Erfolgreiche Jagdsabotage in NÖ

Jagdsabotage – was für meine Ohren völlig harmlos klingt, schien der Tierschutz-SOKO offenbar ein geeignetes Wort, um unbedarfte RichterInnen gegen uns aufzubringen. Wie sonst lässt sich erklären, dass Jagdsabotagen zur Zeit der U-Haft laufend als Hinweise gegen uns vorgebracht wurden, wir seien eine kriminelle Organisation. Ein SOKO-Mitglied übersetzte Nerzjagdsabotage gleich mit „Zerstörung einer Nerzfarm“ und ein anderes hielt die englische Abkürzung HSA für „Hunt Saboteurs‘ Association“ für ein anderes Wort für ALF.

Jagdsabotage, oder auf Englisch hunt sabotage, wurde in England entwickelt. Schon 1963 gründete der Journalist John Prestige die Hunt Saboteurs‘ Association (HSA) und Anfang 1964 begann sie ihre Tätigkeit, nämlich die mittlerweile verbotenen Hetzjagden hoch zu Ross mit Hundemeuten der adeligen GroßgrundbesitzerInnen auf Füchse, Nerze, Hasen, Rehe und Hirsche zu behindern. Mit Zitronelladuft, falschen Fährten, fingiertem Hundegebell und dem Jagdhorn wurden die Hundemeuten verwirrt, damit sie die Spur ihrer Opfer verlieren. Ich selbst war viele Jahre lang im Vorstand der HSA tätig.

Nach Österreich wurde der Begriff Jagdsabotage importiert und steht für Störungsaktionen von Treibjagden. Statt mit Hundemeuten werden die Tiere hierzulande von TreiberInnen gehetzt und von den JägerInnen beschossen. Im Herbst finden solche Treibjagden landauf landab praktisch überall statt. Ob auf Hasen oder Fasane, auf Rebhühner, Rehe, Füchse, Wildschweine Marder, Hirsche oder Gemsen, mit der Hilfe von TreiberInnen können auch die ungeübtesten SonntagsjägerInnen einen Treffer landen. Insbesondere mächtige PolitikerInnen und reiche Konzernchefs lassen sich diesen Spaß viel Geld kosten. Mangels ausreichendem Nachschub an Opfern werden 300.000 Fasane und Rebhühner pro Jahr in Österreich gezüchtet, die bereits seltenen Feldhasen aus Ungarn importiert und selbst Rehe und Hirsche mit LKWs aus Zuchtgattern angekarrt. Für genügend Geld lässt sich alles regeln. Und Wildschweine mästet man regelrecht an riesigen Futterstellen, um sie dann als „Schädlinge“ „bekämpfen“ zu können. Naja, über die Jagd ließe sich viel sagen. Treibjagden sind in jedem Fall Tierquälerei, weil sie große Angst unter den Tierpopulationen verbreiten, alle Tiere ohne Unterschied beschossen werden und die verletzten Tiere im Chaos meist entkommen, um dann später über Tage hinweg langsam zu sterben.

Aus diesen und anderen Gründen gehen TierschützerInnen in Österreich mindestens seit Ende der 1980er Jahre auf Jagdsabotage. Ungefährlich ist das Ganze auch nicht. In England starben bereits mindestens 3 TierschützerInnen bei der Konfrontation mit JägerInnen, in Österreich wurde im Herbst 1991 ein Aktivist in Vitis im Waldviertel bei einer Jagdsabotage in den Bauch geschossen.

Die SOKO versuchte Jagdsabotagen massiv zu kriminalisieren. Tatsächlich führte die Tierschutzcausa zu einer vorübergehenden Unterbrechung dieser Aktivitäten. Im Herbst 2007 ging Polizeispitzel Danielle Durand ganze 10 Mal mit TierschützerInnen auf Jagdsabotage. In den Folgejahren blieb es – leider – dagegen ruhig. Nicht so heuer. Kürzlich sammelten sich 20 TierschützerInnen in den frühen Morgenstunden und fuhren nach einem Hinweis in den Süden von Niederösterreich. Tatsächlich stießen die AktivistInnen bald auf eine Treibjagd. In einem Waldgebiet sollten Rehe, Füchse, Marder und Wildschweine geschossen werden. Dazu verwendet man Gewehre, die mit je einem Lauf Schrot und schwere Geschoße abfeuern können. Die etwa 30 Schützen hatten gerade quer durch den Wald in einer Reihe Aufstellung genommen, die TreiberInnen kamen mit großem Lärm auf sie zu. Da griffen die TierschützerInnen ein, indem sie sich mit Regenschirmen zu den JägerInnen stellten und ihnen die Sicht für den Schuss nahmen. Andere TierschützerInnen liefen laut rufend den TreiberInnen entgegen. Bald schon wurde die Jagd abgebrochen, ohne dass noch ein einziger Schuss gefallen war. Die JägerInnen sammelten sich und riefen die Polizei. Allein, diese kam nicht, sie hatte offenbar Wichtigeres zu tun, als gelangweilten Grünröcken zu ermöglichen, auf harmlose Tiere zu schießen. Nach etwa 2 Stunden Diskussion mit den TierschützerInnen, bei der es ziemlich heiß herging, gaben die JägerInnen auf und zogen unverrichteter Dinge wieder ab nach Hause. Zumindest für diesen Tag hatten die Tiere im Wald wieder ihre Ruhe.

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