Waldschaden durch die Jagd: mit dem Förster unterwegs

OLYMPUS DIGITAL CAMERADer ehemalige Landwirtschaftsminister und ÖVP-Chef, nö Landesjägermeister Josef Pröll jagt dort. Und zwar zusammen mit Waffenlobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly, mit dem Chef der Landesjagdverbände und damit oberstem Jäger Österreichs Peter Lebersorger und mit Christian Konrad, kürzlich noch Raiffeisen-Chef und selbst nö Landesjägermeister. Sozusagen also jene Clique, die im Film „Der Prozess“ zusammen am Jägerball in der Hofburg gezeigt wurde. Allesamt vehemente Tierschutzgegner. Und genau durch dieses Jagdgebiet wurde ich vor einigen Tagen von dem Förster geführt.

P1000769kleinUm die hohen Herren mit ausreichend Jagdopfern zu versorgen, gibt es hier überall ganzjährige Fütterungen. Dieselbe Jagdlobby, die hier Wildschweine zu höchsten Reproduktionsraten mästet, jammert dann in der Öffentlichkeit über das viele Schwarzwild, das solche Schäden verursache, dass man es zu zig tausenden wieder abschießen müsse, quasi als Retter in der Not. „Verursacher der Not“ käme dem tatsächlichen Kausalzusammenhang näher. Hier stehen riesige Futtersilos, nur mit Lastwägen zu beschicken, um die Wildschweinmassen erst zu erzeugen.

Aufgrund der Fütterungen wird der Wald völlig zerstört. Nachwachsende Laubbäume werden so völlig zerbissen, dass sie wie künstlich gezogene Bonsai-Pflanzen wirken. Dabei sind sie 30 oder mehr Jahre alt. Tannen können hier längst schon überhaupt nicht mehr aufkommen. Aber auch die größeren Bäume werden geschält und vernichtet. Dazu kommen Schäden durch Erosion, weil der Boden mangels tiefer Humusschicht das Wasser nicht mehr speichern kann. Alles eine direkte Folge der Lust mancher unserer Mitmenschen, auf Tiere in großer Zahl zu schießen und große Trophäenträger zu züchten, deren abgeschnittene und ausgekochte Totenköpfe dann die Wände der großen Jagdherren schmücken.

P1000753kleinDann sehen wir ein Reh, abgemagert bis auf die Knochen. Wie kann das sein, frage ich meinen Begleiter, wenn doch überall Fütterungen stehen? Für Rehe gibt es hier durch die hohen Wildpopulationen überhaupt keine Äsung mehr. Und an den Futterstellen werden sie von den stärkeren Wildschweinen vertrieben. Abgesehen davon ist das meiste des angebotenen Futters, für diese Tiere nicht verträglich. So verhungern die Rehe sage und schreibe vor den gefüllten Futtertrögen. Das sind die Konsequenzen, wenn man blind vor Jagdlust massiv in das ökologische Gefüge eingreift!

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13 thoughts on “Waldschaden durch die Jagd: mit dem Förster unterwegs

  1. jhlkj says:

    Liebe Susanne,
    Also die AGES ist im Gegensatz zur AMA Eigentum der rep. Österreich und wenn Sie der AGES nicht vertrauen, dann kann ich Ihnen versichern, dass Wildfleisch Ihr geringstes Problem sein wird- siehe Geschäftsbereiche der AGES sowie geschäftsübergreifende Fachbereiche- ohne Vertrauen in die AGES geht es nicht/schwer

    Auch der Standard schreibt nichts anderes als ich, und auch er beruft sich auf die Studie der Ages- die besagt: Ja es werden hin und wieder Werte gemessen die zu hoch sind um das Fleisch zu Vermarkten bzw. es in Verkehr zu bringen, aber das Mittel der aller gemessenen Werte liegt weit unter diesem Höchstwert! Und die Ages geht sogar noch weiter, sie schreibt nämlich: selbst wenn man das Fleisch mit dem je in Österreich gemessenen Höchstwert (5000irgendwas) essen sollte, hat die praktisch keine Gesundheitlichen Folgen! Also Sie sehen in Verkehr bringen und essen sind zwei paar Schuhe:-)

    Ab und zu verstehen Sie nicht….Zu diesem Absatz muss ich leider sagen, ich verstehe Sie nicht, hat doch der Herr Balluch, und nicht nur er, zum Glück bewiesen das Fleisch und noch weiters jegliches Tierprodukt eben keine Notwendigkeit für unser Überleben darstellt- Ich sehe da keinen Unterschied zwischen Jagd und sich ums Eck ein Schnitzerl reinzupfeifen. Die emotionale Stufe wird somit geteilt.

    Der Rest wird jetzt schwierig, man tötet ja keine Tiere um sie wegzuschmeißen, weil der Großteil liegt ja weit weg von den Grenzwerten, und ein guter Teil unter der Nachweisgrenze!

    Niemand wiegt hier andere in Sicherheit- jeder kann uns sollte die Homepage der AGES besuchen uns ich informieren, sie die Expertise anschauen und sich selbst eine Meinung machen und entscheiden.

    Ja man kann den Höchstwert erwischen, dafür bitte siehe oben was dann passiert. Die Jahresdosis- na ja, manche Menschen fliegen, manche wohnen im waldviertel, manche rauchen, manche rauchen passiv…

    glg jh

  2. Susanne Veronika says:

    Ich bin da etwas skeptisch, weil man österreichischen Behörden, Instituten und ähnlichem offensichtlich nicht vertrauene kann (siehe AMA). Da wird wahrscheinlich viel totgeschwiegen. Im Standard 21.5.2013 http://derstandard.at/1363711627172/Tschernobyl-Wildschweine-noch-immer-radioaktiv-belastet , steht das etwas anders.

    „Nach einer Saujagd nahe Augsburg in Bayern mussten kürzlich alle 37 geschossenen Wildschweine wegen Cäsium-Werten von über 10.000 Becquerel pro Kilogramm beseitigt werden, denn ab 600 Becquerel darf Wildfleisch nicht mehr verwertet werden. Auch in Österreich liegen gelegentlich Wildfleischproben über diesem Wert, sagte Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage.“

    An und für sich verstehe ich nicht, was es einem gibt, aus dem Hinterhalt, mit dem Gewehr, also von weit weg, ein wehrloses Tier zu töten, wenn kein Bedarf (also Hunger z.B.) besteht. Wer dabei Vergnügen empfindet steht emotional auf der Stufe eines Tieres. Ein Raubtier in Menschengestalt. Aber wenn man Tiere tötet, die man dann wegschmeißt, ist das schon total pervers. Wenn sich die Menschen selbst vergiften, kann man nur sagen: selbst schuld. Aber die Menschen absichtlich in Sicherheit wiegen ist wieder etwas anderes. Es gibt keinen „Mittelwert“, weil man den Höchstwert erwischen kann. Die Jahresdosis hat man dann ja noch zusätzlich.

  3. jh says:

    In Österreich ist es ein bisschen anders, hier ist die Strahlenbelastung im Vergleich zu Deutschland geringer- aber von allen Paarhufern-Wildtieren sind Wildschweine am stärksten verstrahlt. Überwacht wir dies von der Ages, die auch für den Strahlenschutz verantwortlich ist. Diese schreibt: „Der Anteil der Dosis auf Grund des Verzehrs von selbst stark belastetem Wildfleisch liegt bei maximal zehn Prozent der Jahresdosis in Folge natürlicher Exposition. Oder anders ausgedrückt, eine Person müsste 12 Portionen Wildgericht von jenem Wildbret mit der höchsten Cs-137 Belastung im Jahr zu sich nehmen, um die gleiche Jahresdosis durch Cs-137 zu bekommen, wie sie durch die Aufnahme von natürlichen Radionukliden mit der sonstigen Nahrung erhalten wird“
    Der Wert von dem hier gesprochen/ausgegangen wird beträgt 5795 Bq/kg- dieser maximale Wert wurde in einer Wildschweinprobe gemessen. Das Mittel aller je gemessenen Proben von Wildschweinen beträgt jedoch gerade mal 250 Bq/ms- sprich jeglicher Verzehr ist absolut unbedenklich!

  4. Susanne Veronika says:

    So viel ich weiß, sind Wildschweine noch immer stark verstrahlt. Wird diese Radioaktivität gemessen? In Deutschland werden Jäger entschädigt, wenn sie verstrahlte Wildschweine schießen. Wie ist das in Österreich?

  5. jh says:

    Herr Weyrer,
    Natürlich können diese „Wiedersprüche“ erklärt werden. Gefüttert wird meiner Meinung nach um den Bestand möglichst gut/gesund über den Winter zu bringen, sprich, dass der Bestand körperlich möglichst gut dasteht- die schon vorher stark waren, werden noch stärker, die die vorher schwächer waren, werden ein bisschen stärker-und stimmt schon, wahrscheinlich kommen ein paar durch den winter, die nicht von der natur dafür vorgesehen waren, aber eben diese , hauptsächlich jugendklasse wird dann im frühjahr geschossen- Also warum füttern- eben damit der bestand körperlich stark und gesund ist- warum jagen? zur regulierung des bestandes weil selbt ohne fütterung sind zuwächse zu verzeichnen, was auch ganz natürlich ist in unseren breitengraden.

    Zu Punkt zwei: Generell verstehe ich ne Gatterjagd auch nicht- was Sie mit Jagdsport meinen verstehe ich nicht ganz-aber wenn Sie meinen Jagd sollte kein Sport sein kann ich Ihnen nur zustimmen! Jagd muss mehr sein

  6. Johann Weyrer says:

    Fütterungen finden leider auch in nicht eingezäunten Waldgebieten statt. Bei Gesprächen mit Jagdorganen heißt es meist, dies sei notwendig um den Verbis zu verringern und den Tieren über die kalte Jahreszeit zu helfen. Bei Gesprächen mit Landwirten und Waldbesitzern wird diese propagierte Notwendigkeit jedoch meist als Mitursache bzw. Verstärker besagter Schäden genannt. Wenn geschossen wird, wird meist mit der notwendigen Ausdünnung des Wildbestandes argumentiert?? Sorry aber können diese Wiedersprüche einem logisch denkenden Menschen plausibel erklärt werden!
    Zu besagten Gehegen wo natürlich der Grundbesitzer tun kann was er will: ..wie absurd und jämmerlich ist in diesem Zusammenhang der Ausdruck „Jagdsport“..

  7. jhlkj says:

    Es gibt kein freies Wegerecht, da es sich auch nicht um einen Wald handelt sondern eben um ein Gatter! So ist mein Recht als Besitzer! Was ich halt echt stark kritisiere ist, dass Sie Herr Balluch dies nicht in dem oberen Beitrag erwähnen und es meiner Meinung nach so darstellen als ob es sich hier um einen normalen Wald handelt, dabei sollten doch gerade Sie wissen wie man publiziert und wie nicht. Und lustig ist, Sie tun es in ihrer Antwort gleich nochmal und deuten, trotz besseren Wissens an, die „Plage“ wird durch unter Umständen entkommene Wildschweine produziert. Das kann ich halt nur den Kopf schütteln.

  8. Martin Balluch says:

    Ein Jagdgatter mit 220 ha. Wo bleibt das freie Wegerecht im Wald, wenn der plötzlich abgesperrt wird? Und das gelingt bei einem derart langen Zaun sowieso nicht. Ständig gibt es Löcher und entkommen Wildschweine, die dann zur „Plage“ werden.

    Nein, es ist eine ökologische und moralische Katastrophe derart mit dem Ökosystem Wald und mit Tieren umzugehen. Und nichts Anderes demonstriert dieser Blogeintrag.

  9. jhlkj says:

    Was hier wieder nicht erwähnt wurde ist, dass es sich bei diesen wald/wiesen stück um ein Gatter handelt! …

    „gibt es hier überall ganzjährige Fütterungen. Dieselbe Jagdlobby, die hier Wildschweine zu höchsten Reproduktionsraten mästet, jammert dann in der Öffentlichkeit über das viele Schwarzwild, das solche Schäden verursache, dass man es zu zig tausenden wieder abschießen müsse, quasi als Retter in der Not“ -> Dürfen sie ja auch (jammern), weil in dem Gatter und in der freien Wildbahn sind eben zwei verschiedene Schuhe…und jammern tun nicht die Jäger sondern die Landwirtschaft, also bitte auch an diese wenden!

    Der „Förster“ hat in meinem Gatter eher überhaupt nichts zu suchen- den die Nutzung dieses Waldes obliegt mir als Besitzer alleine, wenn ich kein Holz machen will muss ich das auch nicht.

    Will ich doch Holz machen dann wende ich mich zwecks Planung an die Stadt Wien, die hat den Lainzer TIERGARTEN!! erfolgreich Rotwildfrei gemacht-die Kinder freuts

  10. michael says:

    es ist wirklich furchtbar, wenn man sich so einen bericht durchliest. es wird (leider) immer wieder gewisse gruppen von menschen geben, die nur auf die eigenen interessen schauen, egal was herum geschieht.
    vielleicht hatte man sogar den hintergedanken, andere tiere im wald verhungern zu lassen, so wie in diesem beispiel das reh. denn dann kann man ja das „arme“ reh von seinem leid erlösen und der jäger kann sich wieder als “ retter in der not“ präsentieren.

  11. Martin Balluch says:

    Ich vermute Sie meinen den Lainzer Tiergarten in Wien? Nein, der ist es nicht, aber den könnte man diesbezüglich auch einmal unter die Lupe nehmen.

  12. ella says:

    Das ist doch der Tiergarten, oder nicht?

  13. Martin C. says:

    Erschütternd, und keine Instanz die dieser schießwütigen Bagage Einhalt gebietet. Wildschweine werden gemästet und abgeknallt, Rehe verhungern, der Wald eine bewachsene Wüste: so sieht die wahre Hege und Pflege aus.

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