Zur abolitionistischen Kritik an meinem positiven Bericht von einem Schweinebetrieb

Diese Diskussion zwischen Abolitionismus und Reformismus in der Tierrechtsbewegung ist schon sehr alt. Jahrzehnte alt, genau genommen. Aber sie flammt immer wieder auf. Kein Wunder, kommen doch junge Menschen neu in die Bewegung und glauben, im Handumdrehen die Tierindustrie demontieren zu können. Ein paar vegane Flugis verteilt, ein paar Videos von Massentierhaltung und Massenschlachthöfen gezeigt, und schon bricht der Tierkonsum ein. Oder auch nicht.

Ich lebe seit nunmehr 32 Jahren vegan. Meine Kinder sind vegan, meine ganze Lebensausrichtung ist vegan, und das wird auch bis zu meinem Tod so bleiben. Ja, ich habe sogar 1999 mit meinem Bruder und meiner damaligen Partnerin die Vegane Gesellschaft Österreich gegründet und bin seither bis heute im Vorstand. Ich habe also viele Jahrzehnte Erfahrung mit vegan outreach, und ich sehe darin auch eine wichtige Funktion. Aber vegan outreach allein wird diese Gesellschaft im Umgang mit Tieren nicht revolutionieren können.

Ich habe dazu schon sehr viel geschrieben. Herzstück des Arguments für Reformismus ist meine „Balluch-Kurve“, wie sie mittlerweile genannt und immer wieder zitiert wird. Man findet sie hier beschrieben: https://vgt.at/publikationen/texte/artikel/20080325Abolitionism/index_en.php. Weitere Artikel auf diesem Blog dazu hier https://martinballuch.com/abolitionismus-gegen-reformismus-klaus-petrus-in-wien/ und hier https://martinballuch.com/aus-der-erfahrung-lernen-das-verbot-des-fasanaussetzens-und-reformismus-versus-abolitionismus/. Ich möchte mich nicht wiederholen, also versuche ich einen etwas anderen Zugang.

Ziel meiner politischen Arbeit ist eine Gesellschaft, die nichtmenschlichen Tieren gegenüber völlig gewaltfrei ist. Das bedeutet natürlich auch, dass nichtmenschliche Tiere möglichst selbstbestimmt und autonom leben können. Landläufig wird dieses Ziel „Tierbefreiung“ genannt, also die Befreiung nichtmenschlicher Tiere von der Unterdrückung durch den Menschen. „Tierbefreiung“ ist hier gesellschaftspolitisch und nicht aktionistisch gemeint, also nicht einzelne Individuen aus einer Tierfabrik zu holen, sondern alle nichtmenschlichen Tiere in der Gesellschaft von der Unterdrückung durch den Menschen zu befreien. Wohlgemerkt: mein primäres Ziel ist nicht die Reduktion von Tierleid. Ich will mich also nicht am konsequentialistischen „Erbsenzählen“ beteiligen, ob nach meinen Aktivitäten mehr oder weniger Tiere leiden oder sterben. Mein Maßstab ist, ob es sich um einen Schritt Richtung Tierbefreiung handelt oder nicht.

Gut. Nun gibt es offenbar einige Menschen, die glauben, man müsse nur immer mehr Menschen zum Veganismus bekehren, und wenn die Mehrheit vegan lebt, dann wird der Veganismus gesetzlich verpflichtend eingeführt. Oder vielleicht, sicherheitshalber, wenn 75 % vegan leben. Oder vielleicht meinen auch manche, wir überzeugen einfach alle sukzessive und brauchen Tiermissbrauch nie zu verbieten. Und, presto, die Tiere werden nicht mehr genutzt, sind also befreit.

In diesem Szenario gibt es Tierfabriken mit den allerschlimmsten Bedingungen, und mangels Nachfrage werden sie immer weniger, aber weiterhin leiden die Tiere dort unter den schlimmsten Bedingungen, bis sie verboten oder durch die Konvertierung des/der letzten Fleischesssers/in obsolet werden. Dieses Szenario, d.h. der Schritt von brutaler Tierfabrikshaltung zum Verbot oder Ende der Fleischproduktion über Nacht, ist total irreal. Nie entwickeln sich Gesellschaften so diskontinuierlich. Entwicklungen gehen immer sukzessive, Schritt für Schritt, vonstatten. Das Ende der Tierfabriken kann also nur durch eine sukzessive Verbesserung der Tierhaltung kommen.

Trotz jahrzehntelanger vegan outreach Arbeit gibt es in dieser Richtung praktisch keine Entwicklung. Ja, es etabliert sich eine vegane Nische, aber nein, diese ist weiterhin sehr weit davon entfernt, auch nur irgendwie die große Masse zu erreichen. In Österreich sterben pro Jahr etwa 100.000 Menschen. Diese Menschen boykottieren die Tierproduktion auf einen Schlag dauerhaft. Eine typische Größenabschätzung aus der Naturwissenschaft sagt uns, dass die Veganisierungsrate ein Vielfaches der Todesrate sein muss, damit sich die Gesellschaft wirklich ändert. Doch davon sind wir meilenweit entfernt. Es gibt in Österreich insgesamt etwa 80.000 Veganer:innen, Tendenz gleichbleibend. Das merkt man u.a. am Fleischkonsum pro Person pro Jahr, der in Österreich in den letzten 10 Jahren nur unmerklich abgenommen hat. Aber das ist überhaupt nicht verwunderlich. Und das zeigt uns die Balluch-Kurve: Menschen sind soziale und nicht rationale Wesen, sie machen in erster Linie das, was alle anderen machen. Der soziale Druck auf vegan lebende Menschen ist noch immer so groß, dass die allermeisten Veganer:innen früher oder später aufgeben. Selbst wenn man die Menschen überzeugt, ändern sie nicht ihr Verhalten, zumindest nicht dauerhaft. Abgesehen davon ist die simple Rechnung, dass jeder Mensch soundsoviele Tiere pro Jahr isst, also vegane Menschen ebenso viele Tiere pro Jahr „retten“, falsch. Einerseits ist es seltsam zu sagen, ich ermorde heuer niemanden, hätte aber gerne drei Menschen ermordet, also habe ich drei Menschen gerettet. Andererseits bestimmt die Nachfrage nur sehr bedingt das Produktionsvolumen, gibt es ja noch Subventionen, die viel stärker marktsteuernd wirken. Jeder vegan lebende Mensch, der sich ein veganes Essen kauft, zahlt dafür Steuern, mit denen Tierfabriken und Großschlachthöfe finanziert werden. Jeder vegan lebende Mensch in dieser Gesellschaft trägt also zum massiven Tiermissbrauch bei, apropos „gerettet“.

Ich habe ein anderes Szenario zur Entwicklung Richtung Tierbefreiung vor Augen. Ich denke die Gesellschaft muss zunehmend tierfreundlicher werden, der Status der Tiere in der Gesellschaft muss sukzessive ansteigen, die Gesetze zum Schutz der Tiere müssen immer strenger werden und in der Praxis auch umgesetzt sein. Damit wird es u.a. immer teurer und aufwendiger, Tiere für die Fleischproduktion zu verwenden. Letztlich wird dadurch auch das Fleisch teurer und verschwindet schließlich ganz vom Markt. Technologische Entwicklungen, wie Fleisch, Milch und Leder aus dem Labor, können bei der praktischen Entwicklung helfen, sie ersetzen aber die Notwendigkeit nicht, den Status von nichtmenschlichen Tieren in der Gesellschaft zu erhöhen. Das ist das Um und Auf. Ohne dem keine Tierbefreiung.

Und in den letzten 35 Jahren meiner Tierschutzarbeit sieht man eindeutig eine Entwicklung in diese Richtung. Waren sogenannte Nutztiere noch in den 1980er Jahren überhaupt nicht gesetzlich geschützt und war es den Menschen um 2000 noch immer relativ egal, wie es Hühnern geht, so ist heute Nutztierschutz das wichtigste Tierschutzthema und Legebatterien gibt es bei uns nicht mehr. Und keine Pelztierfarmen, Fleischkaninchen in Käfigen, Tierversuche an Menschenaffen, Wildtiere im Zirkus usw. Der Status von Tieren ist heute wesentlich höher als vor 35 Jahren. Und die Ansicht der Menschen zu nichtmenschlichen Tieren eilt dem de facto Status auch noch weit voraus. Dank vegan outreach, z.B., wissen sehr viele Menschen vom Tierleid in Tierfabriken. Sie konsumieren nur trotzdem noch Produkte daraus. Doch sie wären bereit, eine gesetzliche Änderung mitzutragen. Und genau das tun wir im VGT: wir nutzen die in Sachen Tierschutz sehr progressive Meinung in der Gesellschaft, um gesetzliche Fortschritte zu erreichen, die den Status von Tieren erhöhen. Momentan arbeiten wir an einem Verbot des Vollspaltenbodens in der Schweinehaltung und an einer gesetzlich vorgeschriebenen Stroheinstreu. Mehr als 90 % der Menschen wollen das auch und konsumieren gleichzeitig Vollspaltenboden-Fleisch. Mit Hilfe dieser Menschen könnten wir also ein Verbot erreichen und mit ein bisschen mehr Aufwand den Handel auf Linie bringen, und schon konsumiert niemand in Österreich mehr Vollspaltenboden-Fleisch. Dazu brauchen wir niemanden mehr zu überzeugen. Die Menschen sind bereits überzeugt. Wir brauchen nur eine Kampagne, um diese Überzeugung in einen tatsächlich erhöhten Status für die Tiere umzuwandeln. Und deshalb Reformismus. Ich behaupte: es gibt keinen anderen Weg zur Tierbefreiung.

Nun, konkret stoßen sich einige Personen, wie mir berichtet wird, daran, dass ich einen Schweinebetrieb, der zwar Schweinen Stroh bietet, aber nicht einmal eine Bio-Freilandhaltung ist, lobend erwähnt habe: https://martinballuch.com/zu-besuch-bei-einem-etwas-anderen-schweinebetrieb/. Ja, in dem Zusammenhang habe ich sogar kritisiert, dass dieser Betrieb keine Subventionen bekommt, aber Vollspaltenboden-Betriebe schon. Wieso mache ich das?

Ganz einfach. Ein ganz wesentlicher Teil einer erfolgreichen Reformismus-Kampagne ist es, eine funktionierende Alternative zu haben, die das Gleiche wie das Bisherige, das abgeschafft werden soll, leistet, wohin also die Gesellschaft sofort umsteigen kann. Veganismus ist das nicht, wie ich schon herausgearbeitet habe. Bei der Kampagne für ein Legebatterieverbot war das die Bodenhaltung. Die Eierproduktion wurde zwar doppelt so teuer, aber die bereits etablierte Nische bewies, dass der Schritt möglich ist. Und er gelang auch. Bei unserer Kampagne für ein Verbot des Kastenstands gab es diese etablierte Alternative nicht. Zwar bekamen die Schweinemütter in Biohaltung ihre Kinder ohne Kastenstand, aber die Biohaltung ist keine Alternative, die das Gleiche leistet. Jedenfalls nicht in den Augen der Gesellschaft. Das ist keine Massenproduktion, und das ist preislich nicht massentauglich. Die Folge war, dass wir zwar ein Kastenstandverbot bekamen, aber erstens mit Wermutstropfen (tageweisen Ausnahmen) und zweitens erst in 21 Jahren. Begründung: man müsse erst eine Alternative entwickeln.

Und deshalb freue ich mich sehr über jeden Schweinebetrieb, der ohne Vollspaltenboden auskommt und den Schweinen Stroh bietet, aber gleichzeitig keine Bio-Freilandhaltung ist, sondern massentauglich, sowohl im Produktionsvolumen als auch im Preis. Ohne solche Alternativen würde die Übergangsfrist, bis das Vollspaltenbodenverbot in Kraft tritt, wieder über 20 Jahre sein. Deshalb stelle ich diesen Betrieb als Alternative in den Raum.

Zum Übergang in einem absehbaren Zeitraum vom Vollspaltenboden zur Stroheinstreu bedarf es auch Subventionen. Anders lauft das in der Praxis nicht. Heute bekommt die Landwirtschaft in Österreich 2,8 Milliarden Euro Subventionen pro Jahr. Diese Zahl können wir nicht einfach so in Frage stellen, wir können sie nur umwidmen. Und wenn wir den Status von Tieren erhöhen wollen, dann muss die Subvention weg von den konventionellen Tierfabriken hin zu den progressiveren Tierhaltungen. Es ist tatsächlich ein Skandal, dass Landwirtschaftsministerin Köstinger sogar noch den Neubau von Vollspaltenbetrieben finanziert, aber diesem Strohbetrieb überhaupt kein Geld gibt. Es sollte umgekehrt sein, dann würde sich der Status der Tiere rasch erhöhen.

Das ist also das Argument für meine Vorgehensweise, und ich persönlich finde das natürlich überzeugend. Dennoch möchte ich noch ein paar Punkte anführen, die ich, wie gesagt, nicht für primär wichtig erachte, die aber auch für mein Vorgehen sprechen:

1) Reformkampagnen schädigen das Image der gesamten Tierbranche

Wir im Tierschutz kennen das bereits. Wenn Tierschutzverein X Spenden missbraucht hat, dann schlägt das bei allen anderen Vereinen auch insofern durch, als dass die Menschen weniger spenden. Sie differenzieren da nicht so genau. Ebenso: wenn ein Gütesiegel für Tierprodukte kritisiert wird, dann schädigt das das Image von allen anderen mit. Das ist ein längst etabliertes Faktum, das jeder Mensch kennt, der mit Gütesiegeln zu tun hat. Und genauso schädigt eine Reformkampagne gegen eine gewisse Tiernutzung das Image aller anderen im selben Bereich mit. Beispiel Gatterjagdkampagne. Wir haben zwar nur die Gatterjagd und die Jagd auf gezüchtete Tiere kritisiert, aber das Image aller Jagdformen ist dabei in den Keller gesunken. Dieses Faktum war nicht nur überall zu spüren, es wurde auch in sämtlichen Jagdzeitschriften als Problem erkannt und benannt. Es ist also nicht so, dass eine Kampagne gegen den Vollspaltenboden in der Schweinehaltung das Image alternativer Haltungsformen heben würde, und damit den Schweinefleischkonsum ankurbeln.

2) Reformkampagnen retten Leben

In der konventionellen Massentierhaltung wird eine Mortalitätsrate von 15 % einkalkuliert. Man hält die Tiere also so mies alias billig, dass 15 % an der Haltung sterben. Würde man sie besser halten, dann würde das mehr kosten als die verringerte Todesrate bringt. Würde man sie schlechter halten, würde die erhöhte Mortalitätsrate die Profite schmälern. Wenn wir also eine Reformkampagne gewinnen, sodass wir die schlechtest erlaubte Haltungsform auf einen deutlich höheren Standard anheben, dann sinkt die Mortalitätsrate. Beim Wechsel von Vollspaltenboden auf Stroh in der Schweinehaltung z.B. um das Dreifache, bei einem etwaigen Wechsel zu den Strohschweinen auf Naturboden im Freien im Zelt sogar um das Siebenfache. Dieser Reformschritt, wenn er gelingt, rettet also sehr viele Schweineleben, selbst wenn der Schweinekonsum in der Gesellschaft konstant bleibt. Werden, sagen wir, bisher 5 Millionen Schweine pro Jahr in Österreich im Schlachthof getötet und zu Fleisch verarbeitet, dann bedeutet das, dass 15 % davon, oder 750.000, zusätzlich davor noch an den Haltungsbedingungen gestorben sind. Wenn die Mortalitätsrate also auf 5 % oder gar 2 % sinkt, dann würde dieser „Extrakill“ nur mehr 250.000 oder gar 100.000 ausmachen. Mit anderen Worten: der Reformschritt, den gesetzlichen Mindeststandard von Vollspaltenboden auf Stroh in Österreich anzuheben, würde 500.000-650.000 Schweinen pro Jahr den Tod ersparen.

Der konkrete Betrieb, den ich positiv erwähnt habe, mästet 350 Schweine 3 Mal pro Jahr, also zusammen 1.050 pro Jahr. Auf Vollspaltenboden würden für 1.050 Schweine im Schlachthof vorher 158 Schweine an der Haltung gestorben sein. Es wurden also anfangs 1.208 Schweine in die Tierfabrik eingestallt. Bei diesem Betrieb sterben 2 % pro Jahr an der Haltung, also 21 pro Jahr, es wurden also für die gleiche Fleischmenge am Schlachthof nur 1.071 Schweine eingestallt. Dieser Betrieb rettet also 137 Schweine pro Jahr, indem er 1.050 Schweine pro Jahr zum Schlachthof schickt.

3) Reformkampagnen verbessern das Lebensgefühl der betroffenen Tiere vor ihrer Tötung

Die Erbsenzählerfraktion argumentiert zuweilen, es komme nicht darauf an, wie ein Tier gelebt hat, bevor man es im Schlachthof tötet, sondern nur, ob es getötet wird. Diese Meinung zeugt von erstaunlich wenig Einfühlungsvermögen. Ich bin 105 Tage in U-Haft im Gefängnis gesessen. Ich hatte 6 m² in einer Einzelzelle zur Verfügung, nur Betonwände und Neonlicht, kein Fenster mit einer Sicht nach draußen. Ich wurde aber auch in andere Gefängnisse verlegt. Da war ich u.a. in einer viel größeren, offeneren Haltung mit mehr Personen, oder auch mit 1 Stunde Freigang in einem Wäldchen mit echten Bäumen. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass das einen wahnsinnig großen Unterschied macht. 6 m² sind sehr deprimierend, der Auslauf im Wäldchen dagegen war sehr wertvoll.

Schaue ich mir Schweine auf Vollspaltenboden an, dann bin ich mir sicher, dass die keinen einzigen glücklichen Moment erleben. Dieser Boden ist eine Dauerfolter. In der Strohhaltung unter dem Zelt dagegen sah ich definitiv Schweine, die glückliche Momente erlebt haben oder zumindest erleben können. Subjektiv für diese Tiere macht das einen sehr großen Unterschied, wie sie gehalten werden. Und diese subjektive Sicht der nichtmenschlichen Tiere dürfen wir niemals außer acht lassen.

4) Reformkampagnen machen Tierprodukte teurer

Klar ist, dass eine erfolgreiche Reformkampagne die Tierproduktion erschwert, indem es höhere Tierschutzauflagen gibt. Höhere Auflagen machen das Produkt teurer. Damit werden die Tierprodukte im Wettkampf am Markt den veganen Produkten gegenüber benachteiligt. Es ist zu vermuten, zumindest ab einer gewissen Preiserhöhung, dass dadurch weniger Tierprodukte statt veganer Alternativen verarbeitet werden, und dass vielleicht auch mehr Menschen zur veganen Alternative greifen. Das reduziert dann das Volumen der Tierproduktion und die Anzahl der missbrauchten Tiere. Mit einer geschwächten Tierindustrie ist der nächste Reformschritt leichter.

16 thoughts on “Zur abolitionistischen Kritik an meinem positiven Bericht von einem Schweinebetrieb

  1. Hiltibol d says:

    Guten Tag Herr Balluch, wer betreut eigentlich den Youtube-Kanal des VGT auf Twitter? Sie?
    Warum erhält man dort keine Antwort auf ganz normale Fragen?
    Ist Ihnen an einem gesitteten Meinungsaustausch nicht gelegen?
    Finde dieses schon lange zu beobachtende Verhalten offen gestanden sehr befremdlich.

  2. @Hiltibold d
    Ich betreue sicher keine Youtube Kanäle sondern nur meine Kinder. Bin in Kinderbetreuungskarenz und habe deshalb wahnsinnig wenig Zeit. Bin froh, wenn ich alle paar Wochen einmal hier auf den Blog schauen kann. Und da versuche ich einen „gesitteten“ Meinungsaustausch zu ermöglichen. Ich lösche sogar beleidigende Kommentare nicht, wenn sie daneben einen relevanten Inhalt haben. Gemeint ist: Beleidigungen gegen mich. Beleidigungen gegen andere lösche ich selbstverständlich schon – oder zensuriere sie.

  3. Maria Sand says:

    Zu @Jkub möchte ich noch etwas sagen. Sie schreiben: „Sie retten die Schweine vor dem Tod auf Vollspaltenboden, damit sie stattdessen in der Gaskammer sterben. Ist das wirklich „retten“? Ich behaupte mal, diese Schweine würden lieber gar nicht sterben.“ Ich behaupte, die Schweine die so leben müssen, würden vermutlich lieber sterben, als so zu leben. Warum soll man zusehen wie unzählige Tiere bestialisch gequält werden, wenn man ihnen wenigstens ein halbwegs anständiges Leben zugestehen kann? Zustände ändern sich, wenn die Menschen ihren glauben ändern. Leider glauben viele Menschen – das hat religiöse Gründe und auch naturwissenschaftliche – Tiere wären weniger wert als Menschen. Deshalb kann man sie bedenkenlos opfern. Dazu kommt auch noch der inflationäre Charakter der Dinge. In manchen Gegenden wurden z. B. Menschen umgebracht, nur weil sie ein Huhn des Nachbarn getötet haben. Weil es nicht massenhaft Hühner gab. Aus religiösen Gründen wurden Menschen getötet, weil sie eine Kuh getötet haben, oder im besetzten alten Ägypten wurden sogar Römer hingerichtet, wenn sie ein heiliges Tier getötet haben. Wenn die Menschen anfangen sollen, Tiere als gleichwertig zu betrachten. muss man sie zuerst davon überzeugen, dass Tiere gleichwertig sind. Das wird auch versucht. Indem man den Menschen erklärt, dass Tiere auch Gefühle haben, intelligent sind, usw. Auf diese Weise kann man viel mehr erreichen, als mit Drohungen, oder Zwang.

  4. Maria Sand says:

    @Demirel, was Sie tun, kann nur ein kleiner Teil der Menschen machen. Die meisten Menschen kaufen – zum Glück im Supermarkt ein. Es wäre schrecklich, würden plötzlich alle selbst angeln gehen, oder jagen. Das Problem ist, dass es viel zu viele Menschen gibt. Statt dafür zu sorgen, dass sich die Menschheit nicht ungebremst vermehrt, fördert man diese Vermehrung wo es nur geht. Die Folgen sind auf der einen Seite Hungersnöte in manchen Gegenden, auf der anderen Seite die gnadenlose Ausbeutung von Tier und Umwelt. Wir sägen den Ast ab, auf dem wir sitzen, könnte man sagen. Massentierhaltung ist ja nicht nur grausam den Tieren gegenüber, sondern auch total dumm. Wenn Antibiotika nicht mehr wirken, weil damit Tiere gefüttert werden, damit sie bis zur „Schlachtreife“ am Leben bleiben, wenn man giftige Gülle auf die Felder ausbringt und das Grundwasser verseucht, wenn man Tierfutter im Ausland kauft, das gentechnisch verändert ist und wegen dem Urwälder gerodet werden, usw. schaffen wir selbst die zukünftigen Seuchen, an denen Unzählige elend zugrunde gehen werden. Die Fische, die sie heute fangen, sterben bereits weltweit. Besonders betroffen sind die Forellen. Die afrikanische Schweinepest kommt immer näher, Vögel sterben an Seuchen. Die Liste kann man fortführen. Es ist klar, dass nicht auf einen Schlag alle Menschen aufhören werden, Fleisch und Fisch zu essen. Aber es wäre wichtig, dass möglichst viele umdenken. Es ist im eigenen Interesse, wenn man es schon nicht für die Tiere tun mag. Dieser menschliche Egoismus ist dumm und schädlich. Leider sind viele Menschen noch nicht fähig, über das tierische Reagieren hinaus zu denken. Wir sind ziemlich primitive Lebewesen. Die Naturvölker sind klüger als wir. Die Pygmäen z. B. entscheiden sogar gemeinsam, als Gesellschaft, darüber wer jeweils ein Kind bekommen soll. Damit nicht mehr Menschen geboren werden, als auch ernährt werden können. Wir haben nicht gelernt, Verantwortung zu tragen, verantwortlich zu handeln. Wir essen massenhaft Gift, atmen giftige Luft, essen das Fleisch von kranken, verzweifelten Tieren und wundern uns, dass immer mehr Menschen psychisch krank sind. Was sie machen ist ein netter Versuch, es besser zu machen, aber ihren Weg können nur wenige gehen. Ich denke, Renate Rosol macht es richtig. Diesen Weg versuche ich auch zu gehen. Man kann sich Schritt für Schritt umstellen.

  5. Hugo says:

    Danke für den Text. Was die Welt heute sicher nicht benötigt ist mehr Perfektion einiger wenigen und keinen Fort-Schritt der Masse.

    Rauchen ist nach einer Steuerreform vor vielen Jahren um 70% teurer geworden. Das hat dazu geführt, dass heute 70% weniger rauchen. Seit einigen Jahren darf man in der Gastro nicht mehr rauchen. In einer Generation könnte man es ganz abschaffen. So wird es auch mit Fleisch sein.

    Laut UN sind 87% der 540 Billionen Dollar an Agrarsubventionen umweltschädlich. Jetzt gilt es diese zu reformieren um Fleisch teuerer zu machen und zu reduzieren. Kommen wir auf der Balluch-Kurve weiter, ist an Ende von Fleisch zu denken, vor allem wenn es mehr Lab und Plant Meat gibt.

    https://www.diepresse.com/6033774/87-prozent-der-globalen-agrar-subventionen-sind-umweltschadlich

    https://www.theguardian.com/environment/2021/sep/14/global-farm-subsidies-damage-people-planet-un-climate-crisis-nature-inequality

    Die Wissenschaft ist auf der Seite von „viel weniger Fleisch“. Die Gesellschaft wäre mit „etwas weniger Fleisch“ ok. Anstatt 100% zu verlangen und zu verzögern, sollten wir an „weniger Fleisch“ als realistisches erstes Ziel arbeiten. Beginnt sich einmal die Masse ein wenig zu bewegen, bringt das heute mehr als einige wenige, die vegan werden.

  6. Jkob VeganActivist says:

    Nachdem dieser Artikel ja eine grundlegende Kritik an Allen abolitionistischen Organisationen dieser Welt ist, kann ich ihn hier nicht einfach so unkommentiert stehen lassen. Ich hoffe mal ihr seit so fair und löscht diesen Kommentar nicht.
    ———-
    „Ein paar vegane Flugis verteilt, ein paar Videos von Massentierhaltung und Massenschlachthöfen gezeigt, und schon bricht der Tierkonsum ein.“
    Du machst hier aus uns absolut einen Strawman, ich kenne niemanden der das glaubt.
    „Aber vegan outreach allein wird diese Gesellschaft im Umgang mit Tieren nicht revolutionieren können.“
    Quelle? Woher weißt du genau was die Gesellschaft verändern kann und was nicht?
    „Ziel meiner politischen Arbeit ist eine Gesellschaft, die nichtmenschlichen Tieren gegenüber völlig gewaltfrei ist.“
    Dann ist es ziemlich merkwürdig, dass du in deinem Letzten Artikel Werbung für einen Tierbetrieb und für mehr Subventionen für diesen Betrieb gemacht hast, und diesen Betrieb vollkommen verharmlost hast, und nicht einmal erwähnt hast welche Gewalt diesen Tieren trotzdem angetan wird.
    „Dieses Szenario, d.h. der Schritt von brutaler Tierfabrikshaltung zum Verbot oder Ende der Fleischproduktion über Nacht, ist total irreal. Nie entwickeln sich Gesellschaften so diskontinuierlich.“
    Das stimmt einfach nicht. Sklaverei wurde in vielen Ländern über Nacht abgeschafft, nicht langsam durch Verbesserung der Bedingungen.
    „Erbsenzählen“
    Ziemlich ekelhafter Ausdruck wenn man bedenkt wie grausam diese Tiere misshandelt und getötet werden. Es geht um ihre Leben, nicht um Erbsen.
    „Mein Maßstab ist, ob es sich um einen Schritt Richtung Tierbefreiung handelt oder nicht.“
    Again, dein letzter Artikel war absolut ein Schritt weg von Tierbefreiung und hin zu „etwas anderen“ Bedingungen.
    „Das Ende der Tierfabriken kann also nur durch eine sukzessive Verbesserung der Tierhaltung kommen.“
    Again, Quelle?
    „Trotz jahrzehntelanger vegan outreach Arbeit gibt es in dieser Richtung praktisch keine Entwicklung“
    Genaue Zahlen gibt es leider nicht, aber wenn man sich die Anzahl an Veganen Restaurants, Produkten, Interesse an Veganismus Allgemein, und Ergebnisse von Umfragen ansieht würde ich mich durchaus trauen zu behaupten, die Vegane Bewegung wächst. In anderen Ländern sicher schneller als in Österreich, weil dort die großen Tierschutzvereine auch wirklich für Veganismus eintreten.
    „Es gibt in Österreich insgesamt etwa 80.000 Veganer:innen, Tendenz gleichbleibend.“
    Quelle?
    „Der soziale Druck auf vegan lebende Menschen ist noch immer so groß, dass die allermeisten Veganer:innen früher oder später aufgeben.“
    In dem Artikel den du zitierst geht es um Vegetarier*innen, Leute die Plant Based leben, und Veganer*innen, das wird nicht einzeln aufgelistet. Ich wage mal zu bezweifeln das 84% aller tatsächlichen Veganer*innen das aufgeben. Ein Feminist wird auch nicht plötzlich Vergewaltiger wegen gesellschaftlichem Druck. Die Statistik kommt wohl von all den Leuten die Vegan als „trendige Diät“ sehen, nicht Leuten die die Ethik verstehen.
    „Abgesehen davon ist die simple Rechnung, dass jeder Mensch soundsoviele Tiere pro Jahr isst, also vegane Menschen ebenso viele Tiere pro Jahr „retten“, falsch.“
    Quelle? Also wenn ein Serienmörder jetzt aufhört Leute umzubringen sind deiner Meinung nach dadurch keine Leute gerettet?
    „Andererseits bestimmt die Nachfrage nur sehr bedingt das Produktionsvolumen“
    Doch. Lernt man in der 1. Einheit jeder Ökonomik Vorlesung. Schau dir vergangene Produkte an wie Schreibmaschinen, Digitalkameras, etc. Die Nachfrage danach ist deutlich gesunken, also werden sie kaum mehr produziert.
    „Jeder vegan lebende Mensch, der sich ein veganes Essen kauft, zahlt dafür Steuern, mit denen Tierfabriken und Großschlachthöfe finanziert werden.“
    Das stimmt und ist schrecklich, klingt aber sehr komisch aus dem Mund von jemandem der MEHR Subventionen für „etwas andere“ Betriebe will.
    „Damit wird es u.a. immer teurer und aufwendiger, Tiere für die Fleischproduktion zu verwenden.“
    Again, die Aussage widerspricht 100% dem, dass du MEHR Subventionen für „bessere“ Betriebe forderst. Dann wird’s ja nicht teurer wenn’s mehr subventioniert wird, oder?
    „den Status von nichtmenschlichen Tieren in der Gesellschaft zu erhöhen. Das ist das Um und Auf. Ohne dem keine Tierbefreiung.“
    Dann sollte man vielleicht ehrlich ansprechen dass alle diese Tiere grausam getötet werden, auch auf „etwas anderen“ Betrieben?
    „Und deshalb Reformismus. Ich behaupte: es gibt keinen anderen Weg zur Tierbefreiung.“
    Schön, ich behaupte es gibt keinen anderen weg als Abolitionismus. Denn die Mehrheit der Menschen will jetzt gerade sicher kein Ende der Tierindustrie, und ihr wollt sie nicht davon überzeugen, gegen die Tierindustrie an sich zu sein.
    „Ein ganz wesentlicher Teil einer erfolgreichen Reformismus-Kampagne ist es, eine funktionierende Alternative zu haben“
    Ja, diese funktionierende Alternative ist Vegan leben. Oder warum lebst du selbst Vegan, wenn du nicht glaubst es ist eine funktionierende Alternative?
    „Und deshalb freue ich mich sehr über jeden Schweinebetrieb, der ohne Vollspaltenboden auskommt und den Schweinen Stroh bietet“
    Du freust dich darüber, wohl wissend was all diesen Schweinen trotzdem angetan wird? Hätte ich mir nicht erwartet von dir.
    „Heute bekommt die Landwirtschaft in Österreich 2,8 Milliarden Euro Subventionen pro Jahr. Diese Zahl können wir nicht einfach so in Frage stellen, wir können sie nur umwidmen.“
    Warum können wir diese Zahl nicht in Frage stellen? Wer sagt das?
    „Reformkampagnen schädigen das Image der gesamten Tierbranche“
    Allerdings nicht, wenn man als Teil dieser Kampagne einen Betrieb verharmlost und schönredet. Das hilft der Tierbranche. Sieht man auch an den Kommentaren hier, wie viele Fleischesser*innen sich dadurch bestätigt fühlen.
    „Reformkampagnen retten Leben“
    Sie retten die Schweine vor dem Tod auf Vollspaltenboden, damit sie stattdessen in der Gaskammer sterben. Ist das wirklich „retten“? Ich behaupte mal, diese Schweine würden lieber gar nicht sterben.
    „Reformkampagnen verbessern das Lebensgefühl der betroffenen Tiere vor ihrer Tötung“
    Ja. Ich glaube dennoch, wenn die Schweine sich entscheiden könnten, würden sie lieber gar nicht sterben. Dann müsstet ihr aber für Veganismus eintreten.
    „Erbsenzählerfraktion“
    Again, ziemlich Pietätslos, wir werden auch nicht beleidigend euch gegenüber. Ich würde mir auch etwas Respekt in die Gegenrichtung wünschen.
    „erstaunlich wenig Einfühlungsvermögen.“
    Wirklich? Du wirfst Leuten die jede Woche ehrenamtlich für die Tiere auf der Straße stehen das vor? Wow.
    „6 m² sind sehr deprimierend“
    Im letzten Artikel hast du noch gesagt Schweine fühlen sich ab 2 m² deutlich wohler. Jetzt sind 6 zu wenig?
    „Reformkampagnen machen Tierprodukte teurer“
    Ja, aber nicht mehr, wenn ihr gleichzeitig MEHR Subventionen für diese Tierprodukte wollt.
    ———-
    Alles in Allem kommt mir vor, der VgT ist jetzt wie XXXX oder wie YYYY für etwas bessere Bedingungen und dann ists genug, und wehe die bösen Tierrechtler wollen dass man Vegan wird oder wirklich aufhört Tiere zu töten. Ich habe bisher eure Reformkampagnen immer unterstützenswert gefunden, weil ich dachte ihr wollt damit tatsächlich die Industrie irgendwann abschaffen. Das habt ihr widerlegt nachdem ihr mehr Subventionen für die Industrie wollt und deren Gräuel gar nicht mehr ansprecht sobalds „etwas besser“ ist. Wirklich Schade.

  7. @Jkob VeganActivist
    Ich kenne Dich nicht, aber wenn ich das lese, dann habe ich das Gefühl, dass Du absolut überhaupt nicht in der Lage bist, ein Argument zu begreifen und zu beantworten oder zu widerlegen. Jeder einzelne Satz von Dir oben wird in meinem Text beantwortet. Entweder das fällt Dir gar nicht auf oder Du bist aus ideologischen Gründen nicht Willens oder in der Lage zu begreifen, was ich sage. Ich müsste mich 1:1 wiederholen, um zu antworten, was mir sinnlos erscheint.

    Einen Punkt kann ich vielleicht klarstellen: die zusätzlichen Schweine, die auf Vollspaltenboden sterben, sterben nicht auf Stroh, weil sie gar nicht eingestallt werden. Ergibt sich aus dem Text, hast Du offenbar nicht verstanden. Also ganz langsam: es sterben mit Vollspaltenboden allein in Österreich mehrere 100.000 Schweine mehr pro Jahr bei gleichem Fleischproduktionsvolumen als auf Stroh.
    Faktum ist, dass wir in Österreich einen intensiveren vegan outreach haben als praktisch sonst überall auf der Welt. Und Faktum ist weiter, dass wir Jahr für Jahr teure Umfragen finanzieren, die besagen, dass wir bei ca. 1 % Veganer:innen auf der Stelle treten. Und ich denke ich habe sehr gute Argumente geliefert, warum das so ist. Ich bin seit 35 Jahren aktiv und ich habe wirklich hunderte wenn nicht tausende ethisch motivierte Veganer:innen gesehen, die heute wieder vegetarisch oder sogar omnivor leben. 80 % (!) der veganen Eltern, die ich kenne, ernähren ihre Kinder nicht vegan. Das ist (leider) ganz normal. Die Balluch-Kurve erklärt zwanglos, warum das so ist.

    Ich habe angesichts Deines Textes (den ich natürlich stehen lasse, weil mich Gegenpositionen überhaupt nicht stören, während i.A. auf abolitionistischen Seiten alle reformistischen Kommentare sofort gelöscht werden, wie überhaupt Abolitionist:innen sehr aggressiv gegen Reformist:innen auftreten, aber kaum umgekehrt) das Gefühl, Du lebst in einer dieser unseligen Bubbles, die sich durch soziale Medien (und löschen gegenteiliger Meinungen) ergeben. Tritt hinaus, dann erlebst Du, wie total abgehoben das vegane Ideal ist. Ich war gerade auf einem Schiff mit 400 Personen zusammen mit meiner Partnerin und meinen Kindern der einzige Veganer oder Vegetarier. D.h. wir mussten mit Sauerkraut auf gebratenem Zwiebel Vorlieb nehmen, während die anderen ausgiebig speisten. Die vegane Revolution steht ganz offensichtlich nicht vor der Tür. Wenn ich jemandem Physik beibringe, dann beginne ich nicht mit den Einsteinschen Feldgleichungen, sondern mit Newtons Gravitationsgesetz, weil man das als unbedarfte Person viel besser versteht, um von dort zu den Einsteinschen Feldgleichungen eines Tages weiter zu kommen, sodass die Personen erkennen, dass Newtons Gesetz eigentlich falsch ist. Aber das ist nicht einmal das Relevante hier. Relevant hier ist, dass sich Gesellschaften immer Schritt für Schritt entwickeln, außer es kommt zu einem großen Gewaltausbruch, wie einem Krieg oder einer Revolution. Sonst immer Schritt für Schritt. Deine Behauptung, die Sklaverei wurde über Nacht abgeschafft, ist total falsch. Erzählt man sich das als Folklore in Deiner Bubble? Ein bisschen Geschichte lernen wäre eine gute Idee, wenn man große Worte über Gesellschaften schwingt. Es gibt sogar eine wissenschaftliche Studie über die Abschaffung der Sklaverei, die Abolitionismus und Reformismus vergleicht, die klar darlegt, dass es Jahrhunderte gebraucht hat, und dass es nur durch Reformen gegangen ist. In den USA im 18. Jahrhundert hat man durch reformistische Argumente die Sklaverei ziemlich ins Abseits drängen können. Als sich Anfang des 19. Jahrhunderts die abolitonistischen Argumente in den Vordergrund schoben, kam es zum totalen Backlash. Die Sklaverei wurde viel brutaler und sozial akzeptierter, der Ku Klux Klan trat auf. Geendet hat das nur durch den Bürgerkrieg, und selbst da noch nicht, dazu hats dann 100 (!) Jahre später noch die Bürgerrechtsbewegung gebraucht. Nein, gerade die Geschichte der Sklaverei ist der beste Beweis für die Wirksamkeit des Reformismus und für die Schädlichkeit eines radikalen Abolitionismus. Lernen Sie Geschichte, hat Bruno Kreisky zurecht gesagt.

    Noch ein Wort zu den Subventionen: Offenbar kapierst Du nicht, dass ich nicht von „in 100 Jahren“ spreche, sondern von jetzt und hier. Jetzt und hier unter den gegebenen Bedingungen des Schweinefleischkonsums, der in den nächsten Monaten (so lange dauert nämlich unsere Kampagne gegen den Vollspaltenboden nur mehr) unverändert bleiben wird, ist nur ein etablierter konventioneller Strohbetrieb mit Massenproduktion eine Alternative zum Vollspaltenboden. Ausschließlich das und sonst nichts, wie die Erfahrung mit dem Kastenstand lehrt. Nicht einmal Bio ist dafür eine Alternative, wie im Text erklärt, und vegan schon gar nicht. Und in der Praxis funktioniert das nur, wenn statt Vollspaltenbetrieben die Strohbetriebe subventioniert werden. Anders geht es nicht, wie die JAHRZEHNTELANGE Erfahrung zeigt. Wieviel Erfahrung hast Du mit vegan outreach? Kannst Du da mithalten? Oder redest Du nur daher, was Du gerne hättest?

    Ich habe noch einen netten Vorwurf zuletzt: Faktum ist, wie gezeigt, dass der Wechsel vom Vollspaltenboden zu Stroh mehrere 100.000e Schweine pro Jahr in Österreich rettet, indem um so viele Tiere weniger gezüchtet werden. Wer also nicht mithilft, obwohl er es könnte, den Vollspaltenboden durch Strohhaltung zu ersetzen, begeht Verrat an diesen mehreren 100.000en Tieren, liefert sie einem qualvollen Leben und Tod aus. Da Du offenbar nicht mithelfen willst, es aber könntest, bist Du am Tod von 100.000en Schweinen zumindest mit schuld. Wie fühlt man sich so als Massenmörder, wie das im abolitionistischen Jargon heißt?

    Zum Erbsenzählen: ja, ich halte das konsequentialistische Postulat, man müsse so handeln, dass möglichst wenig Tiere leiden und sterben, egal auf welche Weise, für total bescheuert, wie ich anderswo gezeigt habe. Das ergibt so viele Widersprüche, dass einem der Kopf schwirrt. Wäre es da nicht besser, einen Fuchs zu essen, als einen Tofu, weil ein Fuchs in seinem Leben pro Jahr 7.000 Mäuse tötet? Go figure!

    Aja, und selbstredend rettet jemand keine Menschen, indem er sie nicht ermordet. Freust Du Dich über jeden Menschen, der stirbt, weil er von da ab die Fleischproduktion boykottiert und damit soundso viele Tiere pro Jahr rettet? Diejenigen, die schon seit 1.000 Jahre tot sind, punkten da besonders. Wieviele Tiere die Corona-Pandemie bisher schon gerettet hat!

  8. Jkob Activist says:

    Inhaltlich hast du jetzt ja auch auf so ziemlich gar nichts reagiert was ich hier geschrieben habe, eigentlich sind deine Reaktion Hauptsächlich Unterstellungen und Anschuldigungen.

    Ich lass es glaub ich dann lieber sein, das führt so zu nichts.

    Deine Behauptungen dass ich zu wenig Erfahrungen mit Aktivismus habe und keine Ahnung von Geschichte habe sind ziemlich witzig, für Alle die mich kennen.

  9. Maria Sand says:

    Jedes Lebewesen stirbt irgendwann. Auch wir Menschen. Ich glaube, jeder wird mir Recht geben wenn ich behaupte, niemand wünscht sich, von Geburt an eingesperrt zu sein, bei vollem Bewusstsein kastriert zu werden, von der Mutter getrennt, zusammen gepfercht mit anderen auf engstem Raum zu leben, ohne Beschäftigung zu sein, ständig verletzt zu werden, höllische Qualen zu erdulden, bis man endlich durch den Tod erlöst wird. Der übrigens auch oft grauenhaft ist. Wer würde dieses Schicksal für sich selbst einfach hinnehmen wollen, nur weil man sowieso sterben wird? Das wäre pervers. Was für uns Menschen gilt, gilt auch für Tiere. Jedes einzelne dieser gequälten Tiere leidet, nur weil wir Menschen glauben, jeder Mensch habe das Recht auf Fleischkonsum und deshalb müsse das Fleisch so billig wie möglich sein. Würde man die Kosten der Krankenkassen mit ein berechnen, die durch den exzessiven Fleischkonsum entstehen, wäre das Fleisch gleich viel teurer. Würde man auch die Kosten für die Umweltzerstörung durch die Tierfabriken mit einkalkulieren, könnte sich wahrscheinlich kaum mehr jemand mit mittlerem Einkommen Fleisch kaufen. Was die Fleischproduktion auch drosseln würde. Fleisch ist kein Lebensmittel, sondern ein Genussmittel. Man braucht es nicht unbedingt. Heute ist es auch ein Statussymbol. Arme Menschen haben nie so viel Fleisch gegessen, wie wir es heute tun.

  10. Demirel says:

    Das Fleisch, das ich esse, stammt nur von Tieren, die ich selbst getötet habe: Und zwar von Fischen, die frei in Flüssen aufwachsen konnten. Ansonsten lebe ich vegetarisch. Dazu habe ich meine eigenen vier Hühner, die mir Eier geben und ein schönes Leben im Freien genießen können. Milch und Käse hole ich mir von einem kleinen Nebenerwerbsbiobauern mit Laufstall in der Nähe, der ein paar Schafe und Ziegen hat. Leider kann er sie nicht mehr auf die Alm treiben, wegen den Wölfen, die Sie, Herr Balluch, hier angesiedelt sehen wollen. Teuren Herdenschutz kann er sich nicht leisten. Deshalb müssen die Tiere jetzt unter weniger günstigen Bedingungen auf einer hoch eingezäunten Wiese beim Bauernhof grasen.

    Veganismus halte ich für eine fundamentalistische Ersatzreligion. Brauch ich nicht, will ich nicht. Das hat im Übrigen nichts damit zu tun, dass man mich erst überzeugen muss. Ich habe mir meine Meinung dazu im Laufe meines 42jährigen Lebens gebildet. „Talibanartige“ Veganer bringen mich davon sicher nicht mehr ab. Im Gegenteil, ich schaue heute dreimal so genau hin, bevor ich sogenannte Tierschützer unterstütze. Zu oft sind es nämlich Personen mit totalitärer Gesinnung. Und in manch Verein, wie XXXX, machen sich Großkopferte mit Mondgehältern aus Spendengeldern die Taschen voll.

  11. @Demirel
    Ich empfehle das Buch „Vegan ist Unsinn“ von Niko Rittenau et al. Das räumt sachlich nüchtern mit allen Ihren Vorurteilen auf.

  12. Demirel says:

    Das sind keine Vorurteile, sondern Urteile. Nur weil nicht jeder Ihre persönlichen radikalen Schlussfolgerungen teilt ist er nicht automatisch ein unwissender Dodel.
    Und warum Sie den Namen der von mir genannten Organisation anonymisiert haben, verstehe ich nicht. Weil das ihre Haberer dort sind, mit denen sie immer wieder zusammenarbeiten? Das was ich geschrieben habe ist jedenfalls ein Faktum und wurde medial umfangreich kommuniziert. Googeln sie einfach mal danach.

  13. @Demirel
    Natürlich sind das Vorurteile, oder meinen Sie ernsthaft, alle sind so wie Sie schreiben? Was genau ist meine „radikale Schlussfolgerung“?
    Und dass ich eine Beleidigung gegen jemanden anderen als mich lösche ist wohl selbstverständlich. Abgesehen davon, dass ich nicht will, dass jemand beleidigt wird, könnte ich dafür auch erfolgreich geklagt werden. Dass Sie das nicht wissen, zeigt allerdings, dass Sie tatsächlich wenig Ahnung von der Realität haben.

  14. Renate Rosol (Rose) says:

    Stimme voll zu! Bin mit ca. 60 J Vegetarierin geworden und bald darauf habe ich beschlossen mich möglichst vegan zu ernähren. Das schaffe ich auch zu gut 90 %. Nur wenige vegetarische Nahrungsmittel gehören noch zu meinem Speiseplan. Natürlich putze, wasche und pflege mich nur vegan. Ich versuche meinem Umfeld diese Lebensweise möglichst „schmackhaft“ zu machen und es gelingt mir zumindest, dass ich dieses Umfeld zum Besuch veganer Restaurants motiviere und dieses auch vegan bewirte.
    Es sind kleine Schritte, aber ich denke ebenso, dass es nur auf diesem Weg möglich ist ein Umdenken zu erreichen.
    Viel Kraft und viel Freude mit den Mädels.

  15. Barbara says:

    Ich war auch sehr entrüstet, sehe aber, dass die Argumente durchaus klug sind. Sie haben Recht, wir leben in einer karnistischen Gesellschaft. ;-(..und haben noch einen langen Weg. Wir sollten uns kollektiv die Frage stellen, wie man diesen Weg verkürzen kann.

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