Die AMA und die Schweine des Herrn Kowald

SchweinKowald

Schweine in der Tierfabrik von Josef Kowald, ÖVP-Bauernbundobmann der Steiermark

Josef Kowald, steirischer ÖVP-Bauernbundobmann, präsentierte seine Schweinefabrik als Vorzeigebetrieb. Durch einen Teil davon organisierte er sogar öffentliche Führungen und erhielt als besondere Ehrung eine Hoftafel der AMA. Diese Hoftafel wurde ihm nun entzogen. Verdeckt aufgenommenes Filmmaterial aus dem Bereich seiner Schweinefabrik, der der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, brachte dramatische Szenen zu Tage, siehe https://vgt.at/presse/news/2013/news20130925mh.php. Obwohl man natürlich sagen muss, dass diese Schweinefabrik nicht irgendwie schlimmer als andere Schweinefabriken wäre. Die Dramatik des normalen Schweinealltags in diesen Tierfabriken eben.

Wir präsentierten diese Ergebnisse in einer Pressekonferenz Ende September 2013. Ende November wurde das Thema von der ORF-Sendung „heute konkret“ aufgegriffen. Und die AMA reagierte: Live in der Sendung erklärte ein AMA-Sprecher, dass dem Betrieb die Hoftafel entzogen werde. Auch die Supermarktkette REWE strich ihn als Lieferanten aus ihrer Liste. Man durfte annehmen, dass die Schweine von Kowald nun auch nicht mehr als AMA-Schweine geführt werden. Doch weit gefehlt, schuld sind die TierschützerInnen, die da heimlich gefilmt haben. Auf Anfrage kam folgendes Schreiben von der AMA zurück:

Sehr geehrter Herr XXX,

danke für Ihr Mail. Allerdings muss ich Ihnen etwas mitteilen, was Sie im ersten Moment wohl schockieren wird. Aber ich denke, es entspricht unserem Auftrag, Sie transparent zu informieren.

Dem Betrieb Kowald hat die AMA-Hoftafel entzogen, nicht jedoch die Lizenz, um in das AMA-Gütesiegel zu liefern. Die AMA-Hoftafel bekommen Betriebe, die mehrere Kontrollen durch die AMA ohne jegliche Beanstandung bestehen. Bei Herrn Kowald gab es bei der letzten Kontrolle Beanstandungen, die Hoftafel wurde daher entzogen. Herrn Kowald wurden nach der letzten Kontrolle Maßnahmen verordnet, die er zur Betriebsverbesserung erfüllen muss. Dies wird auch wieder kontrolliert. Aber wie gesagt, Herr Kowald darf nach wie vor in das AMA-Gütesiegel liefern. Warum das? Die Beanstandungen haben einen Ausschluss des Betriebes nicht gerechtfertigt. Das AMA-Gütesiegel regelt viele Bereiche und das auf allen Ebenen der Lebensmittelkette. Auf landwirtschaftlicher  Ebene ist Tierhaltung ist EIN Teil des AMA-Gütesiegels. Daneben gibt es aber auch Vorschriften zur Fütterung, zum Einsatz von Arzneimitteln, zur Dokumentation der Herkunft, und und.

Das wird Sie angesichts der Fotos, die vom Betrieb Kowald existieren, wohl schockieren. Tatsächlich stammen diese Fotos von Tierschutzorganisationen, die unter zweifelhaften Bedingungen entstanden sind. Oftmals wird für das Zustandekommen solcher Fotos nächtens in Ställe eingebrochen. Das ist für die Schweine extrem belastend, sie fürchten sich, wenn fremde Menschen mit fremden Stimmen sie mitten in der Nacht aus dem Schlaf reißen und wie wild fotografieren. Sie müssen sich das in etwa so vorstellen, als wenn bei Ihnen um 3 Uhr in der Früh eine wildfremde Person neben dem Bett steht und fotografiert. Ich sehe da sicher auch nicht besonders glücklich aus…

Nichts desto trotz entbinden uns solche Vorfälle nicht davon, grundsätzlich über Tierhaltung zu sprechen. Und dafür muss ich ein bisschen ausholen (ich hoffe, Sie gönnen mir die Zeit). Erlaube mir dazu einen vielleicht philosophisch anmutenden Zugang: Viele Konsumenten wünschen sich einen „Fleisch-Ferrari“ mit den allerhöchsten Standards in der heimischen Produktion, sind aber oftmals nicht bereit, einen VW zu bezahlen. Und wenn ein billiger Lada ohne nachvollziehbare Herkunft zur Auswahl steht (bei dem die Produktion durchaus zu hinterfragen ist), dann ist die Ethik oftmals ganz vergessen. Fleisch kostet heute gleich viel wie vor 20 Jahren. Die Ausgaben für Lebensmittel waren noch nie so niedrig wie heute: Während wir vor 50 Jahren rund die Hälfte des Haushaltseinkommens für Lebensmittel ausgaben, liegen wir heute bei 12 Prozent. Die Durchschnittsausgaben für Frischfleisch pro Kopf und Monat liegen bei sieben (!) Euro. Ein Kilo Schweinefleisch ist billiger zu bekommen als eine Tube Zahnpasta.

Was ich damit auch sagen will: Jeder Konsument stimmt mit jeder einzelnen Mahlzeit über Land- und Lebensmittelwirtschaft ab. Ich will die Verantwortung nicht zurückschieben, den wir haben eine und nehmen die auch wahr, zb in dem wir freiwillige Module für besonderes Tierwohl anbieten. Die harte Realität zeigt uns aber, dass diese Mehrkosten oft nicht gebilligt werden und dieses Fleisch im Regal liegen bleibt…. Ich glaub es ist an der Zeit, wieder über den Wert von Lebensmitteln nachzudenken.

Wenn Sie Zeit und Lust haben, freu ich mich auf eine Rückmeldung.
Mit besten Grüßen

Manuela Schürr
AMA-Marketing
Unternehmenskommunikation
Dresdner Straße 68a
1200 Wien
01/33151-404
manuela.schuerr@ama.gv.at

11 thoughts on “Die AMA und die Schweine des Herrn Kowald

  1. Mittermayr says:

    Es wäre interessant zu erfahren, ob diese Fr. Schürr auch selbst AMA Produkte konsumiert !? Vor 12 Jahren hab ich schon von einem gerichtl. beeid. SA für Lebensmittel erfahren, dass dieses AMA Siegel für den A“Friedrich“ ist und eben nur Marketingstrategie. Im Schreiben selbst verwendet sie oft die gleichen Ansagen wie der „AMA Chef“ aus der Fernsehdoku……..Eine LEBENSVERACHTENDE BAGAGE in meinen Augen……

  2. Pingback: terrance
  3. Interessant daran ist, dass die Leute in der Gegend sich über den Betrieb beschweren, weil die ganze Gegend permanent stinkt. Wenn man auf der Straße geht, stinkt man danach. Man muss sich fragen, ob hier nicht auch eine Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung besteht. Man sollte diese Bauern in den Stall sperren.

  4. karin penhofer says:

    Wenn ich das sehe was hier mit den Tieren passiert,blutet mir das Herz. Darum bin ich auch vegetaria (veganer). Für mich sind das keine Bauern…sondern profitgeile Ärsche…..und die Tiere leidet darunter. Tierfabriken wie die von Josef Kowald und alle anderen müssen geschlossen und in Zukunft verboten werden. He Leute…. bitte denkt mehr auf die armen Tiere …sie sollen ein glückliches Leben haben und nicht unter Menschenhand leiden müssen. Ernährt euch lieber gesund.
    Lg

  5. Wirtschaft hat mit Werte schaffen überhaupt nichts zu tun.

    Erklärung Wirtschaft: Das Wort Wirtschaft wird von Wirt im Sinne von Gastgeber und bewirten im Sinne von (ein-)schenken abgeleitet und ist die deutsche Übersetzung des altgriechischen Wortes οἰκονόμος oíkonomos (von altgriech. οἶκος oíkos ‚Haus‘ und νόμος nomos ‚Gesetz‘ oder ‚Regel‘, ursprünglich: νέμω nemein: ‚zuteilen‘/‚entscheiden‘) das Haushälter oder eben Wirt bedeutet. Davon leitet sich auch das deutsche Wort Ökonomie ab. In genau diesem Sinne beschäftigt sich die ökonomische Theorie mit den Gesetzmäßigkeiten des Wirtschaftshaushalts.

    Quelle: Wikipedia

  6. Roland says:

    Re Chris „Landwirtschaft“:
    „Landwirtschaft“ kommt von „Land bewirtschaften“, und „wirtschaften“ kommt von „Werte schaffen“. Aber diese Zyniker machen das Gegenteil, sie zerstören systematisch die höchsten Werte: Die Würde und das Leben von Lebewesen, Lebensmittel, Umwelt, sowie ihren letzten Funken Anstand, Selbstachtung und Glaubwürdigkeit.

  7. Schreiner Christine says:

    Ich würde Fleisch mit AMA – Gütesiegel auf keinen Fall empfehlen! Ich kaufe es auf jeden Fall nicht!

  8. Grand Blanc says:

    Selbst bei der unverfrorenen AMA wird diese Sprecherin nicht alt werden!

  9. Dominik says:

    Der Abschuss ist der Entschuldigungsbrief der AMA:

    „Das wird Sie angesichts der Fotos, die vom Betrieb Kowald existieren, wohl schockieren. Tatsächlich stammen diese Fotos von Tierschutzorganisationen, die unter zweifelhaften Bedingungen entstanden sind.“

    Das ist noch eine Untertreibung! Die Bedingungen in Tier-KZs sind einfach katastrophal, selbst wenn man nicht gleich schwerverletzte Tiere sieht.

    „Oftmals wird für das Zustandekommen solcher Fotos nächtens in Ställe eingebrochen. Das ist für die Schweine extrem belastend, sie fürchten sich, wenn fremde Menschen mit fremden Stimmen sie mitten in der Nacht aus dem Schlaf reißen und wie wild fotografieren.“

    Wenn man sich das Video anschaut sieht man, dass die Tiere völlig ruhig sind. Möchte nicht wissen, wie sie beim Bauern reagieren, wenn der mal wieder seinen Frust an einem Schwein auslässt.

    „Sie müssen sich das in etwa so vorstellen, als wenn bei Ihnen um 3 Uhr in der Früh eine wildfremde Person neben dem Bett steht und fotografiert. Ich sehe da sicher auch nicht besonders glücklich aus…“

    Ich weiß nicht: wenn ich irgendwo eingesperrt bin und auf einmal Menschen kommen, die sich für mich interessieren und meine Situation verbessern wollen, dann werd ich auf gerne direkt in meinem Bett fotografiert – Hauptsache man hilft mir!

    Einfach nur widerwärtig, wie die AMA hier versucht, die Tierschützer als die Bösen dastehen zu lassen.

  10. Chris says:

    1. Ist es eine Irreführung wenn immer von Landwirtschaft gesprochen wird, wenn ein Betrieb vorwiegend Tierhaltung betreibt.
    Ein Bauer baut an und ein Landwirt bewirtschaftet Land.

    2.) Es ist ein Hohn ein Lebewesen in qualvoller Gefangenschaft als “ nicht glücklich aussehend“ zu beschreiben WEIL der Helfer ein Foto macht.

    3.) Konsumenten wäre es wohl lieber, wenn Schlachthöfe und Tiergefangenenhäuser stets von der Öffentlichkeit überwacht werden könnten.

    “ Ich glaub es ist an der Zeit, wieder über den Wert von Lebensmitteln nachzudenken. “
    Stimmt und zum Glück erkennen immer mehr Menschen, Fleisch von toten Tieren ist kein LEBENS-Mittel.

  11. Doris lege says:

    Ich fined diesel ant wort eine bodenlose Frechheit ,Schweine fürchten sich vor fremden Stimmen ?! Was soll das?!aber uns Konsumenten kann man voll verarschen ,denn nichts anderes ist das

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