Tierversuche 2014 in Österreich: eine Übersicht

Als ich an der Uni Tübingen mit einigen TierexperimentatorInnen bei einer Podiumsdiskussion zu Tierversuchen saß, meldete sich ein honoriger Professor zu Wort, fragte die Zuhörerschaft, ob sie oder ihre Verwandten diese oder jene Krankheit hätten und erklärte dann, dass ohne Tierversuche keine Aussicht auf Heilung bestünde. Der Eindruck wurde bewusst erweckt, dass es bei allen Tierversuchen nur um die menschliche Gesundheit ginge. Wie bei der Jagd wird in den Raum gestellt, dass man entweder für alle Tierversuche oder gegen alle sein müsse, pragmatische Reformen, das Infragestellen von gewissen Tierversuchszwecken, ist offenbar absurd.

Das ist natürlich nur eine taktische Finte. In Wahrheit verpflichtet eine EU-Richtlinie zur Schaden-Nutzen Abwägung aller Zwecke für Tierversuche. Und tatsächlich müssen mittlerweile die meisten Tierversuche der Grundlagenforschung zugeordnet werden, Tendenz steigend. Momentan gibt es noch keine amtliche Statistik für das Jahr 2014, aber die sogenannten nichttechnischen Projektzusammenfassungen der 511 Tierversuchsprojekte dieses Jahres liegen vor. 36 davon dienten ausschließlich der Intensivierung der Tierindustrie, von dieser finanziert, um aus noch mehr Tieren noch billigere Produkte herzustellen, siehe https://martinballuch.com/tierversuche-in-oesterreich-2014-versuche-zur-profitsteigerung-in-tierfabriken/.

Der stetige Anstieg der Tierversuchszahlen in Österreich und weltweit ist auf die Gentechnik zurückzuführen. Ein paar Beispiele:
•    Bei einem Versuch 2014 wurden z.B. 5550 Zebrafische genetisch verändert, um für potenzielle zukünftige Forschung zur Verfügung zu stehen. Gentechnik der Gentechnik willen, zunächst ohne jede Anwendungsidee.
•    1280 Mäusen veränderte man die Gene, um ihr Immunsystem zu schwächen. Danach wurden sie mit verschiedenen Krankheiten infiziert.
•    Bei 1360 Zebrafischen versuchte man durch gentechnische Veränderungen Diabetes zu erzeugen.
•    7750 Mäuse mussten dafür herhalten, gentechnisch verändert zu werden, um tumoranfälliger zu sein.
•    Bei 1600 Mäusen wurden manche Gene chemisch aus- und eingeschalten, um ihre Wirkung zu überprüfen.
•    Gleich 15.120 Mäuse wurden als Versuchsobjekte für gentechnische Veränderungen verwendet, um die Entstehung von Stoffwechselerkrankungen zu studieren.
Und so weiter.

Tatsächlich gibt es Forschung, um gesundheitliche Probleme von Menschen zu heilen. Was das konkret bedeuten kann, zeigen folgende Beispiele:
•    192 Mäuse wurden infiziert, um ihre Entzündungsreaktion zu beobachten.
•    124 Mäuse wurden durch Zugabe von Enzymen fettleibig gemacht.
•    Bei 50 Hühnern wurden die Augennerven durchtrennt.
•    Bei 48 Ratten hat man den Augendruck künstlich erhöht und die Schäden dokumentiert.
•    Bei 126 Kaninchen wurde künstlich Herzkammerflimmern ausgelöst.
•    40 Schafen wurden die Knochen gebrochen und dann mit verschiedenen Metalllegierungen zusammengefügt, um das beste Material für diese Operation zu finden.
•    36 Schweine wurden durch Schädigung ihrer Nervenbahnen gelähmt, um dann über 10 Monate hinweg Nervenüberbrückungen zu erproben.
•    60 Schweinen erhöhte man künstlich den Blutdruck, bis Vorhofflimmern einsetzte.
•    Bei 30 Ratten erhöhte man den Lungendruck und setzte die Tiere einer sauerstoffarmen Umgebung aus.
•    Bei 80 Schafen rief man künstlich Sehnen- und Knorpelschäden hervor, die dann behandelt wurden.
•    10 Schafen schwächte man die Kieferknochen, um dann Zahnimplantate zu setzen.
•    Bei 14 Schweinen durchtrennte man einige Nervenbahnen und versuchte sie wieder zusammen zu fügen.
•    34 Schweinen wurde sehr rasch viel Blut entzogen, um einen Blutsturz zu simulieren, wobei man das Blut dann durch eine Flüssigkeit ersetzte, um deren Wirkung zu testen.
•    18 Schweinen wurden Glaskörper anstelle ihrer Augen eingesetzt.
•    10 Ponys wurden die Lungen kollabiert.
•    An 25 Schweinen testete man neue Insulinpumpen für DiabetikerInnen.
Und so weiter.

Bei anderen Tierversuchen geht es auch um die menschliche Gesundheit: die Tiere werden als Übungsobjekte verwendet. Hier einige Beispiele:
•    25 Schweine für chirurgische Übungen verwendet.
•    12 Kaninchen für chirurgische Übungen verwendet.
•    An 50 Schweinen wurden im Rahmen eines Workshops Nothilfemaßnahmen geübt. Dafür simulierte man Unfälle, indem man den Tieren Verletzungen am Darm, der Leber, der Milz, den Blutgefäßen, dem Becken, dem Hals, dem Brustkorb, dem Herzen usw. zufügte.
•    An 65 Schweinen wurden chirurgische Operationstechniken geprobt.
•    Operationstraining an 390 Schweinen.
•    An 140 Schweinen wurden Übungen der Weichteilchirurgie durchgeführt.
•    Weitere 30 Schweine für Operationsübungen.
•    An 32 Schweinen wurden Magen-Darm-Spiegelungen geübt.
•    17 Schafen wurden Verletzungen zugefügt, wie sie Kinder bei häuslicher Gewalt erleben, inklusive multiple Knochenbrüche. An den schwer verletzten Tieren übten GerichtsgutachterInnen das Erkennen von Gewalt an Kindern.
•    An 34 Schweinen wurden vor StudentInnen chirurgische Methoden demonstriert.
Und so weiter.

Dagegen muten die zahlreichen Experimente aus reiner Neugier schon fast harmlos an:
•    200 Goldhamsterfrauen wurden zur Geburt und in der Säugezeit einem Temperaturstress ausgesetzt, zwischen 5 und 30 Grad Celsius.
•    300 Welse wurden per Injektion gelähmt und dann mit Lärm beschallt.
•    200 Ratten schädigte man gewisse Hirnregionen.
•    Bei 68 Ratten versuchte man mittels chemischer Injektionen eine Gehirnverjüngung zu erreichen.
•    Bei 80 Kohlmeisen wurden die Riechzellen chemisch deaktiviert und dann geschaut, ob sie dadurch ihre Nahorientierung verlieren.
•    48 frei lebende Kohlmeisen wurden gefangen, um in Stoffwechselkäfigen ihren Metabolismus zu untersuchen.
•    160 Blaumeisen bestrahlte man mit Licht, um die Auswirkung auf ihre Fortpflanzungsaktivität zu prüfen.
•    Jeweils 60 Raben und Krähen wurden einzeln im Freiland gefangen und so aus ihrer Gruppe entfernt. Dann studierte man, wie die Gruppe mit dem Verlust umgeht. Später wurden die gefangenen Tiere wieder in die Gruppen zurück gebracht, um zu sehen, was dann passiert.
Und so weiter.

Und nicht zu vergessen die zahlreichen Toxizitäts- und Verträglichkeitstests der pharmazeutischen Industrie, die oft bei einem einzelnen Tierversuch 15.000 Tiere und mehr umfassen:
•    3750 Mäuse wurden mit verschiedenen Chemikalien, wie es heißt, „schwer belastet“, um die Toxizität von Medikamenten zu testen.
•    An 10 Schafen und 1 Ziege wurden Chemikalien aus Arzneimitteln getestet.
Und so weiter.

Das sind die Fakten, die aktuelle Situation von Tierversuchen in Österreich, an der sich eine Diskussion über die Rechtfertigung dieser Praxis zu orientieren hat. Welche dieser Experimente würden bei der Mehrheit der Menschen im Land Zustimmung finden? Und welche würden aufgeklärte Mehrheiten rundheraus ablehnen? Und wie, bitte schön, lässt sich in einer Demokratie erklären, warum letztere weiterhin stattfinden dürfen?

7 thoughts on “Tierversuche 2014 in Österreich: eine Übersicht

  1. Veronika says:

    Psychopathen sind sehr oft knallharte Geschäftsleute. Man könnte ja noch argumentieren: Wenn jemand kein Mitleid mit Tieren empfindet sei das Kultur bedingt. Aber wenn jemand bereit ist die Gesundheit und das Leben anderer Menschen zu gefährden, etwa weil er weiß, dass Medikamente auch trotz Versuchen an Tieren in vielen Fällen schädlich sind, weil diese Versuche wenig bis nichts aussagen – ist wohl ein Psychopath. Oder ein Narzisst?

    Hier gibt es übrigens einen Test für all jene die Tierversuche machen, oder sonst wie am Leid von Tieren und/oder Menschen profitieren. Psychopath, Soziopath, andere Persönlichkeitsstörung – oder doch nicht das personifizierte Böse? Wer traut sich? 🙂

    http://www.psychotherapiepraxis.at/surveys/test_psychopathie.phtml

  2. amor says:

    KEVIN DUTTON ist Autor der Bestseller ›Psychopathen‹ und ›Gehirnflüsterer‹ und Forschungspsychologe an der Oxford University.

    „Gibt es gute Psychopathen? Bin ich am Ende selbst einer?
    Kaltblütig, berechnend, abgebrüht, hemmungslos –Psychopathen gelten gemeinhin als gefährliche Zeitgenossen.
    Doch viele Eigenschaften, die uns zu Psychopathen machen, lassen sich auch positiv einsetzen: für mehr Selbstvertrauen, Konzentrationsfähigkeit, Entscheidungsfreude und Charisma – Qualitäten, die Menschen erfolgreich und glücklich machen“.

    Kevin Dutton, Bestsellerautor und Fachmann, und der ausgewiesene Psychopath Andy McNab zeigen auf beeindruckende Weise, welche Vorteile es hat, ein guter Psychopath zu sein:
    das Erfolgsgeheimnis für mehr Liebe, Glück und Zufriedenheit im Leben.
    http://www.fischerverlage.de/buch/der_psychopath_in_dir-entdecke_deine_verborgenen_staerken/9783104033730

    Zum Nachdenken…
    Amor

  3. Veronika says:

    Es gibt keine guten Psychopathen. Für einen Psychopathen ist Liebe nur eine leere Worthülse mit der er nichts anfangen kann.
    Wirklich glücklich und zufrieden wird wohl auch kein Psychopath sein – und ganz sicher nicht die Menschen in dessen Umgebung. Glücklich sein ist an und für sich ein abgenutzter Begriff. Glücklich kann man im Moment sein, aber nicht stetig. So gesehen ist ein Psychopath vielleicht in dem Moment „glücklich“, in dem er sich als erfolgreich betrachtet.
    Und wenn mir ein Psychopath einreden will was alles an ihm gut und schön und richtig ist …

  4. amor says:

    Forscher und deren Helfer sind keine Psychopathen.
    Die sind knallharte Geschäftsleute.
    Vor allem die hochbezahlten Professoren, die mit zweifelhaften pseudo-wissenschaftlichen Experimenten buchstäblich von dem Blut der Tiere und dem Geld der Steuerzahler leben.

    Über einer Nacht wird kein Laborbedienstete zum Tierquäler.
    Es sind verschiedene Etappen, die sie vom Beginn ihres Studiums an durchzugehen haben.
    Einige haben allerdings mehr Talent dazu, Tiere nicht nur kaltblütig in die Mitte zu schneiden, sondern vorher auch sie zu schlagen, was nicht in ihrem Vertrag steht.
    Im Ganzen und Großen, das sind Leute mit einem sehr gut gelernten „Forscher-Latein“, so wie das bekannte „Jäger-Latein“.
    Das verkaufen sie an die Öffentlichkeit, damit überzeugen sie Richter, Anwälte, Geldgeber und nicht zuletzt die Steuerzahler.

    Die Mehrheit dieser Gesellschaft ist fest davon überzeugt, dass Forschung zu Gunsten des Menschen stattfindet.
    Trotz der umfangreichen Aufklärung seitens der Ärzte gegen Tierversuche, die in den letzten Jahren erbracht wurde.
    Die meisten wollen sich gar nicht darüber informieren, ob ca. 600 Medikamenten im Jahr vom Markt entfernt werden, weil sie Nebenwirkungen haben.
    Getestet an Tiere.
    Ob Arsen für Menschen tödlich ist aber für Schafe nicht.
    Getestet an Tiere?

    Die Experimente in Labors leben von einer ganzen Industrie, die dahinter steckt: Universitäten, Pharma-und chemische Industrie, Versuchstierhändler, Hersteller von Zubehör für Labors, und nicht zuletzt der Anzahl der Publikationen etlicher Arrivierten, die dadurch ihre Karriere und die Forschungsgelder sichern.
    Alle diese, die ganz genau wissen, was in Labors passiert und in dieser sinnlosen Schlachtmaschinerie mitmachen, sind keine Psychopathen.
    Sie leben einfach davon.
    Und sie sichern ihren Arbeitsplatz dadurch, dass sie uns die Nützlichkeit ihrer Morde für sinnvoll verkaufen.

    Mittlerweile, und nach der Informationen der vielen aufgeklärten Wissenschaftler über die Geschäfte in Labors, halte ich diese Art Forschung für „Wilderei der Forschung“.

    So wie in Tansania oder in Namibia Nashörner als Potenzmittel im Markt verkauft werden, oder die Hoden einer Giraffe von der Wilderer Mafia gegen Aids angeboten werden, so „wertvoll“ sind auch heute die Ergebnisse aus der Experimentmethoden, die durch das maß-und sinnlose Leid der Labortiere betrieben werden.
    Mit der Unterstützung einer hirnlosen Gesellschaft, die das Glauben immer als eine pflegeleichte Handlungsmethode praktiziert hat.
    Amor

  5. Veronika says:

    Alles was man den Tieren antut wurde und wird auch Menschen angetan. Mit den Tierversuchen verhält es sich ähnlich wie bei Serienmördern. Man beginnt beim Tier, weil Tiere leichter zu bekommen sind (und weil es in unserer Gesellschaft weniger verwerflich erscheint). In Wahrheit geht es aber immer um den Menschen. Man „arbeitet sich hoch“ – von der Ratte bis zum Menschenaffen. Am Ende stehen aber dann doch immer Menschenversuche. Diese finden dann in armen Ländern statt, weil es auch weniger verwerflich erscheint Arme umzubringen. Deshalb glaube ich, dass es wichtig wäre, sich gegen „Versuche“ an sich zu wenden.
    Dahinter steht eine blödsinnige Philosophie und das müsste man bewusst machen. Denn man bringt „Opfer“ dar und glaubt, damit – wen auch immer – zu beeinflussen. Man möchte Krankheit abschaffen. Aber das geht nicht.
    Auch wenn diese Leute sich einreden sie würden vernünftig handeln – sie tun es nicht. Tierversuche sind eine sichere Einkommensquelle für viele Psychopathen und Sadisten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein mitfühlender Mensch fähig ist, solche Experimente zu machen.
    Man sollte einmal eine Studie machen, wie viele dieser „Forscher und Wissenschaftler“ und deren Helfer, Psychopathen und/oder Sadisten sind. Für die Gesellschaft gelten sie geradezu als Heilige. Gar nicht unähnlich den Priestern alter Religionen, die Tiere (aber auch Menschen) den Göttern opferten.
    Solange das so ist, solange dieser Hokuspokus betrieben wird, solange daran geglaubt wird, solange wird sich wenig ändern.

  6. Martin C. says:

    … und diese Aufzählung hier betrifft nur Österreich; gar nicht zu denken wie viele Opfer es dann weltweit gibt.

    „Der grundlegende Unterschied zwischen Menschen und den meisten anderen Tieren ist der, dass Menschen sich weniger geistreich artikulieren und weder fliegen, noch ordentlich schwimmen oder schnell laufen können.“ – http://www.stupidedia.org/stupi/Mensch

  7. h-singer@aon.at says:

    Gestern 28.4.2015 war in Ö1 um ein excellenter Beitrag über Erwin Chargaff und seine Kritik an der Gentechnologie.

    19:05Dimensionen – die Welt der Wissenschaft
    Böse Ahnungen. Chargaff und die Kritik an der Gentechnologie. Gestaltung: Ulrike Schmitzer

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