Offener Brief an die Bezirkshauptfrau von Güssing, Nicole Wild

Nicole.Wild@bgld.gv.at

Sehr geehrte Frau Bezirkshauptfrau Dr. Wild,

die Jagdsaison ist vorüber und nun ist klar, dass Herr Mensdorff-Pouilly sämtliche der tausenden von Fasanen, Rebhühnern und Stockenten, die er sich Mitte August 2015 aus Ungarn hatte liefern lassen, Zug um Zug zum Abschuss ausgesetzt hat. Und das auch in Österreich, deutlich nach dem letzten erlaubten Termin jeweils 2 Wochen vor Beginn der Schusszeit. Wir haben Sie auch darüber informiert, dass Herr Mensdorff-Pouilly in seinem Jagdgebiet insgesamt 25 Fasankisten fix montiert hat, davon 17 in Österreich, in die er die Fasane setzt, um sie dann unmittelbar vor den Schützen auszulassen. Kistlfasane nennt man das. Herrn Mensdorff-Pouillys Jagdaufseher Armin Szabo bezeichnete sie als „Auswilderungsräume“. Das sagt wohl alles.

Sie haben all diese Dinge im Vorhinein durch die Anzeigen des VGT erfahren und dennoch nichts unternommen, um diese illegalen Jagdpraktiken zu unterbinden. Sollte Herr Mensdorff-Pouilly behauptet haben, das Aussetzen würde nur im ungarischen Teil seines Jagdreviers durchgeführt, dann lügt er. Wo sollten denn die vielen Fasane und Rebhühner herkommen, die über die gesamte Jagdsaison hinweg fast jedes Wochenende von einer jeweils neuen Jagdgesellschaft in denselben Feldern beschossen worden ist? In Feldern nämlich, in denen sich vor Beginn der Jagdsaison kein einziger Fasan und kein einziges Rebhuhn befunden hat! Und wo sind Herrn Mensdorff Pouillys Zuchtvögel jetzt am Ende der Jagdsaison wohl hingekommen? In seinen Volieren sind sie jedenfalls nicht mehr.

Die von Mensdorff-Pouilly um den 15. August 2015 in seinen von elektrischem Zaun umgebenen künstlichen Teichen ausgesetzten Stockenten waren ebenfalls illegal. Erstens wurden sie viel zu spät in diese Teiche gebracht und zweitens kann man diese Teiche sicher nicht als „Auswilderung“ bezeichnen. Die Enten wurden, wie Freilandhühner, in einer Umzäunung gehalten und ständig gefüttert. Auch Freilandhühner können über den Zaun fliegen. Doch diese Zuchttiere sind nicht in der Lage, selbständig Nahrung zu finden. Sie sind vollständig von den Fütterungen abhängig, bis sie dann für zahlende Jagdgäste zum Abschuss aufgescheucht werden. Genau das verbietet das Jagdgesetz.

Wir vom VGT haben Ihnen all diese Informationen zur Verfügung gestellt. Es ist verständlich, dass Ihre AmtstierärztInnen nicht ständig hinter Mensdorff-Pouilly herlaufen können, aber Sie sind sicherlich, wie ich, an der Einhaltung der Gesetze zum Schutz der Tiere interessiert. Also freuen Sie sich doch, oder nicht, darüber, dass wir Sie so gut informiert haben. Ich habe Ihnen z.B. auch Fotos von Fasanen in den Fasankisten des Herrn Mensdorff-Pouilly geschickt und Zeugenaussagen angeboten. Leider kam niemand von Ihrer Behörde darauf zurück. Werden die Anzeigen nur so langsam verarbeitet oder interessieren Sie am Ende diese Beweise gar nicht?

Ja, und dann kamen plötzlich zahlreiche Strafverfügungen Ihrer Behörde gegen mich bzw. andere MitarbeiterInnen des VGT wegen aller nur erdenklicher Übertretungen hereingeschneit. Es ist Ihnen dabei sogar ein besonderes Anliegen, wie ich festgestellt habe, die Polizei zu korrigieren, die meinen Aufenthalt auf einer öffentlichen Straße außerhalb des Jagdgatters bestätigt hat. Im Handumdrehen, innerhalb von nur 2 Tagen, ließen Sie ein Gutachten erstellen, das die Polizei widerlegen sollte, um das Strafverfahren gegen mich trotz gegenteiliger Ansicht der Polizei dennoch durchführen zu können. Und selbst ein angeblicher Grenzübertritt ist Ihnen plötzlich ein Dorn im Auge, obwohl Sie genau wissen, dass Herr Mensdorff-Pouilly und seine Jagdgäste während der Jagdtage ständig über die grüne Grenze wechseln. Wo bleibt da die Neutralität Ihrer Behörde?

Falls Sie sich also, was man eigentlich erwarten müsste, über die Beweismittel zu Gesetzesübertretungen von Mensdorff-Pouilly freuen, die wir Ihnen unter gehörigem Aufwand völlig kostenlos zur Verfügung gestellt haben, dann ist diese Besessenheit, uns zu verfolgen, schon ein seltsamer Dank. Sind Sie froh über diese Beweise? Warum sprechen Sie dann nicht mit mir, lassen sich die illegalen Fasankisten zeigen und schauen sich unsere Beweisvideos an? Im Gegenteil, Sie unternehmen alles, um uns zu vertreiben und zu vergraulen, also davon abzuhalten, Herrn Mensdorff-Pouilly der Tierquälerei zu überführen. Was ist Ihr Kalkül dahinter?

Ich wäre Ihnen für eine Antwort sehr dankbar!

Hochachtungsvoll,

DDr. Martin Balluch
Obmann des VGT

 

Mein Email vom 13. Oktober:

Von:        Martin Balluch <martin.balluch@vgt.at>
An:        bh.guessing@bgld.gv.at
Datum:        13.10.2015 19:17
Betreff:        Anfrage Anzeige Mensdorff-Pouilly

Sehr geehrte Frau Bezirkshauptfrau Dr. Wild,

wie Sie vermutlich wissen habe ich nun schon zum wiederholten Male die
Federwildhaltung von Alfons Mensdorff-Pouilly in Luising zur Anzeige
gebracht. Hier ist Gefahr im Verzug, Herr Mensdorff-Pouilly hält
gesetzwidrig tausende Fasane, Rebhühner und Stockenten, um sie in sowohl
tierquälerischer als auch unwaidmännischer Weise zahlenden Jagdgästen
vorzusetzen.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass dieser Umstand Ihrer Behörde nicht
seit langem bekannt ist. Mensdorff-Pouilly hat ja jahrzehntelang sogar
öffentlich Jagdgäste für € 12.000 pro 400 Fasane eingeladen. So viele
Tiere kann man nur abschießen, wenn man sie vorher dort aussetzt.
Mensdorff-Pouilly betreibt keine Federwildzucht, wie man ganz leicht
prüfen kann, indem man außerhalb der Saison in seine Volieren schaut.
Sein Federwild ist erst am 10. August aus Ungarn geliefert worden, davor
war alles leer.

Sehr geehrte Frau Bezirkshauptfrau, darf ich nun fragen, ob zukünftige
Abschüsse dieser Art, nämlich durch Aussetzen innerhalb der Frist von 2
Wochen vor Beginn der Schusszeit, bei Mensdorff-Pouilly verhindert
werden oder nicht? Wieso darf dieser Mann so ganz offen und unverfroren
das Gesetz brechen und Tierquälerei begehen? Immerhin steht Tierschutz
mittlerweile als Staatsziel in der Bundesverfassung und Tiere sind nach
§ 285a des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches keine Sachen mehr.

Ich bitte Sie also hier sofort einzuschreiten und keine weiteren
Tierquälereien mehr zuzulassen. Es sollte nicht Aufgabe der
Zivilgesellschaft sein, auf die Einhaltung der Gesetze zu achten,
sondern der Polizei. Das gesamte Federwild bei Mensdorff-Pouilly muss
beschlagnahmt werden!

Hochachtungsvoll,

DDr. Martin Balluch
Obmann des Vereins Gegen Tierfabriken

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