Prof. Kotrschal und Doz. Poteser zu Almen

An und für sich sollen Fakten für sich selbst sprechen. Es dürfte nicht notwendig sein, anerkannte Fachautoritäten zu zitieren, um den eigenen, bereits durch Fakten belegten Worten mehr Gewicht zu verleihen. Im Fall meiner Kritik an Almen hat aber die gesamte Almbauernschaft zum Shotstorm intern aufgerufen und meine Beiträge 1500 Mal geteilt. Die Botschaft: der Balluch ist ein singulär Verrückter. Niemand sonst würde etwas so Absurdes sagen. Da braucht man dann gar nicht auf die Fakten und Argumente einzugehen.

Lassen wir Univ-Prof. Dr. Kurt Kotrschal zu Wort kommen, siehe https://tierisch.heute.at/a/50692642/w%C3%B6lfe–der-tod-f%C3%BCr-die-heimische-almwirtschaft

Wortwörtlich steht in diesem Artikel u.a.:

Den Almwiesen geht es nicht gut

Ökologisch wertvoll sind etwa die bunten Borstgrasrasen der Almen. Ihr Erhaltungszustand ist aber nur in Frankreich günstig, in Österreich, Deutschland und Slowenien unzureichend und in Italien sogar schlecht. Daran ist aber nicht der Wolf schuld. Oft werden zu viele Tiere aufgetrieben, was zu Überweidung führt.

Immer mehr an verspritzter Gülle tötet die wertvolle Fauna und Flora der Almwiesen.

Sie verarmen genetisch und werden durch Über- bzw. Unternutzung geschädigt. Um das Verbuschen der Almwiesen zu verhindern, werden sie „geschwendet, die Alpenrosen, Wacholdersträucher, etc. mit schweren Maschinen gehäckselt. Das vernichtet nicht nur die Zwergsträucher, sondern vernichtet auch empfindlichen Böden, die in diesen Höhenlagen tausende Jahre brauchen, um zu entstehen.

Almen auch ohne Beweidung?

Tatsächlich sind keine der als bedroht gelisteten Pflanzen- und Tierarten der Almen an Weidewirtschaft gebunden. Die Befürchtung ist also unbegründet, diese Arten gingen durch die Aufgabe der Beweidung verloren. Alpine Matten können gar nicht bewalden, da sie oberhalb der Baumgrenze liegen. Verschwinden werden nur die Almen unter der Baumgrenze, wo Beweidung ökologisch sogar schädlich ist. Darüber bildet alpines Grasland die charakteristische Vegetation. Gerade sie wird aber durch eine ungeregelte Beweidung geschädigt.

Die hier zitierten Fakten ähneln den von mir angeführten, siehe https://martinballuch.com/fakten-zu-ein-kritischer-blick-auf-almen/

Ein Artikel im medi.um von Doz. Dr. Michael Poteser, promovierter Biologe und Umwelttoxikologe, schlägt in dieselbe Kerbe. Es geht hier darum, die wirtschaftliche Nutzung wenigstens von einigen Teilen der Österreichischen Berge einzustellen und die Wildnis wieder Wildnis sein zu lassen.

Wörtlich: Unsere Sichtweise ist vom echten Naturerlebnis so entwöhnt, dass Naturschutz für uns schon der Schutz des bestellten Feldes ist, nichts anderes ist der wirtschaftlich genutzte Wald. Diese Einstellung aber führt zu der schweren Krise, in der sich die Biodiversität in diesem Land befindet. Wir brauchen Naturräume, die von der Last wirtschaftlicher Nutzung [z.B. durch Almen] befreit sind, um neben dem weitaus überwiegenden Anteil schwer belasteter Natur zumindest ein kleines Reservoir an ökologischer Vielfalt zu erhalten.

Mit anderen Worten: Es gibt Menschen, die glauben, Almen sind ein Naturraum und Rinder kommen dort natürlich vor, ja sind dort zu Hause. Und Naturschutz bedeutet dann diese Almen zu schützen und die Rinder dort zu lassen. Das ist eine sehr naturferne Ansicht. Wer einmal ein nicht wirtschaftlich genutztes, sondern unberührtes Stück Natur gesehen und gefühlt hat, kennt den Unterschied. Naturschutz widerspricht Naturnutz in jeder Form.

Doz. Dr. Poteser sagt in dem Artikel auch: Österreich ist ein verhältnismäßig kleines Land. Bis auf ganz wenige Ausnahmen wird das gesamte Staatsgebiet wirtschaftlich genutzt und es gibt Naturräume bescheidener Größe, in welchen sich ökologische Systeme ohne den direkten Einfluss des Menschen entfalten können. […] [D]ie Natur [wird] nur so weit geduldet […], wie sie nicht die kommerziellen Erträge schmälert

Almen sind hier mit Naturräumen jedenfalls nicht gemeint. Almen sind wirtschaftlich genutzte Flächen, für die genau diese Aussage gilt: Natur, wie Wolf, Bär oder Bison, wird nur so weit geduldet (also gar nicht), soweit sie die kommerziellen Erträge nicht schmälert.

3 thoughts on “Prof. Kotrschal und Doz. Poteser zu Almen

  1. Alex says:

    Vielen dank für Deinen Kommentar starke Argumente, gegen die sogar der Herr DDr. offenbar keine Antwort findet.

    Lg

  2. Martin says:

    Der Artikel hat einige technische Fehler.
    Meine größte beanstandung ist der Punkt der Natürlichkeit.
    Natürlich ist die Bewirtschaftung von Almen nicht natürlich. Es ist NICHT natürlich, dass der Mensch auf den Almen Tiere hält. Es ist NICHT Natürlich, dass der Mensch mit riesigen Traktoren auf Feldern fährt und diese bearbeitet.
    Es ist aber auch NICHT Natürlich, dass der Mensch in einer Stadt mit über 1 Mio. Einwohnern lebt und sich sein Veganes Bio-Futter 2 Straßen weiter kauft.
    Genauso wenig ist es auch Natürlich, in einer kleinen Wohnung zu leben, täglich zur Arbeit zu gehen, ein Pferd als Fortbewegungsmittel (ja gar ein Auto) zu haben oder auch einen Blog zu betreiben.
    Das ist alles nicht Natürlich!
    Daher müssten wir alle in einer Höhle leben, täglich sammeln, anbauen und jagen um zu überleben und mit 27 an einem Blinddarmdurchbruch sterben.
    Daher frage ich Sie: Wenn das alles nicht Natürlich ist, warum greifen Sie dann ausgerechnet die Almbauern an?
    Wo beginnt die Natürlichkeit? Wo endet Sie? Was ist Natürlich?
    Ihr Artikel ist Hetze gegenüber Menschen die tagtäglich harte Arbeit verrichten und ein Schlag ins Gesicht für alle Landwirte Österreichs.

  3. Sabri says:

    Ich kenne zwar nur einen der beiden angeführten Autoren, aber von dem etliche sehr überzeugende Bücher, und die beurteilen auch andere als glaubwürdig: Kurt Kotrschal wurde 2010 in Österreich zum Wissenschaftler des Jahres gewählt.
    Martin Balluch wird heftig und keineswegs immer sachlich angegriffen wegen seiner Almkritik, steht mit ihr aber keineswegs alleine da.

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