New Scientist vom 15. August 2020 zum Coronavirus als Beispiel

Das renommierte Naturwissenschaftsmagazin New Scientist, das wöchentlich erscheint, versucht von den aktuellsten Entwicklungen in der Wissenschaft zu berichten, hat aber die Klimakrise seit vielen Jahren als prioritäres Thema. Nun hat sich das Coronavirus dazu gesellt und wird in praktisch jeder Ausgabe behandelt. Ich stimme ethisch (viel zu wenig Tierschutz) und auch philosophisch (viel zu positivistisch und technikgläubig) mit vielem aus der Redaktion dieses Magazins nicht überein, aber ich vertraue sehr auf die präsentierten Ergebnisse wissenschaftlicher Studien. Als Beispiel für die Coronaberichterstattung, zitiere ich hier aus einer einzigen Ausgabe, nämlich vom 15. August 2020.

Zunächst das Editorial:

Hier geht es um die mangelnde öffentliche Akzeptanz des hoffentlich demnächst fertigen Coronaimpfstoffes. Aber dabei sagt die Chefredaktion auch, dass eine signifikante Minderheit offenbar erschreckend resistent gegen wissenschaftliche Fakten ist, und meint damit diejenigen, die die Coronagefahr ideologisch kleinreden.

Es gibt 3 mehrseitige Artikel zur Coronaforschung. Da ist einmal jener über den Impfstoff:

Hier geht es nicht darum, ob und wann ein wirksamer Impfstoff kommen wird, sondern darum, dass dieser nicht nur den reichsten Ländern zumindest prioritär zur Verfügung gestellt werden darf. Tatsächlich gibt es offenbar eine globale Koalition von 170 Ländern mit zusammen 4,5 Milliarden Einwohner_innen, die eine faire Verteilung des Impfstoffes weltweit gewährleisten wollen. Die ärmsten 92 Länder sollen den Impfstoff kostenlos bekommen.

Die WHO sieht folgende Prioritäten vor:

Weiters gibt es einen langen Artikel über statistische Analysen der vorhandenen Coronadaten aus England und Wales vom 7. März bis zum 26. Juni 2020. Insbesondere ist dabei folgende Kurve interessant:

Es gibt einen sehr deutlichen exponentiellen Anstieg der Wahrscheinlichkeit mit dem Alter, an Covid19 zu sterben. Und zwar nicht, wenn man es einmal bekommen hat, sondern überhaupt, dass man es bekommt und dann daran stirbt. Alle 20 Altersjahre steigt die Wahrscheinlichkeit um einen Faktor 10, also 35 Jährige sterben um einen Faktor 10 wahrscheinlicher als 15 Jährige, 55 Jährige um einen Faktor 100, 75 Jährige um einen Faktor 1000 und 95 Jährige um einen Faktor 10.000. Männer sterben doppelt so wahrscheinlich wie Frauen. Von den über 90 Jährigen sind in dieser Zeitspanne 2 % an Covid19 gestorben, also jeder 50te. Das sind um 2/3 mehr Tote als ohne Corona im selben Zeitraum in anderen Jahren, d.h. eine ganz deutliche Erhöhung.

Aber es gibt auch einen Artikel, der die Isolationsmaßnahmen (aber nicht die Schutzmaske) kritisch betrachtet. Nicht dahingehend, ob die Isolation wirksam war, was eh selbstverständlich ist. Sondern dahingehend, dass soziale Isolation eine Kaskade von auch gesundheitlichen Problemen hervorrufen kann:

Dazu auch eine interessante Feststellung aus den USA:

Gemeinschaften mit mehr sozialem Zusammenhalt hatten zuerst einen höheren Anstieg von Coronafällen, dann aber auch einen schnelleren Rückgang, weil sie rascher Isolationsmaßnahmen umgesetzt haben.

Zuletzt die aktuellsten Zahlen aus Österreich:

Der Anstieg von Coronainfektionen in Österreich sieht schon ähnlich wie jener am Höhepunkt der Krise Ende März aus.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Die Gefahr durch das Coronavirus

Ich denke wir sitzen bei Corona alle im selben Boot: wir wollen keine gefährliche Krankheit riskieren, wir wollen aber auch...

Ich finde Schutzmasken super

Mein persönlicher Zugang zu dieser Coronakrise war und ist, dass ich mich in wissenschaftlichen Magazinen wie dem New Scientist über...

The presence of wolves REDUCES animal suffering

Tobias Leenaert is at it again. Speaking about wolves coming back into Europe, his strict utilitarianism led him to the...

Schließen