In diesem Herbst bisher 9 Jagdsabotagen

Oft las man in Kommentaren zu Medienartikeln über den Tierschutzprozess, dass JägerInnen Erleichterung zeigten, der Prozess hätte immerhin dazu geführt, dass es keine Jagdstörungen mehr gebe. Es hätte also sein Gutes, die TierschützerInnen zu terrorisieren, man kann dann immerhin in Ruhe Zuchttiere abknallen. Das mag bis vor Kurzem gestimmt haben, tatsächlich gab es 2007 (unter der Teilnahme von Polizeispitzel „Danielle Durand“) gleich 10 Jagdstörungen, danach nur noch vereinzelt. Nicht so heuer. Allein im Herbst 2011 traten bereits 9 Mal TierschützerInnen in hellen Warnjacken mit Regenschirmen auf, um JägerInnen das freie Schussfeld zu nehmen.

Die Aktionen waren dabei unglaublich erfolgreich. Vor einigen Wochen blockierten 40 TierschützerInnen sogar über 100 JägerInnen auf einer Treibjagd bei Hartberg, die Lokalzeitungen berichteten. In der nahen Umgebung dieser Jagd fanden sich Fasanerien mit 7000 Zuchttieren. Zusätzlich gibt es dort künstlich angelegte Fuchsbauten, um die Fuchspopulation zu fördern – damit danach über die Vermehrung der Füchse gejammert und Treibjagden auf „Raubwild“ gerechtfertigt werden kann. Solche künstlichen Fuchsbauten werden auf allen Jagdmessen angeboten. Sie erleichtern auch die Baujagd. Dabei werden kleine Hunde in die Fuchsbauten geschickt, die die Füchse angreifen und aus dem Bau jagen sollen. Manchmal bricht unter der Erde ein Kampf auf Leben und Tod zwischen Fuchs und Hund aus. Die JägerInnen graben dann in den Bau hinein und holen ihren verletzten – oder getöteten – Hund heraus bzw. bringen den Fuchs um, wenn sie ihn kriegen. Auch auf Dachse wird in dieser Weise Jagd gemacht. Auf der Treibjagd war ein Jäger mit einem Bauhund, Füchse waren neben Fasanen das erklärte Ziel dieses Tages. Doch der Einsatz der TierschützerInnen verhinderte das Schlimmste, die Opfer hielten sich in Anbetracht des großen Aufwands seitens der Jägerschaft sehr in Grenzen.

Letztes Wochenende verhinderten 30 TierschützerInnen ein Massaker an Kaninchen durch 15 JägerInnen. Dafür war extra das Freizeitzentrum Schwarzlsee südlich von Graz abgesperrt worden. Die AktivistInnen ließen sich auch von der Polizei nicht vertreiben, blockierten die JägerInnen schon bei der Zufahrt und verhinderten den Tod von auch nur einem Tier. Etwas südlich davon wurde eine Treibjagdgesellschaft von 80 JägerInnen ebenfalls massiv gestört und am „Jagderfolg“ gehindert. Im dichten Wald schossen die JägerInnen zwar kreuz und quer auf alles, was sich bewegte, aber die TierschützerInnen standen vor den Flinten, so gut sie konnten, und es gab vielleicht 30 getötete Fasane und einige Hasen. Auch das ist für die Größe der Jagdgesellschaft sehr wenig.

Am selben Wochenende gab es eine weitere Störaktion gegen eine riesige Treibjagd in Salzburg. Dort behinderte allerdings der Nebel die Jagd mehr als es den TierschützerInnen gelang, weil letztere von ihrer Anzahl her viel weniger als die JägerInnen waren. An der Grenze nach Slowenien kam es zu einer vierten Jagdstörung, dort wurde ein Jäger beim illegalen Aussetzen von Zuchtfasanen unmittelbar vor der Treibjagd erwischt und angezeigt.

Es ist erfreulich, dass es wieder zu so vielen Aktivitäten im Tierschutzbereich kommt, nach dieser massiven Repression. Erst die bunte Vielfalt macht den Spirit einer sozialen Bewegung aus. Es ist unsere Aufgabe, zu kritischen Themen Konflikte in der Gesellschaft zu provozieren. Das Schlimmste wäre, wenn die Jagd oder andere Tiernutzungen einfach „business as usual“ wären und niemand Notiz davon nimmt. Zuerst muss der Gesellschaft klar werden, dass es hier überhaupt einen Konflikt gibt, dann erst kann sie das Bedürfnis entwickeln, den Konflikt einer Lösung zuzuführen. Heutzutage muss man mit Störungsaktionen rechnen, wenn man eine Treibjagd auf Zuchttiere durchführt, genauso wie seit den 1980er Jahren jede Pelzmodeschau eine Behinderung erwarten muss. Mittlerweile wird dadurch auch dem verbohrtesten Jäger klar sein, dass diese Jagden von einem relevanten Teil der Gesellschaft missbilligt werden.

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