Vegan, vegan!

P1060954kleinVegan ist eine sehr vernünftige Lebensform, die viel für sich hat. Man reduziert das selbst verursachte Tierleid dramatisch, man verkleinert den eigenen Footprint, man trägt massiv weniger zum Klimawandel bei, man schützt die Umwelt, verringert den negativen wirtschaftlichen Einfluss auf die Schwellenländer und, nicht zuletzt, man hilft dem Gedanken eines gewaltfreien Umgangs mit Tieren in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Also kann man nicht laut genug „vegan, vegan!“ schreien, oder?

Ich lebe seit 1989 vegan. Damals war das noch eine ziemliche Pionierleistung, es gab weder Sojamilch noch irgendein Pflanzenfleisch geschweige denn einen Pflanzenkäse. Ich musste meine gewohnte Ernährungsweise vollkommen umstellen und z.B. mein morgendliches Müsli mit Wasser essen. Es gab auch noch keine Informationen über Vitamin B12 und keine Vegan-Siegel, ja der Begriff war jedenfalls in Österreich noch völlig unbekannt. Das hat sich zum Glück, und nicht zuletzt durch die Vegane Gesellschaft, die ich mit meinem Bruder und meiner Partnerin gegründet habe, und die seit einigen Jahren dank des großen Einsatzes vieler MitarbeiterInnen und ihres Obmanns Felix Hnat einen Höhenflug erlebt, dramatisch geändert. Wer heute vegan werden will hat unvergleichlich viel kleinere Hürden zu überwinden, als wir damals vor 25 Jahren, man ist auch nicht mehr als verrückt verschrien. Vegan wird normal.

Doch dann wird in vielen kritischen Artikeln über Veganismus der Umstand negativ hervorgehoben, dass VeganerInnen allen anderen Menschen ihre Einstellung aufzwingen möchten. Und das würde in scharfem Ton geschehen: VegetarierInnen seien MörderInnen und wer nicht vegan lebt ist quasi entweder zu doof oder zu unmoralisch, um ernstgenommen werden zu können. Natürlich nutzen Vegan-GegnerInnen diesen Vorwurf aus Propagandagründen und blasen ihn überproportional auf, aber es gibt definitiv solche Individuen mit diesem Auftreten. Und ich habe auch ein gewisses Verständnis dafür, basiert diese Einstellung doch auf der großen Begeisterung für die Sache und auf der Dringlichkeit, mit der eine Änderung notwendig wird.

Ich kenne aber nur eine Handvoll Personen, die lebenslang vegan gelebt haben. Wir alle haben also auch Tierprodukte konsumiert und sitzen daher im gleichen Boot. Wollen wir die Gesellschaft nachhaltig verändern, müssen wir füreinander viel Verständnis aufbringen. Eine solche grundlegende Änderung, die so viele Menschen umfasst, geht nur schrittweise vor sich. Aber wir sind zweifellos am richtigen Weg, wie die Zahlen belegen: mit 9 % VegetarierInnen in Österreich stehen wir an der Schwelle zum echten Systemwandel.

Über die letzten Jahrzehnte habe ich einige Menschen kennengelernt, die sehr aggressiv und fordernd den Veganismus zu verbreiten versucht haben, mit absolutem Anspruch. Meistens waren das junge, idealistische Personen, die gerade auf diese Lebensform gestoßen waren, sie für richtig empfanden, und nicht verstehen wollten, warum nicht alle sofort die Argumente nachvollziehen können und sich ändern. Doch jüngere Menschen ändern sich viel leichter, ihr Lebensweg und ihre Einstellungen sind noch nicht so fest fixiert. Ältere Personen mit mehr Lebenserfahrung und einer langen Sozialisation in einem anderen Umfeld muss man abholen, wo sie sich befinden. Aggressive Forderungen junger „BesserwisserInnen“ stoßen da nur ab.

Viele der „vegan,vegan!“ SchreierInnen sind heute selbst nicht mehr vegan. Unglaublich, wenn man sie seinerzeit erlebt hat. „VegetarierInnen sind MörderInnen“ haben sie noch gerufen und essen heute wieder Fleisch. Wie ist das möglich? Tja, kein Vorteil ohne Nachteil. Zwar können sich jüngere Menschen oft leichter an neue Lebensumstände anpassen, tragen Revolutionen und engagieren sich rasch mit großer Begeisterung für eine Sache, aber eine schnelle Veränderung sitzt vielleicht nicht tief und kann von einer neuen Veränderung abgelöst werden. Plötzlich ist etwas Anderes „in“ und die einzige Wahrheit, und man zieht weiter. Das Geschrei ist nur noch sehr leise zu hören und verstummt bald.

Da halte ich einen langsameren, tiefgreifenden, wohlüberlegten Wandel in Einstellung und Lebensweise für nachhaltiger. Ein Wandel, der durch und durch geht, der einen mit Haut und Haaren erfasst, der langsam eingesickert ist und schließlich zur eigenen Identität wurde. Ein Wandel auf der Basis echter Überzeugungen ohne Einfluss durch Modeerscheinungen, genauso rational wie auch gefühlt und gelebt. Gestehen wir doch den Menschen das jeweils eigene Tempo zu und beschäftigen wir uns lieber damit, den Boden zu bereiten, die Informationen zur Verfügung zu stellen und den Umstieg möglichst zu erleichtern. Das ist der größte Beitrag für eine bessere Welt, den wir leisten können.

86 thoughts on “Vegan, vegan!

  1. Martina says:

    @ Arras, ich habe kein Problem mit meiner Meinung. Und seit wann denken Sie, dass Sie die Regeln bestimmen könnten, wer was wann wie wo sagt oder zu schweigen hätte? Wollen Sie allen Menschen die sich nicht Ihrer Meinung anschließen oder sich von Ihnen überzeugen lassen – denn das ist Ihre Darstellung von Kommunikation und Diskussion – den Mund verbieten? Wenn das so ist, müsste die Menschheit schweigen. Ich denke, das Problem liegt auf Ihrer Seite.

  2. @ Martina: Eigentlich fand ich Ihren Kommentar vom 01.11.2013, als sei er mir aus der Seele gesprochen. Umso weniger verstehe ich, weshalb Sie mich anfeinden.
    Zitat aus Ihrem Post:
    „Nur eines tut man nicht, was allerdings einmal dringend notwendig wäre, das Zauberwort heisst Selbstreflektion. In Bezug auf sich selbst, in Bezug auf die Bewegung, in Bezug darauf, was man besser bzw. anders machen könnte ja müsste, meinte man es mit Tierrecht ernst.

    Doch stattdessen herrschen Streit, Mißgunst, moralinsaueres Zeigefingerheben, Besserwisserei und all die anderen allzu menschlichen Attribute bis hin zu Aggression und regelrechtem Menschenhass vor.“
    Weshalb halten Sie sich selbst nicht an diese, sehr weisen Worte aus Ihrer Feder?

    Ich sage schon seit Jahren: „Arme Tiere, alle habt ihr gegen euch, sogar so manche Tierschützer/rechtler.“

  3. @Martina: Wenn Sie ein Problem haben, dann benennen Sie es konkret und für alle nachvollziehbar oder schweigen Sie – so einfach ist das- nur so kommen wir voran, nur das ist Kommunikation.

  4. Martina says:

    @ Arras,
    Wenn Sie einen Post nicht verstehen und sich angegriffen fühlen, ist das Ihr Problem. Aber kommen Sie mir nicht auf die Tour, dass Sie meinen Sie könnten anderen Menschen wie einem Kleinkind mit erhobenem drohenden Zeigefinger den Mund verbieten. Alleine schon Ihre Reaktion zeugt von Überheblichkeit. Ist das Ihr Blog in dem hier kommentiert wird?

  5. @jantiff: Eine super Ausarbeitung und inhaltlich korrekt mit einer Ausnahme: Alle (Wirbel-)Tiere leiden über dasselbe Hirnareal, das wir alle gemeinsam haben, das Limbische System im Mandelkern, das für Lust, Angst, Schmerz und Leid u. a. zuständig ist. Die Neurobiologen nennen es das Reptilienhirn. Daraus folgt, dass sich eine Ab- oder Aufstufung bezüglich Schutzwürdigkeit verbietet. Im Gegenteil: gerade wechselwarme Tierarten sind besonders zu schützen, weil ihnen der Neokortex fehlt, um sich ihre Situation zu rationalisieren. Es ist ethisch speziesistisch und neurobiologisch unwissenschaftlich, zwischen endothermen und ectothermen Spezies bezüglich Schutzwürdigkeit zu unterscheiden!
    Die Zitate, die Sie gesammelt haben, sind wertvoll – habe sie mir gleich kopiert und archiviert.

  6. @inge: Solange es eine Fleischindustrie gibt, bei der bis zu 50% Schlachtabfälle anfallen, solange brauchen wir den carnivoren Haustieren ihre ernährungsphysiologisch korrekte Nahrung nicht aus ethischen Gründen streitig machen. Eine Welt ohne Schlachthöfe wäre allerdings ethisch auch bezüglich der Heimtierfrage so weit, diese ebenfalls abzuschaffen, so dass sich die Frage nach der korrekten Nahrung für Carnivore dann gleich miterledigt hätte. Die Frage der Tierernährung ist ebenso wie die Frage der ethisch korekten Menschenernährung bezüglich des Individuums faktisch solange irrelevant, solange Milliardensubventionen den Fleischmarkt am Leben erhalten und somit Verbraucherverhalten zu Ahaeffekten in der Wirtschft bezüglich des Angebots nicht führen können – aber das sage ich schon in meinem ersten Kommentar.
    Die Mehrung der gemeinsamen Schnittmengen stärkt eine Bewegung, nicht die Herausstellung der Differenzen – das gilt auch für die TS/TR-Szene.

  7. @ Martina: So nicht. Wenn Sie schweigen wollen, dann tun Sie es auch, aber so ein Posting ist bereits eine Frechheit – Die Frechheit per se. Entweder Sie können vernünftig diskutieren und argumentieren oder sie halten sich besser ganz raus!

  8. jantiff says:

    @Peter H. Arras:
    Ihre Erfahrung mit Akademikern, die „viel wissen und nichts begriffen haben“, und in deren Wertesystem die Mitgeschöpflichkeit keine Rolle spielt, spricht mir aus dem Herzen. Warum der Finger viel zu selten in diese „Wunde“ gelegt wird, möchte ich hier einmal aufzeigen (kommt in dieser Länge nicht wieder vor).

    Ich habe Akademiker kennengelernt – im „echten“ Leben als auch im Web –, die über eine bestechende Allgemeinbildung, feinen Humor, ein fotografisches Gedächtnis, eine überragende Bildung und Intelligenz verfügen und in Prüfungsarbeiten die Mehrheit in allen Belangen abhängen.

    Umso mehr war ich betroffen, als ich lernen musste, dass es viele Menschen mit diesem Intellekt gibt, die für Tierrechte oder Tierschutz nur eiskalten Zynismus, Verachtung und bestenfalls ein mitleidiges Lächeln übrig haben – basierend auf einfältigen „ethischen“ Konzepten, mit denen sie ihr Niveau auf verblüffende Weise unterlaufen. Etwa: „Menschenschutz oder Tierschutz, beides geht nicht.“

    Ich begriff, dass große Intelligenz nicht automatisch Empathie für Tiere bedeutet. Auch wenn es nicht das Grundthema dieses Threads ist, aber die abstoßendsten Äußerungen kenne ich von Tierexperimentatoren, bei denen angeborener Intellekt und erworbene Herzlosigkeit sich offenbar gegenseitig befruchten.

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/tierversuche-2012-zahl-der-versuchstiere-uebersteigt-drei-millionen-a-930441.html

    Obiger Link (siehe Leserkommentare) ist nur ein aktuelles Beispiel dafür, wie Tierversuche in astronomischen Dimensionen unermüdlich damit verteidigt werden, dieses Leid sei nur eine unbedeutende Kleinigkeit gegen das Leiden der Tiere zum Zwecke der Ernährung.

    Ebenfalls beliebt: „Soll ich etwa ein paar Mäuse verschonen, um ein krankes Kind sterben zu lassen?“ Uneingedenk der Tatsache, dass allein in den USA vor nicht langer Zeit jährlich bis zu 90 Millionen (!) Tiere, darunter Millionen höher stehende Wirbeltiere, im Labor einen grausamen Tod starben. Erstaunlich: Ausgerechnet dieses Land ist im internationalen Vergleich weit abgeschlagen, was die Gesundheit und Lebenserwartung seiner Mitbürger betrifft.

    Auf o. g. Leimruten bleibt die gutgläubige, in ethischen Argumentationen wenig geschulte Mehrheit kleben. Nur deshalb gibt es noch die Barbarei im Labor in dieser Dimension.

    Ich habe neulich bei einer Schulung in der Luftsicherheit gelernt, dass ein Rechtsparagraph annulliert wurde, der es möglich machte, ein Passagierflugzeug mit 200 oder 300 Menschen abzuschießen, wenn klar ist, dass dieses auf eine Großstadt stürzen und ein Mehrfaches an Menschenleben vernichten würde. Warum? Weil es gegen das deutsche Grundgesetz und die Menschenwürde verstößt, 300 Menschen als kühl kalkulierte Opfermasse einzusetzen, um sagen wir 10.000 zu retten.

    Bei Tieren ist alles anders, da kann man auch Milliarden von ihnen im Labor leiden und sterben lassen, um sie dann unter den Tisch fallen zu lassen: Denn die realitätsferne Gleichung: „Ein paar Mäuse oder ein kranker Mensch?“ ist heute zur allgemein anerkannten reflexartigen Verteidigungsfloskel des Tierversuchs geworden. Aufoktroyiert von der Wissenschaft. Ich beobachte das fast täglich.

    Die Grundlagen dafür haben die zumeist skrupellos vorgehenden Physiologen der tierexperimentellen Zunft im 19. Jahrhundert gelegt. Ihre Rechtfertigungen wurden von Generation zu Generation weitergegeben – bis heute werden auch die intelligentesten, sanftmütigsten Studenten und Doktorranden von diesem Nützlichkeitsdenken binnen kurzer Zeit versklavt – und schon bald sind sie nicht mehr dafür zugänglich, dass es neben dem Tierexperiment Tausende andere (und bessere) Möglichkeiten gab und gibt, medizinischen Fortschritt zu erzielen.

    Abschließend nur einige wenige Zitate aus meiner Sammlung, mit der ich zeigen möchte, wie die im 19. Jahrhundert gesäten Samen immer noch tiefe Wurzeln schlagen und leider nach wie vor repräsentativ sind für das Denken sehr, sehr vieler Menschen:

    „Es ist sicher, dass wenn die an lebenden Wesen ausgeführten Experimente nicht den Nutzen, den sie dem Menschen bringen, zum Zweck und als Ergebnis gehabt hätten, sie der Grausamkeit hätten beschuldigt werden können; aber der Physiologe, welcher von der Idee geleitet wird, eine für seine Mitmenschen nützliche Entdeckung zu machen, verdient eine solche Anklage nicht.“
    Prof. Dr. med. Francois Magendie, Physiologe, Professor für Medizin, Physiologie und allgemeine Pathologie

    „Ich würde nicht den Mut haben, einen Vogel auf der Jagd zu töten. Aber wenn es sich um ein Experiment handelt, dann mache ich auch vor keinerlei Gewissensbissen halt.“
    Prof. DDr. Louis Pasteur

    „Die Auferlegung akuter Todesqual bei unendlich vielen Tieren ist gerechtfertigt, wenn nach Meinung des geringsten Mitglieds einer medizinischen Fakultät auch nur die entfernteste Möglichkeit besteht, das menschliche Wissen zu vermehren.“
    Dr. Walter Meek, Professor für Physiologie

    „Bedenken Sie dass auf jeden misshandelten Affen eine Million misshandelter Kinder kommen. Wenn meine Arbeit dies verdeutlicht und auch nur eine Million Menschenkinder rettet, kann ich mich über zehn Affen nicht übermäßig ereifern.“
    Dr. Harry Frederick Harlow, Psychologe

    „Der Chirurg, der Physiologe und Nero verstümmeln lebende Wesen. Was unterscheidet sie, wenn nicht der Gedanke?“
    Prof. Claude Bernard, Physiologe

    „Natürlich muss man Schimpansen für diese Versuche nehmen und notfalls ausrotten, wenn dadurch ein Impfstoff gegen die Hepatitis entwickelt werden kann. Das Leben ist so kurz.“
    Deutscher Student, 1983

    „Ich glaube, wenn du im Stress bist, deine verdammten Praktikascheine fürs Mikroskopieren zu bekommen wegen dem Druck, nicht mehr als fünf Fehlzeichnungen im ganzen Semester abgeben zu dürfen, sind dir Ratten, Frösche und Vögel wirklich egal.“
    Biologie-Student, studis-online.de, August 2006

    Tierversuche sind moralisch in gleichem Maße begründet wie das Töten von Tieren zu Zwecken der menschlichen Nahrung und Kleidung.“
    Max-Planck-Gesellschaft, München

    „Wer von uns möchte schon gerne sterben? Wir suchen nach Wegen, um das hinauszuschieben, um das zu verhindern, um das Leben lebenswerter zu machen. Und das erkaufen wir uns auf dem Rücken der Tiere. Das ist vollkommen richtig.“
    Prof. Hansjoachim Hackbarth, Medizinische Hochschule, Hannover

    „Jedes Jahr werden in diesem Land 750 Millionen Tiere getötet, damit die Menschen ihr Fleisch essen können, für Versuchszwecke dagegen nur 3 Millionen.“
    Brian Cass, Geschäftsführer von Huntingdon Life Sciences

    „Ans Tiere aufschneiden wird man so langsam rangeführt mit Würmern und so, dass man da einfach reinwächst. Ich habe großes Interesse an innerer Anatomie und auch an Tierversuchen gewonnen“.
    „Jule_S“, Biologie-Studentin, studis-online, 2006

    „Studiere Ökologie oder sowas, wenn du so eine mit grünen Latschen bist. Natürlich sind Tierversuche nicht schön, aber es muss nun einmal sein, denn sonst wärst du mit Sicherheit schon längst an deiner Grippe gestorben, die du als Kind einmal hattest.“
    „ria45“, Studentin, Studentin, studis-online, 2006

    „Ich kann sagen, man gewöhnt sich schnell ans Tiere aufschneiden, Tiere bestimmen oder Ähnliches – und wenn’s einen interessiert, hat man irgendwann sogar Spaß daran.“
    „Verena 1“, Biologie-Studentin, studis-online, 2006

    „Einer Ratte, die qualvoll am Mainufer verblutet, geht es wesentlich schlechter als einem Versuchstier, das lege artis eingeschläfert wird.“
    Prof. Dr. Wolf Singer, Neurophysiologe

    „Jeder Hund, der der Vivisektion vorenthalten wird, kostet ein Menschenleben.“
    Prof. Dr. Ludimar Hermann, Physiologe

    „Die Sorge um die angeblichen Schmerzen und Leiden der für medizinische Forschung benutzten Tiere dürfte wohl eine echte psychiatrische Verirrung darstellen.“
    Dr. Robert J. White, Chirurg und Affenkopf-Verpflanzer

    „Der Erkenntnisdrang von vielen Menschen ist hoch und er wird nicht aufzuhalten sein. Wenn wir es nicht in Deutschland erforschen, dann eben auf einem anderen Teil der Welt. Und glaubt mir – dort wird häufig wesentlich skrupelloser vorgegangen. Hier in Deutschland, zumindest in der Grundlagenforschung, wo ich mich sehr gut auskenne, wird dafür gesorgt, dass Tiere nicht stark oder wenigstens nicht sehr lange leiden müssen.“
    „Mike333″, tierexperimentell tätiger Naturwissenschaftler“, studis-online, 2008

    „Tierversuche sind meiner Ansicht nach sinnvoll. Meines Erachtens ist ein Menschenleben eindeutig mehr wert als das eines Tieres.“
    „Yuminae“, Leserkommentator(in), zeit-online

    „Mäuse sind ein wunderbares Material.“
    Forscher, Zentrale Tierlaboratorien der Freien Universität Berlin

    „Wenn vom Opfer der Tiere für die Forschung die Rede ist, sollte man nicht vergessen, dass eine viel größere Anzahl Tiere zu Nahrungszwecken geopfert wird.“
    Prof. Konrad Akert, Neurochirurg, Rektor der Universität Zürich

    „Ein Physiologe, dessen Aufmerksamkeit ganz von der wissenschaftlichen Seite seines Experiments in Anspruch genommen ist, hat weder Zeit noch Lust, sich währenddessen mit den Leiden seines Opfers zu beschäftigen.“
    Prof. Dr. Emanuel Klein, Physiologe

    „Verglichen mit der Zahl der Tiere, die die Menschheit Tag für Tag verspeist, ist die Zahl der Tierversuchsopfer fast schon vernachlässigbar. Von allen jährlich in Deutschland getöteten Tieren machen Versuchstiere gerade einmal 0,5 Prozent aus.“
    Sascha Karberg, Diplom-Biologe und Wissenschaftsjournalist

    „Du kannst nicht Biologie/Zoologie studieren, ohne Tiere töten zu müssen. Mindestens Frösche, Mäuse oder Ähnliches. Streichelzoo gibt es woanders. Ist es im Interesse einer Ratte, in einer Box zu sitzen und nur Futter zu bekommen, wenn sie einen Purzelbaum schlägt?“
    „Ide“, Studentin, studis-online, 2007

    „Wenn ich mich mit Lebewesen beschäftige, muss ich an diesen experimentieren. Die Realität ist der letzte Richter einer Theorie. Kein Nachdenken kann das Experiment ersetzen, und welches Experiment nötig ist, kann nur der Fachmann entscheiden.“
    „PGMN“, Forumsteilnehmer, zeit-online

    „Ich arbeite in der Krebsforschung (in einer akademischen Einrichtung!), und ohne Tiermodelle geht da gar nichts! Wenn die Aktivisten wüssten, was ich schon für Experimente gemacht hätte, wäre ich glatt das nächste Ziel! Kaum ein Wissenschaftler quält Tiere gern! Aber gewisse Dinge sind halt notwendig, um neue Therapien ermöglichen zu können.“
    „Ruggiero“, Forumsteilnehmer, http://www.suedeutsche.de

    „Es muss abgewogen werden zwischen dem wissenschaftlichen Interesse und den Grausamkeiten gegenüber Tieren.“
    Prof. Martin Krienle, Staats- und Verfassungsrechtler

    „Stellt man den 2,9 Millionen wissenschaftlichen Eingriffen an Wirbeltieren die jährliche Fleischproduktion in Deutschland gegenüber, so relativieren sich die Zahlen schnell. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 59,7 Millionen Schweine, 3,3 Millionen Rinder und über 700 Millionen Geflügeltiere geschlachtet. Die Fleischproduktion hat laut dem Bundesamt einen Rekordwert von insgesamt 8,16 Millionen Tonnen erreicht, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um rund zwei Prozent. Im Laufe eines Lebens werden so für jeden Deutschen im Durchschnitt mehr als 700 Hühnchen geschlachtet, aber nur zwei Mäuse für biomedizinische Forschung verwendet.“
    Christian Kiel, Stabsstelle Kommunikation, Deutsches Primatenzentrum

    „Wollen Sie Versuche mit Menschen machen? Halten Sie es für sinnvoll, das eigene Leben unter das eines Tieres zu stellen?“
    „D.weisweiler“, Leserkommentator(in), zeit-online

    „Viele Menschen wissen nicht, daß von tausend Tieren, die für menschliche Bedürfnisse sterben, lediglich fünf wissenschaftlichen Experimenten dienen. Nur mit diesen fünf Promille beschäftigen sich die meisten Beiträge in den Massenmedien. In sehr vielen Fällen sind es Ratten und Mäuse, die ihr Leben in deutschen Labors lassen. Während dies angeprangert wird, werden die gleichen Arten gnadenlos verfolgt, solange sie in Freiheit leben und unser Wohlbefinden stören.“
    Dr. rer. nat. Roland Knauer, Journalist, Fotograf und Sachbuchautor

    „Forschung fordert Opfer. Lieber Tiere als Menschen, auch wenn es brutal und herzlos klingt.“
    „harry621“, Leserkommentator(in), http://www.derwesten.de

    „Ich habe eine gute Bekannte, die an einer renommierten süddeutschen Universität in Biochemie promoviert. Sie betreibt Grundlagenforschung zu seltenen Krebsarten. Es wird versucht, ein bestimmtes Karzinom in Mäusen zu erzeugen und dann gentechnisch anzugreifen. Hochkomplexe Sache, kaum brauchbare Ergebnisse, die Forschung steckt noch völlig in den Kinderschuhen. Die Mäuse sterben in Massen; an den Tumoren, an den Behandlungen. Testreihen, die eine bestimmte Mutation nicht aufweisen, werden entsorgt. Jetzt kommt der Punkt: Auch nur die winzigste Wahrscheinlichkeit, dass ein menschliches Leben durch diese Forschung vielleicht um ein paar Monate verlängert werden könnte, rechtfertigt den Tod aller denkbaren Mäuse, Schweine, Hunde, Katzen, die man zu diesem Zweck nur züchten kann. Das anzuzweifeln, ist für mich ein erschreckender Ausdruck einer dekadenten Menschenverachtung.“
    „sajuz“, Leserkommentator(in) zeit-online

    „Tiere zu töten ist echt eine eklige Angelegenheit. Wir tun das für die Wissenschaft und für die Heilung von Krankheiten und bestimmt nicht zum Spaß. Ehe man großflächig Tierversuche verbietet, sollte man lieber den Fleischkonsum deutschlandweit verbieten.“
    „Alex“, Leserkommentator(in) taz.de

    „Ich jedenfalls bin bereit, für das Wohl meiner Kinder ein paar Kanalratten zu opfern. Solche Schädlinge dürfen und sollten ja wohl ohne größere Bedenken zum allgemeinen Wohl zu Studien herangezogen werden. Menschen- oder Tierschutz: Man kann nicht beides haben. Ich entscheide mich für den Menschen!“
    „Gogo Yubari“,Leserkommentator(in), taz.de

    „Würden Sie, statt sich impfen zu lassen, lieber an Cholera oder Pest zugrunde gehen? Alle diese Krankheitsbekämpfungsmittel sind durch Tierversuche erarbeitet worden. Niemand wird Verständnis dafür haben, wenn man sich weigert, etwa ein überzähliges Pavianmännchen einzuschläfern, sofern wirklich ein junges Menschenleben davon abhängt.“
    Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Tierarzt, Tierbuchautor, Tierfilmer und Verhaltensforscher, Direktor des Frankfurter Zoos

    „Man muss den Grad des Tierleids in Beziehung zum Erkenntnisgrad setzen.“
    Prof. Dr. Wolfgang Löwer, Rechtswissenschaftler

    „Das potenzielle Leid der Tiere gegen das potenzielle Leid der Menschen. Die Menschen haben da eindeutig Vorrang. Gnadenlos. Tränendurchweichte Ökos interessieren mich da nicht. Die sollen ihre Heilsteine anweinen.“
    „carolane“, Leserkommentator(in), „SPIEGEL ONLINE“-Forum

    „Ich fände es sehr unschön, sollte ich einmal an etwas sterben, daß durch einen Tierversuch hätte verhindert werden können. Da bin ich vollkommen egoistisch. Ich gehe davon aus, daß die Masse der Bevölkerung es ähnlich sieht.“
    („brucewillisdoesit“, Leserkommentator(in), „SPIEGEL ONLINE“-Forum

    „Wenn ich mir anschaue, wie Menschen mit Tieren umgehen, beispielsweise in der Landwirtschaft oder beim Angeln, dann sind viele Tierexperimente harmlos dagegen.“
    Prof. Andreas Kreiter, Neurobiologe

  9. Martina says:

    Vegan vegan vegan – das Damoklesschwert an dem sich Geister scheiden.

    Vor 20 Jahren in der TR-Bewegung kaum beachtet ist VEGAN heute in aller Munde und in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Meint man jedenfalls, so man den Aussagen der Veganer/innen die sich in FB und sonstigem was das Internet so hergibt, Glauben schenken will.
    Die TR-Bewegung stockt, sie war noch nie in einer dermassenen Sackgasse wie heute. Aber anstatt zu reflektieren, was falsch gelaufen ist, welche Fehler von den TR-ler/innen gemacht wurden, hat man den Sündenbock schnell gefunden. Waren es anfangs hauptsächlich noch Tierausbeuter ansich, wie auch Fleischesser, sprang man schnell auf die Tierschützer über und langsam erwächst der nächste Sündenbock für das Versagen. Veganköster, Gesundheitsveganer, Lifestyleveganer werden neuerdings für das Versagen Tierrechte zu etablieren herangezogen. Ohne die altbekannten Sündenböcke aus den Augen zu verlieren.

    Nur eines tut man nicht, was allerdings einmal dringend notwendig wäre, das Zauberwort heisst Selbstreflektion. In Bezug auf sich selbst, in Bezug auf die Bewegung, in Bezug darauf, was man besser bzw. anders machen könnte ja müsste, meinte man es mit Tierrecht ernst.

    Doch stattdessen herrschen Streit, Mißgunst, moralinsaueres Zeigefingerheben, Besserwisserei und all die anderen allzu menschlichen Attribute bis hin zu Aggression und regelrechtem Menschenhass vor.

    Ein Spiel. Wer ist der besserere Veganer, wer der bessere Tierrechtler. Bitte vor Eintritt in die Tierrechtsszene das Gesinnungsbuch am Eingang vorzeigen, das aufzeigt, welcher Richtung man angehört. Wohlgemerkt, die reine Tierrechtsveganlehre wird nur von einigen mit absolutem Alleinstellungsmerkmal vertreten. Und tut von dieser Seite alles dafür, dass das gefälligst auch so bleibt.

    Starrsinn bis hin zu Stumpfsinn, auf der Stelle treten, kritiklos bei sich selbst. Da verhallen selbst so Worte wie System- und Kapitalismuskritik im leeren Raum, dienen lediglich als Würze im ganzen Theoriegebäude. Ankämpfen dagegen ja, aber bitte dabei nach unten austreten ist die Devise.

    Die Tiere können einem leid tun.

    Vegan, vegan, vegan – die Geister die ich rief.

  10. @Regina, Daniel und alle anderen: Zu den verschiedensten Teilaspekten, die auch hier thematisiert werden, habe ich über Jahre hinweg Stellungnahmen, Analysen und Interpretationen verfasst. Die wichtigsten Texte befinden sich auf unserer AKT-Website. Themen über Mitweltethik, Speziesismus, Humanpsychologie und -soziologie, Mitweltpädagogik, Philosophie und Ethik, Globalpolitik, um nur einige zu nennen und natürlich tierfachliche Ausarbeitungen zu den wichtisten Tierschutzthemen. Ab Mitte nächster Woche gehen wir mit einer neuen Website online, weswegen ich die Links zu den Texten auf der bisherigen alten Seite hier nicht mehr verbreiten möchte, weil diese dann ja nicht mehr gelten. Es ist ja auch schwer, hier im Forum die komplexen Teilaspekte, die eine Rolle spielen, zu benennen, ohne Wichtiges zu vergessen. Missverständnisse und der Vorwurf, nicht auf dies und das des Vorredners eingegangen zu sein, sind da vorprogrammiert. Gedankenaustausche auf solchen Plattformen müssen deshalb stets lückenhaft sein. Ich würde deshalb dazu raten, ab Ende nächster Woche sich mal auf unserer neuen Seite http://www.akt-mitweltethik.de umzusehen, vor allem Rubrik Texte und Monographien. Mir liegt viel daran, zu kommunizieren und zu diskutieren, um zu gemeinsamen Strategien und Positionen zu finden. Danke!

  11. Regina says:

    @Daniel: Mein Respekt – dass sich jemand in Foren entschuldigt, hat grossen Seltenheitswert und beweist Mut 🙂

    @ Peter: Meine Forderung nach „Bildung (aber nicht für die Wirtschaft)“ meint „humanistische Bildung“, wenn man darunter das versteht:
    http://www.lebenskunde.de/3-humanistische-bildung-und-erziehung-0

    Würden in den „reichen“ Industrieländern und in jenen, die gerade dazu werden, solche Menschen herangezogen, dann würde sich die Ausbeutung der „armen“ Länder und Menschen aufhören, die Ernährungssituation und alle anderen Notzustände dort würden sich verbessern.
    Das ist natürlich extrem verkürzt dargestellt, aber ich denke, du weisst, was ich meine: eine Änderung im (Bildungs)system hier, ändert auch das gesamte System dort.

    Ein entsprechendes Bildungssystem schließt ja die Entwicklung von alternativer, ethisch und ökologisch einwandfreier Nahrungsmittelproduktion nicht aus, im Gegenteil.

  12. vegan consciousness says:

    „Müsli mit Wasser“ aus Mitgefühl für die Tiere .. Respekt!
    Herzlichen Dank für die vegane Pionierarbeit ~ eure Courage ist inspirierend!

  13. @ Daniel: ich habe große Achtung vor Menschen, die die Größe haben sich zu entschuldigen, die selbstreflektiert sind und somit bereit, sich weiter zu entwickeln. Ich bot Ihnen eine unaufgeregte Diskussion zu den aufgeworfenen Themen an, die Sie angesprochen hatten. Mein Angebot gilt noch immer.
    Die These des Utilitarismus allerdings halte ich zwar in Einzelfällen für alltagstauglich, prinzipiell aber für gefährlich, weil sie ein Einfallstor für Missbrauch sein kann. Denn auf diese Weise werden z. B. Tierversuche gerechtfertigt. Als Kritiker des Peter Singer lehne ich sie in der Form, wie sie von ihm hergeleitet wurde, eher ab.
    Natürlich sind wir alle Subjekte und nicht ganz frei von subjektiven Perspektiven, die uns selbst vielleicht gar nicht bewusst sind – da haben Sie in gewisser Weise nicht ganz Unrecht. Aber ich rate bei der Beurteilung von Problemen zur Draufsicht, also von oben die Dinge – sprich ganzheitlich – betrachten. Bsp.: Zwei Leute stehen in einem Gebirge um denselben Berg, ohne dies zu wissen. Über Funk meldet der eine, dass sein Berg auf der rechten Seite mit Schnee bedeckt ist. Der andere folgert daraus, dass er einen anderen Berg beschreibt als jener, den er selber gerade betrachtet, denn dieser hat auf der linken Seite Schnee. Dass beide denselben Berg betrachten, nur eben von zwei völlig unterschiedlichen Perspektiven, kommt ihnen dabei nicht in den Sinn. Lasst uns die Dinge deshalb von oben betrachten und das, was wir sehen, miteinander abgleichen. Nur so kommen wir zu gemeinsamen Einsichten und gemeinsamen Positionen und Strategien.

  14. Daniel says:

    Ich will mich dafür entschuldigen, dass ein paar meiner Kommentare polemisch und beleidigend waren…ich fühlte mich nur gekränkt durch die erste Reaktion von Peter H.Arras, da es mir so vorkam, als würde er nicht auf das von mir gesagte eingehen und deshalb habe ich sehr trotzig darauf reagiert. Vielleicht habe ich es auch einfach nur falsch verstanden oder irgendwas, bitte meine Ausfälle nicht persönlich nehmen.

    Ich finde eure Meinungen und Positionen mindestens genauso legitim wie meine, aus einer utilitaristischen Perspektive ist es ja sogar in Ordnung eine gewisse Menge Tierleid in Kauf zu nehmen, um dann mehr Tierleid verhindern zu können – das habe ich bei meinem Eingangsposting überhaupt nicht bedacht.

  15. Prima Statement – Kompliment!
    Zum Thema Quantensprung: Darauf hoffte ich vor ein paar Jahren auch noch (was aus älteren Texten hierzu, die ich verfasste, ersichtlich ist) – inzwischen leider habe ich diese Hoffnung aufgrund konkreter Beobachtungen und Analysen leider verloren. Es deutet nicht nur nichts auf den Quantensprung hin, alle Zeichen stehen vielmehr dagegen – auch innerhalb der Bewegung der Lebensschützer.
    Das war in den 80er und 90erJahren noch anders. Bereits Ende der 70er ist die Menschheit in die Straße eingebogen, die direkt zum Abgrund führt.
    Brutalität, Dummheit und Rücksichtslosigkeit sind Produkte von Notzuständen der Menschen. Natürlich kann Bildung die Achtsamkeit gegenüber anderen, Andersartigen und der Mitwelt steigern. Bildung aber vermag es nicht, ein kognitiv geprägtes Einfühlungsvermögen zu vermitteln, ein Alleinsgefühl mit und ein VerantwortungsBEWUSSTSEIN gegenüber allem Leben. So erlebe ich dauern, dass z. B. gerade Akademiker zu dem, was Albert Schweitzer „Ehrfurcht vor dem Leben“ nannte, recht wenig fähig sind. Gebildete Menschen sind oft solche, die alles (oder vieles) wissen, aber nichts begriffen haben. Gebildete Leute verstehen von immer weniger immer mehr, aber ein antizentrischer Blick auf das Ganze bleibt ihnen hierdurch verwehrt. Die Geschichte hat gezeigt, dass nur die Sicherstellung der Versorgung mit Essentiellem wie vor allem Nahrung, die Massen in ihrer Vermehrungs- und Expansionswut eindämmen können. Das ist bei Tieren ebenso. Je höher die umweltbedingten Unbilden, desto höher der Selektionsdruck, um so größer die Vermehrungsrate als Antwort darauf. Dies ist der Hauptgrund, weshalb mir so viel daran liegt, dass wir es hinbekommen, die 9 Mrd. ethisch und ökologisch einwandfrei satt zu bekommen, denn wenn uns dies nicht gelingt, wird unsere Welt für alle Lebewesen extrem ungemütlich bis gefährlich.

  16. Regina says:

    „Und ich verstehe nicht, weshalb der “Rest” hierzu schweigt.“
    Also ich habe erst jetzt wieder den Laptop angeworfen …….
    Muss man sich bei diesen Themen wirklich gleich gegenseitig verbal verprügeln? Es sind einfach 2 verschiedene Paar Schuhe, was objektiv aus welcher Perspektive einen Wert hat und was einem persönlich wichtig und wertvoll ist. Es IST anthropozentrisch, sich als Mensch hinzustellen und Lebewesen zu „bewerten“. Für die Biosphäre ist der Mensch, oder besser gesagt die Menscheit, die schädlichste Gattung auf diesem Planeten. Nicht nur für alle anderen Lebewesen (wozu ich auch Pflanzen zähle) sondern auch für den Menschen selbst, und somit nicht einmal nur „wertlos“, sondern ein „Wertevernichter“. Ich bin mir bewusst, dass ich als Teil der Menschheit selbst zu dieser Zerstörung beitrage, wobei ich mich im Rahmen der Möglichkeiten darum bemühe, meinen persönlichen Anteil daran so gering wie möglich zu halten (@Daniel: mein Laptop z.B. ist mein erster und 7 Jahre alt). Eine andere Möglichkeit ist mir nicht gegeben, ausser mich selbst zu entfernen , und so weit wollen wir doch nicht gehen (dass ich überhaupt da bin, habe nicht ich zu verantworten :-)).
    Beim Stichwort „Alternativen zur Nährstoffproduktion“ fällt mir ad hoc ein, dass Leute schon dabei sind, „Schweineproduktion“ in Hochäusern in der Stadt zu planen – das gefällt mir nicht wirklich. Meiner Meinung nach muss die rasante Vermehrung des Menschen gestoppt werden – wobei man immer wieder hört, dass bei fleischloser Ernährung genug auch für 9 Mrd. da wäre, aber ich fürchte, flächendeckend „fleischlos“ wird es erst geben, wenn es wirklich verboten wird, und das wird erst passieren, wenn ganz viel „Wertvolles“ unwiederblinglich zerstört sein wird. Langfrstig hilft glaube ich nur Bildung, Bildung, Bildung! – (aber nicht für die Wirtschaft!). Gebildete Menschen vermehren sich nicht so stark, schauen über ihren eigenen Tellerrand und setzen sich daher auch u.a. mit der Biosphäre auseinander.
    Ich habe aber auch die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es in absehbarer Zeit einen Quantensprung in der Entwicklung des menschlichen Gehirns gibt …..

  17. inge says:

    ich bin Tierschuetzerin und sollte natuerlich schon aus diesem Grund Veganer oder zumindest Vegetarier sein, bin es aber nicht. Ich versuche zwar mein Konsumverhalten soweit als moeglich dem Tierschutzgedanken anzupassen, ich brauche auch keine Artikel aus Leder oder gar Pelze, aber ganz sicher kann ich meine Haustiere nicht vegetarisch ernaehren, das ist ja voellig unnatuerlich. Welche Katze frisst Soja oder Gemuese ??? Auch Veganer haben Haustiere und kaufen Dosenfutter und Trockenfutter, auch dafuer sind andere Tiere gestorben……………

  18. Daniel says:

    @Peter H. Arras Sie unterstellen mir da so einiges, darauf möchte ich nicht wirklich eingehen.

    Ich kann sie aber persönlich zitieren: „Ich unterscheide natürlich insoweit, als dass Sozialität und zwischenartliche Sozialität, die ich als Individuum hege, die egalitären Ethikprinzipien, die generell gelten, einschränkend eine Rolle spielen. Mein Hund ist mir wichtiger als irgendein Hund und mein Kind ist mir wichtiger als irgendein Kind etc.“

    Die generell geltenden „egalitären Ethikprinzipien“ (so wie sie das nennen, die aber nicht tatsächlich generell gelten sondern nur für Sie subjektiv so empfunden werden) werden also durch Ihre subjektive Sichtweise und Naheverhältnis zu Individuen eingeschränkt.

    Sie sagen also einerseits selbst, Ihnen ist Ihr Kind wichtiger als andere Kinder (wahrscheinlich wegen Ihrem Naheverhältnis bzw. Ihre Verwandtschaft zu dem Kind), aber andererseits behaupten Sie, alle Tiere sind gleich wichtig. Ich nenne das kognitive Dissonanz. Ich habe übrigens nichts anderes gesagt, mir sind nämlich näher-Verwandte auch wichtiger als entfernt-Verwandte.

  19. Martina says:

    @ Arras, ich schweige zu Ihren Postings, weil ich Ihnen ansonsten eine Frechheit an den Kopf werfen würde.

  20. @ Daniel: Also machen Sie mal halblang: Ich rede mit sehr vielen Durchschnittsbürger, die als solche natürlich anthropozentrisch und somit auch speziesistisch gesinnt sind, die sich aber nicht so wie Sie dazu bekennen und daraus auch noch eine Tugend zu machen versuchen. Es sind Leute, die einfach noch nicht richtig über so manches nachgedacht haben. Und wenn ich denen sage, dass es nicht korrekt sein kann, einem Fisch weniger Schutzwürdigkeit zu gewähren als einem Affen, NUR weil dieser mit dem Menschen nicht so nah verwandt ist, dann verstehen die das aus einer objektiven Sichtweise heraus durchaus. Aber Leute wie Sie, die einfach Behauptungen aufstellen und nicht die Perspektive anderer und vor allem Andersartiger einnehmen können, die nicht verstehen wollen, dass Speziesismus auf den selben Prinzipien der Hervorhebung des Andersartigen beruht, um hieraus Diskriminierung und Unrecht abzuleiten, wie beim Rassismus, bei denen ist jede weiter Argumentation reine Zeitverschwendung. Artegoismus können wir uns abgesehen von den Interessen der Nichtmenschen, auch ökologisch einfach nicht mehr leisten, weswegen nur eine biozentrische Ethik die Menschheit wieder in das Gefüge der Natur reintegrieren kann. Wenn Sie das nicht nachvollziehen können, dann weiß ich nicht, was Sie eigentlich hier anstreben und wie Ihre Konzepte zur Erlangung der Tierrechte und zur Rettung unserer Biosphäre aussehen. Und ich verstehe nicht, weshalb der „Rest“ hierzu schweigt.

  21. Oli says:

    (Good grieve! Nächstens brauch ich noch einen Taschenrechner fürs Captcha!!!)

    dafür habe ich einen Taschenrechner, der Gleichungen lösen kann. 😀

  22. julia says:

    Doch @Kurt, ich zB hab welche! Ich vermute der Grund ist eher eine Altersfrage – die meisten Veganer_innen, die wir kennen, sind schlichtweg noch nicht in dem Alter, in dem der Kinderwunsch konkret wird. Was, wie Du zu Recht sagst, bei Akademiker_innen ohnehin oft erst mit 30+ der Fall ist.
    Dass Veganer_innen also noch selten Kinder haben, ist ebenso eine Generationsfrage wie die Frage nach dem „Umweg“ Vegetarismus. Viele „ältere“ Veganer_innen waren früher „nur“ vegetarisch, und viele ältere Menschen bezeichnen Veganismus noch heute als „extrem“ und „radikal“, während unter jungen Menschen – vegan wie omnivor – vegetarisch oft nur noch als halbgarer Kompromiss gilt und man für Veganismus sogar mehr Verständnis findet als Vegetarismus.
    Da hat sich etwas getan. Vor zehn Jahren waren sogar Vegetarier noch Exoten und in der Schule absolut Außenseiter. Heute haben meine Kinder in der Schule quasi Vorreiterstatus, sind selbstbewußt vegan (bzw. dank Schulessen oft nur vegetarisch … seufz). Die anderen fragen sie, warum sie denn auch lieber keinen Käse essen wollen, wo doch dafür keine Tiere sterben, und lassen sich dann interessiert von meiner 6jährigen wie letztens beim Grillfest erklären, warum die Kühe für den Käse leiden und die Kälber nach ihren Müttern schreien „… du möchtest doch auch nicht, dass man dich deiner Mama wegnimmt, bloß weil jemand Milch trinken will, also!“
    Ich wüßte gern, wie die Situation in ein, zwei Jahrzehnten aussehen wird. Fürs erste habe ich mich mal in den Essensausschuß der Schule wählen lassen und bin gespannt, was passiert 🙂

    (Good grieve! Nächstens brauch ich noch einen Taschenrechner fürs Captcha!!!)

  23. Kurt says:

    Noch einmal zum Thema Generationen:

    Mir ist aufgefallen, dass ich nur sehr wenige Veganer mit Kindern kenne, und es wäre sicher interessant einmal der Frage nachzugehen, ob Veganer im Durchschnitt tatsächlich weniger Nachwuchs haben als die allgemeine Bevölkerung und warum das gegebenenfalls so ist. (Ich würde spontan vermuten, dass der hohe Anteil an Akademikern, die bekanntermaßen nicht so viele Kinder in die Welt setzen, eine Rolle dabei spielt.)

    Da Kinder von veganen Eltern wohl eher selbst vegan werden als die von Fleischessern und sie darüber hinaus wieder Vorbild für ihre eigenen Kinder und auch andere sein können, ließe sich hier nach dem Schneeballprinzip sicher einiges bewirken. Ich rufe also hiermit zu vermehrter veganer Fortpflanzung auf 🙂

  24. Daniel says:

    @Peter H. Arras Sie haben in meinen Augen nichts weiter getan, als den letzten Absatz meines ersten Postings zu bestätigen.

    @Rest will es vielleicht doch noch jemand versuchen sich dem Ganzen konstruktiv zu nähern?

  25. @Daniel: Da Sie mir zeigen, dass mit Ihnen unaufgeregte Diskussionen nicht möglich sind, lasse ich es bleiben, mich weiter auf Sie einzulassen. schade eigentlich. Ich babe dafür wirklich keine Zeit, da es nichts bringt.

  26. Daniel says:

    @Peter H. Arras Welche Behauptungen von mir sind Ihrer Meinung nach beleidigend?

    Ok also Ihre „egalitären Ethikprinzipien“ werden durch Ihre „Sozialität“ eingeschränkt. Inwiefern unterscheidet sich das von der mir unterstellten „ethisch unzulässigen Willkür“?

    Ich verstehe auch nicht was Sie damit meinen, wenn Sie sagen ich sollte es vermeiden „denknotwenige ethische Entwicklungen zu dämpfen oder zu bekämpfen“. Was genau meinen Sie damit? Welche Entwicklungen bekämpfe ich wie?

    Und nein, ich finde nicht, dass Speziesismus ebenso verwerflich wie Rassismus ist. Und ich kann Ihnen auch versichern, selbst wenn Sie es versuchen, Sie waren noch nie „objektiv“. Ihre Sichtweise ist immer, ohne Ausnahme, subjektiv. Ihre persönliche Sichtweise als „objektiv“ hinzustellen ist nichts anderes als Hybris.

    Im Übrigen wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie in einer Diskussion auf die gesagten Punkte eingehen würden, und nicht einfach alles ignorieren und stattdessen irgendwelche vermeintlichen „Naturgesetze“ zitieren, die Sie in Ihrer subjektiven Sichtweise als objektive Fakten hingestellt haben. Ich empfinde Ihre Reaktionen jedenfalls weder als konstruktiv, noch unaufgeregt. Bitte bleiben Sie doch bei der Thematik, oder lassen Sie es einfach sein.

  27. @Daniel: Mit solchen Behauptungen werden Sie beleidigend und das ist das Gegenteil einer „unaufgeregten Diskussion“, wie Sie sich diese wünschen. Ich unterscheide natürlich insoweit, als dass Sozialität und zwischenartliche Sozialität, die ich als Individuum hege, die egalitären Ethikprinzipien, die generell gelten, einschränkend eine Rolle spielen. Mein Hund ist mir wichtiger als irgendein Hund und mein Kind ist mir wichtiger als irgendein Kind etc. Sie sollten es vermeiden, denknotwenige ethische Entwicklungen zu dämpfen oder zu bekämpfen. Denn wenn Sie einen Moment lang mal versuchen objektiv zu sein, werden Sie nicht verkennen können, dass Speziesimus ebenso verwerflich ist wie Rassismus und andere Ismen, oder?

  28. Daniel says:

    @Peter H. Arras jeder tut das, andere nach seinem „subjektiven Gutdünken“ bewerten. Der Unterschied zwischen uns beiden ist wohl nur, dass ich dies bewusst tue. Wie ich das finden würde wenn das Aliens mit mir machen? Ich würde das völlig normal finden.

    Und ja ich weiß, dass Zecken niemanden töten müssen, aber sie müssen Blut saugen. Und sie verbreiten dabei manche gefährliche Krankheiten wie z.B. Gehirnhautentzündung.

    Und jetzt mal ganz ehrlich: Ihnen ist das Leid einer Zecke genausoviel wert, wie z.B. das Leid ihrer Tochter oder einer Freundin, wenn sie von einer Zecke gebissen wird und Gehirnhautentzündung bekommt? Ich finde so eine Einstellung sehr traurig und menschenverachtend.

  29. Daniel says:

    @Peter H. Arras es tut mir Leid, aber ich kann Sie nicht wirklich ernst nehmen, wenn Sie meinen, alles Leben ist gleichviel wert, und nur der Mensch hat keinen Nutzen und ist für andere tödlich, während sie vor Ihrem Computer sitzen und Strom verwenden für den abermillionen Tiere getötet werden, und wahrscheinlich auch Nahrung konsumieren für die viele Tiere umgebracht werden (Landwirtschaft) usw., was Sie alles vermeiden könnten.

    Diese Ihrige Meinung habe ich schon unzählige Male gehört und bringt mich in dieser Thematik keinen Zentimeter weiter.

    Gerade diese Meinung von Ihnen prangere ich ja gerade an, weil sie eben heuchlerisch ist. Sie meinen Menschen sind sooo schlimm, aber für sich persönlich nehmen Sie sich heraus, Computer zu verwenden usw. Solche Menschen nehme ich nicht ernst. Bitte nehmen Sie das nicht persönlich.

    Aber das habe ich ja eigentlich eh schon geschrieben und das hätten Sie sich selbst zusammenreimen können.

  30. Oli says:

    Ich habe mich schon öfters gefragt, warum ich es als selbstverständlich ansehe, dass Raubtiere sich von anderen Tieren ernähren. Keiner wird dem Löwen seine Gazelle streitig machen wollen. Für mich braucht er für seine Lebensumstände einfach diese Nahrungsquelle. Er ist so hineingeboren worden.

    Eine Frage möchte ich in die Runde werfen:
    Gälte das nicht auch für Menschen? Ich stelle mir gerade einen Inuit vor, der verzweifelt versucht, Zucchini zu kultivieren 😀
    Möchte ich ihm seinen Fisch madig machen, ihn an der Robbenjagd hindern? Darf ich das? Die selbe Frage stellt sich mir für andere „archaisch“ lebende Volksgruppen ebenfalls.

    Dass ich sicher nicht dazugehöre, scheint mir plausibel. Aber wo ist die Grenze dafür zu ziehen?
    Inwieweit ist der Verzehr von Tieren gerechtfertigt, ab welchem „Zivilisationsgrad“ nicht mehr?
    Für mich ist klar: Ich bin fähig, selber ein Tier zu erlegen, es zu essen, sofern damit mein !Überleben! gesichert ist und sonst keine Alternative sehe. Da ich aber glücklicherweise nicht in der Situation bin, kann ich mir es leisten, nein, es ist meine Pflicht, darauf zu verzichten.

  31. @Daniel: andere Spezies nach Deinem subjektiven Gutdünken zu bewerten oder zu entwerten ist ethisch unzulässige Willkür. Stell Dir mal vor, das würden z. B. irgendwelche Aliens mit Dir machen – wie würdest Du das finden?
    Und wegen der Zecken: Wusstest Du, dass sie, um sich zu ernähren, niemanden töten müssen und dass sie von ein wenig Blut zwei Jahre lang leben können, ohne jemanden erneut zu „belästigen“? Angesichts der Tatsache, was der Mensch, auch der vegane Mensch – für Opfer von anderen fordert, sollte man um so mehr Ehrfurcht, auch vor Zecken, entwickeln können.

  32. Daniel says:

    @Regina meine Abstufungen sind (wie erwähnt) eigentlich ziemlich willkürlich, aber ich berufe mich da vorallem einerseits auf die kognitiven Fähigkeiten, vorallem Leid und Freude zu empfinden und andererseits auf das, wie du schon sagst, Naheverhältnis, bzw meine Verwandtschaft mit diesen Tieren. Ich bin mit allen Menschen weitaus näher verwandt als mit nichtmenschlichen Primaten, mit den näher als mit den anderen Säugetieren usw. Sicher spielt da auch ein gewisser Anthropozentrismus mit, aber als Mensch kann man sich meiner Meinung nach nicht völlig von anthropozentristischen Gedankengängen lösen. Wenn ich ein kleines (menschliches) Mädchen sehe wie es an einer Krankheit oder an Hunger leidet, geht mir das sehr viel näher und macht mich trauriger, als wenn ich jemanden sehe wie er eine Zecke zerquetscht. Wieso? Ich habe so gut wie kein Mitleid mit Zecken, die nur vom Blut von Säugetieren leben, ich habe eher Mitleid mit den von ihnen angefallenen Säugetieren.

    Ich hatte mal eine Diskussion mit einer Veganerin, und sie meinte sie würde eine Zecke die auf ihr herumkrabbelt freilassen, und sie fühlt sich dann nicht verantwortlich dafür, wen sie als nächstes beisst. Aber Zecken können nunmal nichts anderes machen als Säugetiere zu beissen, und würde ich die Zecke freilassen bin ich mir sicher wird sie jemand anderes beissen, und das will ich nicht. Deshalb töte ich die Zecke. Das mag vielleicht speziesistisch sein, aber ich sehe da einfach keine andere vernünftige Herangehensweise. Einfach den Fakt zu ignorieren, dass die Zecke versuchen wird jemand anderen zu beissen oder alternativ verhungert ist ja auch keine Lösung.

    Mit Löwen wird das schon schwieriger, die können zwar auch nicht anders als andere zu beissen, aber denen gestehe ich weitaus mehr Emotionen und Bewusstsein zu als Zecken. Ich würde nicht argumentieren, dass man Löwen töten sollte nur weil sie Carnivoren sind und früher oder später danach handeln werden. Ich kann das aber auch nicht wirklich schlüssig erklären/argumentieren muss ich eingestehen.

    Andererseits laufen aber auch keine Löwen bei uns in den Wäldern herum, und ich muss praktisch nie diese Entscheidung treffen, bei Zecken ist das schon ganz anders. Würde ich aber einen Löwen auf ein menschliches Kind zusprinten sehen, und ich habe „zufällig“ ein Gewehr in der Hand und die einzige Möglichkeit den Löwen aufzuhalten ist ihn abzuschiessen, würde ich das wahrscheinlich ohne zu Zögern tun.

    Die meisten Menschen (auch Veganer_Innen) stehen ihrer Familie und ihren Freunden ja auch näher als anderen Menschen die sie nicht kennen, und sie würden wahrscheinlich mehr für sie tun um ihnen zu helfen. Z.B. Geld für eine notwendige Operation auftreiben, oder sogar Tierleid in Kauf nehmen indem man ein unveganes Medikament kauft usw. Das als emotionale Kurzschlussreaktion zu definieren kann ja auch keine Lösung sein, es sollte dafür doch irgendeine moralische Rechtfertigung geben.

  33. @Daniel: Na, dann möchte ich mich Dir als unaufgeregten Diskussionspartner mal anbieten über Ethik und Speziesismus. Der Wert anderer Lebensformen darf nicht von subjektiven Betrachtungsweisen des Menschen abhängig gemacht werden. Alle Lebensformen haben sich ihr naturgewolltes Existenzrecht dadurch verdient, dass sie den selektiven Kräften der biologischen Evolution innerhalb unserer Biosphäre erfolgreich getrotzt haben. Sie haben quasi alle Tests erfolgreich absolviert und sind deshalb von ihrem Wert grundsätzlich gleich. Aus dieser Perspektive mal betrachtet – und diese ist ja immerhin naturgesetzmäßig – ist eigentlich nur der Mensch ohne jeden Nutzen für das natürliche Gefüge und schlimmer noch, für alle anderen Lebensformen tödlich und gefährlich. Ob der Mensch, den es erst seit kurzem überhaupt gibt (erdgeschichtlich betrachtet), überhaupt überlebt, ist eher unwahrscheinlich. Und ob wir schon „Menschen“ im eigentlichen Sinne sind, wird z. B. von Konrad Lorenz negiert (Das Bindeglied zwischen Tier und Mensch sind wir“.
    Ich habe mal folgenden Satz dazu geprägt: „An jenem Tag, an dem der Mensch auch geistig zum aufrechten Gang übergehen wird, wird sich sein selbstgefälliger Anspruch, das wertvollste Lebewesen auf Erden zu sein, verlieren. An jenem Tage wird er das wertigste Lebewesen sein!“

  34. Oli says:

    @Daniel
    Du sprichst mir aus der Seele, gabst mit deinem Bericht meinen Gedankenthemen einen Terminus.
    Ich denke, dass man jeden, der etwas zur Verminderung an Umweltschäden, Tierleid beiträgt, darin bestärken soll. Das heißt für mich, dass ich jemanden darin bestärke, wenn er versucht an bestimmten Tagen auf Fleisch zu verzichten. Ich werde ihm sicher nicht erzählen, dass er trotzdem noch ein „Tiermörder“ ist.
    Auch wird ein Vegetarier von mir nicht gemaßregelt, dass er noch Eier isst und Milch trinkt. Aber ich werde durch meine Ernährungsgewohnheiten ihn vielleicht dazu bringen, dass dieser mich mal nach meinen Beweggründen fragt und ich kann sie ihm dann erklären.
    „Talibanveganer“ stoßen Leute, die mit dem Thema Veganismus nichts zu tun haben, mehr ab, als dass sie der Sache dienen. So habe ich das schon erlebt.
    Meine Freundin lebt sei vielen Jahren vegetarisch, seit zwei Jahren vegan, ich selber seit Februar 2013. Davor war ich ein überzeugter Fleischesser. Nie und nimmer wurde ich von ihr gemaßregelt, beeinflusst. Sie fragte mich sogar, ob es mir schmeckt, falls wir im Gasthaus gemeinsam aßen. Ohne Zutun von ihr bin ich trotzdem für mich zur Entscheidung gekommen, dass ich meine Ernährung ändern möchte. Deshalb habe ich dabei auch eins so gutes Gefühlt, da ich intrinsisch motiviert bin. Ich würde auch so weiterleben, wenn meine Beziehung in die Brüche ginge (was ich natürlich nicht hoffe 😉
    Würde ich das, wenn ich es jemandem zuliebe gemacht hätte?
    Die Trennlinie, was ist für einen vertretbar und was nicht mehr, ist individuell. So wie Mönche mit dem Besen kehrend durch die Landschaft schreiten, so akzeptiere ich auch jene, die das nicht tun, aber sich trotzdem tierfrei ernähren. Genau diesen Anspruch an meine Mitmenschen habe ich, wenn sie mich in meiner Lebensweise beurteilen.
    Ich für mich stelle mir nicht vorrangig die Frage, wie viele Tier kommen durch meine Lebensweise täglich um. Vielmehr motiviert mich derzeit, was erspare ich zusätzlich den Tieren an Leid durch meine Ernährungsumstellung. „Weg der kleinen Schritte“

  35. Daniela says:

    Die Argumentation ist sicher richtig. Jemand, der völlig in der Tradition verwurzelt ist Tierprodukte zu konsumieren, wird nicht ad hoc seine Lebensweise ändern, weil er von Tierrechten hört. Wird man in eine Gesellschaft geboren, in der der Konsum von Tierprodukten weitgehend die Norm ist, ist es zum Veganer meist ein Entwicklungsprozess, der Reflektion und Nachdenken erfordert. Auch ich habe einmal Fleisch gegessen, was für mich heute nicht mehr in Frage käme. Damals hab ich mir aber keine Gedanken darüber gemacht, weil es einfach Normalität war. Bei Vegetariern hat sich doch zumindest schon ein Umdenken eingestellt. Ich freue mich über jeden Fortschritt und habe mich sehr gefreut, als meine Oma, die schon ziemlich alt und etwas unflexibler in ihren Ansichten ist, sich für ein vegetarisches Leben entschieden hat. Für ihre gesellschaftliche Prägung und Denkweise ist das bereits ein großer Fortschritt. Sie jetzt zu verurteilen, weil sie nicht augenblicklich zur Veganerin wird, wäre sicher kontraproduktiv.

  36. Regina says:

    Mich würde eine Auseinandersetzung von Veganern mit Daniels Fragen auch interessieren.
    @Daniel: Deine Abstufungen zum „Wert“ von Lebewesen verstehe ich nicht. Worin und für wen oder was besteht z.B. der „Wert“ des Menschen? Oder meinst Du mit Wert eigentlich das Naheverhältnis? Das könnte ich nachvollziehen.

  37. Daniel says:

    Toller Bericht und tolle Pionierarbeit!

    Ich habe aber eine kontroverse Frage/Bemerkung zu dem Thema: eine gewisse kognitive Dissonanz findet sich auch bei den meisten Veganer_Innen. Das Tierleid bei der landwirtschaftlichen Produktion wird oft ignoriert – Gemüse und Getreide von (konventioneller und Bio-Landwirtschaft) gilt als vegan, obwohl dabei ständig Tiere wie Rehe, Mäuse, Maulwürfe und ähnliches getötet werden und ihre Lebensräume zerstört werden(über Insekten wollen wir erst garnicht reden, und ich brauche jetzt auch keinen Vortrag darüber, dass eine vegane Lebensweise sehr viel weniger Anbauflächen benötigt). Energieproduktion und Rohstoffgewinnung funktioniert praktisch auch nicht ohne Tierleid. Und man könnte auf beides verzichten, wie uns viele Millionen Menschen tagtäglich vorzeigen. Jain-Priester tragen ihren Besen auch nur symbolisch herum und kehren nicht wirklich den Boden vor sich, weil sie sonst wahrscheinlich nirgends zeitgerecht hinkommen würden. Ein vollständig veganes Leben scheint in unserer Gesellschaft völlig unmöglich, man müsste gar aufhören Infrastruktur zu erhalten, da dies auch Tierleid verursacht. Wie mein Vorredner schon erwähnte werden auch viele Steuergelder unvegan eingesetzt, ja wir subventionieren die Fleischproduktion(wobei das eher irrelevant ist, das könnte man ja ändern). Die Frage ist jetzt: wo genau ziehen die meisten Veganer_Innen die Grenze und wie wird diese Grenze definiert? Wie kann man als Veganer_In argumentieren, dass bio-vegane Landwirtschaft „tierleidfrei“ ist? Sind wirklich alle Tiere gleich viel wert? Also eine Zecke genausoviel wie eine Muschel, ein Fisch, eine Kuh oder ein Mensch? Und wiegt eurer Meinung nach das Interesse für den Fortbestand der menschlichen Zivilisation höher, als das Lebensinteresse einzelner Tiere(die z.B. bei der Nahrungsmittel- und Energieproduktion ums Leben kommen)? Wenn nicht, ist das Ziel mancher Veganer_Innen die menschliche Zivilisation zu beenden? Ich denke in diesen Grenzbereichen gibt es noch sehr viel Diskussionsbedarf, das soll aber natürlich nicht davon ablenken, dass eine „vegane“ Lebensweise, bei der klassisch auf Fleisch, Milch, Eier und Leder verzichtet wird, sehr viel nachhaltiger, menschenfreundlicher und tierleidsfreier ist als eine unvegane Lebensweise.

    Gerade diese Willkürlichkeit macht es für mich unmöglich, Leute ernst zu nehmen die „Vegetarier sind Mörder“ schreien, während sie selbst unzähliges Tierleid in Kauf nehmen, und dies einfach als „unvermeidbar“ deklarieren. Autofahren ist also unvermeidbar, Gemüse im Supermarkt zu kaufen ist unvermeidbar, Internet zu surfen und Computer zu verwenden ist unvermeidbar, Warmwasser ist unvermeidbar etc. Pure Heuchelei eben.

    Ich persönlich finde ja, Menschen sind mehr wert als nichtmenschliche Tiere. Und ich sehe eine graduelle (eventuell auch willkürliche) Abstufung, Menschenaffen sind mir näher als die meisten anderen Säugetiere, diese sind mir näher als Vögel und Fische, welche mir näher sind als Insekten. Somit kann ich auch ein gewisses Tierleid zugunsten der Menschheit ohne kognitive Dissonanz in Kauf nehmen. Nur wird es da natürlich sehr schwammig, und mit der selben Logik könnte man dann Tierversuche legitimieren.

    Ich habe übrigens noch niemanden gefunden mit dem man konstruktiv und unaufgeregt über diese Thematik diskutieren kann. Mich würde sehr interessieren, wie das einer der führenden Sprecher der weltweiten Tierrechtsbewegung sieht!

  38. Ulli says:

    Ich lebe seit 1988 vegetarisch und jetzt ENDLICH auch vegan. Das Gefühl der „inneren Reinheit“, das sich dabei eingestellt hat, ist unbeschreiblich. Einerseits.
    Andererseits ist da auch diese schreckliche Gewissheit, dass ich das verursachte Leid nicht mehr rückgängig machen kann und mich der Tatbestand bzw. das System des Karnismus ohnmächtig verzweifeln lässt.
    Darum an dieser Stelle Hut ab vor Martin Balluch, der nicht müde wird, seinen Widerstand öffentlich deutlich zu machen. Mir ist eine ähnliche (politische) Ächtung widerfahren und ich weiß nicht, ob ich den Mut habe bzw. ihn wiederfinde, ebenso konsequent Widerstand zu leisten. Außer, indem ich selbst tierliche Produkte ablehne.

  39. Oli says:

    Sorry für meine unpräzise Äußerung. Ich ernähre mich genussvoll rein pflanzlich. Nein, Unterlassung unnötiger Aussübung von Gewalt ist kein Verzicht, ein Bedürfnis. Mir schmeckt aber Käse nach wie vor, beim Fleisch siehts mittlerweile anders aus, davor ekelt es mich mittlerweile nach gut einem halben Jahr. Im Wissen, wie Käse hergestellt wird und welche tragische Rolle dabei eine Kuh spielt, auch um die gesundheitliche Brisanz vom Milcheiweis Kasein, „verzichte“ ich auf Käse und andere Milchprodukte, die ich in vierzig Jahren meines Lebens liebgewonnen habe und eben jetzt nicht mehr konsumiere. Sorry, aber mir fällt kein anderes Wort als Verzicht ein. Vielleicht finden Sie ein passenderes Synonym für mich.
    Beim Ei gehts mir genau so. Ich backe für mein Leben gerne, suche nach Alternativen dazu, bin auch richtig stolz darauf, dass mir manche Bäckereien „tierfrei“ gelingen, aber nicht alle. Darauf verzichte ich dann eben, ich lasse sie weg. Der Verzicht bezieht sich darauf, dass mir z.B. meine Sachertorte schmecken würde, ich sie aber nicht mache, da ich eben um all die tragischen Umstände bei der Erzeugung tierischer Produkte weiß. Was ist daran so schlecht, in dem Zusammenhang das Wort „Verzicht“ zu verwenden?

    Einfach weglassen von tierischen Produkten? Wie kann ich im einzelnen kontrollieren, ob z.B. verschriebene Medikamente, und ich rede nicht von einem Aspirin, verabreichte Medikamente im Krankenhaus nicht doch auch tierischer Herkunft sind?

    Grundsätzlich muss ich anmerken, dass meine Beweggründe für eine Ernährungsumstellung anfangs gesundheitlicher Natur !waren!
    Im Zuge dieser Umstellung stößt man automatisch auf den ethischen Aspekt: Welthunger, Tierleid, Treibhausgase etc.
    Diese Entwicklung kommt, kam bei mir aber erst nach der Umstellung.
    Ich bitte also, mir die dafür nötige Zeit einzuräumen, um das Ganze auch verinnerlichen zu können. Derweil erledige ich einfach manche Dinge noch rational, also mit dem Kopf und das emotionale hinkt noch etwas nach… wird aber schon 😉

  40. yhertda says:

    „Mich würde interssieren, wie Ihr damit umgeht, wenn ein tierisches Produkt wirklich nicht ersetzt werden kann. “

    Man lässt es trotzdem weg, wo ist das Problem?

    “ wie mich, der schon auf Fleisch, Milch, Ei verzichtet.“

    Ich finde das Wort „Verzicht“ unangebracht – es sei denn, Sie meinen wirklich, dass das Unterlassen von völlig unnotwendiger Gewaltausübung ein Verzicht sei.

  41. Oli says:

    Ich selber bezeichne mich nicht als Veganer. Ich esse z.B. auch mal Honig von einem Imker den ich kenne, der den Bienen Honig lässt und sie nicht mit Zucker zufüttert, nur den Honig entnimmt, der auch übrig bleibt. Dafür wurde ich schon in einem Forum fast beschimpft.
    Auch ist mir Ähnliches widerfahren, also ich erklärte, dass ich meine Lederschuhe noch trage, die ich habe.

    Es muss also einen nicht wundern, wenn ein Carnivorer kein Verständnis aufbringen kann für einen vegan Lebenden, wenn dieser in der selben Art Allesesser zu bekehren versucht wie mich, der schon auf Fleisch, Milch, Ei verzichtet.
    Man muss auch Verständnis haben für Leute, die mit ihren Nahrungsgewohnheiten in kleinen Schritten Änderungen vornehmen, sie darin bestärken und ihnen nicht den Vorwurf machen, dass sie noch Lederschuhe tragen, oder ab und zu mal einen Kuchen essen.

    Es ist unheimlich schwer, mit Essensgewohnheiten, die vom Säuglingsalter an tradiert sind, zu brechen. Mir fehlt z.B. der Käse auf Pizzen, in Käsknöpfle, auf der Lasagne etc. Das Fleisch ist seltsamerweise für mich einfacher zu „ersetzen“.

    Dass letzteres seiner Kostenwahrheit beraubt wird, liegt leider wirklich daran, dass der Staat, die EU dessen Produktion subventioniert.
    Ein Liter Sojamilch kostet das Doppelte von Kuhmilch, obgleich deren Herstellung billiger sein muss, da die Bohnen nicht erst durch die Kuh „geschickt“ werden müssen, um daraus Milch zu erzeugen.

    Mich würde interssieren, wie Ihr damit umgeht, wenn ein tierisches Produkt wirklich nicht ersetzt werden kann. In Vegan- Foren wird man für solche Fragen leider zerissen.

    Genau diese Einstellung, so finde ich, führt auch dazu, dass man Omnivoren vor den Kopf stößt, wenn man sie sofort mit den ekelhaftesten Youtubevideos un der Chinastudy konfrontiert (habe ich selber schon miterlebt).

    Vorleben und bei Fragen darauf mit einer Ich-Botschaft antworten.
    Unter Vorleben verstehe ich z.B. auch eure Demos. Zivilcourage imponiert, mir zumindestens.

  42. Dann geh mal aufs Land und frage dort mal nach. Verstehe doch bitte, worauf ich hinaus will. Nie wird es erreicht werden können, dass so viele Menschen zu Veganern werden, dass auf diese Weise das gegenwärtige System kippt. Es muss rasch was passieren – die Subventionen müssen aufhören und echte Alternativen zur Nährstoffproduktion müssen her. 9 Mrd. Menschen vegan zu ernähren – selbst das würde unsere Biosphäre nicht packen können.

  43. Martin Balluch says:

    @Arras: Also wenn ich die Medienberichte der mainstream TV-Stationen und der Presse z.B. zur Veggie-Messe kürzlich in Graz anschaue, dann scheint mir vegan sehr normal zu sein. Hier z.B. auf der Webseite des österreichischen Staatsfernsehens:
    http://steiermark.orf.at/news/stories/2608704/
    Und von allen LeserInnen oder ZuseherInnen, die sich bemüssigt gefühlt haben, mit abzustimmen, deklarierten sich immerhin 57% als vegan!

  44. Mal ganz ehrlich: Wir Tierschützer sind oft all zu sehr unter uns und sehen wenig über den Rand unserer Sichtweise und unseres Zirkels hinaus. Ich mache ganz andere Erfahrungen – und zwar mit Durchschnittsleuten. Das Wort „vegan“ stößt diese mehr ab, als das Wort „vegetarisch“. Für die Vegan-Propaganda nehmen Orgas sehr viele Kosten und Mühen in Kauf, die m. E. nicht das erbringen, was nötig wäre, um zeitnah Grundlegendes zu verändern. Ich prognostiziere ernsthaft, dass spätestens 2020 der Konsum von Fleisch und Fisch staatlicherseits verboten oder zumindest stark eingeschränkt werden wird (so wie wir gegenwärtig eine Energiewende erleben, die niemand je für möglich gehalten hätte. Die Regierungen wissen nämlich sehr genau, dass Erdöl- und Uranreserven nur noch max. 20 Jahre zur Verfügung stehen – das ist der Grund für die Wende, weniger der Klimawandel oder die Angst vor Atomstrahlung), weil wir sonst – und das wissen die Regierungen, die EU und die FAO sehr wohl, 2050 eine demographische Globalkatastrophe unabwendbar sein wird, (ein Drittel werden keinen regulären Zugang zu Trinkwasser und Nahrung haben – das wären dann drei Mrd. Menschen) die politische das globale System zerschlagen wird. Ich war 2010 auf der GAP-Konferenz in Brüssel konsultiert und weiß, dass die mit Ihrem Latein bezüglich 2050 am Ende sind. Wir sollten uns mehr Mühe geben, die notwendigen Schritte zu lancieren, als uns als Veganer selbst zu gefallen. Die Welt wartet darauf gerettet zu werden – dafür müssen sämtliche Energien aufgewendet werden, mit den Natur- und Menschenschützern sowie den Zukunftsforschern zusammen, denn die wissen, dass es so wie bislang nicht weitergehen kann, wenn wir eine Zukunft haben wollen. Vegan,Vegan geht mir persönlich allmählich auf die Nerven – denn es geht um viel mehr als das!

  45. Konrad says:

    Ich beginne so gut wie nie die Nahrungsdiskussion mit Leuten, die noch nicht vegan leben. Sie können das Thema meist einfach nicht auf sich beruhen lassen, bloß weil sie anscheinend irgendwo den Reiz spüren erklären zu müssen wieso sie trotzdem Tiere konsumieren.

    Meiner Erfahrung nach ist es also gar nicht (mehr?) nötig irgendwem etwas zuzurufen. Allein die Gegenwart der Alternative löst ein Unbehagen aus, das oft zu den seltsamsten Äußerungen führt. Ich brauche niemanden zu überzeugen. Einfach Fragen zu stellen reicht meist völlig aus um all jenen, die sich über abstruse Erklärungen rechtfertigen wollen, zu der Einsicht zu führen, dass ihre Aussagen nicht schlüssig sind. Aber oft sind nicht mal Fragen nötig…

  46. Martin Balluch says:

    @Malina: Ich verstehe das, mir geht es auch so. Aber aus Wut schreie ich eher GEGEN das Tierleid als FÜR eine Lebensform. Diesen Samstag haben wir unsere Pelzdemo und es wird mir ein Bedürfnis sein, dabei die Wut auf Pelz rauszuschreien.

    @Arras: Stimme 100% zu und engagiere mich deshalb in erster Linie politisch. Aber neben der ethischen Frage von Veganismus abseits seiner politischen Bedeutung, sehe ich doch auch eine politische Rolle von Veganismus: eine alternative Infrastruktur zu kreieren und auszutesten. Meine Erfahrung ist, dass Gesetze, die gewisse Produktionsformen verbieten, nur dann möglich sind, wenn die politisch Verantwortlichen funktionierende Alternativen sehen. Letztere sind also für ein effektives politisches Engagement sehr wichtig und der Totalboykott tierlicher Produkte etabliert eine solche Alternative.

  47. Kurt says:

    Ich kann dem nur zustimmen.

    Man sollte sich auch bewußt machen, dass es vor noch 50-100 Jahren nicht nur in Alaska, Grönland und anderen Ländern mit extremen klimatischen Bedingungen kaum bis gar nicht möglich war, sich vegan zu ernähren, sondern auch in unseren Breitengraden sehr, sehr schwierig. Meine Mutter hat mir erzählt, dass sie in ihrem Dorf erst 1938 elektrischen Strom bekommen haben und die meisten Familien den auch nur für eine Glühbirne benutzen konnten. Das heißt es gab keine Kühlschränke, keine Kühlhäuser, etc. etc. Vor allem gab es auch keine Massentransportmittel und damit keine Bananen aus Equador, Kiwis aus Neuseeland, Sojafleisch aus Taiwan, Melanzani aus der Türkei usw. usf – von Vitamin B12-Supplementen ganz zu schweigen. Sich im Winter monatelang nur von Kartoffeln, Weizen, einer sehr begrenzten Auswahl von eingelegtem Gemüse, eingekochtem Obst, und vielleicht noch ein paar Nüssen ernähren zu müssen, wäre für die körperlich oft hart arbeitenden Menschen wahrscheinlich auch noch ungesünder gewesen als die eh schon recht einseitige „gemischte Kost“ (mit Vitamin B 12). Dazu kommt, dass es für die meisten Angehörigen der Generation meiner Eltern in ihrer Jugend, also den prägenden Jahren, wegen des 2. Weltkriegs und seiner Nachwirkungen schwierig war, überhaupt etwas zu essen zu bekommen.

    Das alles heißt natürlich nicht, dass sie ihre Ernährung später nicht noch hätten hinterfragen können, aber auch meiner eigenen Erfahrung nach nimmt die Bereitschaft zu Veränderungen mit fortschreitendem Lebensalter eher ab. Ich würde auch vermuten, dass die weitaus überwiegende Mehrheit derer, die sich (dauerhaft oder auch nur vorübergehend) für eine vegane Ernährung entschieden haben, das vor ihrem 30. Geburtstag taten. Insofern denke ich, dass ein umfassenderer Wandel hin zum Veganismus mit einem Wandel der Generationen einhergehen wird.

  48. Ein geändertes Verbraucherverhalten kann in bestimmten Bereichen das Angebot nicht beeinflussen. So hatte der Boykott von Kosmetikprodukten in den 80er und 90er Jahren keinen Einfluss auf die Tatsache, dass Tierversuche für Kosmetika gemacht wurden. Dass diese heute allerdings verboten sind, ist das Resultat von Tierschutzpolitik und nicht von tierschutzgerechtem Verbraucherverhalten.
    Ebenso verhält es sich mit dem Boykott von tierlichen Produkten. Es mag dem betreffenden Verbraucher eine Genugtuung verschaffen, sich aus dem Ausbeutungsprinzip gegenüber den Tieren und Mitwelt persönlich ausgeklinkt zu haben, er sollte sich aber klar darüber sein, dass er mit seinen Steuergeldern an der massenhaften Tierschinderei, der Naturzerstörung, dem Klimawandel etc. zwangsläufig beteiligt ist.

    Wirkungsvolle Maßnahmen der Lebensschützer sind deshalb nicht die Propagierung des Veganismus, sondern die organisationsübergreifende Politik gegen die milliardenschweren Subventionen, ohne die es die Massentierhaltung und die Tierprodukteindustrie in Deutschland und Europa gar nicht geben könnte.

    Wir alle, also auch Veganer, bezahlen mit an diesem Wahnsinn, der auch unsere planetarische Biosphäre ruiniert.
    Auch die Tatsache, dass Lebensmittel aus Soja mit 19% Mehrwertsteuer belegt sind, Fleisch jedoch nur mit sieben Prozent (so ist es jedenfalls in Deutschland) und dass Alternativen zu Tierprodukten ein Vielfaches teurer sind, wäre anzuprangern, zu bekämpfen und abzuschaffen.

    Wie leben gegenwärtig in einer Nahrungsmitteldiktatur – das ist es, was geändert werden muss!
    Peter H. Arras/ AKT-Institut für Mitweltethik gGmbH

  49. Malina says:

    Es ist aber auch schwierig, immer nur Verständnis aufzubringen, wenn man ständig die unbegreiflich großen Massenmorde und das Leid der unzähligen Lebewesen im Kopf hat. Ab und zu bleibt emotional nicht viel, als laut und etwas aggressiv „vegan, vegan!“ zu schreien, auch wenn es eventuell nicht der effektivste Weg ist…

  50. Oli says:

    Ja, genau so stelle ich mir den Wandel vor.
    Ich war ein Fleischvernichter, Essen kann ich dazu nicht mehr sagen. Ein kg für mich alleine, kein Problem, natürlich dann ohne Beilage. Bis Februar 2013 ging das so. Youtube habe ich von Rüdiger Dahlke ein Video zu seinem Buch „Peacfood“ gesehen und da machte es „Klick“ im Kopf. Ich aß meine Tiefkühlung noch leer und das war es dann auch. Seid dem esse ich kein Fleisch, keine Milch, keine Eier mehr. Dass das ganze auch einen ethischen Hintergrund hat, bemerke und merkte ich erst mit der Zeit. Zuvor war es ein rein gesundheitlich motiviertes Verhalten, Stichwort „China study“

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