Warum der VGT basisdemokratisch organisiert ist

Der Verein Gegen Tierfabriken VGT ist ein relativ kleiner Verein, wenn man ihn mit den großen NGOs in Österreich wie Greenpeace oder den Vier Pfoten vergleicht. Der VGT ist aber erstaunlich groß, schaut man sich die Mehrheit der rund 180 Tierschutzvereine Österreichs an. Und der VGT ist basisdemokratisch organisiert, wie die Richterin nach den Angaben von Polizeispitzel „Danielle Durand“ festgestellt hat. Basisdemokratisch bedeutet, die Entscheidungen des Vereins werden nicht an RepräsentantInnen delegiert, selbst wenn diese dafür gewählt wurden, sondern nach Möglichkeit immer unter Abstimmung aller Aktiven getroffen. Die Basisdemokratie ist also eine sehr direkte Form der Demokratie. Im Gegensatz dazu sind die großen Organisationen, wie Greenpeace und Vier Pfoten, hierarchisch organisiert, d.h. eine Chefetage fasst Beschlüsse. Und dabei ist diese Chefetage nicht einmal dem Rest der Organisation verantwortlich, d.h. sie wurde nicht gewählt und muss sich auch in Zukunft keinen Wahlen stellen.

Ich denke es ist schon sehr bemerkenswert, dass eine Organisation der Größe des VGT ohne Hierarchie auskommt und tatsächlich basisdemokratisch agiert. Das ist selten. Das Hauptargument gegen eine solche Organisationsform ist, dass die Entscheidungen nur sehr mühsam und langwierig fallen, Kampagnen würden dadurch ineffektiv und schleppend. Der Vorteil, den ich sehe, ist aber der hohe Grad an Verantwortung und Anteilnahme durch alle Aktiven, der sich letztlich in einem besonderen Idealismus und in der Begeisterung für die Sache niederschlägt. Eine Revolution im Denken und Handeln lässt sich meinem Eindruck nach nur durch viel Engagement „von unten“ bewerkstelligen, nicht auf Weisung „von oben“. Eine umwälzende soziale Bewegung, wie es die Tierschutzbewegung sein sollte, muss also „bottom up“ statt „top down“ organisiert sein.

Ich fühle mich dabei zusätzlich durch einen Artikel im New Scientist vom 26. Mai 2012, Seiten 37-39, bestätigt. Dort steht einerseits, dass sich gezeigt hat, dass Gruppen gemeinsam besser in der Lage sind, anstehende Probleme zu lösen, als die Summe ihrer jeweiligen Mitglieder. In der Kooperation und der Diskussion entwickelt sich also etwas Neues, das in den Hirnen der einzelnen DiskussionsteilnehmerInnen allein noch nicht vorhanden war.

Ein zweiter wesentlicher Aspekt von Gruppenentscheidungen ist die Gruppengröße und ihre Offenheit nach außen. Eine zu enge, abgeschlossene Gruppe – wie eine Chefetage einer NGO – tendiert zur „Inzucht“ ihrer Ideen, wie obengenanntem Artikel im New Scientist zu entnehmen ist. Es stellen sich dabei so gruppeneigene Wahrheiten ein, die aber mit der objektiven Wahrheit draußen bald nicht mehr viel zu tun haben müssen. Ich kenne das aus eigener Erfahrung, wenn man in einer Tierschutzgruppe aktiv ist und ausschließlich dort diskutiert, wobei die Gruppe nach außen abgeschlossen bleibt. Vielleicht lässt sich so auch erklären, dass die SHAC-Kampagnen in Großbritannien und den USA zuletzt im Gefängnis geendet haben. Möglicherweise haben sich die Organisationsgruppen dort aus Sicherheitsgründen zu sehr nach außen abgekapselt und dann in ihrer eigenen Welt gelebt, und so nicht mehr wahrgenommen, wie sie nach außen wirken. So konnten sie weder die Gefahr sehen, die auf sie zukam, noch die Öffentlichkeit entsprechend zu ihrem Schutz mobilisieren, als es notwendig wurde.

Wenn man dagegen immer wieder einem offenen Plenum von Aktiven gegenüber verantwortlich ist, immer wieder mit neu dazugekommenen Menschen diskutieren und ihnen gegenüber die über die Zeit entwickelten Ideen verteidigen muss, dann dient das sozusagen als Realitätscheck. Es mag mühsam und langwierig sein, alles immer wieder neu durchdiskutieren zu müssen, aber ich denke schon, dass es das wert ist. Der Erfolg des VGT scheint uns da Recht zu geben.

Auch die RAF dürfte ein Opfer ihrer Ideeninzucht geworden sein. Das Ende für viele aus dieser Gruppe war dann das Gefängnis in Stuttgart Stammheim:

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