24. September 2022

„Wer CIA-Netzwerke in einem Land aufdeckt, muss mit einem bewaffneten Gegenschlag rechnen“

NATOCyberAttackeDie gelinde gesagt seltsamen Definitionen von Terrorismus von Seiten der NATO und der USA sind ja landläufig bekannt, auch wenn sie immer umfassendere Auswüchse zeigen. Eine neue Dimension wird in einem Interview, das die Zeitschrift „New Scientist“ mit einer NATO-Expertengruppe zum Thema „Cybercrime“ geführt und in ihrer Ausgabe vom 13. April 2013 veröffentlicht hat, deutlich.

Laut diesen ExpertInnen ist ein Hackerangriff mit einem bewaffneten physischen Angriff gleichzusetzen, wenn er Schaden anrichtet. Daher sei auch ein bewaffneter Gegenschlag gegen HackerInnen berechtigt, wenn es darum geht, weitere Hackerangriffe in Zukunft zu verhindern. „If a terrorist group launches cyber operations at an armed attack level, the NATO panel felt you could respond in the same way as you could if a terrorist group were bombing you.“

Die USA sehe, so die ExpertInnen, Cyberspace als die 5. Dimension in der Kriegsführung, nach Land, Wasser, Luft und Weltraum. Staatlich durchgeführte Cyberattacken sind „now one of the tools in the weapons kit bag. You use it in some circumstances and not others, in the same way you sometimes use a drone, artillery or special forces.“ Auf die Frage, ob der Stuxnet-Computerwurm, den die USA und Israel gegen den Iran eingesetzt haben, eine solche Cyberattacke gewesen sei, kam zur Antwort: es gäbe keine Evidenz, dass dieser Wurm von einem Staat ausgegangen sei. Aja.

Zuletzt wurde über die „terroristische Aktivität“ des Veröffentlichens geheimer Staatsdokumente gesprochen, der Vorwurf gegen Wikileaks und Bradley Manning, der dafür sogar mit der Todesstrafe bedroht ist und gegen den der Prozess im Juni 2013 beginnen soll. Frage: „If computer-mediated leaks risk harm to military personnel or informants, could that legally provoke a pre-emptive armed response?“ Antwort: „Some of our experts would say yes. […] If somebody wanted to reveal the CIA network in some country, […] then, yes, you bet. […] Anyone engaging in [leaking of documents] should think about effects that reverberate through systems because they will be held responsible – either criminally, or, if it is an organised group, at the armed-attack level.“

Drohnen gegen Wikileaks?! Ich glaube wir sind nicht mehr weit davon entfernt. Eines Tages wird man, will man die USA im Internet kritisieren, laufend über die Schulter schauen müssen, ob die Kampfdrohnen nicht schon im Anmarsch sind. Ich frage mich nur, wie man diesen ständig steigenden Wahnsinn noch im Zaum halten kann.

2 Gedanken zu “„Wer CIA-Netzwerke in einem Land aufdeckt, muss mit einem bewaffneten Gegenschlag rechnen“

  1. “Daher sei auch ein vorbeugender bewaffneter Gegenschlag gegen HackerInnen berechtigt, wenn es darum geht, einen Hackerangriff zu verhindern. ”

    Ich denke einen “vorbeugenden Gegenschlag” gibt es nicht. Entweder ist es ein Gegenschlag, also eine Reaktion, oder man greift an, bevor der andere es tun kann.

    Im europäischen Rechtssystem ist das wohl nicht erlaubt, sofern es sich um einen Angriff auf Leib und Leben handelt. Denn wenn es keine Gerichtsverhandlung gibt, gibt es auch keinen Schuldigen. Es wird aber trotzdem gemacht, wie man gestern auf ntv sehen konnte. 21:05 Moderne Spione: Die echten James Bonds 2 Interessante Doku, aber leider gibt es diese Sendung nicht auf Video in Österreich zu sehen.

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