Wildtiere

A Wolf Called Romeo – ein Buch von Nick Jans

Wenn mich jemand nach einem Anti-Jagd Buch fragt, würde ich ihm das Buch „A Wolf Called Romeo“ nennen, von einem Mann geschrieben, der selbst jahrzehntelang gejagt hat. Der Autor ist aus Begeisterung für die Wildnis als junger Mann von der Ostküste der USA nach Alaska gezogen, hat sich als Jagdgehilfe verdungen und schließlich 20 Jahre lang in der Wildnis mit Inuits gelebt und gejagt. Er habe von Kindheit an mit der Natur immer die Jagd verbunden, schreibt er, das habe er nie hinterfragt. Doch einige Erlebnisse ließen ihn zu zweifeln beginnen. So erinnert er sich, wie er ein Wolfspaar erschossen und gehäutet hatte. Als er Tage später zum Tatort zurück kam, saß dort das ganze Rudel um sein totes Elternpaar und trauerte, ein Anblick, der ihm tief ins Herz schnitt. Ein andermal begegnete er einem Marder, der sich ihm gegenüber so vertraut verhielt. Und schließlich wachte er einmal auf einem Jagdtrip inmitten einer Karibuherde auf, die sich in der Nacht um ihn herum niedergelassen hatte. Als er sich dann in eine vegane Tierrechtlerin verliebte, errichtete er mit ihr am Rand der Hauptstadt von Alaska ein Haus mit Blick auf die Wildnis und hängte das Jagdgewehr an den Nagel.

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Auf Du und Du mit den Bisons

Der Forstarbeiter hatte uns noch mit Händen und Füssen erklärt, dass die Bisons da drüben wären, „sus, sus!“, ganz oben. Wir machen uns auf den Weg. Schon nach wenigen Schritten knackt es laut im Unterholz. Ein Bison? Bei einer Sichtweite von 3 m sind wir lieber vorsichtig. Kuksi, mein kleiner Leibwächter, immer dicht dabei, bleibt jetzt hinter mir zurück. Also ziehen wir hinauf in den offenen, alten Wald. Schließlich erreichen wir einen kleinen Gipfel auf 1030 m Höhe. Hier breiten sich Wiesen aus, der ideale Lebensraum für die Bisons. Bald finden wir Kothaufen. Der erste ist ein paar Tage alt, der letzte schließlich ganz frisch. Und Fußspuren von Bisons sind hier auch jede Menge zu sehen. Doch keine Tiere.
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Zum Auswilderungsprojekt Europäischer Bisons im Tarcu Gebirge

Der Europäische Bison ist das größte Säugetier dieses Kontinents. Wo soll ein Wesen mit bis zu 1000 kg Körpermasse auf diesem vollgestopften Kontinent noch frei leben können? 1927 wurde der letzte seiner Art im Kaukasus von einem Jäger erschossen. Gerade einmal 54 Tiere gab es damals noch in verschiedenen Zoos. Dort wurde er gezüchtet und schließlich knapp 30 Jahre nach seinem Aussterben wieder ausgesetzt. Heute gibt es mehr als 3000 Bisons in Europa in Freiheit. Seit 2014 wird auch in den Südkarpaten, im Tarcu Gebirge, einem 60.000 Hektar umfassenden Natura 2000 Reservat, eine Auswilderung einiger Dutzend dieser Tiere angegangen. Ich habe mir das Projekt persönlich angesehen.
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So sieht die Bärenjagd in Rumänien aus!

In den Südkarpaten gibt es noch die ursprünglichen Raubtiere, verspricht eine Annonce in einer Jagdzeitschrift, über einen Jagdveranstalter kann man dort Bären schießen gehen. Großartige Trophäen werden versprochen, und das lockt den großen weißen Jäger aus Westeuropa und den USA. Oder auch die Jägerin, wie uns Melissa Bachmann beweist, siehe z.B. http://www.mirror.co.uk/news/world-news/melissa-bachman-sparks-outrage-after-2798136. Diese Dame schießt Löwen in Südafrika, und eine ganze Reihe anderer exotischer Tiere. Von einem eingerichteten Versteck aus. Und kommt aus dem Schwärmen ob ihres tollen Jagdglücks gar nicht mehr heraus.
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Die Atmosphäre der Wildnis

Seit langem gehen wir nun schon weglos durch den urtümlichen Wald. Riesige Buchen ragen hier auf, mit dicken Stämmen, die sich in bis zu 4 eigene Bäume teilen. Dazwischen abgestorbene Tannen, tote Baumleichen, die in der Hälfte ihrer Höhe abgebrochen sind. Die Reste vermodern im tiefen Waldboden. Langsam wird es düster. Weit und breit keine Lichtung zu sehen. Links unten eine Wasserstelle. Dort gibt es viele Spuren im morastigen Boden und tatsächlich, mitten drin, die von einem Bär.
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Wildniswanderung: wenn Kühe wild werden

Endlich haben mein Hundefreund Kuksi und ich wieder Zeit gefunden, in die Wildnis zu gehen. Was heißt Wildnis, wir waren 4 Tage in den Niederen Tauern in der Obersteiermark. Urwald gab es keinen, aber es ist durchaus auch heute noch möglich, 4 Tage lang in Österreich unterwegs zu sein, und weder eine Forststraße zu betreten, noch mehr als 3 Menschen zu treffen – und die nur am Anfang der Tour. Wir hörten zwar kein Wolfsrudel heulen und sahen keine Spuren von Bären – die hat man hier leider schon vor langer Zeit ausgerottet, aber wir begegneten Raben, Rehen, Gemsen, insgesamt 4 Schlangen (davon eine Kreuz- und eine Höllenotter) und einem Mäuschen auf 2300 m Seehöhe. Ja, und Kühen.
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Wildnis Teil 2: Die Natur ist nicht so grausam

Am bekanntesten ist vermutlich die Betonung des angeblichen Schreckens des Naturzustandes in Thomas Hobbes‘ „Behemoth“, in dem der Kampf alle gegen alle dargestellt wird und nur durch eine staatliche Zivilisation überwunden werden kann. Vom „survival of the fittest“ und „nature red in tooth and claw“ schreibt auch Richard Dawkins in seinem Buch „The Selfish Gene“. Und Immanuel Kant sieht sogar eine moralische Verpflichtung des Menschen darin, sich von der Natur loszusagen und staatlich zu organisieren, um die Freiheit erst zu ermöglichen. Die Natur sei also ein ständiger Kampf ums Überleben, grausam, brutal, kurzlebig. Auch die Giordano Bruno Stiftung spricht davon, wie grauenhaft es in der Natur zuginge, weshalb u.U. sogar angedacht werden müsste, zivilisatorisch einzugreifen. Heute merken wir diese Einstellung u.a. daran, dass Nutztiere in Tierfabriken weggesperrt und Haustiere, wie Hunde, aus immer größeren Bereichen der Gesellschaft verdrängt werden. Das bürgerliche Bedürfnis nach Sauberkeit umfasst eine Ablehnung von Tieren, eine Abgrenzung der Zivilisation von der Natur.
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„Das letzte Artensterben?“ – Sonderausstellung im Naturhistorischen Museum Wien

Artenschutz und Tierschutz sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Ruddy duck heißt eine Entenart aus Nordamerika, die in England aus der Gefangenschaft entkommen ist und sich nun in ganz Europa etabliert. Sie zeigt eine angeblich „aggressive“ Art und Weise sich mit anderen Entenarten zu paaren, insbesondere mit der seltenen südeuropäischen Entenart der White-headed ducks. Da Mischlinge zwischen diesen Entenarten in genetischer Sicht die reinrassige Erhaltung der Entenarten verhindern, wollen ArtenschützerInnen die Ruddy ducks in Europa wieder völlig ausrotten. Dabei geht es nicht, wie gesagt, um die physische Bedrohung der White-headed ducks, sondern nur um die Bedrohung von deren reinrassigen Status. Keine einzige Ente stirbt, sie haben nur Geschlechtsverkehr mit Enten einer anderen Art und daher Mischlingsnachwuchs anstelle von reinrassigen Kindern. Natürlich protestieren TierschützerInnen daher gegen dieses „Artenschutzprojekt“, Ruddy ducks in Europa auszurotten.
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Begegnung mit einer Schlange

P1000013kleinMein Opa in Tirol hat noch Giftschlangen gefangen, ihnen den Kopf abgeschlagen und dafür eine Prämie von der Landesregierung kassiert. Für ihn war jeder Bach, der die Tiroler Berge herunterstürzt und keine Kraftwerksturbinen antreibt, verlorene Energie. Nicht, dass ich meinen Großvater irgendwie bloßstellen oder lächerlich machen will. Das war einfach die Ansicht seiner Zeit: die Natur ist grenzenlos, sie sollte maximal für den Menschen nutzbar gemacht werden, und lästige oder gefährliche Tiere sind besser tot als lebendig, egal ob ihre Art dabei ausstirbt.

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Kurt Kotrschal: Wolf Hund Mensch

P1050633Dieses im Brandstätter Verlag erschienene Buch wurde zum besten österreichischen Sachbuch des Jahres 2012 gekürt. Es enthält sehr viele spannende Erkenntnisse über Wölfe und man spürt die Liebe des Autors zu diesen Tieren durch. Erfreulich, dass er dabei auch zu seinem Lehrer Konrad Lorenz in konstruktiver Weise in manchen Punkten auf Distanz geht, so zu Lorenz‘ Idee der Verhausschweinung des Menschen oder der strikten Dominanz im Wolfsrudel. Stattdessen, meint Kotrschal, sind Wolfsrudel egalitär organisierte, kooperative Familienverbände und es gibt keine hierarchischen Entscheidungen. Die Jüngeren würden sich an den Älteren orientieren, weil sie deren Altersweisheit schätzen. Die Wölfe halten sich an die Gruppenregeln, nicht etwa aus Angst vor Strafe, sondern weil ihr Stirnhirn, das im Alter von 2 Jahren ausgereift ist, ihnen die Kontrolle ihrer Emotionen ermöglicht. Zu Rudelrevolutionen kommt es fast nie, wenn, dann durch Zuwanderer und natürlich in Gefangenschaft. Im Rudel ist die Aggression sehr gering, doch zwischen den Rudeln gibt es manchmal sogar einen regelrechten Vernichtungskrieg. Für Mensch und Wolf sei eine Trennung in „Wir und die anderen“ typisch, nicht aber für Gänse und Pferde etwa. In einer nicht bejagten Wildnis gehen 60% aller Todesfälle bei den Wölfen auf das Konto solcher Nachbarschaftskonflikte. So komme es auch zu Kannibalismus unter den Wölfen – und zu einer Kontrolle der Populationsdichte.

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