Vollspaltenboden

Anna, Botschafterin für die Schweine auf Vollspaltenboden

Der Unterschied ist wie Tag und Nacht: Schweine in der Tierfabrik und Schweine in Freiheit. In der Schweinefabrik der depressive Blick, bewegungslos, ein Schatten ihrer selbst. In Freiheit voller Tatendrang und Energie, eigene Persönlichkeiten. In der Diskussion über die Haltung von Schweinen fehlt die Sicht der einzig wirklich Betroffenen, nämlich der Schweine selbst. Sie muss man fragen, was sie wollen. Doch die Judikatur sieht Schweine als Sachen. Trotz aller positiven Entwicklungen zu Tierschutz in den letzten Jahren bleiben Tiere gesetzlich wie leblose Gegenstände, ihre Gefühle, ihre Interessen, ihre Wünsche sind inexistent.

Hier kommt Annas Rolle zum Tragen. Sie hat die ersten Monate ihres Lebens in einer grauenhaften Schweinefabrik verbracht. Mit allen schrecklichen Konsequenzen. Sie hatte fürchterliche Wunden an den Beinen, hatte riesige Eiterbeulen, und wurde von den anderen Schweinen gemobbt, zu sehen an den Kratzern und Bissspuren überall an ihrem Körper.

So wurde sie von Tierschützer:innen entdeckt. Es war klar, Anna wird die nächsten Tage oder Wochen in der Schweinefabrik nicht überleben. Sie war in einem erbärmlichen Zustand. Besonders schlimm stand es um ihre Hinterbeine. Da befanden sich mehr als 5 cm große, offene Wunden darauf. Die Gelenke furchtbar angeschwollen, war der Vollspaltenboden zu viel für ihren geschundenen Körper.

Die Tierschützer:innen nahmen sie also einfach mit. Das Gesetz, das Tieren jedes Gefühl abspricht, nennt das eine „Dauernde Sachentziehung“. Die Sache, die da entzogen wird, ist Anna. Und sie wird jenem Menschen entzogen, der dafür verantwortlich ist, dass sie in diesem schlimmen Zustand war. § 135 (1) des Strafgesetzbuches. Darauf stehen 6 Monate Haft. Wir nennen das eine Befreiung. Die Rettung eines Tieres aus größter Not. Welcher Mensch mit Herz und Hirn könnte das anders sehen? Das Gesetz hinkt dieser Wahrheit weit hinterher.

Anna landete noch in derselben Nacht in einer veterinärmedizinischen Notaufnahme. Das musste alles heimlich geschehen, die Tierärztin war eingeweiht. Sie riskierte ihre Zulassung. Die Behandlung war nicht einfach. Würde Anna überleben? Ein anderes Schwein namens Paul war nur kurze Zeit davor, ebenfalls aus einer Schweinefabrik gerettet, trotz aufopfernder Pflege verstorben. Das sollte bei Anna nicht passieren. Wochenlang wurden ihre Eiterbeulen regelmäßig aufgeschnitten, ausgequetscht und eingeschmiert, sowie ihre Wunden an den Beinen versorgt.

Bis sie schließlich endlich nach draußen durfte und zu leben beginnen. Wer sie in der Tierfabrik gesehen hat, und dann später im Stroh, auf der Wiese und im Wald, wird zustimmen, dass das ein ganz anderes Wesen ist. Erst in Freiheit kann sie ihre volle Persönlichkeit entfalten, kann sie überhaupt irgendetwas über ihr Leben selbst entscheiden. Und dass sie ein Lebewesen mit einem reichen emotionalen Spektrum und einem sehr starken eigenen Willen ist, merkt man sofort.

Heute hat sie Zugang zu einem großen Stall mit zahlreichen, tief mit Stroh eingestreuten Buchten, die alle für sie offen stehen. Sie kann sich aussuchen, wo sie schlafen will. Mit ihr leben dort 3 andere Schweine. Aber die Stalltüre steht immer sperrangelweit offen. Sie kann jederzeit hinaus, egal welches Wetter, um sich im Gatsch zu suhlen, über die Wiese zu laufen oder sich an einem Baum zu reiben. Sie kann mit anderen Schweinen kommunizieren oder sich alleine zurück ziehen. Ich durfte sie dabei schon viele Stunden beobachten.

Manche Schweine sind Frühaufsteher. Anna nicht. Sie schlaft immer bis mindestens 8:30 Uhr. Dann frühstückt sie ausgiebig im Stall. Sie genießt Obst und Gemüse und isst am allerliebsten Erdbeeren. Dann läuft sie hinaus ins Freie. Dort hat sie viel zu tun, bis sie zu Mittag wieder für eine Siesta in den Stall zurück kommt. Nach dem Schläfchen gehts wieder hinaus. Dort isst sie dann ihr Mittagsmahl: Obst. Manchmal gibt es noch ein Nachmittagsnickerchen. Den Abend bis in die Dunkelheit verbringt sie wieder irgendwo im Freien. Sie geht erst sehr spät zu Bett, nie vor 22 Uhr.

Die Betreiber:innen von Schweinefabriken glauben, sie würden Schweine kennen. Sie werfen uns Tierschützer:innen vor, ahnungslos zu sein. Gegenfrage: wissen diese Leute, welche ihrer Schweine Frühaufsteher und welche Langschläfer sind? Wissen sie, welches Obst welches Schwein lieber isst als anderes? Wissen sie, welches ihrer Schweine wann gerne schlafen gehen würde? Und ob sie lieber allein oder in Gemeinschaft sind? Und welche der Schweine sich mögen und welche sich gegenseitig nicht ausstehen können?

Sind wir uns ehrlich: wer Schweine nur als Fleischlieferanten sieht, weiß nur, wieviele Prozent von ihnen welche Haltungsform wie lange überleben und welches Futter am schnellsten zu Fleischansatz führt. Fertig, aus. Die wahren Persönlichkeiten der Schweine sind diesen Menschen vollkommen unbekannt. Sie dürften eigentlich gar nicht mitreden, wenn es darum geht, welche Mindestanforderung die Haltung von Schweinen gesetzlich erfüllen sollte.

Wer zuhören kann, dem wird Anna erzählen, was der Vollspaltenboden für eine Katastrophe ist. Und was Schweine wirklich brauchen, um wenigstens ein Minimum an Lebensqualität zu bekommen. Anna sollte eigentlich beim Hearing im Parlament für das Tierschutzvolksbegehren sprechen. Ihre Sicht ist die einzige, die wirklich zählt. Und niemand von uns hat ihren Erfahrungsschatz, um das Leben auf einem Vollspaltenboden mit dem in einer tief eingestreuten Bucht zu vergleichen.

Schweine, vom Vollspaltenboden gerettet

Letztes Wochenende habe ich wieder einmal das Tierparadies Schabenreith am Ziehberg bei Kremsmünster besucht. Eigentlich war ich in professioneller Mission, bin aber im Tierparadies über Nacht geblieben. Ich kenne die Betreiber:innen schon viele Jahrzehnte. Und da ich mich ja gerade gegen die Haltung von Schweinen auf Vollspaltenboden engagiere, habe ich viel Zeit auf der Wiese bei den geretteten Tieren verbracht. Man kann dabei immer etwas lernen.

Immer wieder kommen gerettete Schweine ins Tierparadies, zeitweise waren 26 Schweine dort. Nach dem Tod eines 14 jährigen Tieres sind es aber jetzt nur mehr vier. Die Schweine leben in einem geräumigen Stall mit einigen Buchten mit tiefer Stroheinstreu. Sie können sich aussuchen, in welche Bucht sie sich legen. Alle sind permanent offen. Ebenso offen ist die Stalltüre. Die Schweine können also jederzeit hinaus. Und dort erwarten sie 4 ha Wiese. Das ist so groß, dass man die Tiere suchen muss, wenn sie dort herum streunen. Da gibt es auch Büsche und Bäume, später im Jahr wird das Gras so hoch, dass die Schweine darin verschwinden.

Ich habe mich einfach zu ihnen gesetzt und sie still beobachtet. Zwei sind gute Freunde, die sich absondern. Die anderen beiden sind eher Einzelgänger, sie treten aber mit Menschen sehr gerne in Kontakt. Sie mögen es, gestreichelt zu werden, und sie kuscheln auch gerne.

Hier heraußen in der frischen Bergluft, abseits von Straßen und Menschen, atmen wir alle freier. Es ist eine Welt für sich. Ein Paradies eben. Schon zeitig in der Früh kommen die Schweine heraus und streunen durch die Wiese. Sie wühlen im Boden, schmatzen und grunzen, und scheinen auch Gras zu essen. Über Stunden hinweg untersuchen sie hochkonzentriert und dabei sichtlich vergnügt ihre Umgebung. Wenn die Sonne hoch am Himmel steht, dann kommen alle vier Schweine zur Siesta in den Stall. Sie vergraben sich im tiefen Stroh und schlafen. Am Nachmittag dann, nach einem ausgiebigen Mal mit frischem Obst und Gemüse, gehts wieder hinaus in die Wiese. Dabei kann man die Schweine auch fröhlich galoppieren sehen, und springen, wie Ziegenböcke.

Alles, wirklich alles, was Schweine ausmacht, können sie in der Tierfabrik auf Vollspaltenboden nicht ausleben. Es beginnt schon damit, was sie dort zu essen bekommen. Ein undefinierbarer Fraß, in völlig verdreckten Trögen, meistens mit Kot vermischt, der darin schwimmt. Da die Schweine dort so eng stehen, können sie nur kacken, wo sie gerade sind, und das ist manchmal über dem Futtertrog. Bei den Schweinen im Tierparadies habe ich keinen Kot gesehen. Das Stroh war sauber und roch angenehm. In der Schweinefabrik ist alles mit Kot verklebt und es stinkt so unerträglich nach Ammoniak, dass einem die Atemwege brennen. Im Tierparadies schlafen die Schweine im weichen, tiefen Stroh, oder liegen draußen auf dem Gras in der Wiese. In der Schweinefabrik gibt es nur den Betonboden mit scharfkantigen Spalten. Im Tierparadies sind die Tiere, bis auf die Siesta, ständig unterwegs und untersuchen mit großem Interesse ihre vielgestaltige Umgebung. In der Schweinefabrik gibt es nur einen kahlen Boden und kahle Wände, sonst gar nichts. Auf der 4 ha großen Wiese kommen sich nur Freunde unter den Schweinen nahe. In der Tierfabrik kleben sie gezwungenermaßen aufeinander, mit 0,55 m² Bodenfläche pro 85 kg schwerem Schwein. Da muss man ja aggressiv werden, und kann den Wutausbrüchen der anderen Tiere – bei Menschen würden wir Hüttenkoller dazu sagen – nicht entkommen. Im Tierparadies können die Schweine in der Sonne baden, ins Abendrot blinzeln oder den Morgentau von den Blättern lecken. In der Tierfabrik gibt es keine Sonne, keine frische Luft, keine grünen Pflanzen und keinen Morgentau. Das ganze Leben nicht. Die Schweine im Tierparadies sind nicht verletzt. Manche laborieren noch von ihren Wunden aus der Zeit auf dem Vollspaltenboden. Aber die typischen Kratz- und Bisswunden, die in der Schweinefabrik allgegenwärtig sind, sowie die geschwollenen Gelenke und das ständige Husten, bleiben im Tierparadies aus. Hier werden die Tiere gut 15 Jahre alt.

Die Schweineindustrie und ihre Lobby in der ÖVP sagen gerne, wir Tierschützer:innen wüssten nichts von Schweinen. Dabei bin ich mir sicher, dass weder die Landwirtschaftsministerin Köstinger noch der Sprecher der Schweinebörse Schlederer je, so wie ich gerade eben, 2 Tage mit Schweinen auf der Wiese verbracht haben. Ich bin mir sicher, niemand aus der Schweineindustrie kennt die Interessen und den Tagesablauf von freien Schweinen. Stattdessen wissen sie, wieviel Antibiotika notwendig sind, um die Todesrate in der Tierfabrik unter 15 % zu drücken. Und sie wissen, wieviel von welchem Fraß man verfüttern muss, um maximale Zuwachsraten an Körpermasse zu erreichen. Nur, das hat in Wahrheit mit Schweinen nicht viel zu tun.

Ich komme von diesen zwei Tagen nachdenklich und aufgebracht zurück. Nachdenklich stimmt mich das ungeheuerliche Ausmaß an Leiden, das wir mit dem Vollspaltenboden diesen Tieren antun. Versetzt man sich nur ein bisschen in die Schweine hinein, mit dem Wissen über sie von den Artgenossen im Freien, dann kann man eigentlich nur weinen. Wütend macht mich deswegen diese totale Ignoranz seitens der ÖVP und der Schweinelobby. Woche für Woche deckt der VGT neue Fakten aus Schweinefabriken auf, und wo man hinsieht herrscht brutale Kälte. Weniger Sadismus – obwohl das auch – sondern mehr die komplette Unfähigkeit, mit diesen Wesen mitzufühlen, sich in sie hinein zu versetzen. Man bietet den Tieren nur das absolute Minimum, sodass nicht mehr als 15 % an der Haltung sterben, und der Rest gerade noch bis zum Schlachthof überlebt. Alles orientiert sich an der Profitmaximierung. Ein System ohne Herz und Hirn.

Wir müssen das ändern.

Tierschutzgipfel zu Schweinen

Am 15. Dezember 2020 fand nun endlich der lang ersehnte Tierschutzgipfel zu Schweinen statt. Er hätte schon vor Monaten stattfinden sollen, doch Corona kam dazwischen. Jetzt, im Lockdown, ging das Treffen sowieso nur noch online. Etwa 60 Personen waren anwesend, darunter nur 3 aus dem Tierschutz, und 2 davon vom VGT. Einer davon wiederum war ich.

Unter einem Tierschutzgipfel zu Schweinen stellt man sich einen offenen Meinungsaustausch vor, politisch (im Sinne von einer Diskussion der Forderungen an die Regierung) wie fachlich. Doch in Wahrheit gab es 3 Fachvorträge und lediglich 2 Wortmeldungen. Eine davon kam von mir. Nach 3 1/2 Stunden blieb man also reichlich unbefriedigt zurück. In Zukunft sollten die Tierschutzgipfel viel mehr Zeit für Diskussionen vorsehen, und bestenfalls Impulsvorträge zulassen. Einer der Vorträge kam noch dazu vom „Verband Österreichischer Schweinebauern“ (VÖS) und war damit alles andere als neutral und objektiv. Dem sollte eigentlich ein Vortrag von Tierschutzseite gegenübergestellt werden.

Ok, Kritik beiseite. Es ist natürlich ein großer Fortschritt, dass es überhaupt einen solchen Gipfel gibt. Im Burgenland diskutiert die SPÖ-Alleinregierung grundsätzlich nicht mit NGOs und dem Tierschutz. Da hört man sich nur die eine Seite, also die Landwirtschaftskammer und den Landesjagdverband, an. Ein mittelalterliches Verständnis von Demokratie, noch dazu von einer Regierung, die in eigenen Veranstaltungen das Mitgestalten der Bevölkerung in Gesetzesmaterien feiert und von dialogischer Demokratie labert. Das ist die Ursache von Politikverdrossenheit: diese ewige Verlogenheit der Politik, dieses ständige Scheinwelten aufbauen, dieses A sagen und B meinen, und in Wahrheit autoritär nur für das eigene Klientel regieren. Im Fall der SPÖ-Regierung im Burgenland besteht dieses Klientel noch dazu aus Großgrundbesitz und ehemaligem Adel. Erschreckend!

So lernen wir, dass 43 % der Schweine in Österreich ein AMA-Gütesiegel tragen, und dass das Schlachtgewicht der Schweine in Österreich mittlerweile von 110 kg noch vor 10 Jahren auf 123 kg angestiegen ist, obwohl die Tiere gleich lang gemästet werden, dass also die Tiere noch rascher wachsen.

Ja, und dann sagt der Sprecher der Schweinebäuer:innen wörtlich: „Schweden ist viel besser im Tierschutz als Österreich“. Oho. Hört, hört! Bisher klingt mir nur das ständige „Österreich ist Nummer 1 im Tierschutz“ der Landwirtschaftsministerin, und wir seien das Vorzeigeland, im Ohr. Jetzt gibt selbst die Schweineindustrie zu – wenn die Öffentlichkeit nicht dabei ist – dass wir in Österreich die viel besseren Standards anderer Länder knallhart untergraben, in dem wir billig am untersten Ende der EU-Vorgaben produzieren. Ein bisschen mehr Ehrlichkeit in der Öffentlichkeit würde vielleicht dazu führen, dass die Menschen häufiger Schweinefleisch kaufen, das nach echt verbesserten Standards produziert wurde. Aber so kann man jammern, die Menschen würden nur auf den Preis schauen, und verweigert damit jede Änderung.

Die VÖS hat in ihrem Vortrag auch den alten Treppenwitz neu aufgelegt, dass die Schweinehalter:innen das allergrößte Interesse am Wohlbefinden ihrer Tiere hätten, weil ja nur gesunde und glückliche Tiere viel gutes Fleisch produzierten. Und wie war das mit den Pelzfarmen und den Legebatterien? Hatten Pelzfarmer:innen und Legebatteriebetreiber:innen auch das Wohl der Tiere im Sinn? In winzigen Gitterkäfigen? Und waren Pelze und Eier schlecht, weil die Tiere so litten? Ich könnte auch Bärengallenfarmen oder Gänsestopffarmen anführen. Nein, man kann auch aus brutalst ausgebeuteten Tieren große Profite schöpfen. Da gibt es keinen Zusammenhang.

Schweine-Experte Prof. Baumgartner von der Vet Uni Wien lieferte in seinem Vortrag sogar den Beweis, dass es den Schweinen in Österreich sehr schlecht geht. Er sagte, der Schwanz der Schweine sei ein „Eisbergindikator“ für ihr Wohlbefinden. D.h. können die Schweine ohne kupierte oder abgebissene Schwänze leben, dann ist das ein Hinweis darauf, dass sie wenigstens eine minimale Lebensqualität geboten bekommen. Aber in Österreich werden 95 % der Schwänze abgeschnitten. Also bekommen sie nicht einmal das.

In meinem Diskussionsbeitrag wies ich darauf hin, dass es diese Diskrepanz zwischen den Interessen der Schweinehalter:innen und den Interessen der Schweine gibt. Diese Interessen sind nicht deckungsgleich. Und deshalb brauchen die Schweine eine von der Landwirtschaft unabhängige Interessensvertretung, nämlich den Tierschutz. Und das sollte sich auch darin widerspiegeln, dass Tierschützer:innen an den Arbeitsgruppen zwischen den Tierschutzgipfeln teilnehmen können, was bis jetzt nicht der Fall war.

Und ich betonte, dass andere Beispiele zeigen, dass erst eine gesetzliche Weichenstellung eine Entwicklung zu Verbesserungen in der Tierhaltung auslöst. Im Jahr 2012 erreichten wir ein etwas mickriges Kastenstandverbot. Es gibt Ausnahmen von 10 Tagen im Deckstall und von „den kritischen Tagen“ (vermutlich 1 Woche) bei der Geburt. Schlimm genug. Doch immerhin bedeutet das, dass die Mutterschweine statt 365 Tage im Jahr wie noch 2012 nur 36 Tage im Jahr ab 2033 in dem körpergroßen Käfig festgehalten werden dürfen. Eine Reduktion auf 10 %.

Noch einmal: Die Reduktion der Nutzung des Kastenstands um 90 % über den Zeitraum von 21 (!) Jahren ist ausschließlich durch das von uns erkämpfte gesetzliche „Verbot“ des Kastenstands zustande gekommen. Das Gesetz war der Auslöser für die Entwicklung in der Praxis. Dasselbe gilt für die Haltung von Legehennen. Niemals wären wir heute bei 2 Drittel Boden- und 1 Drittel Freilandhaltung, wenn es kein Legebatterieverbot gegeben hätte. Deshalb brauchen wir jetzt ein Verbot der Schweinehaltung auf Vollspaltenboden ohne Stroheinstreu. Sonst wird der Vollspaltenboden einfach bleiben.

Die EU-Kommission hat festgestellt, dass Österreich die EU-Vorgabe, dass die Schwänze von Schweinen nicht routinemäßig gekürzt werden dürfen, ständig flächendeckend bricht. Will Österreich also keine hohen Strafen zahlen, dann muss es handeln. Doch die Haltung so zu verändern, dass die Schwänze nicht kupiert werden müssen, bedeutet genau das, was der VGT seit 1994 fordert: weg mit dem Vollspaltenboden und her mit Stroheinstreu. Dann und nur dann kann man die EU-Vorgaben einhalten, zu denen auch ein „physisch angenehmer Boden“ gehört. Die Schweineindustrie meint zwar, dass auch andere EU-Staaten den Vollspaltenboden benützen. Aber das heißt nicht, dass er EU-rechtskonform ist. Erstens haben diese Staaten genauso ein Verfahren wegen dem routinemäßigen Schwanzkupieren am Hals und zweitens „wo kein Kläger da kein Richter“. Wenn niemand den Rechtsstaat einfordert, dann wird er auch nicht eingehalten. Wenn man das EU-Recht brechen kann ohne Konsequenzen, dann wird das die Industrie auch immer tun.

Wir brauchen also zweierlei: ein klares Verbot der Haltung von Schweinen auf Vollspaltenboden mit verpflichtender Stroheinstreu, und die Möglichkeit mittels Verbandsklagerecht die Schweineindustrie zur Verantwortung zu ziehen, wenn sie sich nicht an die Gesetze hält.

PS: Warum, werde ich gefragt, hört man in letzter Zeit so wenig vom Vollspaltenboden in der Schweinehaltung? Bis vor wenigen Monaten war das doch noch in aller Munde. Da muss man sich bei der Burgenländischen SPÖ „bedanken“. Der ist nämlich die seltsame Idee eingefallen, das von ihr selbst im März 2017 beschlossene Gatterjagdverbot jetzt wieder aufzuheben. Und wenn wir zulassen, dass mühsam erkämpfte Tierschutzstandards einfach so wieder aufgehoben werden können, dann brauchen wir sie gar nicht mehr erkämpfen. Morgen gibts wieder Legebatterien, und übermorgen Pelzfarmen. Der SPÖ ist es also gelungen, unsere Kampagne gegen den Vollspaltenboden zu stoppen. Der Oppositionspartei SPÖ! Eine Kampagne gegen die Regierung zu stoppen! Sehr intelligent.

Aber keine Sorge. Wir werden die Kampagne sofort wieder aufgreifen, wenn wir das Gatterjagdverbot im Burgenland erfolgreich verteidigt haben. Bitte helft uns dabei!

Kalender Termine Martin Balluch

Es ist viel los, in diesen Tagen. Auf vermehrte Anfrage, wo und wann man in der Öffentlichkeit mit mir in Kontakt treten kann, hier die Termine ab morgen Montag:

  • Montag 26. August: Filmaufnahmen für Beitrag zu Klimawandel am Gletscher des Dachstein.
  • Dienstag 27. August: 3 Demos vor Schweinefabriken mit Vollspaltenböden in der Südsteiermark (10 Uhr in 8451 Heimschuh, 11:20 Uhr in 8423 Hütt und 12:20 Uhr in 8421 Wolfsberg). Danach Besuch im Pferdegnadenhof Edelweiss in Wildon und anschließend bei 2 Schweinen in Thal.
  • Mittwoch 28. August: Kundgebung mit großem 5 m – Schwein (Grunzmobil) am Hauptplatz in 8010 Graz von 10-16 Uhr, Wahlrede um 11 Uhr.
  • Donnerstag 29. August: Pressekonferenz über die Ergebnisse einer Gallup-Umfrage zu Vollspaltenböden in der Schweinehaltung, 10 Uhr im Cafe Landtmann, Universitätsring 4, 1010 Wien.
  • Donnerstag 29. August: Wahlchat auf news.at von 13-14 Uhr, wer will kann online Fragen stellen.
  • Donnerstag 29. August: Teilnahme an einer Podiumsdiskussion auf dem Linzer Sender „Dorf-TV“ über das Vorhaben, an der Med-Uni in Linz Tierversuche einzuführen, ab 16:30 Uhr.
  • Freitag 30. August: live auf Radio Orange 94,0 von 11-12 Uhr.
  • Freitag 30. August: Wahlkampfauftakt mit dem Tourbus der Liste JETZT in der Wiener Mariahilferstraße Ecke Neubaugasse ab 13 Uhr.
  • Montag 2. September: Exkursion mit den Tierschutzsprecher_innen der Parteien und mit der Liste JETZT Abgeordneten Daniela Holzinger zu einem Schweinebetrieb in OÖ, der von Vollspaltenböden auf Stroh umgestellt hat, mit einer anschließenden Pressekonferenz ab 10 Uhr.
  • Dienstag 3. September: Aktion zu Tierversuchen vor einer Zuchtfabrik für Tierversuchskaninchen mit Käfigbatterien in Natschbach in NÖ ab 10 Uhr.
  • Dienstag 3. September: Diskussion der Klimaschutzsprecher_innen bei „Parents for future“ im Querraum, ab 18 Uhr.
  • Mittwoch 4. September: Aktion vor dem Landwirtschaftsministerium in Stubenring 1, 1010 Wien, zur Forderung nach Stroh für Schweine ab 10 Uhr.
  • Mittwoch 4. September: Interview für das „Magazin 1“ von ORF 1 auf dem Küniglberg ab 18:10 Uhr.
  • Mittwoch 4. September: Diskussion auf Puls4 mit allen Tierschutzsprecher_innen der Parteien ab 20:30 Uhr.
  • Donnerstag 5. September: 9:30 – 14 Uhr hat der Tourbus der Liste JETZT in St. Pölten Station.
  • Donnerstag 5. September: 14-16 Uhr, Haus der EU, Wipplingerstraße 35, 1010 Wien, Diskussion unter den Klimaschutzsprecher_innen der Parteien und Expert_innen über eine „Effizienter Klimaschutz durch CO2-Steuerung“.
  • Freitag 6. September: 11-12 Uhr live Radiosendung auf Orange 94,0.
  • Samstag 7. – Dienstag 10. September: Serie von Buchpräsentationen in Südtirol (am 8. um 20 Uhr in Mals, am 9. um 20 Uhr in Meran und am 10. um 19 Uhr in Brixen).
  • Sonntag 8. September: Diskussionsteilnahme ORF „Im Zentrum“ zum Klimaschutz mit Sprecher_innen aller anderen Parteien, ab 22:14 Uhr.
  • Mittwoch 11. September: Wahlkampfrede mit Grunzmobil in Linz, Schillerpark, 10-17 Uhr.
  • Donnerstag 12. September: Pressekonferenz mit 2 Wissenschaftern (Dr. Kurt Schmidinger und Dr. Martin Schlatzer) zur Frage nach dem Zusammenhang zwischen Tierproduktion und Klimawandel, und zu den Ursachen der Brände im Amazonas-Regenwald und der Bezug zu Österreich, im Cafe Landtmann, Universitätsring 4, 1010 Wien um 10 Uhr.
  • Donnerstag 12. September: Podiumsdiskussion mit den Spitzenkandidat_innen von NÖ aller anderen Parteien im Rahmen der Weinviertel Akademie, 2123 Schleinbach, Hauptstraße 25, ab 19 Uhr.
  • Freitag 13. September: Interview ORF NÖ Heute im Landesstudio St. Pölten.
  • Sonntag 15. September: Treffen mit RespekTiere Salzburg.
  • Montag 16. September: Grunzi in Salzburg Am Platzl ab 10 Uhr.
  • Dienstag 17. September: Pressekonferenz mit dem ehemaligen Amtstierarzt Prof. Dr. Rudolf Winkelmayer über den Aufwand zur Umstellung von Vollspaltenboden zu Stroheinstreu in der Schweinehaltung um 10 Uhr, Cafe Museum (Operngasse 7, 1010 Wien).
  • Dienstag 17. September: Diskussion der Tierschutzsprecher_innen der Parteien im Oe24-TV ab 13:30 Uhr über den Handelspakt „Mercosur“, gesendet um 19 Uhr.
  • Dienstag 17. September: Fellner Live mit Philippa Strache auf Oe24-TV um 19:30 Uhr.
  • Dienstag 17. September: Blind Date auf ATV um 20:10 Uhr, mit Kandidat_innen von allen Parteien, darunter Blümel, Schellhorn und Leichtfried.
  • Mittwoch 18. September: Podiumsdiskussion zur Wahl, mit ausgewählten Leser_innen der NÖN, St. Pölten, um 9 Uhr, mit Vertreter_innen aller Parteien, darunter Kickl und Sobotka.
  • Mittwoch 18. September: Podiumsdiskussion mit den Tierschutzsprecher_innen der Parteien im SkyDome, Schottenfeldgasse 29, 1070 Wien, ab 18 Uhr.
  • Donnerstag 19. September: Das Grunzmobil kommt nach St. Pölten vor den Hauptbahnhof ab 10 Uhr.
  • Donnerstag 19. September: Treffen mit interessierten Bürger_innen im Lebenshof Rinderwahnsinn, 3542 Gföhl, Eisengraben 10, ab 13 Uhr.
  • Donnerstag 19. September: Filmvorführung „Der Prozess“ mit anschließender Podiumsdiskussion ab 19 Uhr in St. Pölten, Seedose, Dr. Adolf Schärf Straße 21.
  • Freitag 20. September: Radiosendung auf Orange 94,0 von 11-12 Uhr.
  • Freitag 20. September: Treffen mit Bundeskanzlerin Bierlein im Kanzleramt um 13 Uhr.
  • Freitag 20. September: Filmvorführung „Der Prozess“ mit anschließender Podiumsdiskussion in 1070 Wien, Admiralkino, Burggasse 119, ab 18:30 Uhr.

Demo für Schweine: FPÖ hat die Tiere verraten

Marlene Svazek mag mich nicht. Sie ist die Landeschefin der FPÖ in Salzburg und hat ihre ablehnende Haltung mir gegenüber immer wieder betont. In diesem Bundesland haben wir, wie überall sonst in Österreich, eine Kampagne für ein Verbot der Gatterjagd durchgeführt. Und wie kaum sonst wo, haben sich Marlene Svazek und die FPÖ in Salzburg eindeutig und ohne zu zögern für die Gatterjagd ausgesprochen. Dabei hat sie sich Gatterjägermeister Mayr-Melnhof öffentlich in einer Weise angebiedert, als sein Jagdgatter zum Ziel von Tierschutzprotesten wurde, dass es schon peinlich war. Dennoch wurde jetzt endlich auch in Salzburg, dem allerletzten Bundesland, das Gatterjagdverbot beschlossen.

Svazek hat immer wieder beim Vorbeigehen an unseren Kundgebungen gegen die Gatterjagd vor dem Amt der Salzburger Landesregierung laut „Waidmannsheil!“ gegrölt. Ein seltsam provokantes Verhalten für eine Politikerin und Landtagsabgeordnete. Sie rechtfertigte sich damit, dass das eine Höflichkeit unter Jäger_innen sei, und sie sei schließlich auch eine. Eine Jägerin nämlich. Und offenbar sehr stolz darauf. Eine Jägerin, die die Gatterjagd befürwortet. Und auch sonst jede noch so perverse Jagdpraxis, wie die Jagd auf ausgesetzte Zuchtenten.

Im Landtag hat Svazek in einer Rede davon schwadroniert, wie links nicht der VGT wäre, und dass wir versucht hätten, ihr Büro zu besetzen, aber durch den heroischen Einsatz einer ihrer Mitarbeiter sei das verhindert worden. Diese „Besetzung“ ist allerdings nur ihrer Fantasie entsprungen. Faktum ist aber, dass sich die FPÖ in Salzburg von Anfang an geweigert hat, mit Vertreter_innen aus dem Tierschutz über die Gatterjagd zu sprechen. Jahrelang. In den Augen von Svazek würden wir nur schreien statt argumentieren. Dass wir aber zur Gatterjagd in Salzburg 4 Fachgutachten vorgelegt haben, dass es 2 Fachgutachten der Landesregierung gibt, die unsere Kritik unterstützen und eine Schließung des Jagdgatters Mayr-Melnhof fordern, und dass wir 6 bakteriologische Analysen von Wasserproben aus dem Jagdgatter durchführen ließen, die beweisen, dass das Wasser dort vollkommen kotverseucht ist, das verschweigt sie lieber.

Nachdem wir das Büro des zuständigen ÖVP-Landesrates friedlich besetzen hatten müssen, weil dieser nicht zu seiner letzten Version des Gatterjagdverbots Stellung nehmen wollte, beantragte sie und ihre Fraktion im Landtag zu wissen, wer die Kosten der Polizeiaktion und des Sicherheitsdienstes getragen hat, mit der offensichtlichen Intention, das uns aufzubürden. Daneben kann sie sich nicht verkneifen, die Jäger_innen als Tierschützer_innen zu loben, während sie mutmaßt, dass „Vereine wie der VGT z.B.“, so die FPÖ-Salzburg-Chefin wörtlich, „vegane Gummibärchen futtern, vor dem PC sitzen und Hasskommentare gegen Jäger schreiben“. Und Svazek weiter: „Moralisch erhaben, und immer zur Stelle, wenn’s um Demos und öffentliche Aufmerksamkeit geht. Das aber, was niemand sieht, die aufopfernde Arbeit unserer Jäger für unser Wild beispielsweise, das interessiert diese Leute scheinbar nicht.“ Sagt sie und meint z.B. einen Herrn Mayr-Melnhof, der im umzäunten Gelände jedes Jahr um die 500 Wildschweine mit Hunden hetzt und massakriert und zumindest bis kürzlich ausgesetzte Zuchtenten abgeballert hat. Auch ist sie offensichtlich nicht fähig zu sehen, wie völlig vernichtet der Wald in diesem Jagdgatter ist. Ich fürchte sowohl von der Jagd als auch vom Wald versteht sie nicht viel. Aber Hauptsache man gehört dazu, ist Teil der Jägerschaft. Das dürfte in Salzburg bei den oberen 10.000 zum guten Ton gehören.

Besagte Marlene Svazek nun hielt heute in der Donaustadt in Wien eine Rede vor FPÖ-Anhänger_innen. Wir waren mit einer kleinen Demonstration zur Stelle, um an das Schicksal der Schweine zu erinnern. Es war die FPÖ neben der ÖVP, die das Verbot des Kückenschredderns, das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration und das Verbot der Vollspaltenböden in der Schweinehaltung verhindert und damit die Tiere verraten hat. Da können sie uns mit Klagen drohen, solange sie wollen, wir waren dennoch da, um freundlich an den Tierschutz zu erinnern.

Marlene Svazek kam schließlich knapp vor ihrem Vortrag kurz heraus, um uns zu bitten, nicht zu laut zu sein. Der Bitte haben wir gerne entsprochen, wollten wir ja nicht die Veranstaltung stören, sondern nur an die Schweine erinnern. Svazek selbst zeigte sich zu unserer Kritik reichlich uninformiert. Sie sagte, ihr Kollege Vilimsky habe uns das sicher bereits ausreichend erklärt, warum die FPÖ den Verboten nicht zustimmt, sondern erst die Landwirt_innen überzeugen möchte, sich selbst einzuschränken. Obwohl sie diesmal höflich und freundlich blieb – vielleicht wollte sie uns auch nur nicht verärgern, sodass wir vorort geblieben wären – betonte sie erneut, dass man viel mehr erreichen würde, wenn man nicht demonstriert, sondern nur brav Brieferl schreibt und bittet. Immerhin musste sie zugeben, dass heimlich in Tierfabriken gemachte Aufnahmen von Vollspaltenböden wichtig sind, um die Bevölkerung aufzuklären. Ob das Kurz und Hofer auch so sehen, die ja im letzten Regierungsprogramm genau solche Aufnahmen unter Gefängnisstrafe setzen wollten?

Wie auch immer, wir bleiben dran. Die FPÖ hat noch gute 2 Monate Zeit, sich zu besinnen und für die Tiere zu stimmen. Wenn nicht, wird sie hoffentlich die Rechnung bei der Wahl präsentiert bekommen.

FPÖ droht VGT mit Klage: Verrat an Tieren

Fassen wir noch einmal die unbestrittenen Fakten zusammen. Daniela Holzinger von der Liste JETZT hat im Parlament einen Initiativantrag für 3 ganz wichtige Verbesserungen im Tierschutz eingebracht, nämlich für ein Verbot des Schredderns männlicher Eintagskücken, für ein Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration und für ein Verbot von Vollspaltenböden ohne Einstreu in der Schweinehaltung. So ein Initiativantrag wird nur dann noch vor der nächsten Wahl und damit dem Ende der Legislaturperiode abgestimmt, wenn der entsprechende Fristsetzungsantrag dafür durchgeht. Diesen Antrag hat Holzinger auch gestellt. Die Liste JETZT, die NEOS und die SPÖ haben ihn unterstützt, die ÖVP und eben auch die FPÖ nicht. Damit hat die FPÖ verhindert, dass diese wichtigen Tierschutzverbesserungen überhaupt zur Abstimmung gelangen. Angesichts des Umstandes, dass die FPÖ sich aber als Tierschutzpartei verkauft hat, und dass sie noch 2006 für ein Verbot der Vollspaltenböden und 2017 für ein Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration waren, habe ich öffentlich gesagt, dass die FPÖ mit ihrer Haltung die Tiere verraten hat.

Und jetzt trudelt eine Klagsdrohung der FPÖ ein. Wir sollen widerrufen, dass die FPÖ die Tiere verraten hat, und 1700 Euro überweisen. Die Begründung ist beeindruckend: die FPÖ habe ja nur den Fristsetzungsantrag abgelehnt, nicht die Tierschutzanträge selbst. Dass sie aber mit der Ablehnung einer Fristsetzung überhaupt verhindert haben, dass diese Tierschutzanträge zur Abstimmung kommen, ist ihnen nicht klar? Aber geh!

Wir haben jedenfalls beschlossen, uns von dieser Klagsdrohung nicht einschüchtern zu lassen. Das wäre ja noch schöner, wenn man Parteien nicht kritisieren darf, die so lange pro Tierschutz reden, solange keine Entscheidung dazu ansteht, und kaum wäre es ernsthaft möglich, den Tierschutz voran zu bringen, nicht mitziehen. Wer lauthals genau für dieselben Tierschutzfortschritte eintritt, für die er im entscheidenden Moment die Abstimmung verhindert, hat die Tiere verraten. Wenn man das nicht mehr sagen dürfte, wäre das ein Skandal. Ein Hinweis auf das Verständnis von Meinungsfreiheit bei der FPÖ?

Hier jedenfalls der gesamte Text der Klagsdrohung:

Die Fake News des FPÖ-Bürgerbüros zu Schweinen: die Putenstory

Wir alle wissen: die ÖVP ist gegen jede Verbesserung im Tierschutz, und zwar mit allen Mitteln. Dort verfolgt man ganz handfeste wirtschaftliche Interessen, und deshalb setzt man eine Blockade von Tierschutzfortschritten bei jeder Regierungsübereinkunft hoch auf die Agenda. Den jeweiligen Koalitionspartnerinnen ist Tierschutz nicht so wichtig, wie der Anti-Tierschutz der ÖVP wichtig ist, und schon stimmt man der Blockade zu. In der politischen Konstellation, die uns seit Jahrzehnten in Österreich im Griff hält, ist keine Regierungskoalition ohne die ÖVP denkbar. Deshalb gibt es den totalen Stillstand im Tierschutz.

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Vollspaltenboden: die FPÖ will ein Verbot verhindern

Genau das ist es, was einen und insbesondere mich an der Politik so abstößt: einmal sagt man das und jenes, um einer gewissen Klientel zu gefallen, ein andermal sagt man andernorts das Gegenteil, weil man wieder andere potentiell einflussreiche Personen beeindrucken will. Nie sagt man die Wahrheit, was man wirklich denkt. Einfach völlig rückgratlos, als ob es nur um das Erlangen von Macht geht, egal um welchen Preis und egal welche Ziele umgesetzt werden sollen. Ein Mensch, der sich engagiert, um die Lebensqualität aller zu verbessern oder um Ungerechtigkeiten abzustellen, schaut anders aus. Anders jedenfalls, als die FPÖ.

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Laut FPÖ und Jungbauernschaft lieben Schweine Vollspaltenböden!

Die oö Jungbauernschaft behauptet in einer Aussendung „95 % der Schweine bevorzugen den Vollspaltenboden“. Der „Tierschutzsprecher“ der FPÖ sieht das ähnlich. Bei den Blauen meint man zu erkennen, dass Betonböden mit scharfkantigen Spalten, die mit Kot verklebt sind, bei den Schweinen beliebter seien, als Stroh. Natürlich, ich weiß, das ist ja nur Zynismus. Der Zynismus der Mächtigen, die sich über die von ihnen bis zum Massensterben ausgebeuteten Wesen belustigen. Aber da reden ja wieder die, die uns im Tierschutz immer als zu emotional und realitätsfern bezeichnen. Die behaupten, wir seien zu keinem seriösen Gespräch bereit. Dabei ist es natürlich genau umgekehrt. Und das wissen sie genau.

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Vollspaltenböden in der Schweinehaltung müssen weg!

Der VGT ist ein Netzwerk von autonomen Aktivgruppen quer durch Österreich. In den jeweiligen Bundesländern sind immer eigene Themen wichtig und die Aktivist_innen engagieren sich auf ihre Weise. Nur zu einem Thema finden wir uns bundesweit zusammen und kooperieren. Dieses eine Thema treiben wir unnachgiebig voran, bis wir die Mehrheit der Menschen erreicht haben, und sich diese Mehrheit auch politisch durchsetzt. Die Liste derartiger Erfolge ist lang, vom Pelzfarmverbot 1998 über das Verbot der Wildtierhaltung in Zirkussen 2002 und das Verbot von Legebatterien (zusammen mit einem Bundestierschutzgesetz und Tieranwaltschaften) 2005, dem Verbot von Tierversuchen an Menschenaffen 2006 und dem Verbot der Käfighaltung sogenannter „Fleisch“kaninchen 2007, bis zum Kastenstandhaltungsverbot von Mutterschweinen 2012, Tierschutz in der Verfassung 2013, den Besatzdichtenreduktionen bei Masthühnern und Mastputen 2015 und den Gatterjagdverboten bzw. dem Verbot Zuchttiere zur Jagd auszusetzen 2015-2018. Die Pause zwischen 2007 und 2012 ist dem Tierschutzprozess geschuldet. Das Jahr 2019 widmen wir nun bundesweit dem Ende der Haltung von Schweinen auf Vollspaltenböden. Wir nennen das unsere Fokuskampagne. Und bis jetzt waren diese Kampagnen immer erfolgreich!

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