Coronavirus: Clemens Arvay widerlegt

Die zweite Infektionswelle des Coronavirus rollt, wie vorhergesagt. Hat sich der Tanz nach dem Hammer doch nicht als so leicht herausgestellt. Eine Reihe von Ländern ist zurück in den Lockdown gegangen, zuletzt Irland, und das total.

Doch manche unserer Mitbürger_innen scheinen infrage zu stellen, ob es überhaupt eine zweite Infektionswelle gibt. 2 % der mit dem PCR-Test geprüften Personen würden ein falsches positives Ergebnis zeigen, also je mehr getestet wird, desto mehr Infizierte. 2 % ist ziemlich viel in diesem Zusammenhang. 10.000 Tests zeigen dann immerhin 200 Infektionen an, die es gar nicht gibt. Ist die gesamte zweite Infektionswelle ein Hoax?

Leider ist das wieder nur ein Beispiel, wie man mit Pseudowissenschaft die Leichtgläubigen unter uns hineinlegen will. Stimmt nicht, sagt Molekularbiologe Martin Moder, und erklärt in einem Video sehr genau und leicht verständlich, warum der PCR-Test praktisch überhaupt keine falschen positiven Testergebnisse liefert: https://youtu.be/LNCRV03-79c

Kurz zusammengefasst: Moder zeigt auf, dass sich der 2 % Fehler nur auf eine Gensequenz bezieht. Wenn man aber 2 oder noch mehr Gensequenzen bei dem Test sucht, dann hat man 2 % von 2 %, oder sogar 2 von 2 von 2 % falsche positive Resultate, also praktisch Null.

Ein anderer Coronaleugner hat mir erklärt, irgendein anderer Pseudowissenschafter hätte gesagt, die Menschen in Bergamo seien alle an Luftverschmutzung gestorben. Ah ja, zuerst stirbt niemand an Luftverschmutzung, dann kommt das Coronavirus aus China nach Italien, plötzlich sterben alle an Luftverschmutzung in Bergamo, indem sie am Bauch liegend künstlich beatmet werden müssen, dann gibts Isolationsmaßnahmen, das Virus geht wieder und die Luftverschmutzung ist wieder zuende. Sehr überzeugend. Aber Harvard hätte durch eine Studie bestätigt, dass die Luftverschmutzung einen Einfluss habe und daher sei diese Behauptung wissenschaftlich bestätigt. Ist sie nicht. Na no na hat die Luftverschmutzung irgendeinen Einfluss auf eine Atemwegserkrankung, aber deswegen wäre noch lange niemand an Luftverschmutzung in Bergamo gestorben, hätte es kein Coronavirus gegeben.

Man kann schon Coronamaßnahmen kritisieren und auch wissenschaftliche Erkenntnisse gegeneinander abwägen. Aber bitte mit Vernunft und fundiert, nicht absichtlich wissenschaftliche Arbeiten missinterpretieren, um eine Ideologie zu bestätigen, die sich in Wahrheit so nicht bestätigen lässt.

Clemens Arvay hat mir geschrieben. Er fühle sich durch meine Aussagen beleidigt. Er habe ein objektiv wissenschaftliches Buch geschrieben, ich sei ideologisch verbohrt. Lustig, weil ich habe überhaupt keine Meinung zu Corona. Ich höre mir nur an, was die verschiedenen Wissenschafter_innen und Politiker_innen sagen. Wenn Corona gefährlich ist, dann mache ich bei den Isolationsmaßnahmen mit. Wenn nicht, dann nicht. Und wenn man zunächst glaubt, das Virus ist gefährlich, und dann stellt sich heraus, es ist nicht gefährlich, dann ist mir das auch recht. Besser man irrt sich auf der sicheren Seite und überschätzt statt unterschätzt die Gefahr.

Clemens Arvay dagegen ist gar nicht wurscht, wie gefährlich Corona ist und ob Schutzmasken etwas helfen. Er hat eine Agenda und ignoriert dafür wissenschaftliche Erkenntnisse. Das hat er mir persönlich bestätigt.

Christian Drosten hat in seinem Blog eine wissenschaftliche Meta-Studie zur Gefährlichkeit des Coronavirus analysiert. Diese Studie kommt zum Schluss, dass Corona 16x (!) tödlicher als die herkömmliche Grippe ist. Bei 85 Jährigen ist die Infektion für eine von vier Personen tödlich.

Ich habe Clemens Arvay gefragt, warum er diese Studie nicht zitiert. Es gibt nur 3 Möglichkeiten:

  • Er hält sie für falsch und meint, er kenne sich besser aus als Drosten oder die Autor_innen der Studie – krankhafte Überheblichkeit
  • Er meint, Drosten und die Autor_innen der Studie würden absichtlich falsche Ergebnisse verbreiten – krankhafte Verschwörungstheorie
  • Oder das Ergebnis passt nicht zu dem, was er gerne hätte, dass wahr ist, und deshalb ignoriert er die Studie

Nun, ich habe ihn gefragt, und er hat gesagt, er zitiere nur jene Studien, die vom Mainstream und den konventionellen Medien ignoriert werden. Aha, ist das ein geeignetes Kriterium, um qualitativ hochwertige wissenschaftliche Arbeiten zu finden? Offensichtlich nein. Klar ist also, Clemens Arvay agiert nicht wie ein objektiver Wissenschafter, als der er sich darstellen will. Ein objektiver Wissenschafter hat entweder eigene Forschungsergebnisse, die er präsentiert, oder er fasst Arbeiten anderer zu einem Thema zusammen, dann aber so, dass alle relevanten Arbeiten und deren Ergebnisse einbezogen werden. Alles andere ist nicht wissenschaftlich objektiv, sondern ideologisch. Und für mich daher uninteressant. Ich möchte unvoreingenommen die Wahrheit erfahren, und nicht ein ideologisches Wunschdenken.

So wird auch argumentiert, die Schutzmasen würden nichts helfen. Ich kann das, wie gesagt, überhaupt nicht beurteilen. Hier das Ergebnis einer Studie über die Effektivität von Schutzmasken:

Nach völlig ineffektiv schaut das nicht aus. An der spanischen Grippe, die in 3 Infektionswellen kam, starben etwa 50 Millionen Menschen. Auch dieser Pandemie versuchte man mit Schutzmasken zu entgehen. Und auch da zeigte sich, wo es mehr Schutzmaßnahmen gab, war die Pandemie wesentlich weniger virulent.

„Wear a mask or go to jail“ hat die Dame auf ihrem Plakat stehen. Gab es schon damals den Streit mit Personen, die aus welchen Gründen auch immer unbedingt keine Maske tragen wollten?

Meine Tochter findet das Maskentragen übrigens lustig, obwohl sie nicht muss:

Und die Animal Liberation Front auch:

Die meisten Menschen sind offenbar überzeugt, dass das Tragen von Schutzmasken sinnvoll ist (und Corona eine gefährliche Pandemie), weil man sieht fast jeden Menschen eine tragen. Und nicht nur das. An der roten Ampel stehen 30 Personen, alle freiwillig im 1 m Abstand voneinander. Und unsere Tierschutztagung müssen wir wegen Corona verschieben. Nicht, weil wir es für zu gefährlich gehalten hätten oder die Behörde es verboten hätte. Sondern weil die allermeisten Menschen, die sich angemeldet und bereits bezahlt haben, aus Angst vor einer Ansteckung nicht mehr kommen wollen. Ich halte das unter den gegebenen Umständen bei den bestehenden Informationen für sehr vernünftig.

Einige Personen haben mir geschrieben, dass ich meine Glaubwürdigkeit einbüßen würde, wenn ich nicht auch die Gefahr herunterspiele und die Schutzmaske für ineffektiv halte. Diese Menschen dürften in ihrer eigenen Bubble leben und nur noch von Menschen mit gleicher Ideologie umgeben sein. Weil hier heraußen, außerhalb dieser Bubble, sind weit über 90 % anderer Meinung. In Wahrheit hätte ich keine Glaubwürdigkeit, würde ich die wissenschaftlichen Erkenntnisse für eine fragwürdige Ideologie zu opfern bereit sein.

21 thoughts on “Coronavirus: Clemens Arvay widerlegt

  1. Lisa:) says:

    Meiner Meinung nach ist das Verhalten von Clemens Arvay nicht korrekt, da man ja offensichtlich sieht, wie gefährlich der Corona Virus ist. Außerdem steigen die Infektionszahlen mit hoher Geschwindigkeit an, wenn man sich nicht an die Regeln hält. Man hat beispielsweise sehr gut an der letzten Lockerung gesehen, was passiert, wenn jeder den Virus vergisst.

    Ich gebe Christian Drosten Recht und bin ganz seiner Meinung, da man anhand seiner Studie sieht wie gefährlich es für die älteren Menschen unter uns ist. Zum Schutz aller Risikopatienten sollte man den Hygienevorschriften folgen, da es besser ist, die Maßnahmen einzuhalten auch wenn keine Notwendigkeit besteht. Schlimmer wäre es, das Risiko einzugehen, sich nicht an die Vorschriften zu halten und den Anderen damit zu schaden. Zum Beispiel hilft es schon sehr, wenn man seine Maske trägt, zu den Leuten Abstand hält und regelmäßig seine Hände wäscht.

  2. Sabri says:

    – Die generelle Maskenpflicht wird aufgehoben. Sie gilt weiterhin in den Zeitzonenfenstern der Risikogruppen, und an diesen Orten, ob Bus, Restaurant, Einkaufsladen oder wo immer, muss von allen Menschen ein Mund-Nasen-Schutz sicherheitshalber getragen werden. Also im längsten Fall vier Stunden am Tag, wenn man etwa ins Theater und einkaufen will. Für die meisten Menschen gilt die Verpflichtung gar nicht mehr.
    -Die Kultusminister stellen Lernprogramme bereit, die verpflichtend für alle Schularten sind. In diesen wird altersgemäß erklärt, was Schutzmasken bewirken. Die Schüler – und Eltern an speziellen Elternabenden – werden gebeten, wenn irgend möglich Masken zu tragen, müssen dies aber nicht. Aufklärungssendungen laufen in allen öffentlich-rechtlichen Medien.
    – Es werden für Schüler, Eltern und überhaupt alle Erwachsenen schnellstmöglich Debunking-Seminare erstellt, in denen man lernt, wie man sich als Angehöriger oder Freund verhalten soll, um den Betroffenen zu helfen, die sich in Verschwörungstheorien verfangen haben, wieder zu mehr Sicherheit im Denken und im (Corona-)Alltag zu gelangen.
    -Alle öffentlich-rechtlichen Medien bringen Aufklärungssendungen über Schutzmasken und über Verschwörungstheorien. Der Staat bittet seine Bürger, wann immer möglich, Schutzmasken zu tragen – aber es ist bekannt, dass ein gewisser Anteil der Menschen wirklich unter den Masken leidet, und denen wird das nicht weiter abverlangt, aber vielleicht wollen sie freiwillig eine tragen, wenn Andere dadurch nicht sterben. Die Regierung bittet um Entschuldigung für das ganze Hin und Her: In der letzten Nachkriegszeit hatte man zum Glück keine Erfahrungen mit Pandemien machen müssen, und die müssen jetzt gewonnen werden, und das ist nicht immer ein gradliniger Weg. Aber wir wollen den Boden der Demokratie nicht verlassen und bleiben dabei, auch in schwierigsten Situationen auf der Grundlage von vernünftigen Diskursen und der Bereitschaft, andere Meinungen zuzulassen, einen gemeinsamen Weg zu suchen, indem wir Fehler eingestehen und aus diesen zu lernen und unserem Verstand zu folgen bereit sind (so lange wir nicht so weise sind wie unsere Hunde).
    Ich möchte mit dem enden, was ein absolut genialer und irrer Mathematiker in einem absolut (vor-)lesenswerten Kinderbuchklassiker die verrückte Herzogin zu Alice im Wunderland sagen lässt: „Ich schenke dir alles, was ich bisher gesagt habe!“ – Woraufhin Alice sich bemühen muss, sich für das langatmige verbale „Geschenk“ zu bedanken, dies als gut erzogenes Mädchen aber schafft, wonach ihr bemühter Dank jedoch nichts anderes zur Folge hat als das schockierende Resümee der Herzogin: „Das ist noch gar nichts im Vergleich zu dem, was ich hervorbringen könnte, wenn mir der Sinn danach stünde!“

    In dem Sinne, liebe Grüße, bleibt gesund, Sabri

  3. Susi says:

    Prima Artikel, vielen Dank! Deine Gedanken finde ich treffend. Mir ist noch ein Gedanke durch den Kopf gegangen: Ich persönlich finde das Tragen von Schutzmasken eigentlich sehr sinnvoll, obwohl Clemens Arvay einer anderen Meinung ist. Vor einem Monat bin ich durch Zufall auf sein neuestes Buch („Wir können es besser: Wie Umweltzerstörung die Corona-Pandemie auslöste und warum ökologische Medizin unsere Rettung ist“) in einem Markt begegnet und einen kurzen Blick darauf geworfen. Seine Betrachtungsweise halte ich dennoch für totaler Unsinn! Er meint, wer nun denke, dass uns Abstand, Masken und ein unausgereifter Impfstoff auf Dauer retten würden, begreife nicht den Ernst der Lage. Einerseits hat er Recht, weil man die Sache ernst nehmen und nicht ignorieren muss, aber andererseits sollte man trotzdem beachten, dass man den Mundschutz richtig trägt und genug Abstand hält. Beispielsweise kann man in diesem Beitrag das Ergebnis einer Studie über die Effektivität von Schutzmasken perfekt erkennen. D.h. sie sind doch sehr hilfreich, man sollte sie berücksichtigen, damit die Pandemie nicht schlimmer wird!
    Zweitens möchte ich darauf hinweisen, dass Christian Drostens Analyse sehr interessant ist, da es sich herausgestellt hat, dass Corona tatsächlich 16 Mal tödlicher und gefährlicher als die normale Grippe ist. Die Sterblichkeit hängt selbstverständlich vom Alter ab. Je älter man ist, desto höher ist die Sterbewahrscheinlichkeit. Genau deshalb ist es z.B. wichtig, die Corona-Regeln einzuhalten, unabhängig davon, wie alt man ist.
    Daher komme ich zum Schluss und bitte euch alle, die mein Kommentar gerade lesen: Tragt eure Masken, haltet Abstand, wascht regelmäßig eure Hände und vergesst nicht, dass wir stärker als das Virus sind!
    Susi

  4. Galldernub says:

    Die Maskenpflicht ist gut,da man seine Mitmenschen vor der Krankheit schützt, z.B.s-bahn, bus

  5. meinemeinungzumtext says:

    Lieber Martin,
    ich las mir nun bereits deine Gedanken zum Coronavirus durch und finde den Artikel sehr gut gelungen. Dennoch möchte ich auch noch einmal meine Meinung zur Aussage von Clemens Arvay und dem Tragen von Schutzmasken äußern.
    Die Meinung von Clemens Arvay kann ich wirklich nicht nachvollziehen, meiner Meinung nach macht das was er sagt absolut keinen Sinn und ist nicht verständlich. Seine Arbeit hat für mich rein gar nichts mit der eines objektiven Wissenschaftlers zu tun. Beispielsweise seine Aussage zu den falschen 2% der PCR-Test-Ergebnisse, ist wissenschaftlich wiederlegbar und einfach eine dumme Aussage eines Ideologen.
    Ich denke das Schutzmasken wirklich sehr hilfreich bei der Bekämpfung der Coronaviruses sind. Wie die oben dargestellte Studie zeigt, filtern die meisten Mund-Nasen-Bedeckungen Erosole wirklich gut ( Tröpfchen in den meisten Fällen sogar noch besser ), weshalb es sich für mich nicht erschließt warum sich immer noch Menschen weigern eine Maske zu tragen oder sogar verleugnen das diese sinnvoll ist. Für mich ist es selbstverständlich eine Schutzmaske zu tragen, da bereits Menschen aus meinem Bekanntenkreis an dem Coronavirus verstorben sind und ich nicht Schuld an dem Tod anderer Menschen sein möchte. Man sah auch während der 1. Infektionswelle, dass die Infektionszahlen nach Einführung der Maskenpflicht, z.B in öffentlichen Verkehrsmitteln, deutlich gesunken sind.
    Ich hoffe das wir die 2. Welle nun noch gut bewältigen und bald wieder alle in unseren normalen Alltag zurückkehren können. Haltet euch an die Regeln und bleibt gesund!
    Liebe Grüße

  6. Sabri says:

    Konkrete Vorschläge für den CoronaNotfall
    Teil 3: Jetzt wird`s richtig schwierig

    Warum in vielerlei Hinsicht bessere Coronamaßnahmen als die jetzt geltenden nicht durchgesetzt werden, habe ich in Deinem Buch „Widerstand in der Demokratie“ gelernt: Weil die Politiker vor allem wiedergewählt werden wollen, Handlungsziel Nummer eins, dazu brauchen sie viele Wähler, und es gibt zu viele alte Wähler, die sich beengt und benachteiligt fühlen würden und diesem Vorgehen nicht zustimmen, also bei der nächsten Wahl die Politiker abwählen, und das ist Horrorszenario Nummer eins für die Politiker – schlimmer als Corona.
    Und nun wird es noch schwieriger. Martin, ich bitte dich, verdamme mich nicht. Ich war früher mal „esoterisch“ unterwegs, das gelten zu lassen ist zu viel verlangt für einen Menschen, der nahe bei Stephen Hawking gearbeitet und gedacht hat, das verstehe ich ja, aber ich musste aufhören, als Hexe zu arbeiten, um verbeamtet zu werden, und ich habe damit aufgehört. Ich schreibe dies als jemand, der vor langer Zeit Staatstheorie studiert hat und der hier als erster im Landkreis mit einer Mund-und-Nasenmaske rumgelaufen ist, da war unsere Staatsregierung noch nicht einmal so weit zu sagen, wir brauchen keine Masken (und haben keine auf Vorrat), weil das noch kein Thema war. Und ich werde jetzt der erste Mensch hier sein, der sagt, obwohl ich der Meinung bin, Masken können in der gegenwärtigen Situation Leben retten, sollten wir die Maskenpflicht aufheben.
    Es sind ungute Entwicklungen jetzt, durch die nicht überzeugende Risikopolitik und den staatlichen Medienzugriff sind Fronten entstanden, die in Freundschaften und Familien hineinreichen und diese oft sprengen und die Bürger vom Staat trennen (außerdem braucht unser Finanzsystem Vertrauen, sonst bricht es). Es ist schwierig, das zu deeskalieren. Aber es bleibt nichts anderes übrig, als es zu versuchen. Wir haben (ungewollt) mit Schwedens Alleinweg ein großes Experiment auf soziologischer und epidemiologischer Basis: Wir können vergleichen, wie viele Menschen jeweils sterben und wie viele Menschen freiwillig oder überhaupt die Schutzmaßnahmen befolgen oder aber Verschwörungstheorien verfallen. Und der europäische Ländervergleich zeigt: Schweden steht zwar schlechter da in Bezug auf die Todeszahlen, aber andere Länder mit strengen Maßnahmen stehen noch deutlich schlechter da, und die Schweden sind bereit umzujustieren – und innenpolitisch stehe sie bedeutend besser da. Hier verlieren die Menschen im wahren Sinne des Wortes den Verstand. Und zudem steigt die Aggressivität. Zu viele fühlen sich verunsichert, bedroht und ungerecht behandelt und verlieren zugleich die Fähigkeit, rational zu denken. Also verliert die Funktion des Über-Ichs, Gewaltimpulse einzudämmen, an Wirksamkeit, und das ist gefährlich. Und deswegen wird jetzt – die Risikogruppen sind geschützt so gut es geht und die Situation mit Corona muss noch eine ganze Zeitlang weitergeführt werden – der Weg des kleineren Übels gegangen. Die Maskenpflicht wird aufgehoben. Und für die, die sich schon in Verschwörungstheorien verstrickt haben, muss Hilfe her. Wie soll das geschehen?

  7. Sabri says:

    Konkrete Vorschläge für den CoronaNotfall,
    Teil 2: Scheitern der Maßnahmen

    Es braucht andere Kennzahlen, um den Erfolg der Coronamaßnahmen und die Dringlichkeit weiteren Handlungsbedarfs einzuschätzen, zum Beispiel Drostens Ü-50-Kennzahl (eine Ü-70-Kennzahl wäre noch besser). Die Kennzahlen müssen sich erstens nach den Symptomträgern richten und nicht nach den Infizierten. Wie viele junge Menschen ohne Symptome das Virus in sich tragen, ist letztlich egal, es kommt darauf an, wie viele Menschen in absehbarer Zeit schwer erkranken werden und Krankenhausplätze brauchen. Falls diese Plätze trotz der bisherigen Maßnahmen eng werden, kommt es zu weiteren Maßnahmen. Jetzt wird es richtig unangenehm – aber wir kennen das schon.
    – Den Risikogruppen wird es untersagt, sich mit mehr als drei Personen zu treffen. Körperlichen Kontakt dürfen sie nur noch mit einem Menschen haben, zu allen Anderen ist ein Abstand von zwei Metern einzuhalten. Die CoRiZeien im kulturellen und im Gastronomiebereich werden gestrichen. Es wird gebeten, möglichst nicht mehr einzukaufen, sondern das jüngere Menschen tun zu lassen.

    Aber leider ist Corona ein schlimmes Virus, und auch diese Maßnahmen könnten nicht helfen. Und nun?
    Jetzt wird es noch unangenehmer, denn jetzt gehen alle Risikogruppen in Quarantäne und bekommt Hausarrest. Aber auch nur die.
    -Und damit die Menschen versorgt sind und nicht noch mehr vereinsamen, muss der Staat weitere Zwänge setzen. Vorschlag: Nach dem Zweiten Weltkrieg musste jeder, der mehr als ein Zimmer bewohnte, in Deutschland Flüchtlinge aufnehmen. Nun, da wird es doch zumutbar sein, wenn jetzt jeder, der volljährig und unter 36 ist und keine Großfamilie zu versorgen hat, für eine Person aus der Risikogruppe wöchentlich einzukaufen hat. Die Person wird ihm/ihr vom Gesundheitsamt zugeordnet. Mit dieser CoRiPerson hat er/sie außerdem pro Woche etwa 30 Minuten am Quarantäneort zu kommunizieren, damit die Quarantäneperson nicht vereinsamt; die Themenauswahl ist von der Risikoperson zu bestimmen. Diese kann den Kontakt ablehnen, der zugeordnete Hilfspartner aber nicht.
    -Analog wird natürlich ein Strafmaßkatalog zu erstellen sein, denn daran halten sich nicht alle. Wer unbegründet nicht mit einkauft oder partout nicht kommunizieren will, erhält zwei statt einer zu versorgende Personen zugeteilt für einen begrenzten Zeitraum. Wer auch diese Auflage nicht erfüllt, zahlt 25.000 Euro. (Halt, Zuviel! Soviel sollte ich gerade zahlen, wenn ich mir eine Berghütte einsam mit meinem Hund gemietet hätte, für diese Woche jetzt, das heißt gemietet war sie schon, ich wollte nur hin, ernsthaft! 25.000 Euro!) 500 Euro reichen wohl, Arbeitslose und Studenten zahlen 250 Euro.
    – Bis hierhin – ist das doch gar nicht so schlecht ausgedacht. Im letzten Teil etwas satirisch geraten, das bitte ich zu entschuldigen, aber insgesamt schützt das Modell die Risikogruppen besser als das aktuell laufende, die Grundrechte werden weniger stark beschnitten, und billiger ist es zudem als das Kosteninferno jetzt, zudem kommen wohl in absehbarer Zeit weitere Pandemien auf uns zu, weil die Bedingungen, die diese hervorgebracht haben, weiterhin vorliegen, und dann ist kein Geld mehr da, um die Menschen zu schützen. Wieso also wird das nicht gemacht?

  8. Sabri says:

    4: Ein Alternativvorschlag für den Coronanotfall
    Konkrete Vorschläge, Teil 1

    Die BRD-Politiker lieben, gleichgültig welcher Partei sie vorstehen, allesamt das Staatsmodell des Soziologen und Kulturwissenschaftlers Reckwitz, der eine stärkere Steuerungsfunktion des Staates schon vor Corona angedacht hat. Der autoritäre Staat wird gewünscht! Wenn ich also muss, und Du hast schon Recht, mich danach zu fragen, auch wenn Al Hafi im „Nathan“ sagt, kein Mensch muss müssen, aber Al Hafi geht in die Wüste, wo er niemand anstecken kann … also wenn es sein muss, dann schlage ich konkret Folgendes vor:
    – Es wird davon ausgegangen, dass Corona lebensphasenabhängig stark unterschiedlich lebensgefährdend ist, denn das sagen die vorliegenden Forschungsergebnisse, auch die im Blog oben von Dir zitierten. Und nur sogenannte „Vorerkrankte“ und Menschen in ihrer biologisch letzten Lebensphase sind stark gefährdet, durch eine Coronainfektion zu sterben. Nur die gefährdeten Gruppen müssen vor einer möglichen Infektion geschützt werden, die anderen Gruppen nicht, denn sie sind nicht gefährdet. Dies soll der Grundsatz sein, denn er ist vernünftig.
    – Dem Grundsatz entsprechend betreffen die Maßnahmen vorwiegend die Risikogruppen, also die Menschen mit bekannten Vorerkrankungen (dies beruht auf Freiwilligkeit und wird nicht staatlich kontrolliert, da diese Gruppe klein ist) und die Gruppe der alten Menschen ab – sagen wir ab 75, denn wir wollen vorsichtig sein, und dies wird staatlich kontrolliert, denn diese Gruppe ist sehr groß. Um zur Risikogruppe zu gehören, reicht ein ärztliches Attest. Gezwungen, dazuzugehören, wird niemand, auch nicht ein Mensch mit sehr vielen relevanten Vorerkrankungen. Hier leitet der Grundwert der Selbstbestimmung. Dies gefährdet die Allgemeinheit nicht, weil die Grundlagen unserer globalen ungesunden Lebensmittelindustrie bisher noch nicht so viele Menschen krank gemacht haben, dass sie die Risikopruppe viruspolitisch interessant machen würde. Es gibt zwar immer mehr Kinder mit Diabetes und Krebs und Asthma und lebensbedrohenden Allergien, aber halt nicht s o viele.
    -Die durch einen Risikoausweis aufgrund eines Attests erkennbaren Vorerkrankungspatienten sollen und die ab 75-Jährigen müssen sich an folgenden Regeln/Gesetze halten:
    – Es werden spezielle Zeitfenster eingerichtet, in denen sie einkaufen müssen/dürfen. Es gibt Ausweiskontrolle! So wie beim Einkaufen von Alkohol oder Tabak ein Ausweis vorgezeigt werden muss, wenn man zu jung aussieht, muss er hier vorgezeigt werden, wenn man zu alt aussieht. Wer deutlich als Greis daherkommt, wird überhaupt nicht eingelassen, außer halt zu den Risikogruppen-Zeitfenstern. Etwa zwei Stunden am späten Vormittag werden dafür vorgesehen, zu dieser Zeit gehen die Berufstätigen weniger oft einkaufen, die Alten sind aber schon auf den Beinen. Zu anderen Zeiten dürfen sie nicht einkaufen: Zutrittsverbot. Dafür dürfen alle Anderen während dieses Coronazeitfensters („Kronenstunden“) nicht einkaufen.
    – In der Gastromie wird ähnlich verfahren. Zum Beispiel von 11.30 bis 12.30 ist Coronazeit – da dürfen nur die genannten Gruppen in Restaurants und Cafés, und andersrum.
    – Auch im kulturellen Sektor wird analog verfahren, ein gewisser Anteil von Kono- und Theateraufführungen usw. wird für die CoRigruppen ausgeschrieben. Vielleicht ein Fünftel vom Programm.
    -Bus- und Zugfahren ist für die CoRigruppen nicht erlaubt. Oder halt, das geht nicht, besonders nicht in dörflichen Gegenden. Es werden Sonderbusse eingerichtet. Die Pläne dafür sind von den Landratsämtern sofort bereitzustellen, wie die Hygienemaßnahmen von den Schulen über Nacht bereitzustellen waren. Halt, das ist gemein, das streiche ich.
    -Ob die Zeit in der Natur aufgeteilt wird, weiß ich nicht. Es ist so voll geworden im Wald.
    – Ausweisfälschungen, die natürlich erfolgen werden, ziehen eine hohe Strafgebühr nach sich.
    -Der Staat kommt für die während der CoRiZeiten erniedrigten Einnahmen mit Ausgleichszahlungen auf. Die Staatskosten sind dennoch viel geringer als im gegenwärtigen Verfahren, wo jeder beinahe alles nicht mehr darf.
    – Um den Erfolg der Maßnahmen zu überwachen, braucht es andere Kennzahlen. Und dann wird´s kritisch, wenn die nämlich die Maßnahmen nicht greifen. Wie soll´s dann weitergehen?

  9. Sabri says:

    3: Das Maßnahmendesaster

    * Die Maßnahmen waren zu hart, denn die durch sie hervorgebrachten Schäden waren zu hoch. Zwar weiß ich das nur für einen Landkreis – aber immerhin.
    * Dieser Eindruck einer fehlerhaften Risikopolitik wurde massiv verstärkt durch eine parteiergreifende Art der Berichterstattung, die die Bereitschaft zur Akzeptanz und Annahme der Maßnahmen deutlich verschlechtert und die Glaubwürdigkeit der Medien verspielt hat. Ein Beispiel: Dass überhaupt die Schlagzeile „Ein (!) Coronakranker wird nun auf der Intensivstation des Krankenhauses behandelt“ eine Meldung wert ist, sagt genug aus, mehr als der Umstand, dass eine vor Ort anwesende Pflegekraft – ich kenne sie über Umwege -, aussagt, der diensthabende Arzt habe den Coronatest des Patienten verfälscht, dieser war negativ. Oder: Schwedens Vorgehen wird von Anfang an in den Medien abwertend dargestellt, schon alleine durch den Begriff Sonderweg (Sondermüll, sonderbar, Sonderfall) – es ist ein Alleinweg oder ein Andersweg, aber kein Sonderweg, und schon vorschnell mussten Negativmeldungen zu Schweden, sogar von der WHO, korrigiert werden. Schwedens Vorgehen ist umso wichtiger, als es bisher weitgehend auf Freiwilligkeit der Maßnahmenbefolgung gesetzt hat (80 Prozent der Schweden halten sich freiwillig an die Empfehlungen). Schwedens Regierung geht sachlich und ruhig mit der Kritik um, war zur Selbstreflexion und -Kritik der eigenen Maßnahmen bereit und wird die Richtung ändern, wenn der „Vielweg“ der schwedischen Regierung besser erscheint. Und dort explodieren keine Verschwörungstheorien!
    Dahingegen werden hier zunehmend (bundes-)staatliche Drohgebärden und Strafmaßnahmen nötig, um die Politik durchzusetzen. Das ergibt aber eine Spirale der Konfliktverschärfung. Während die Gegner der Maßnahmen sich in einem enormen Kräfteverschleiss darauf konzentrieren, Maskentragen als menschenrechtsverletztend ansehen zu wollen und dem Staat innerlich gekündigt haben, reagiert der Bundesstaat Bayern mit Verschärfung der bundeseinheitlichen Maßnahmen und mit undemokratischen und ungerechten Strafaktionen gegen sachliche Kritiker. So wurde vorgestern ein Epidemiologe, der ein Gesundheitsamt geleitet hat, und öffentlich die Maßnahmen kritisiert hat, vorgestern strafversetzt, um ihn und Andersdenkende mundtot zu machen. Das führt zu weiteren Vertrauensverlusten. Dass es im Sommer hier erlaubt war, überall hin in Urlaub zu fliegen, war eine Fehlentscheidung andersherum – es war doch abzusehen, dass anschließend nicht nur durch die Herbsttemperaturen die Infektionszahlen steigen, sondern auch noch Mutationen sich verbreiten könnten, die Impfstofffindung erschweren könnte. Wieso hat man uns nicht gebeten, auf Reisen im Sommer zu verzichten? Das wäre sinnvoll gewesen.
    Aber was schlage ich nun konkret vor? Eine Bitte um Reiseverzicht kann wohl kaum alles sein, um gegen Corona vorzugehen.

  10. Sabri says:

    2: Verschwörungstheorien

    Zu meinem Freundeskreis gehören Menschen jeder Altersstufe und jeden Bildungsstandes, mehrere alte und junge Menschen ohne jeden Schulabschluss, Juristen, einer hat für das Bundesverfassungsgericht der BRD gearbeitet, zwei europäische Wissenschaftler, die jeweils ein Forschungsinstitut leiten (Epidemiologie ist dabei), ein Doktor der Chemie, ein Transportunternehmer, natürlich Lehrer – mir ist der Status eines Menschen völlig gleichgültig, ich beurteile Menschen wie ein Hund, als gäbe es diese Merkmale nicht. Aber ich sehe dennoch, dass ein hoher Status oder eine lange Bildung einen Menschen keineswegs davor schützt, Verschwörungstheorien zu verfallen. Das passiert in meinem gesamten persönlichen Umfeld wie eine Infektion, erst ist ein Mensch mit einem Teil seines Denkens betroffen, dann mehrere Menschen, und wenn man sie nach Tagen wiedersieht oder -spricht, sind immer weitere Bereiche der Wahrnehmung ins Unwahrscheinliche geraten. Ich vermute stark, wir in Deutschland sind davon mehr betroffen als ihr, weil hier die Unerklärlichkeit des gesellschaftlichen Geschehens größer erscheint. Wenn Du von Deiner unmittelbaren Umgebung schreibst, klingt es für mich auch zunächst unglaublich. Ich unterrichte immerhin an einer Schule, in der sich 1000 Menschen und im Nebengebäude nochmal 600 Menschen befinden, und ich weiß immer noch von keinem Schüler, der überhaupt nennenswerte Symptome durch Corona gehabt hätte, während ganze Klassen und viele Einzelpersonen in Quarantäne waren, und weiß nur von einem Kollegen mit unangenehmen Coronatymptomen. Ich selbst bin zweimal im Leben an einem Virus oder dem begleitenden Fieber um ein Haar gestorben und in den letzten Jahren mehrmals mit über 40 Grad Fieber Gassi gegangen – von sowas ist hier aber keine Rede, sondern von Schnupfen und leichtem Fieber. Dafür kenne ich viele Menschen, die psychische, körperlich und finanziell massiv und zum Teil auch irreversibel durch Coronamaßnahmen geschädigt worden sind. Das i s t einfach schwer zu verstehen! Ist das Immunsystem hier durch vorangegangene Viren vorbereitete auf Corona, bei Euch aber nicht? Haben die Leute hier mehr Vitamin-D geschluckt und sind geschützt -oder weiß der Himmel was! Jedenfalls kann ich leider nur von meiner Lebensumgebung her urteilen, und von der her sage ich: Was bisher hier geschehen ist mit Corona, war falsch. Denn:

  11. Sabri says:

    1: Spanische Grippe – Vergleichen oder nicht vergleichen?

    Lieber Martin,

    eine Zeitlang habe ich überlegt, ob ich nicht einfach deine Meinung übernehme: Du hast Zig-Tausende Followers, bist außergewöhnlich klug und hast ein sicheres Gerechtigkeitsgefühl, die rasant steigenden Coronazahlen sprechen sowieso für dich; ich habe null Followers und bin nur ein Unikum vor Ort, es würde mir viele Überlegungen sparen, und ich mag mal ausruhen. Aber dann habe ich mich dagegen entschieden. Ich habe das Wesen gefragt, das mir am nächsten ist, und das weiseste ist, das ich in meinem bisherigen Leben kennen gelernt habe, und das hat mir gesagt: Was wir Menschen uns da (mit Corona) antun, ist nicht gut für uns. Und dann bin ich doch auf meiner Spur geblieben. Insofern beruhen meine Antworten auf den Ansichten eines kleinen Hundes. Immerhin: wäre ich nicht klug genug gewesen, das ein oder andere Mal in den Bergen auf sie und nicht auf mich zu hören, wären wir vielleicht nicht mehr am Leben und ich könnte gar nichts mehr schreiben.
    Meine Antwort wird zu lang für den BlogAlgorithmus, ich werde wohl so einteilen, wenn der Computer mich nicht rauswirft:

    1: Spanische Grippe: Vergleichen oder nicht vergleichen?
    2: Verschwörungstheorien
    3: Das Maßnahmendesaster
    4: Ein Alternativvorschlag für den Coronanotfall, Teil 1
    5: Teil 2 der Konkreten Maßnahmen

    Dass Arvay eine zweifelhafte Rolle im Tierschutzprozess gespielt hat, wusste ich nicht – gebongt. Du hast Recht, ich bin leider ein schlechter Geschichtslehrer. Trotzdem ist mir schlechtem Geschichtslehrer klar, dass es keinen Sinn macht, sich mit Geschichte zu beschäftigen, wenn man nicht mindestens für die Gegenwart daraus lernt. Aber ich finde tatsächlich, aus der Katastrophe mit der Spanischen Grippe kann man für die Krise jetzt nicht viel lernen, ich würde sie für einen Vergleich nicht heranziehen. Es sind einfach andersartige Viren, ihre Tötungsverläufe sind anders, und die Zeiten sind anders. Nur die Maskenverweigerungesprobleme sind vielleicht ähnlich, aber da müsste man viel näher hinschauen. Damals waren alle körperlich und psychische völlig geschwächt durch die Kriegsjahre, heute sind die Menschen in Europa völlig krisenentwöhnt. An der Spanischen Grippe sind viel, viel mehr Menschen mittleren Alters gestorben als ma Coronavirus, jedenfalls in der damaligen dritten Welle der Pandemie, und ob so etwas jetzt kommt, wissen wir nicht. Sicher ist, dass das Coronavirus altersphasenabhängig tötet, nach den letzten Angaben vom Max-Planck-Institut liegt die Sterblichkeit bei 82-Jährigen in Deutschland bei 10% und bei bis 35-Jährigen ist sie so gering, dass man nicht von einer Allgemeingefährdung der Bevölkerung sprechen kann, während es damals eine solche gab. Und wenn man nach hinten schaut in der Geschichte, dann sollte man alle Pandemien und Seuchen zumindest im Europa der Neuzeit anschauen. Die europäische Neuzeit war auf Seuchen eingestellt: Die Friedhöfe Europas haben Rasenflächen, die sogenannten Pandemieflächen, die frei bleiben müssen für Zeiten, in denen schnell viele Verstorbene haufenweise beerdigt werden müssen. An der Pest ist jeder dritte Europäer gestorben, die Friedhofsarchitektur ist noch darauf eingestellt. – Ich würde aber auch darum nicht mit der SPG vergleichen, weil es suggeriert, dass etwas sehr Schlimmes bevorsteht. Und Angst hat man den Menschen genug gemacht, das bewirkt nichts Gutes mehr. Die zu verängstigen sind, sind es bereits hinreichend, und die es nicht sind, laufen genau in die unerwünschte Richtung und verfallen den Verschwörungstheorien.

  12. ichwillkeincovid! says:

    Liebe Alle,
    Eure Argumente sind alle sehr interessant und jedes, auch noch so „dummes“ Argument hat in irgendeiner Form auch seine Berechtigung bzw. Richtigkeit!

    Aber um was es wirklich geht habt Ihr nicht erwähnt!

    Es geht bei all den Massnahmen ausschließlich darum, unser Gesundheitssystem vor einer Überlastung zu bewahren! Es geht darum, die Intensivbetten nicht mit Covid Patienten zu füllen, sondern für die grundsätzlich notwendige Intensivmedizin frei zu halten!

    Und Österreich ist mit einem besonders hochwertigen Gesundheitssystem ausgestattet!!

    Also bitte tragt eine Maske und haltet Abstand bzw. bleibt gesund!

  13. Alex Winter says:

    Coronadiskussionen interessieren mich überhaupt nicht mehr. Allerdings würde mich sehr interessieren welche sehr zweifelhafte Rolle Clemens Arvay im Tierschutzprozess hatte.

  14. Sabri says:

    Am letzten Samstag (24.10.) wurden am Isar-Amper-Klinikum 60 positive Coronatests registriert, die nur darum zufällig nachgetestet wurden, weil die Zahl so auffällig hoch war – 58 davon waren falsch positiv. Nur ein zufälliger Einzelfall? Leider hört man von diesen Einzelfällen so wiederholt, dass man regelmäßig sagen möchte.
    Clemens Arvay hat Recht, nicht schon wieder Drosten zu zitieren, weil der Mainstream dies nicht braucht. Drostens Bild könnte auf meinem Fairphone kaum häufiger erscheinen, als es das tut, wenn er mit mir verheiratet wäre. W e n n man den oben im Artikel fotografierten Ausschnitt aus der Drosten-Besprechung zur Coronasterblichkeit in einem einzigen Satz zusammenfassen möchte, dann bitte nicht in dem Satz, dass Corona 16-mal tödlicher ist als die herkömmliche Grippe, denn dieser Satz ist aus dem Kontext genommen verfälschend, sondern in dem Satz: „Die Gefährlichkeit dieses Virus differiert lebensphasenabhängig auffallend und extrem stark.“, wobei man dazusagen sollte, dass die Gefährlichkeit für Menschen bis zum biologisch vorgesehenen Elternalter von etwa 34 Jahren eher gering, für Menschen im Greisenalter aber sehr hoch ist. Und sollte nicht eine vernünftige Gesellschaft vernünftigerweise auch dementsprechend damit umgehen? Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Medizingeschichte Kenntnis von einem Virus hat, dessen Gefährlichkeit oder Ungefährlichkeit für Menschen so extrem altersabhängig ist. Und sollte nicht genau dieses auffallende Merkmal, dieses Schwanken zwischen großer Gefährlichkeit und großer Ungefährlichkeit je nach Lebensphase, viel mehr im Zentrum des Forschens zu ihm und des Umgangs mit ihm stehen? Drostens Vorschlag, eine andere und neue „Ü-50-Kennzahl“ für politische Entscheidungen zu bedenken, wurde von der deutschen Regierung ignoriert und verschwand binnen eines Tages aus dem Drosten-Nachrichten(über)fluss. Warum?
    Der Präsident der Bundesärztekammer der BRD meint, man solle besser damit aufhören, den Menschen ständig Angst zu machen und sie weiter mit Verboten zu zwingen, sondern eher an ihre eigene Bereitschaft und Vernunft appellieren – das klingt doch sehr vernünftig?
    Clemes Armay wird diffamiert, es wird versucht, ihm seine wissenschaftliche Herkunft und Weiterentwicklung abzusprechen, indem zum Beispiel auf Wikipedia verfälschte Berufsangaben oder Veröffentlichungslisten zu ihm veröffentlicht werden, wogegen sich etliche Wissenschaftler öffentlich aussprechen – Marc Bekoff zum Beispiel. Bekoff kenne ich seit Jahren von seinen Veröffentlichungen zur Moralität bei Tieren und schätze ihn sehr. Ich wäre damit vorsichtig, Fronten zu verhärten.
    In der Zeitschrift „Psychologie heute“ ist gerade ein Artikel zur Frage Kindsein in Coronazeiten erschienen. Lesenswert! Ja, wenn ich so alt bin wie eure Tochter, kann ich das Masketragen lustig finden und unbeschwert leben. Aber hört man denn mit 7 oder 10 Jahren auf, ein Kind zu sein? Wollen wir das Kindsein so sehen in unseren modernen Gesellschaften? Ich weine inzwischen täglich. Ich bin ein Lehrer, der 10-jährigen Menschen verbieten muss, ihre tage- und wochenlang nicht gesehenen Freunde zu umarmen, in den Pausen miteinander zu spielen, dem Menschen 1,5 Meter neben sich ein Buch, Blatt oder Stift auszuleihen, unseren Schulhund zu streicheln – heute Morgen habe ich Zehnjährigen verboten, sich gegenseitig Mathematikaufgaben zu erklären, weil sie es nicht geschafft haben, dies auf Abstand zu tun. Der Staat will, dass ich all dies so mache. Wenn die Kinder den Verboten nicht Folge leisten, muss ich sie bestrafen. Dies sind unsere Coronamaßnahmen. Und ich rede kaum darüber, dass ich, um diesen diversen Aufsichtspflichten nachkommen zu können, über viel zu viele Stunden nichts trinke, denn dann müsste ich auf Toilette, und dafür ist keine Zeit mehr. Lustig? Nein, ist das nicht. Wenn ich nicht schon in vier Berufen gearbeitet hätte und mehr Kraft übrig hätte und wüsste wohin, würde ich morgen gehen. Kindern in einer solchen Weise das Wissen über die Welt, die Anderen und sich selbst beizubringen, das habe ich nicht gewollt. Ich wünsche mir ein offenes Ohr für Coronamaßnahmenkritiker!

  15. Martin Balluch says:

    @Sabri
    Auch bei Dir vermischt sich die politische Forderung nach anderen Maßnahmen mit der wissenschaftlichen Kritik. Das finde ich verdächtig. Man muss das strikt trennen. Die wissenschaftliche Seite muss die Wissenschaft klären (und kein Herr Arvay, der davon überhaupt nichts weiß; ich kenne ihn persönlich, kenne seine sehr zweifelhafte Rolle im Tierschutzprozess, und halte ihn für sehr esoterisch und überhaupt nicht wissenschaftlich). Und ich bin echt allergisch gegen Menschen, die so tun, als wären sie wissenschaftlich, aber es in Wahrheit nicht sind, sondern vom guten Ruf der Wissenschaft profitieren wollen, um ihre eigene Ideologie zu verbreiten – oder, noch schlimmer, ihres eigenen Narzissmus wegen. Die Coronaleugnerseite ist voll mit so etwas. Und das stößt mich total ab.

    Also: die Wissenschaft den Wissenschafter_innen. Auf Basis von deren Erkenntnissen kann und soll man dann die politischen Maßnahmen diskutieren. Wer sich daran hält, der wird doch eh nicht diffamiert. Zurecht als unwissenschaftlich kritisiert werden Menschen, die, wie gesagt, Wissenschaftlichkeit nur vortäuschen.

    Komisch, dass wir diese Krise so 100 % verschieden erleben. Im Studio des Radio Orange 94,0, wo ich seit 22 Jahren meine wöchentlichen Sendungen aufnehme, wird ganz streng auf Maskenpflicht geachtet, auf die Anzahl der Menschen pro Raum, und alle paar Meter steht ein Desinfektionsmittel, das man vor und nach jeder Berührung des Mischpults verwenden muss. Ich empfinde das als sehr erleichternd. Wäre es nicht so, hätte ich große Bedenken dorthin zu gehen.

    Die Schule in meiner Nähe in der Obersteiermark hat 8 positiv getestete Schüler_innen identifiziert, nachdem diese schwer krank geworden waren. Meine Nachbarin ist Lehrerin dort und liegt jetzt seit Tagen mit 40 Grad Fieber im Bett. Wäre es nicht besser gewesen, man hätte dort mehr auf Isolation und Masken geachtet? So ist das jedenfalls total daneben gegangen.

    Unser Kindergarten läuft weiter, egal was passiert. Die Stadt Wien sagt, wenn ein Kind oder Elternteil krank wird, dann ändert sich gar nichts. Alle Kinder tragen weiterhin keine Masken, dürfen sich beliebig berühren und machen weiter wie gehabt. Mir macht das Angst. Weiß ich wie sehr die Eltern der anderen Kinder aufpassen? Deshalb nehme ich mein Kind aus dem Kindergarten und ziehe mich für eine Weile in unsere Isolation zurück.

    3 Aktivist_innen des VGT haben Covid19 bekommen und liegen sehr schwer krank danieder, zum Teil im Spital. Wir halten jetzt ganz streng Abstand, alle tragen immer Masken bei unseren Kundgebungen, es sitzt nie mehr als 1 Person pro Bürozimmer. Offenbar haben wir es bisher zu locker genommen. Die Grüne EU-Abgeordnete Sarah Wiener habe ich vor 2 Wochen persönlich für einige Stunden getroffen, jetzt ist sie Corona positiv. Mir wird das zu gefährlich, ich verlasse jetzt die Stadt.

    Drosten? Ich habe noch nie irgendeine Nachricht von Drosten geschickt bekommen, ich höre und sehe von ihm nur indirekt, und das praktisch nie. Ich merke, dass er für manche Menschen ein Feindbild ist, aber er spielt für meine Coronaeinschätzung überhaupt keine Rolle. Obiger Bericht von ihm stammt vom ORF.

    Ich bekomme stattdessen ununterbrochen Coronaleugneremails in den Postkasten, manchmal 10 pro Tag. Und was ich da lese, lässt mich tatsächlich meinen, viele meiner Mitmenschen haben eine gewaltige Schraube locker. Da wird behauptet, die Masken würden nur dazu dienen, dass der Staat die Menschen leichter erschießen kann. Da wird gesagt, Corona ist nur erfunden. Da werden Putin und Russland über den Klee gelobt. Ein Diktator und Massenmörder!

    Was ich gerne wüsste: was schlägst Du vor? Corona ignorieren? Keine Isolation? Keine Masken? Schulen völlig ohne jede Maßnahmen? Und was erwartest Du, was dann passiert? Sind Bergamo und New York keine schlimmen Beispiele für Dich? Bisher gibt es 1 1/4 Millionen Coronatote (und komm mir nicht mit, die sind an was anderem gestorben, ab da höre ich auf zu diskutieren). Wieviele wären es, wenn es keine Maßnahmen gäbe? Warum glaubst Du setzen ausnahmslos alle Staaten der Erde strenge Isolationsmaßnahmen? Alle Regierungen haben ihre eigenen Expert_innen, und die scheinen das alle vorzuschlagen. Sogar in Schweden mittlerweile. Die Kranken in Intensivstationen werden rasant mehr in Österreich. In 2 Wochen sind alle Stationen voll. Soll man da weiter zuschauen, bis die Kapazität überschritten ist? Was glaubst Du passiert dann? Todkranke ohne Betten? Die sterben wie die Fliegen? Soll man das einfach in Kauf nehmen?

    Wir sollten aus der Vergangenheit lernen, nicht? Das ist ein wertvoller Erfahrungsschatz. Vor ziemlich genau 100 Jahren war die Welt in einer ähnlichen Situation wie heute, mit der Spanischen Grippe. Kennst Du diese Geschichte? Was lernst Du daraus? Auch damals gabs Leugner_innen und Maskenverweiger_innen. Mit Blick zurück: hatten die recht? Waren ihre Ängste, dass der Staat mit einer fingierten Grippe die Menschenrechte entfernt, die es damals gar nicht gab, gerechtfertigt? Es sind 50 Millionen Menschen damals gestorben (die absolut höchste Opferzahl aller Krankheiten bisher), die meisten an Lungenentzündung (während bei Covid19 ich glaube 80 % direkt am Virus sterben) und die Kinder hatten sicher auch keinen Spaß in der Schule. Findest Du, man hätte nicht isolieren sollen und noch mehr Menschen sterben lassen? Die Maßnahmen kamen damals sehr spät, vor allem in Ländern ohne Schulmedizin, von denen es damals sehr viele gab. In New York starben nur 0,5 % der Infizierten, aber in Persien 5 % und in Indien 6,1 % (macht alleine dort über 20 Millionen Tote!).

    Meinst Du die Spanische Grippe ist kein gutes Beispiel, der Vergleich hinkt? Warum? Was ist der Unterschied? Und rechtfertigt der Unterschied einen gänzlich anderen Zugang? Woran erkennt man, dass die Maskenverweigerer damals nicht recht hatten, aber heute schon? Oder hatten die Verweigerer damals schon recht, obwohl in Gegenden ohne Isolation die Todesrate um ein Vielfaches höher war als in Gegenden mit?

    Was ist, ganz konkret, Dein Vorschlag wie in der jetzigen Situation vorzugehen ist?

  16. Sabri says:

    Ganz herzlichen Dank, dass Du fragst! Das hilft sehr! Es ist lange her, dass ich Staatstheorie studiert habe, und ich brauch etwas Zeit, aber ich denk über konkrete Vorschläge nach. Gute Isolation!

  17. Christiane says:

    Herrn Drosten zu zitieren ist allerdings ein fragwürdiger Weg… der Herr Drosten hat schon bei der Schweinegrippe versagt und bereits damals dem Staat und damit den Bürgern viel viel Geld gekostet… warum schauen Sie nicht einmal auf die Aussagen von Herrn John Ioannidis?

  18. InhalteSindWichtigerAlsNamen says:

    Lieber Martin,
    hast du dir schon die Dokumentation von ARTE namens „Profiteure der Angst“ aus dem Jahr 2009 angesehen? Diese Dokumentation ist von hoher Relevanz für eine grobe Einordnung der aktuellen Geschehnisse rund um das Thema Corona.

    Ich kenne Clemens Avray nicht oder seine Aussagen, aber ich dachte zu mindest, dass ich dich „kenne“.

    Mir fehlen von dir mehr verschiedene Facetten bezüglich des Corona-Themas. Zum Glück hast du angemerkt, dass du eine wissenschaftliche Kritik anerkennst.

    Ich bitte um deine Einschätzung die Aussagen eines Dr. Martin Sprenger zu analysieren.

    Zu welcher Conclusio führt dich der wissenschaftlich zitierte Inhalt der oö-Ärztekammer
    (oberösterreichische Ärztekammer: https://www.aekooe.at/news/detail/alle-jahre-wieder-es-wird-herbst-und-die-viren-sind-im-anmarsch-mediziner-sind-vorbereitet-und-sehen-keinen-grund-zur-panik)

    in Verbindung mit dem Interview von Martin Sprenger durch Ö1 (https://youtu.be/5K7m9eVs2JA)?

    Interview dauert 16 min 09 sec und das Lesen
    des Artikels ca. 10 min.

    Liebe Grüße

  19. Kritischer says:

    Wer Corona leugnet, ist tatsächlich ein Dummkopf.
    Wer hinter „Corona“ jedoch mehr vermutet, könnte allerdings jemand sein, der die Welt und das Wirken mancher Menschen etwas klarer sieht, als nur im blinden Vertrauen „die da Oben machen das schon richtig“ … – so, wie damals der Kaiser und später Hitler vielleicht, denen beide die Massen zujubelten …?

    Hatte die Masse jemals in der Geschichte Recht?

    Aber sicher ist auch das hier alles nur Erfindung …
    https://fb.watch/1guRWvXotO/

  20. Besten Dank für die informative Argumentation.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Buchrezension „Alpengletscher“

Kürzlich erst fiel mir auf, dass ich schon eine ewige Zeit nicht mehr noch im Dunkeln aufgestanden bin, um im...

Warum will Landeshauptmann Doskozil das Gatterjagdverbot im Burgenland kippen?

Die Gatterjagd ist ein ganz seltsames Relikt aus der Feudalzeit. Weil es insbesondere dem Adel zu langweilig geworden war, in...

Gericht bestätigt erneut seriöse Arbeit des VGT

Der Chefredakteur der periodischen Druckschrift "Lebensmittelhandwerk" hat im Editorial und in einer zugehörigen App öffentlich Falsches über den VGT behauptet....

Schließen