Vegane Bergschuhe

Da ich vegan lebe und viel bergsteigen und wandern gehe, werde ich oft nach passendem Schuhwerk gefragt. Gibt’s das überhaupt? Natürlich gibt’s das, und zwar schon seit Langem. Vor 15 Jahren gab es sogar noch eine größere Auswahl an veganen Hochalpin-Bergschuhen als heute. Damals waren eben die Plastikschuhe in. Aber es ist wirklich nicht schwer, vegane Bergschuhe zu finden. Und je mehr KundInnen danach fragen, desto mehr werden davon angeboten.

P1000498klein

Das obige Bild zeigt jene veganen Bergschuhe, die ich momentan verwende. D.h. eigentlich habe ich noch mehr Schuhe, vor allem bereits verbrauchte, aber mit den obigen habe ich aktuelle Erfahrungen. Ganz links stehen meine Langlaufschuhe von Salomon. Sie sind sehr angenehm und bequem, allerdings fast schon zu warm, aber wirklich funktional.

Rechts daneben sind meine Tecnica Wanderschuhe zu sehen. Ich habe sie schon sehr lange, nutze sie aber immer weniger, weil sie offenbar durch das ständige Feuchtwerden eingegangen sind. Man kann sie gut für lange Wanderungen im Wald oder auf Hochwiesen gebrauchen. Sie waren bequem, sehr weich und hatten im Steilgelände wenig Halt. Jetzt sind sie mir praktisch zu klein.

Rechts daneben finden sich die Basics Sportschuhe. Bei flotten Wanderungen auf ebenem Untergrund sind sie nicht zu schlagen, aber hochalpin ein Alptraum. Sowieso.

Als nächstes folgen die roten Trango Wanderschuhe von La Sportiva. Ich habe von ihnen bereits die zweite Generation. Sie sind eine sehr gute Mischung aus leichtem Wanderschuh und hochalpinem Bergschuh mit fester Sohle und gutem Halt im steilen Gelände. Nur leider sind sie so eng geschnitten, dass mir nach ca. 8 Stunden die Füße zu schmerzen beginnen. Für mehrtätige Exkursionen sind sie also nur bedingt geeignet. Und steigeisenfest sind sie auch nicht.

Die nächsten sind meine Scarpa Schitourenschuhe. Bei ihnen ist die Ferse fixierbar, sodass man gut mit Schi abfahren kann. Dennoch haben sie Charakteristika von hochalpinen Bergschuhen, ein gutes Profil und einen tollen Halt beim Eisklettern. Dafür sind sie meine erste Wahl. Ich war mit ihnen vor einiger Zeit im Frühsommer 3 Tage am Dachstein und sie konnten mich sowohl in der Eisrinne der Torstein Nordwand als auch im Fels überzeugen. Sie sind aber schwer und klobig.

Die nächsten Schuhe sind die Asolo supersoft, lange Zeit meine absoluten Lieblingsschuhe. Sehr wasserdicht, trittstark und bequem, auch auf mehrwöchigen Wanderungen. Sollten sie einmal nass werden, weil von oben Wasser eindringt, kann man sie rasch trocknen, indem man die Innenschuhe herausnimmt. Leider sind diese Innenschuhe aber mittlerweile völlig zerrissen und werden nicht mehr nachproduziert – ein erzwungenes Ende unserer langjährigen Beziehung!

Die Hartplastikschuhe von Koflach sind sehr hochalpin taugliche Exemplare der Zeit von vor 15 Jahren. Trotzdem nutze ich sie heute noch sehr gerne. Klobig, mit steinharter Sohle, sind sie dennoch dank ihrer herausnehmbaren Innenschuhe sehr weich und bequem. Nichts für sommerliche Waldwanderungen, zeigen sie an gefrorenen Steilflanken und im Wasserfalleis ihre Qualitäten. Allerdings sind im Winter Gamaschen unabdingbar, sonst steht man sehr schnell mit den Socken im Schnee.

Die veganen Bergschuhe von Mammut sind ein Versuch, Wanderqualitäten und hochalpine Leistungsfähigkeit zu kombinieren. Nicht ganz geglückt, fürchte ich, für längeres Steigeisengehen sind sie zu weich. Aber auch nach mehrwöchigen Bergtouren fühlen sich die Füße darin pudelwohl. Nur, einmal nass geworden, bleiben sie selbst bei strahlendem Sonnenschein über 1 Woche lang feucht. Ohne Innenschuhe sind alle Trockenversuche verlorene Liebesmüh! Aber sie sind momentan meine Wanderschuhe erster Wahl, wenn nicht zu viel Schnee oder Sumpf zu erwarten ist.

Gummistiefel. Als Bergwanderer in Österreich habe ich alle Menschen, insbesondere in Skandinavien und England, die mit Gummistiefeln unterwegs waren, belächelt. Nicht mehr. In der letzten Wildnis Europas, im weglosen schwedischen Sarek Nationalpark, sind Gummistiefel die richtige Wahl. Kein Bergschuh hält so viel Feuchtigkeit auf Dauer aus, ohne durch und durch nass zu werden. Jetzt habe ich auch gefütterte Gummistiefel und sie waren bei meinen Waldwanderungen durchaus bequem. Steil bergab gehen allerdings ist mehr als unangenehm.

Scarpa Guide Phantom, mein neuer Flagship Bergschuh für € 480, ganz rechts außen! Ein sehr bequemer, hochalpiner Schuh, mit dem man in Eis und Fels gut klettern kann. Kein anderer hält so gut im Steilgelände auf kleinsten Felskanten! Und er ist unglaublich wasserdicht, aber vielleicht ändert sich das im Laufe seines Lebens noch. Erfreulich ist auch, dass man durch einen eigenen Mechanismus sehr leicht aus dem Schuh heraus und in den Schuh hinein schlüpfen kann. Und man benötigt keine Gamaschen, der Schuh schließt dicht am Wadel, alledings ist er mir leicht zu warm. Der einzige richtige Nachteil: die Sohle ist so hart, dass ich nach 7 Stunden zu Fuß Schmerzen in der Fußsohle bekomme, wenn der Untergrund ebenso hart ist. Kein Vorteil ohne Nachteil.

P1000521kleinDaneben habe ich natürlich auch Felskletterslicks (momentan von Evolve) und Zehenschuhe, die am weichen Waldboden ein wahrer Gehgenuss sind. Allerdings nur dann. Aber vermutlich fallen diese und andere Schuhe, die ich noch nutze, nicht mehr unter die Rubrik „vegane Bergschuhe“.

14 thoughts on “Vegane Bergschuhe

  1. Inge says:

    Hallo !

    Mich würde interessieren, in welchen Geschäften ich vegane Bergschuhe kaufen kann. Über`s Internet möchte ich keine Schuhe bestellen, weil es schon im Schuhgeschäft ewig dauert bis ich welche finde, die passen und nicht drücken und keine drückende und/oder scheuernde Naht irgendwo eingenäht haben.

    Danke schon für Geschäftetips!

    Lg
    Inge

  2. Heidi says:

    Liebe Inge,
    Ich war zuletzt bei Schwandner in der Bäckerstrasse, die haben nix. Zuletzt in einem grossen Sportgeschäft beim Westbahnhohf, nur ein Paar vegan, das aber auch nicht mit absoluter Sicherheit. Ich werde demnächst zum Bergfux schauen, wenn der auch nix hat wirds langweilig..Vielleicht weiss Martin mehr.
    lg Heidi

  3. Heidi says:

    Hallo! Das ist ja eine sehr interessante Sammlung, danke fürs Hochladen! Ich bin schon seit längerem auf der Suche nach einer guten veganen Alternative für Hirschtalg, im Netz findet mensch einige interessante Varianten aber ich hab noch nix gefunden das mich total überzeugt hat. Was verwendest du?
    LG Heidi

  4. Tina says:

    Hallo Martin, kennst du den genauen Namen der Mammut-Schuhe?

  5. Nora says:

    Hallo!
    Etwas verspätet, ich hab den Beitrag gerade erst gefunden, weil ich aktuell auf der Suche nach veganen Bergschuhen bin.. Ich würde auch gerne wissen, welches Mammut Modell hier in Frage kommt, kann mir noch jemand Auskunft geben?
    Vielen Dank, liebe Grüße
    Nora

  6. Tina says:

    Ja eine vegane Schuhmodenschau! Ich bin eindeutig ein positiv-werbe-typ!

  7. Susanne Veronika says:

    Es wäre im Sinne des Tierschutzes, alternative Produkte besser zu bewerben. Man kann Negativ-Werbung machen, aber auch Positiv-Werbung. Den Modeverkäufern kommen beispielsweise die Film als Werbeträger entgegen. Das betrifft derzeit z. B. die Pelzmodebranche ganz besonders. Teure Schuhe tauchen auch oft auf und natürlich findet man in fast jedem Geschäft Waren aus Pelz und Leder. Negativ-Werbung wirkt nicht auf jeden. Deshalb wäre es gut eine Positiv-Werbung (wie hier) zu machen. Alternative Mode fördern und als solche auch bekannt machen. Wo bekommt man sie? Was kostet sie? Wer fertigt sie an? Solche Informationen sollte man in Zeitungen und Filmen unterbringen. Nur wenn solche Mode, oder von mir aus Bergschuhe 🙂 zum lohnenden Objekt wird, also als Geschäftsidee etabliert wird, wird sie zur echten Alternative – nicht nur in Europa. Ein Modewettbewerb wäre vielleicht interessant. Dazu müsste man Förderer finden und ich denke die würden sich auch finden.

  8. Tina says:

    Danke Martin, für deine positiven Worte, das macht mir schon mal Hoffnung. Wenn die Schuhe sich beim Abstieg noch halbwegs bequem sind brauchen sie das auch keine 20 Stunden zu sein, denn dann komm ich hoffentlich eh in vertretbarer Zeit wieder runter 😉 Ich werde jedenfalls mal nach diesem Mammuts Ausschau halten, danke für den Tipp! Vielleicht gibts dann endlich mal wieder schmerzfreie Wanderungen – und wenn nicht, hab ich dann zumindest jemand den ich in den Minuten schlimmster Verzweiflung verfluchen kann während ich barfuß in der letzten Dämmerung den Berg runter robbe *hahaha* 😉

  9. Martin Balluch says:

    @ Tina: Am bequemsten sind die Mammut oben, die es auch noch zu kaufen gibt. Ansonsten hätte ich die Asolo Supersoft empfohlen, die wirklich sehr angenehm waren, aber leider nicht mehr erhältlich sind. Die wichtige Botschaft: es gibt definitiv vegane Bergschuhe, die auch nach 20 Stunden Fußmarsch bequem bleiben.

  10. veggiefairy says:

    @ Tina: *hihi, das war auch mein erster Gedanke ‚faszinierend ein Mann mit soo vielen Schuhen‘ und das hier sind nur die vegane Bergschuhe von Herrn Dr. Balluch.

    Alles liebe für deine Sensibelchen-Füße.

    Danke für den interessanten Beitrag.

    alles liebe …

  11. Tina says:

    Achja, meine Oma trägt häufig Holzpantoffeln, ich glaube die dürften deinen Kriterien genügen aber ob die so gut zu wandern sind? 😉

  12. Tina says:

    Lieber Jo, ich bin jetzt kein Schuhprofi, aber ich glaube auch Lederschuhe haben doch eine Aussensohle aus Kunststoff o.ä. oder? Von daher dürfte der „Abrieb“ keinen echten Unterschied machen? Es gibt grundsätzlich auch Schuhe aus Stoff, aber wie gesagt die Sohle dürfte immer ein Problem sein.

  13. Tina says:

    Da soll noch einer sagen, wir Frauen haben einen Schuhtick 😉 Danke für die interessante Aufstellung! Ich hab das Problem dass mich alle Bergschuhe so drücken, dass ich meist das letzte Stück barfuß gehe, Schnee und Steinen zum Trotz, weils in den Schuhen sooooo wehtut. Darum nehm ich wenns geht meine Laufschuhe, die aber natürlich null trittsicher und vor allem nicht wasserdicht sind. Eigentlich möchte ich nur den Berg rauf und runter, ohne hinken zu müssen oder triefend nasse Füße zu haben aber auch bei einem einfachen Klettersteig nicht runterfallen 😉 . Hast du da einen Tip für meine Sensibelchen von Füßen?

  14. jo says:

    Eine ansehnliche Sammlung an veganen Schuhen.
    Bin selbst auch oft und mit Freude bei jeder Jahreszeit und Witterung in der Natur unterwegs.
    Bei aller Begeisterung für vegane Lebensweise (bin selbst auch vegan so gut es geht) muss man sich aber eingestehen, dass unser Leben ohne Tierleid (fast) nicht möglich ist.

    Beim Wandern kommt mir immer wieder der Gedanke, dass fast bei jedem Schritt Kleintiere : Insekten, Würmer, Schnecken (knaks) , …. getötet werden od. durch Verletzung elendig krepieren. Auf Kammwegen stösst man häufig auf Ameisenhaufen – ein (unbemerktes) Massaker bei jedem Schritt.

    Gibt es eigentlich vegane Schuhe, die abbaubar sind ?
    Soweit mir bekannt, bestehen Veganschuhe zum Teil od. ganz aus Kunststoffen (Polyester, Acrylfaser, Nylon, Polyurethan – Baumwollgemisch, synth. Kautschuk, recycelte Gummireifen).
    Schuhe nützen sich ab. Den „Kunststoffabrieb“ verteilen wir überal in der Natur…..Bäche…..Meer…..Nahrungskreislauf….

    Sehe ich das falsch ?

Leave a Reply to Susanne Veronika Cancel Reply

Your email address will not be published.

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Zum Velten-Gutachten im Tierschutzprozess

Das Gutachten von Univ.-Prof. Petra Velten, https://martinballuch.com/?p=3695 im vollen Wortlaut, ist ein Meilenstein in der Diskussion über die Gefahr der...

Univ.-Prof. Petra Velten bei der Präsentation ihres Gutachtens
Gutachten zum Nötigungsvorwurf im Tierschutzprozess durch Univ.-Prof. Petra Velten, Vorständin des Instituts für Strafrecht der Uni Linz

  →

Der Kampf um den Wienerwald 1870-1872: Josef Schöffel im frühen Widerstand

Den Waldgürtel von Süden nach Norden entlang der Westseite Wiens nennt man den Wienerwald. Ein grüner Rettungsanker in einer Millionenstadt....

Schließen