Deutschland: neue Nerzfarmverordnung greift

Die Kampagne gegen Pelzfarmen in Österreich dauerte 1994-1998. Ich erinnere mich noch gut, wie man erst den Status Quo recherchieren musste, gab es doch keinerlei offizielle Informationen über Pelzfarmen und wo sie sich befanden. Der Konflikt erreichte mit der Besetzung des Büros des Landeshauptmanns von Niederösterreich, Erwin Pröll, seinen Höhepunkt im Februar 1998. Nach 5 Stunden, die wir angekettet in seinem Büro verbrachten, gestattete er uns eine Audienz und versprach, bis November 1998 die letzte Pelzfarm Österreichs zu schließen. Das war dann auch tatsächlich der Fall. Damals gab es noch in 3 Bundesländern die Möglichkeit, unter hohen Auflagen Pelztiere zu züchten, doch keine Farm nahm das auf sich, der internationale Preisdruck ließ sie schließen oder nach Tschechien wechseln. Mit dem neuen Bundestierschutzgesetz 2005 wurden Pelzfarmen endgültig verboten.

Doch Österreich war damit alleiniger Vorreiter. In Deutschland gibt es heute noch 19 Nerzfarmen, die zusammen 360.000 Nerze pro Jahr für die Pelzindustrie töten. Doch nicht mehr lange. Schon 2006 wurde eine neue Pelzfarmverordnung erlassen, die für die Haltung von Nerzen in Pelzfarmen hohe Auflagen vorschreibt. Die Käfige müssen, statt wie bisher 0,27 m², eine Bodenfläche von 3 m² für einen Nerz und 1 m ² pro weiterem Nerz im Käfig aufweisen sowie 1 m hoch sein. Zusätzlich müssen Rückzugsmöglichkeiten, ein Nestkasten und ein Schwimmbecken oder ein Sandbad vorhanden sein. Die Übergangsfrist für diese Verordnung lief am 11. Dezember 2011 aus. Doch einige Nerzfarmer, wie könnte es anders sein, klagten dagegen. Das Argument: das sei eine Einschränkung der freien Berufswahl und würde eine Inländerdiskriminierung von deutschen PelzfarmerInnen darstellen.

Zum Glück – und das ist leider keine Selbstverständlichkeit, so hebelte der österreichische Verfassungsgerichtshof mit solchen Argumenten das Verbot wildgefangene Singvögel öffentlich auszustellen aus – folgte das Gericht dieser Klage nicht sondern wies sie zurück. Ende Februar 2012 wurde so die Pelzfarm eines Züchters in Nettetal, Nordrhein Westphalen, geschlossen. Der Mann hat allerdings eine weitere Farm mit 15.000 Nerzen in Holland. Am 9. März wurden nun auch die Klagen zweier Pelzfarmer aus Hörstel und Borken vom Verwaltungsgericht in Münster zurückgewiesen und ihre Farmen geschlossen.

So weit so gut, doch ob jetzt alle Pelzfarmen Deutschlands geschlossen werden bleibt abzuwarten. In der Schweiz gibt es aufgrund hoher Auflagen schon seit den frühen 1990er Jahren keine Nerz- und Fuchsfarmen, aber offenbar sehr wohl noch Chinchillafarmen für die Pelzproduktion. Österreich hat, wie erwähnt, das weltweit erste echte Pelzfarmverbot eingeführt. Diesem Vorbild folgten England, Schottland, Nordirland und Wales. In anderen Ländern, wie Kroatien, gibt es Pelzfarmverbote, für die noch die Übergangsfristen laufen. Weitere Länder, wie Holland und Schweden, haben Teilverbote, d.h. in Holland sind Fuchs- und Chinchillafarmen, in Schweden Fuchsfarmen verboten.

Obwohl also die EU noch über 50% der weltweiten Pelzproduktion zu verantworten hat, regt sich etwas, der Spielraum für Pelzfarmen wird kleiner. Auch in Norwegen und Schweden sind weitere gesetzliche Verbote im Diskussionsstadium. Lähmend ist nur die unglaublich langsame Geschwindigkeit, mit der sich Tierschutz weiterentwickelt. Der Pelzhandel zeigt sich von den Pelzproduktionsverboten in Österreich und der EU allerdings mehr oder weniger unbeeindruckt.

2 thoughts on “Deutschland: neue Nerzfarmverordnung greift

  1. Susanne says:

    Stimmt, nur ein Verkaufsverbot kann wirklich etwas ändern. Leider sind die Menschen die Pelze kaufen offensichtlich nur schwer davon zu überzeugen, dass sie keinen Pelz brauchen und dass ein Pelzmantel sie auch nicht schöner macht. Es ist ein Statussymbol und bei solchen setzt der Verstand und das Mitgefühl total aus. Ich kenne eine Frau die wirklich sehr tierliebend ist und es auch schrecklich findet was man Tieren da antut, aber sie hat mehrere Pelzmäntel und die trägt sie auch stolz. Zwar sind die schon alt und damals als sie die Mäntel kaufte fragte sich noch kaum jemand wie sie entstehen, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie heute nicht auch wieder einen Pelzmantel kaufen würde.

  2. Andrea says:

    Schön zu sehen, dass wenigstens die Haltungsbedingungen verbessert werden, wenn sie auch den Ansprüchen dieser Tiere nie genügen werden. Ich empfinde Pelztierfarmen wirklich als den absoluten Horror und kann nur schwer nachvollziehen, wie Menschen das als selbstverständlich nehmen können. Pelz“produktion“ ist ja wohl das aller Unnötigste in den Tierqual-Top10. Wer braucht das? Wofür? Kann man schon lange durch Webpelze ersetzen, also wozu morden? Aber gut, anderer Themenkomplex.
    Was mich allerdings nicht wundert ist das Argument „das sei eine Einschränkung der freien Berufswahl und würde eine Inländerdiskriminierung von deutschen PelzfarmerInnen darstellen.“. Ich weiß ja nicht, aber andere Berufe und Tätigkeiten unterliegen auch Auflagen und Gesetzen, an die man sich halten muss bzw. innerhalb derer man zu agieren hat, punkt um! Was soll das? Im Übrigen wird der Pelzhandel weiter florieren, solange nur ein Produktions(!)verbot in manchen Ländern herrscht. Es müsste ein Pelzhandels- bzw. Einfuhrverbot geben. Aber dem armen Handel kann man ja keine Beschränkungen auferlegen, der hat ja bekanntlich alle Rechte und die Tiere nicht und deswegen verscherbelt z. B. auch „amazon“ weiter fröhlich Pelze.

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