hat. Es dient in erster Linie sich selbst und seinem eigenen Wohle. Ethik und Moral haben im wirtschaftlichen System augenscheinlich keinen Platz, Gerechtigkeit ist bedeutungslos.
    Es kann ja nicht sein, dass die freie Marktwirtschaft jegliche ethischen Bedenken über Board werfen und nur der Gewinnmaximierung dienen darf! Wozu müssen Gewinne überhaupt ständig maximiert werden? Das System Wirtschaft ist uns und der Politik über den Kopf gewachsen. Eine wahre Demokratie muss wieder her! Wir brauchen kritische Stimmen, aufmerksame Konsumenten und ganz dringend einen Wertewandel! Eine Welt in der Leben (und zwar auch das eines Tieres) wieder zählt, darf nicht Utopie bleiben!!!

  3. anna says:

    ich hab auch einen solchen artikel über die einflussreichen klimaskeptiker und ihre möglichen intentionen gelesen: in der neuesten zeit-ausgabe im wissensteil ab seite 35.
    komisch finde ich allerdings, dass der einfluss der entarteten und übermächtigen wirtschaftstreibenden so offensichtlich ist, dass zeitungen darüber, ohne einen hehl daraus zu machen, berichten und die breite bevölkerung diesen umstand anscheinend schon resigniert hingenommen hat. wir sind offensichtlich als bürgerInnen handlungsunfähig – kann das denn wahr sein? was können wir denn machen?

  4. Gabi says:

    So schlimm ist es derzeit Gott sei Dank noch nicht aber mit Romney, Santorum oder einem anderen von den irren teaparty freaks als Präsidenten kanns schon noch schlimmer werden… ich lese gerade das Interview in New Scientist – da steht dass dieser Druck auf die Schulen versucht wird aber diese Gesetze verhindert wurden bis auf einen einzigen Staat, Louisiana.

    http://www.newscientist.com/article/mg21328480.300-education-campaigner-wants-to-expel-climate-denial.html

  5. julia says:

    Die Macht der Tierproduzenten und derjenigen, die daran verdienen, dass Menschen Tiere essen, verhindert überhaupt, dass öffentlich über die negativen Folgen des Fleischkonsums nachgedacht wird – negativ nicht nur für nichtmenschliche Tiere und Umwelt, sondern auch für die Fleischesser – früher oder später. Forschungsergebnisse, die gegen Massentierhaltung und Fleischkonsum sprechen, sind unerwünscht – und ich bin gespannt, wie viel man noch von diesem Thema hören wird (das mit seinen Konsequenzen für uns nicht viel weniger brisant sein könnte als der Klimawandel):
    http://www.zeit.de/2012/03/Alzheimer-Entstehung

    Tierische Eiweisse in der Nahrung als Auslöser von Alzheimer? Ein ZEIT-Artikel vom 12. 1. 2012 legt es nahe. Einige Auszüge des Artikels:

    „Kann Alzheimer von infektiösen Eiweißmolekülen ausgelöst werden, so wie auch der Rinderwahn? Tierversuche nähren diesen Verdacht. Sollte er zutreffen, wären die Folgen für unser Gesundheitssystem massiv.

    Kurz zuvor hatte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr den Medizinern mitgeteilt, bei der Behandlung der unheimlichen Alzheimer-Demenz seien keinerlei Fortschritte erkennbar. Den FDP-Mann setzt der Stillstand unter Druck, schließlich ist die Hirnerkrankung der größte Kostentreiber in der Pflegeversicherung. Derzeit sind rund 1,2 Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Medikamente können den geistigen Verfall der Patienten anfangs zwar ein wenig bremsen, den fortschreitenden Verlust von Gedächtnis und Persönlichkeit im Spätstadium aber nicht mehr verzögern. Bislang lässt sich das Neuronensterben im Hirn durch kein Mittel stoppen.

    Und nicht nur der therapeutische Notstand bereitet den Fachleuten Sorge. Auch das Geschehen in der Grundlagenforschung verfolgt die Szene mit höchst gemischten Gefühlen – aus den Labors kommen brisante Befunde. Sollten sich die Ergebnisse erhärten, wären drastische Folgen für die öffentliche Gesundheitsvorsorge zu erwarten.

    Alzheimer, so zeichnet sich ab, wird offenbar durch eine infektiöse Spezies von Eiweißen ausgelöst und vorangetrieben. Womöglich sind diese ungewöhnlichen Erreger übertragbar, ganz ähnlich wie die Prionen. Diese haben bei Rindern BSE und Scrapie bei Schafen ausgelöst; Menschen mit der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit zerfressen sie das Gehirn.

    Ist das Alzheimerleiden auch eine dieser gefürchteten Prion-Krankheiten? Auf Fachkonferenzen regte sich Unbehagen über das gängige Erklärungsmodell. Dass die Flut von Demenzfällen allein der Vergreisung der Bevölkerung anzulasten ist, wird von Experten zunehmend bezweifelt. Inzwischen kreisen die Debatten nahezu ausschließlich um die Frage, ob tatsächlich infektiöse Proteine die Saat des Hirnleidens darstellen.
    Grundsätzlich kämen sämtliche tierischen Nahrungsmittel als Infektionsquelle infrage, denn alle Tiere bilden Amyloid-β. Bei Affen und Hunden komme es durch Fehlfaltung dieses Eiweißes auch zu Hirnschäden, sagt Soto. Doch wie ist es bei Rindern? Bei Schafen oder Schweinen? Und kann korrumpiertes Amyloid-β, einmal im menschlichen Verdauungssystem angelangt, bis ins Hirn vordringen und die Demenz starten? Sind womöglich Veganer seltener von Alzheimer betroffen? …“

    Eigentlich kann man aus diesem Artikel nur den Schluss ziehen: wer auf tierische Eiweisse in der Nahrung verzichtet (und auch keine Blutkonserven von jemand bekommt, der das nicht tut), müßte vor Alzheimer doch so ziemlich sicher sein, oder?

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